Aufbau eines Online-Shops: Die „Must Haves“ für eine wirkungsvolle und performante Produktsuche

In einer Artikelserie beleuchtet der Tudock-Blog diverse Suchsysteme für Online-Shops mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen. Ein spannendes Thema für alle unsere Leser aus dem eCommerce-Umfeld sowie für Gründer mit einem eigenen eShop.

Wir sprachen darüber mit Michael Wolf, Gründer und Geschäftsführer der Tudock GmbH:

Herr Wolf, was sind heutzutage die Mindeststandards, die eine integrierte Suche in einem Shop leisten sollte?

Die Besucher eines Online-Shops orientieren sich hier sehr stark an dem Gelernten von Google & Co. Als Must-Haves einer Produktsuche empfehle ich daher folgende Features:

  1. Die fehlertolerante Suche, damit auch Vertipper oder weniger gebräuchliche Schreibformen zu vernünftigen Ergebnissen führen.
  2. Das Erkennen von Synonymen. Manche Kunden suchen nach Sofa, andere wollen eine Couch.
  3. Die Suggest-Funktion, d.h. Vorschläge von Suchbegriffen, Kategorien oder Produkten bereits während der Eingabe.
  4. Eine sinnvolle After-Search-Navigation, also die Verfeinerung des Suchergebnisses. Käufer erwarten heute relevante Filtermöglichkeiten, um große Treffermengen schnell einschränken zu können.
  5. Wichtig für Shopbetreiber ist es außerdem, dass sie das Ranking einzelner Suchergebnisse beeinflussen können. Gewünscht ist beispielsweise, dass aktuell beworbene Artikel oder Saisonartikel in bestimmten Zeiträumen weiter oben in der Ergebnisliste erscheinen. Hier sind entsprechende Konfigurationsmöglichkeiten unabdingbar. Schön ist es natürlich auch, wenn sich direkt über die Suchsoftware Kampagnen einrichten lassen. Doch der Bereich Promotion und Personalisierung sprengt sicherlich den Definitionsrahmen der Mindeststandards. Das geht dann schon in Richtung Marketing Suite.
  6. Nicht nur für die Optimierung der Suchfunktion spielen auch die Analysemöglichkeiten der Suche eine große Rolle. Shopbetreiber haben so z.B. die Möglichkeit, frühzeitig Trends und Sortimentslücken zu erkennen – und darauf ggf. zu reagieren.
  7. Letztendlich muss auch die Performance der eingesetzten Suche stimmen. Durch die schnellen Antwortzeiten der großen Suchmaschinen und Shops wie Amazon liegen da die Ansprüche der Nutzer enorm hoch.

Die Anbieter sprechen in diesem Zusammenhang stets von einer „intelligenten Suche“. Haben hier die großen, bekannteren Softwaresysteme einen Vorteil, da sie mehr Manpower in die ständige Optimierung dieser Intelligenz stecken können?

Genau, eine intelligente Suche deckt in etwa die eben skizzierten Must-Haves ab. Für den Besucher eines Online-Shops heißt intelligente Suche aber erst einmal, dass die Produktsuche seine Anfrage richtig versteht und verarbeiten kann und ihn schnell und einfach zum gewünschten Produkt führt. Also fehlertolerant arbeitet und ihm die relevanten Ergebnisse anzeigt. Diese Fehlertoleranz basiert auf bestehenden Algorithmen (z.B. Levenshtein-Distanz), die von den Suchsoftwareanbietern nicht direkt weiterentwickelt werden.

Anders verhält es sich hier schon bei den weiteren Features wie der After-Search-Navigation, Suggest oder auch der Performance. Hier wird die meiste „Manpower“ in die Weiterentwicklung gesteckt. Hat der Softwareanbieter seine Hausaufgaben gemacht, nimmt er die von den Shopbetreibern immer mehr geforderten Zusatzfeatures wie Promotions und Personalisierung in Angriff, so dass sich die moderne, intelligente Suchsoftware immer mehr zu einer Marketing Suite entwickelt. Und natürlich haben die größeren Softwareanbieter hier Vorteile. Durch mehr „Manpower“ können sie Features meist schneller am Markt anbieten (kurze Time-to-market) und auch bestehende Features schneller und intensiver weiterentwickeln.

Was muss ein Online-Shop-Betreiber mindestens ausgeben – sowohl einmalig für die Implementierung als auch für fortlaufende Lizenzkosten – um mit der unter Umständen größeren Konkurrenz mithalten zu können, kann man dies ungefähr beziffern?

Die Frage der Kosten hängt wie immer von den genauen Anforderungen des Shopbetreibers ab. Wichtige Faktoren sind in der Regel die Sortimentsgröße und die Anzahl der zu bewältigenden Suchanfragen. Danach rechnen die meisten Anbieter ab. Außerdem gibt es für weniger Geld auch weniger Funktionen.

Shopbetreiber sollten sich auf alle Fälle bewusst sein, dass die Miete oder der Kauf der Software meist nicht ausreicht. Um zu wirklich guten Ergebnissen zu kommen, muss die Suchfunktion laufend optimiert und natürlich auch weiterentwickelt werden. Hierfür sind natürlich interne oder externe Kapazitäten nötig. Die Investitionen lohnen sich allerdings. Schließlich generiert eine gute Shopsuche auch entsprechend mehr Umsatz.

Gibt es in diesem Bereich auch gute Open-Source-Lösungen, oder macht man sich dabei auch von einem Integrator abhängig, der diese programmiert und pflegt?

Michael Wolf

Für den Fall, dass man eine von einem Integrator unabhängige Produktsuche betreiben möchte, bieten sich aus meiner Sicht lediglich Apache Solr oder elasticsearch an. Beide basieren auf Apache Lucene. Apache Solr wird im E-Commerce-Bereich beispielsweise bei Zappos oder ebay Kleinanzeigen eingesetzt. Der Online-Reputationsdienst klout nutzt elasticsearch. Größere E-Commerce-Projekte, die auf elasticsearch setzen, sind mir aktuell nicht bekannt.

Beide Lösungen offerieren allerdings keine für die Bedürfnisse eines Online-Shop-Betreibers optimierte Administrationsoberfläche. Aktuell ist nur eine etwas umständliche Konfiguration per XML-Dateien möglich. Shopbetreiber sollten hier also noch in eine entsprechende Erweiterung des Administrationsbereichs investieren.

Die möglichst effiziente Suche ist die eine Seite. Wie können Online-Shopbesitzer – etwa durch eine möglichst intelligente Kategorieeinstufung – dafür sorgen, dass der potenzielle Kunde möglichst schnell zum Produkt seiner Wahl kommt? Oder gibt es hier noch weitere Möglichkeiten abseits der reinen Suchfunktion?

An der Suchfunktion hängen nicht nur das Suchfeld und die Ergebnisliste. Moderne Systeme erlauben es, die gesamte Shopstruktur bzw. Navigation über die Suche abzubilden. Die verschiedenen Navigationsstrategien ergänzen sich also. Letztendlich greift natürlich auch die Suche auf die zugrundeliegende Shopstruktur, also die Einteilung in Kategorien und die Shoppfade des einzelnen Artikels zurück. Eine sinnvolle Einteilung des Sortiments erleichtert nicht nur der Suche ihre Arbeit, sondern bietet potentiellen Kunden eine bessere Orientierung im Online-Shop und trägt auch der Stöberlust Rechnung.

Das ist eine Frage der Informationsstruktur. Gut ist es, wenn der Kunde auch über die Kategorien mit möglichst wenigen Klicks zum gewünschten Produkt gelangen kann. Bei großen heterogenen Sortimenten ist das nicht immer so einfach zu erreichen. Alternative Navigationsmöglichkeiten ohne Suchstichwörter, die sich der Kunden bereits zurechtgelegt hat, entstehen z. B. durch die Vorschläge aus dem Suggest (Produkte oder auch Kategorien) und insbesondere Promotions und Recommendations – hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Einen Zugang zum Sortiment jenseits der üblichen Kategorisierung bieten auch Themenwelten, Marken- oder Designerrubriken und spezielle Suchfeatures wie ein Geschenkefinder oder visuelle Suchen.

Ein paar Worte zu Ihnen und Ihrer Agentur?

Ich beschäftige mich seit über zehn Jahren intensiv mit dem Thema E-Commerce. Zusammen mit Niels Pahlmann gründete ich 2004 in Hamburg die Internetagentur TUDOCK. Neben der klassischen Webentwicklung bieten wir insbesondere Dienstleistungen und Expertise im Bereich E-Commerce an. Dazu zählen neben der Konzeption und Realisierung von Online-Shops auch das Produktmanagement für E-Commerce-Portale sowie die Optimierung bestehender Shops.

Beispielsweise betreuen und verbessern wir laufend die Produktsuche im Online-Shop otto.de. Interessierte Shopbetreiber, die mehr zum Thema Produktsuche erfahren möchten, können mich gerne kontaktieren.

Hier geht es zu der Artikelserie „Suchsoftware im Vergleich“: www.tudock.de/blog/tag/suchsoftware-vergleich/.

Titelbild: Petra Bork / pixelio.de.

1 Kommentar zu "Aufbau eines Online-Shops: Die „Must Haves“ für eine wirkungsvolle und performante Produktsuche"

  1. Die TUDOCK-Blogserie „Produktsuchen im Vergleich“ (http://www.tudock.de/blog/tag/suchsoftware-vergleich/) liefert bisher unsere Einschätzungen zu Findologic, Fredhopper und Searchperience. Als nächsten Suchanbieter präsentieren wir Exorbyte. Das TUDOCK-Team ergänzt die Serie nach und nach mit Hintergrundinformationen zum Thema wie Interviews mit „Suchverantwortlichen“ und weiterführenden Lesetipps.

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