Crowdfunding für ein journalistisches Wunschkonzert: NZDeutschland – Ein multimediales Online Magazin

Ein Gastbeitrag von Dr. Claudia Heydolph, Redaktionsbüro crossmedial.

„…spannend! Das wäre vielleicht ein Thema für MeinStartup.com“ schlug Blogprofi Michael Firnkes vor, als ich von dem Crowdfunding-Projekt NZDeutschland berichtete. Dieser Gastbeitrag ist für mich ein willkommener Anlass, alle Gedanken, die ich immer wieder offline erzählt und online in verschiedenen Social Media verteilt habe, endlich einmal zusammenzufassen.

Google trennt nicht die Spreu vom Weizen…

…wenn man sich nach Feierabend mit seinen Lieblingsthemen entspannen und mehr als nur die üblichen Neuigkeiten darüber lesen möchte. Längst ist Flut aller Informationen die eigentliche Herausforderung, wenn es um gute Information geht. Längst Content Curation, das Verifizieren und die Auswahl von zuverlässigen Informationsquellen eine anerkannte Aufgabe für professionelle Journalisten, jedenfalls in den englischen und amerikanischen Medien. Und längst sind viele Leser zugleich auch Info-Produzenten, z.B. als Blogger, YouTuber und in ihren Facebook Postings. Allein 300 Mio. Fotos werden im Durchschnitt pro Tag auf Facebook veröffentlicht, nicht selten mit einem Kurztext. 72 Stunden Filmmaterial werden bei YouTube gegenwärtig pro Minute hochgeladen. Blogger berichten über vieles, worüber in den klassischen Medien niemals geredet wird. Und die klassischen Medien bieten mittlerweile eine crossmediale Vielfalt, die eigentlich keiner mehr richtig nutzen kann.

In einem Online Magazin lässt sich heute alles machen – in Text, Foto, Infografik, Audio und Video. In selbst recherchierten Beiträgen, als Kurzfassung aus verlinkten Artikeln und Webseiten, im YouTube-Stream, mit Postings und Videobotschaften der Leser als user-generated content … ein klassisches Magazin multimedial. Einmal monatlich komplett neu. Wöchentlich aktualisiert. In ständiger Interaktion mit seinen Lesern. Unabhängiger Qualitätsjournalismus. Lektürefreundlich in zeitgemäßem Layout für klassischen und mobilen Konsum. Alles zu einem speziellen Thema, ohne das jeder Leser selbst Zeit mit Google-Suche und Vorauswahl verbringen muss.

Wen interessiert NZDeutschland – Neuseeland in Deutschland

Neuseeland ist das Traumreiseland Nr. 1 für die Deutschen, wie eine aktuelle Studie von Marco Polo gerade nachgewiesen hat. Zahlreiche Zeitschriften, Blogs und Fernsehsendungen berichten über die paradiesische Landschaft, Outdoor Sportarten und klassische Klischees im Kiwiland. Nur viele Neuseeländer sind mittlerweile anderswo zu Hause, weil sie dort mehr Geld verdienen oder die große Liebe gefunden haben. Aber wie ist es umgekehrt? Interessieren sich die Kiwis überhaupt für Deutschland? Zwar gibt es in Deutschland, was kaum jemand registriert, eine vielfältige neuseeländische Community, mal ganz abgesehen von Kultur- und Sportevents mit Neuseeländer/innen. Im Jahr als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse wächst die Aufmerksamkeit hierzulande für das Film-Land der Hobbits.

Ein guter Zeitpunkt, um mehr hinter den Kulissen der Reiseberichte zu gucken und mehr Information über Wissenschaft und Wirtschaft, Kultur und Livestyle der Neuseeländer in Deutschland zu entdecken. Um ein barrierefreies Forum für Neuseeland-Fans und die neuseeländische Community in Deutschland zu schaffen. Um Geschäftsleute, Wissenschaftler und Kulturschaffende stärker füreinander zu interessieren. Um kultur- und gesellschaftspolitisch relevante Fragen aus dem Traumland der Deutscher auf interessante Weise zu thematisieren.

Ein medialer Prototyp für Themenjournalismus der Zukunft

NZDeutschland – Neuseeland in Deutschland – ist kein Thema für den Massenmarkt, wie ein Reise- oder Lifestyle-Magazin. Ziel ist ein inhaltlich und medial ansprechendes Magazin für das kleine Publikum, für Unternehmen und Institutionen mit Interesse oder Bezug zu Neuseeland. Ein Online Magazin bietet die Chance, eine große Reichweite zu erzielen und das interessierte Nischen-Publikum ortsunabhängig zu erreichen.

Dr. Claudia Heydolph

Daher ist der Inhalt genauso wichtig wie das multimediale und crossmediale Experiment in Richtung Zukunft des Journalismus. Von klassischer Berichterstattung über Content Curation bis zu user generated content soll alles einbezogen werden, was den Alltag für Informationstransfer bereits prägt. Ziel ist ein medial und wirtschaftlich erfolgreicher Prototyp. Nach gleichem Beispiel können dann andere special interests Themen für das digitale Publikum interessant und auf allen internetfähigen Geräten angeboten werden. Auch die Einspeisung in die öffentlichen Kommunikationskanäle, wie Bahnhofs-, Flughafen oder Airline-TV soll möglich sein.

Möglich wird solch ein journalistisches Nischenprodukt erst jetzt, durch die technologischen Voraussetzungen unserer heutigen Mediengesellschaft. Grundlage für das geplante Online Magazine ist ein WordPress Theme, in dem der WordPress Programmierer Simon Rimkus alle Funktionen eines News Magazine angelegt hat. Statt aufwendiger Programmierung und eigene Produktionsabteilung reicht die Betreuung durch einen Webmaster wie Blogprofi Michael Firnkes aus, um den redaktionellen Betrieb auf hohem Qualitätsniveau zu gewährleisten. Das kleine Team, das für solch ein Online Magazin gebraucht wird, hält die Kosten gering und ermöglicht eine schnelle Reaktion auf Nutzerverhalten und Nutzerwünsche. Daher kann NZDeutschland wirklich beispielhaft für viele mögliche Online Magazine entwickelt werden, mit denen in Zukunft journalistischer Service für Interessensgruppen jenseits des Massenmarktes angeboten werden kann.

Crowdfunding ist kein Finanzmodell, sondern nur die Basis dafür

Klassisch würde man ein solches Magazin wie NZDeutschland als Startup in Zusammenarbeit mit einem etablierten Medienhaus starten und das Zielpublikum mit einer klassischen Marketing-Kampagne neugierig machen. Aber ob man damit schneller erreicht, was man beabsichtigt, bleibt eine offene Frage. Ich habe mich ganz bewusst für das arbeits- und zeitintensive Crowdfunding entschieden. Ich möchte vorher möglichst viele Neugierige über die Social Media begeistern und als Fans gewinnen. Wer sich dann mit einem kleinen Betrag finanziell an der Entstehung der 1. Ausgabe beteiligt, der ist persönlich interessiert, wie die Geschichte von NZDeutschland weiter geht.

Wenn Firmen ohne Klickzahlen und Reichweiten-Analyse bereit sind, mit Werbemaßnahmen die Entstehung eines neuen Informationsforums mitzufinanzieren, würdigen sie meine journalistische Kompetenz mit ihrem Vertrauen und motivieren mich. Startnext ist eine Plattform, die mir ermöglicht, meine Idee deutsch und englisch für die Mund-Zu-Mund-Propaganda im Social Web zu präsentieren. Um möglichst viele potentielle Nutzer und Kommunikatoren außerhalb meines Freundes- und Kollegenkreises zu erreichen. Nicht nur, um einen heterogenen Leserkreis auszubauen. Es geht zugleich um Crowdsourcing – um Partner zu finden, die den Inhalt des Online Magazines mit entwickeln wollen und um auf verborgene Themen oder Informationsquellen aufmerksam gemacht zu werden, die man nicht unbedingt in der klassischen Recherche finden würde.

Im Crowdfunding bei startnext versuche ich, das Startkapital für die 1. Ausgabe einzuwerben. Zur Finanzierung von Redaktion, Übersetzer und Webmaster. Sollte sogar mehr Geld zusammen kommen als kalkuliert, desto länger sind die Folgeausgaben gesichert ohne Stammleserschaft. Die kann so in Ruhe zur Probe lesen, Kritik anbringen und gut überlegt eine längere Bindung eingehen. Zur weiteren Finanzierung wird eine Mischkalkulation angestrebt aus freiwilligen Abo-Gebühren, paid content, gesponsorten Beiträgen und Werbung.

Siehe auch:

1 Trackbacks & Pingbacks

  1. Wenn Print nicht stirbt, wird ein Online Magazin interessant

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.