Der Franchise-Boom – wie kann ich davon profitieren und mich selbstständig machen?

FRANCHISE IM PRIVATEN BILDUNGSSEKTOR

Vom steigenden Interesse der Arbeitnehmer hierzulande nach einer selbständigen Tätigkeit profitiert insbesondere auch die Franchise-Branche.

Wir befragten Torben Leif Brodersen – Geschäftsführer des Deutschen Franchise-Verbandes – wie der Start in die (Franchise-) Unternehmensgründung erfolgreich durchgeführt werden kann:

Herr Brodersen, trotz den immer noch spürbaren Ausläufern von Wirtschafts- und Finanzkrise erleben Existenzgründungen im Bereich Franchising derzeit einen kleinen „Boom“. Wie erklären Sie sich diesen Trend?

Der Grund für diese positive Entwicklung liegt in der zunehmenden Erkenntnis, dass Existenzgründer, die sich einem guten und professionell organisierten Franchise-System anschließen, bessere Erfolgsaussichten haben als unabhängige Gründer.

Durch das am Markt erprobte Konzept sowie die Zugehörigkeit zu einem Netzwerk steigt die Chance für Franchise-Nehmer auf unternehmerischen Erfolg. Dieses lässt sich bei Einzelgründungen deutlich schlechter einschätzen.

Hinzu kommt die Stabilität des Franchisings. Professionelle Franchise-Systeme verfügen über ein profiliertes und an Kundenbedürfnissen ausgerichtetes Geschäftsmodell.

Die Zugehörigkeit zu einem solchen Netzwerk wird dadurch immer attraktiver – sowohl für Existenzgründer, als auch für bestehende Unternehmen, die das Franchising noch nicht für sich nutzen.

Als Vorteile eines Franchise-Konzepts gelten bewährte Systeme und Unterstützung bei der Markteinführung. Dafür muss man den Traum der wirklich „eigenen“ Geschäftsidee aufgeben. Inwieweit ist man als Franchise-Nehmer wirklich unabhängig?

Der große Vorteil des Franchisings liegt in der Synergie beider Franchise-Parteien. Und auch wenn der Franchise-Nehmer von wichtigen immateriellen Werten seitens des Franchise-Systems profitiert, wie Vorteile in Marketing, Know-how, Wettbewerb, Produktivität, Kompetenz und Organisation, ist der Franchise-Nehmer ein selbstständiger Unternehmer.

Als solcher kann er sich auf die Umsetzung des Geschäftskonzepts vor Ort konzentrieren und wird im Tagesgeschäft dadurch entlastet, dass er sich nicht um alle Aspekte eines Unternehmers zu kümmern hat, wie es ein unabhängiger Selbstständiger macht.

Selbstständige Franchise-Nehmer haben zudem die Freiheit, Personalentscheidungen zu treffen und sie übernehmen andere unternehmerische Entscheidungen im eigenen Betrieb. Zudem besitzen sie oftmals auch die Möglichkeit, lokales Marketing zu betreiben und – in einem gewissen Rahmen – ihre unternehmerische Kreativität auszuleben.

Viele auch sehr qualifizierte Arbeitnehmer sind unzufrieden mit ihrem Angestelltendasein, und erwägen vor allem deswegen den Sprung in die Existenzgründung. Sind dies wirklich gute Voraussetzungen für einen erfolgreichen Start?

Torben L. Brodersen vom DFV

Der DFV kann diesen Trend bestätigen, dass immer mehr qualifizierte Arbeitnehmer über den Schritt in die Selbstständigkeit als Franchise-Nehmer nachdanken. Diese Entwicklung begrüßen wir ausdrücklich.

Für einen erfolgreichen Start als Franchise-Gründer ist aber vor allem die Persönlichkeit des Unternehmers entscheidend – unabhängig vom bisherigen beruflichen Werdegang.

Eine realistische Selbsteinschätzung ist daher sehr wichtig, denn ohne ein solides finanzielles Polster, die Unterstützung der Familie, Spaß am selbständigen Unternehmertum und einem gewissen Organisationstalent kann ein Unternehmer kaum bestehen.

Was ist von ganz neuen Franchise Konzepten – etwa aus dem Ausland – zu halten hinsichtlich Chance versus Risiko?

Neue Konzepte bieten dann oftmals Chancen, wenn die entsprechenden Unternehmen einen eindeutigen USP und einen zukunftsfähigen Konzept präsentieren.

Bei Unternehmen aus dem Ausland sollte darauf geschaut werden, wie erfolgreich das System im Heimatland agiert. Zudem ist es wichtig darauf zu achten, dass die Konzepte auf den deutschen Markt angepasst sind.

Franchise-Geber die meinen, das am heimischen Markt funktionierende Konzept in Deutschland unverändert umzusetzen, werden in der Regel größere Herausforderungen zu meistern haben. Wer diesen Aspekt allerdings berücksichtigt hat, wird bessere Chancen haben, sich erfolgreich zu positionieren.

Was sollte ein guter Franchise-Nehmer mit sich bringen?

Ein guter Franchise-Nehmer ist in erster Linie ein eigenverantwortlicher Unternehmern und sollte entsprechende fachliche wie persönliche Qualifikationen mitbringen. Darüber hinaus sollten Franchise-Interessenten folgende Fragen für sich „bejahen“ können:

  • Möchten Sie sich als Selbstständiger überwiegend auf Vertrieb, Kundenbeziehung und Mitarbeiterführung konzentrieren ohne eigene Konzepte zu entwickeln und umzusetzen?
  • Können Sie sich vorstellen, im Rahmen eines Netzwerkes zu agieren und den einheitlichen Unternehmensauftritt loyal zu vertreten?
  • Verfügen Sie über ausreichend kaufmännische und/oder fachliche Qualifikationen für die Selbständigkeit und sind Sie bereit, ständig dazuzulernen und sich in der Freizeit weiterzubilden?
  • Können Sie Menschen motivieren und führen? Sind Sie teamfähig?

Welche Faktoren führen Ihrer Erfahrung nach am „sichersten“ zu einer erfolgreichen Gründung, egal ob im Franchise-Bereich oder auf „eigene Faust“?

Einer der meist unterschätzten Aspekte in der Vorbereitung zur Existenzgründung ist die mangelnde Information im Vorfeld. Existenzgründer sind meistens so engagiert und motiviert, dass sie es mitunter versäumen, sich ausführlich und umfassend zu informieren oder erhaltende Informationen auch mitunter kritisch zu hinterfragen.

Aber nur wer genaue Zahlen, Daten und Fakten kennt, kann realistische Einschätzungen abgeben. Das betrift das geplante Geschäftsmodell ebenso wie die notwendige Finanzierung oder den zu erwartenden Gewinn.

Darüber hinaus sollten Existenzgründer immer auch den Rat von Experten suchen. Der Deutsche Franchise-Verband arbeitet mit professionellen Beratern und Rechtsanwälten zusammen, die angehenden Franchise-Nehmer auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit hilfreich zur Seite stehen.

Ein paar Worte zu Ihnen und Ihrem Verband?

Der 1978 gegründete Deutsche Franchise-Verband e.V stellt die Qualitätsgemeinschaft von Franchise-Systemen in Deutschland dar und hat insbesondere die Aufgabe, die Interessen der Franchise-Wirtschaft wahrzunehmen.

Als Basis dienen dabei die genaue Definition des Franchise-Begriffs und die im offiziellen Ethikkodex des Verbandes festgelegten Rechte und Pflichten von Franchise-Gebern, Franchise-Nehmern und Experten. Damit wird eine einheitliche Erscheinungsweise des seriösen Franchisings festgeschrieben und die eindeutige Abgrenzung zu unlauteren Systemen ermöglicht.

Der DFV versteht er sich als Interessenvertretung der gesamten Franchise-Branche, da auch potentielle und bereits existierende Franchise-Nehmer Unterstützung erfahren. Mit der Einführung des DFV-System-Checks 2005 wurde das bisherige DFV-Aufnahmeverfahren erweitert. Franchise-Unternehmen, die Vollmitglied des DFV werden wollen, müssen bei ihrer Aufnahme den DFV-System Check absolvieren und eine positive Beurteilung der Bereiche Systemkonzept, Produkte/ Leistungen, Strategie und Management sowie eine stichprobenartige Befragung der Franchise-Nehmer-Zufriedenheit erzielen.

Zur Person: Torben Leif Brodersen ist Geschäftsführer des Deutschen Franchise-Verbandes e.V. Er studierte Politikwissenschaften in Kiel und Berlin und arbeitete während und nach erfolgreichem Abschluss seines Studiums in unterschiedlichen Positionen im Deutschen Bundestag und begleitete Parlamentarische Initiativen zum Thema Franchising.

2 Kommentare zu "Der Franchise-Boom – wie kann ich davon profitieren und mich selbstständig machen?"

  1. Hallo,
    schön, dass das Thema Franchising auch auf einem Blog thematisiert wird, der sich um Start-Ups dreht. Die meisten Internetseiten zu diesem Thema beschränken sich auf innovative, kreative und individuelle Gründungen. Doch selbstverständlich ist eine Existenzgründung im Franchising nicht minderwertig. Herr Brodersen sagt ja zu Recht „ein guter Franchise-Nehmer ist in erster Linie ein eigenverantwortlicher Unternehmer“. Wer gerne noch mehr Informationen zum Thema Franchising und Existenzgründung sucht, der wird sicher auf dem Blog http://www.franchise-treff.de fündig. Auf dem http://www.Franchiseportal.de findet man weitere Infos und auch knapp 300 Franchisesysteme, zu denen man direkt Kontakt aufnehmen kann.

  2. Ich möchte Herrn Brodersen bezüglich der Kriterien, die ein Franchisenehmer mit Aussicht auf Erfolg mitbringen sollte absolut recht geben. Darüber hinaus sollte der zukünftige Partner wisssen, dass Franchise die Marke, Produkte, Prozesse und (hoffentlich eine excellente) Ausbildung liefert aber nicht die Garantie zum Geldverdienen. Seriöse Franchisegeber prüfen, ob der potenzielle Partner bereit ist , sich entsprechend eines Existenzgründers zu engagieren und nicht nur passiv „auf Umsätze wartet“.

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Der Franchise-Boom – wie kann ich davon profitieren und mich selbstständig machen?

Lesezeit: 4 min
2