Die Crowdfunding Pioniere von Startnext: Aus der Nische hin zum angesagten Thema

Startnext ist Deutschlands größte Crowdfunding-Community. Ob Finanzierungen für Technologie, kreative und soziale Projekte oder Erfinder: Jeder kann dort mitmachen.

Wir freuen uns ganz besonders, dass uns Tino Kreßner – einer der beiden Geschäftsführer – für einen exklusiven Blick hinter die Kulissen von Startnext zur Verfügung stand:

Herr Kreßner, viele Gründer in spe fragen uns, wie man eine Projektausschreibung auf einer Crowdfunding-Plattform bestmöglich gestaltet. Was sind hier die wichtigsten Do’s aber auch Dont’s?

Im Mittelpunkt der Kampagne steht die Message. Was ist der USP – das Besondere am Projekt. Ein Beispiel: „Die Nazis kommen – nur gemeinsam halten wir sie auf“; „Du kannst Teil einer Pornoproduktion werden“; „Muslimische Ausstellung in einer tief katholischen Kirche in Bayern“. Um diese jeweils zu findende Message herum sollte dann die Crowdfunding Kampagne aufgebaut werden.

Anm. der Redaktion: Tino Kreßner hat uns eine Art komplette Anleitung geschickt, wie man eine Crowdfunding-Ausschreibung idealerweise gestaltet. Diesen extrem hilfreichen Ratgeber veröffentlichen wir gleich im Anschluss in einem separaten Beitrag.

Berät Ihr Team hier auch, wenn es um entsprechende Formulierungen und Inhalte geht?

Unbedingt. Die Aufgabe unserer Projektbetreuer ist es die Crowdfunding Kampagnen zu optimieren. Wir stehen genau mit diesen Do’s und Don’ts bzw. Erfolgsfaktoren beim Crowdfunding den Initiatoren zur Seite und geben unser bestes all unsere Erfahrung in die Kampagnen einfließen zu lassen, ohne jedoch das Projekt selbst zu verändern.

Hier ist die Gratwanderung: wir werden nie die Idee selbst bewerten – das können wir gar nicht bei der Vielzahl der verschiedenen Kategorien auf der Plattform.

Lässt sich ein geplantes Projekt selbst im Funding-Status mit Hilfe der Crowd noch weiter anpassen und quasi „feinschleifen“, oder sollte diese Planung bereits im Vorfeld komplett abgeschlossen sein?

Wir unterscheiden hier zwischen der Start- und Finanzierungsphase. Bevor das Projekt für die Finanzierung freigeschalten wird, kann es gemeinsam mit dem Feedback der Crowd optimiert werden. Wenn die Finanzierung beginnt können nur noch Videos und Bilder getauscht werden – das Projekt selbst muss zu diesem Zeitpunkt aus rechtlichen Gründen stehen.

Crowdfunding liegt derzeit voll im Trend, und Startnext gehört in diesem Zusammenhang fast schon zu einem „alten Hasen“ der Szene. Hätten Sie sich eine solche Aufmerksamkeit zu Beginn träumen lassen?

Als wir 2009 mit den Konzepten begannen, war uns eigentlich schon bewusst, dass es hierfür einen großen Bedarf geben wird. Nachweisen konnten wir das in keinster Form. Beim Start damals gab es nur sellaband.com im Musikbereich, die dann kurze Zeit später insolvent gingen.

Die beiden Gründer von Startnext Tino Kreßner und Denis Bart

Begeistert sind wir auf jeden Fall von Presse-Resonanz. Viele Projekte schwärmen von dieser zusätzlichen Aufmerksamkeit, die sie hierdurch erhalten haben. Kurz nach Launch hatten wir 5 Seiten in der Brand eins; jetzt kommt ein Artikel in der SPIEGEL Print Ausgabe, selbst bei RTL liefen wir mit dem Thema schon mehrfach. Diese Form der Anerkennung ist ein wichtiger Motivationsfaktor für das gesamte Team.

Vor allem Künstler, Kreative und Erfinder können sich traditionell über Startnext fördern lassen. Erkennen Sie im Zusammenhang mit den zahlreichen neuen Crowdfunding-Dienstleistern auch bei sich einen Trend hin zu mehr „kommerziellen“ Projekten und Finanzierungen?

Natürlich werden mit der Bekanntheit auch die Akzeptanz in der Bevölkerung, somit auch die Budgets der Projekte größer. Mit größeren Budgets kann auch mehr in die Kampagne selbst investiert werden. Natürlich schauen sich auch die großen Produktionsfirmen diese Bewegung an und überlegen genau, ab welchen Zeitpunkt es sich lohnt hier Aktivitäten zu starten.

Gleichzeitig sammelt die Initiatoren immer mehr Erfahrung, starten ihr zweites und drittes Projekt. Crowdfunding wird inzwischen an Universitäten und Fachhochschulen unterrichtet. In der Fachhochschule Potsdam wurden z. B. über ein Semester hinweg in Seminaren und Workshops Crowdfunding-Kampagnen entwickelt, die jetzt zum großen Teil auf startnext.de online sind.

Sieht sich Ihre Plattform hier eher als Gegengewicht, also hauptsächlich für kleinere Gründungen in der Nische?

Wir fokussieren uns auf kreative Projekte. Das eigene Startup wird in dem Sinne nicht über startnext.de finanziert werden können. Auf Startnext.de können aber die Projekte des Startups eingestellt werden. Die Unterstützer beteiligen sich nie am Business Modell. Diese frühzeitige Zielgruppenansprache ist natürlich ein absolut wertvolles Marktanalyse Instrument und gleichzeitig der wirkungsvollste Auslöser von Mundpropaganda.

Können Sie unseren Lesern ein paar Zahlen von Startnext zur aktuellen Entwicklung auf dem deutschsprachigen Crowdfunding-Markt nennen?

Eine Visualisierungen der Zahlen mit Stand vom 21.04.2012 haben wir unter www.cofunding.de/Site-Service-Top/CrowdfundingReview/crowdfunding-Grafiken.html bereit gestellt. Die neuesten Zahlen gibt es unter www.startnext.de/Blog/Blog-Detailseite/b/Crowdfunding-fuer-Kreativprojekte-auf-Startnext-er-406.

Im Juni 2012 hatten wir in Summe Fundings in Höhe von ca. 250.000 €, was gegenüber dem Mai mit 130.000 € und April mit 110.000 einen sehr starken Sprung bedeutet. Unsere Prognosen der Fundings über Startnext bis Ende 2012 belaufen sich auf knapp 3 Mio. €.

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