Die Intel Business Challenge Europe – Ein Erfahrungsbericht der snipdocs GmbH

Ein Gastbeitrag von Johanna Zmija und Julian Hartmann, snipdocs GmbH.

Im Mai 2012 entschieden wir uns, mit unserer Productivity-App snipdocs an der Intel Business Challenge Europe (IBCE) teilzunehmen. Dieser Wettbewerb ist ein Technologie-Businessplan-Wettbewerb, der seit 2005 organisiert wird und Studenten, Absolventen und junge Unternehmer anspricht.

Mit snipdocs können Nutzer ganz einfach Ausschnitte (sog. Snips) jeglichen Formats – aus dem Internet, von ihrem Computer oder aus der realen Welt – sammeln, in virtuellen Dokumenten (sog. Docs) speichern und dort gemeinsam bearbeiten. snipdocs vereinfacht die Recherche im Internet und die Aufbereitung von Informationen. Für die erste Runde der IBCE musste ein Abstract der Geschäftsidee eingereicht werden, der konkrete Fragen rund um snipdocs beantworten sollte. Die Fragen drehten sich um Bereiche wie Angebot, Wettbewerbsvorteile, Zielmärkte, Konkurrenz und das Geschäftsmodell.

Herausforderung Elevator Pitch

Am 11. Juni erreichte uns die Nachricht, dass wir aus fast 4.000 eingesendeten Projekten unter die Top 100 und damit in die zweite Runde gewählt worden waren. Für diese Runde war ein ausführlicher Businessplan basierend auf einer Dokumentvorlage gefordert. Die besondere Herausforderung hierbei war, die Antworten präzise und auf das Wesentliche reduziert abzugeben, da die Anzahl der verfügbaren Zeichen pro Antwort stark begrenzt war. snipdocs ist zwar leicht zu benutzen, aber die abstrakte Erklärung war dann doch nicht so leicht in die vorgegebene Form zu pressen.

Zusätzlich zum Businessplan mussten wir ein Elevator Pitch-Video einreichen, in dem wir innerhalb von maximal zwei Minuten Geschäftsidee, Business-Model sowie Marketing, Konkurrenzanalyse, Technologie, Team und weitere Punkte erläutern sollten – eine ganze Menge Informationen auf sehr engem (Zeit-)Raum. Uns war natürlich klar, dass wir besonderen Fokus auf den Einstieg legen mussten, denn bereits in den ersten sechs Sekunden entscheidet sich für den Betrachter, ob seine Neugierde geweckt worden ist oder nicht. Der Einstieg musste daher Aufmerksamkeit erregen und die Betrachter direkt ansprechen.

Zur Unterstützung wurde uns ein Coach für eine 30-minütige Online-Coaching Session zur Seite gestellt, der uns helfen sollte einen verständlichen Businessplan und ein knackiges Team-Videos zu erstellen. Mit Henk van den Eeckhout (Leiter des B2B-Bereiches für Nordeuropa bei Intel) hatten wir besonderes Glück. Sein technisches Verständnis und seine Erfahrung im Vertrieb haben wesentlich dazu beigetragen, unsere Unternehmensdarstellung verständlich und relevant zu gestalten.

Gut vorbereitet in das Coaching

Essentiell bei einem zeitlich so begrenzten Coaching ist natürlich eine gute Vorbereitung. Wir hatten bereits im Vorfeld die wichtigsten Fragen aufgeschrieben, um so viele Antworten und Tipps wie möglich aus dem Gespräch mitnehmen zu können. Henk brachte Klarheit in einige offene Punkte und half uns, ein besseres Gespür für die Empfänger unserer Botschaft zu bekommen. Seine Begeisterung über unser Projekt hat uns zusätzlich motiviert. In einem späteren Schreiben sagte er über snipdocs und unseren Businessplan: „Congratulation on what you’ve managed to achieve so far! I’d be interested in following your development (…) I can’t really recommend anything.“ Wir hatten unsere Sache also gut gemacht!

Die Einreichung geriet letztlich zu einem Photo Finish. Das ganze Team – vom Praktikanten bis zum CTO – werkelte bis kurz vor Mitternacht an der Finalisierung der Unterlagen. Es war ein koordiniertes Chaos, bei dem der Teamgeist und der der gemeinsame Wille ein Ziel zu erreichen, spürbar in der Luft lagen. Nachdem wir den Businessplan und das Elevator Pitch-Video eingereicht hatten, kam die lange Zeit des Bangens. Am 18. Juli erreichte uns endlich die erhoffte Nachricht: Wir hatten es bis unter die besten 24 Teams geschafft. Die Mühe hatte sich gelohnt. Die Erleichterung und Freude war bei allen im Team spürbar, denn schließlich hatten sich auch alle aktiv an der Bewerbung beteiligt. Allein schon dieser kleine Teilerfolg, hat uns als Team fester zusammen geschweißt.

Der Einzug in das Halbfinale bedeutete aber keineswegs, dass wir uns ausruhen konnten. Jetzt ging es erst richtig los. Für die Präsentation von snipdocs im Halbfinale – und hoffentlich auch im Finale – musste eine neue Präsentation erstellt werden. Zur Unterstützung stand uns hierbei wieder ein Coach – Zofia Szymanska von Investin – zur Seite. Zofias Verdienst ist es, dass wir die Vorteile von snipdocs für Unternehmen und Hochschulen viel stärker betonen konnten, weil sie beim Coaching immer wieder nachhakte und hinterfragte, so dass am Ende eine einleuchtende und verständliche Argumentationslinie entstand.

Keine Scheu vor kritischen Fragen

Unser Team ist über zwei Standorte – Hamburg und Bukarest – verteilt und das wollten wir in der Endrunde auch zeigen. snipdocs sollte also von Victor Cazacu (Head of Native App Development) aus Bukarest sowie Johanna Zmija (Marketingleiterin) und Julian Hartmann (Geschäftsführer) aus Hamburg bei der IBCE vertreten werden. Nach ausführlichen Vorbereitungen und Probeläufen unserer Präsentation hieß es, Koffer packen und auf nach Sopot in Polen. Von Montag, den 24. bis Mittwoch, den 26. September, fand dort die letzte Runde der Intel Business Challenge Europe statt, in der die verbliebenen 24 Teams im Halbfinale um die begehrten Final-Plätze kämpften.

Da wir unsere Präsentation aufgrund der räumlichen Distanz vorab nur via Skype-Konferenz mit Victor proben konnten, verbrachten wir den Rest des Tages und einen guten Teil der Nacht damit, erstmals in der richtigen Besetzung Probeläufe zu machen. Der nächste Tag stand dann ganz im Zeichen des Coachings. In zwei Coaching-Runden konnten wir unsere Ideen vortragen, um wertvolles Feedback zur weiteren Verfeinerung unserer Präsentation zu bekommen. Von den Coaches und den teils doch kritischen Fragen durften wir uns dabei nicht einschüchtern lassen, sondern mussten sie als Anregung und kritische Auseinandersetzung ansehen.

Das snipdocs-Prinzip

In der ersten Coaching-Runde wurden einige Fragen aufgeworfen, die uns Probleme bezüglich einer überzeugenden Erklärung der Markteintrittsstrategie offenbarten. Die Anspannung stieg spürbar – mussten wir doch unsere fertige Präsentation am späten Nachmittag bereits endgültig einliefern. Diese eingereichte Version der Präsentation musste dann ohne Veränderungen im Halbfinale und gegebenenfalls im Finale verwendet werden. In der zweiten Coaching-Runde am Nachmittag, bei der die Teams sich ihre Coaches selbst aussuchen konnten, bewiesen wir dann aber ein glückliches Händchen bei der Auswahl unserer “Freestyle-Coaches”. Die Investment-Analystin Itxaso del Palacio Aguirre brachte uns mit intelligenten Anregungen zurück auf die richtige Spur. Wir hatten gemeinsam mit Itxaso einen Weg gefunden, unsere Argumentation für das morgige Halbfinale noch rechtzeitig aufzupolieren.

Auf die Details kommt es an..

Im Endeffekt haben uns beide Coaching-Runden sehr geholfen, sowohl bei der Identifikation von Problemstellen als auch bei der Behebung dieser. Somit konnten wir diesen Tag bereits als einen Erfolg verbuchen. Etwas verwirrend fanden alle Teams, dass für die eingereichten Präsentationen im Halbfinale 15 Minuten, im Halbfinale aber nur noch zehn Minuten zur Verfügung standen. Wie sich herausstellte, hatte das Team von Biosynthia diese Herausforderung am besten gelöst, indem sie auf der Startfolie ihrer Präsentation Hyperlinks eingebaut hatten, die zu zwei verschieden langen Versionen ihrer Präsentation führten, so dass sie im Finale keine Folien überspringen mussten. Wir fanden das eine sehr elegante und smarte Lösung; selbst sind wir aber nicht darauf gekommen.

Zum Halbfinale am Dienstag wurden die 24 Teams in drei Gruppen aufgeteilt und von drei unterschiedlichen Jurygruppen – bestehend aus jeweils drei Judges – bewertet. Von den acht Teams aus jeder Gruppe würden jeweils drei den Sprung ins Finale schaffen. Wir waren in unser Gruppe das erste Team. “Nicht gerade der beste Startplatz,” dachten wir uns. Die anderen Teams hatten noch bis zum Nachmittag Zeit, ihre Präsentationen zu proben – und wir mussten nun vorlegen. Wir waren anfangs etwas niedergeschlagen, beschlossen aber, direkt nach dem Frühstück die Präsentationsräume schon mal auszukundschaften. Und siehe da, unser Raum war offen und frei. So ergab sich für uns die einmalige Möglichkeit, unsere Präsentation als einziges Team aus unserer Halbfinal-Gruppe noch einmal einer Generalprobe zu unterziehen – mit fertiger Präsentation über den Beamer, Business-Dress und im richtigen Raum – nur ohne Jury. Schon im Raum gewesen zu sein, die Anordnung der Stühle und Tische gesehen zu haben und uns bereits eingewöhnt zu haben, gab uns die nötige Sicherheit für das anstehende Halbfinale. Der erste Startplatz erwies sich im Nachhinein also als Vorteil für uns.

Während unserer Präsentation gaben wir natürlich unser Bestes, um die Jury zu überzeugen. Zu Beginn waren wir alle noch sehr aufgeregt. Im Laufe der Zeit gewannen wir aber immer mehr an Selbstvertrauen, so dass wir eine runde Vorstellung ablieferten. Im Anschluss stellten wir uns den kritischen und zum Teil unangenehmen Fragen der Jury, die sich um Bereiche wie Konkurrenz, Finanzen und Kunden drehten. Insgesamt gingen wir mit dem Gefühl aus dem Raum, eine gute Show abgeliefert und alle Fragen der Jury schlüssig beantwortet zu haben.

Der Einzug ins Finale

Eine kleine Gemeinheit ließen sich die Organisatoren der IBCE nicht nehmen: Keines der Teams wusste, ob es den Einzug ins Finale – also unter die letzten neun von 4.000 geschafft hatte. Alle Teams mussten also am Mittwochmorgen antreten, um dann zu verfolgen, wie ein Team nach dem anderen aufgerufen wurde, um sofort präsentieren zu müssen. Wir standen – wie so oft während der drei Tage in Sopot – unter Hochspannung. Und alle anderen natürlich auch. Zofia, unser Coach aus der zweiten Bewerbungsrunde, hatte noch am Dienstagabend zu uns gesagt: „Your project is one of the strongest ones in this competition“ und so kam der befreiende Aufruf auch nachdem das erste Team präsentiert hatte. Wir hatten es mit snipdocs tatsächlich ins Finale der IBCE geschafft und konnten uns schon in dem Augenblick als wir die Stufen zur Bühnen erklommen als Sieger fühlen. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt schon mehr erreicht, als wir uns zuvor hatten vorstellen können. Dementsprechend fiel die Anspannung schnell von uns ab und wir konnten uns voll auf die Präsentation konzentrieren.

Am Abend fand im Rahmen der EFNI (European Forum for New Ideas) die Siegerehrung statt. Die ersten drei Plätze erhielten einen Geldpreis und die Möglichkeit an der Intel Global Challenge in den USA teilzunehmen. Wir waren leider nicht dabei, konnten und können uns aber über einen geteilten fünften Platz freuen.

Nach einem leckeren Abendessen ging es dann zur Abschlussparty, wo nach ausgiebigem Genuss von Żubrówka die Coaches, Judges, Organisatoren und Teilnehmer ungezwungen Hintergrundwissen ausplauderten und Entscheidungen begründeten. Eines der Jurymitglieder im Halbfinale, Alberto Di Minin (Professor aus Pisa) ließ durchblicken: „snipdocs was one of the easiest choices. All of us said yes for it to go on to the finals without any debate.“ Die hochkarätige, internationale Jury aus renommierten Venture Capitalists, Führungspersonen aus der Wirtschaft, Wissenschaftlern und Branchenexperten hatte uns einstimmig unter die Top 9 der besten Start-Ups in Europa gewählt hat.

Unser Fazit:

Die Intel Business Challenge können wir jedem Startup nur empfehlen. Aus den professionellen Coaching-Sessions mit angesehenen Experten konnten wir eine Menge hilfreicher Tipps mitnehmen und haben viel gelernt. Darüber hinaus haben wir viele neue internationale Kontakte, Unterstützer und Freunde gewonnen. Während einer Poster-Session am Dienstagabend konnten wir zudem weitere wertvolle Kontakte zu Journalisten und potentiellen Investoren knüpfen. Die Coaches sowie die Jury unterstützen Existenzgründer während des Wettbewerbs mit wertvollen Anregungen. Sie helfen bei der Erstellung fundierter Geschäftspläne und bei der Formulierung eines eindeutigen Nutzenversprechens. Das individuelle Feedback, das jedes Team erhalten hat, hat uns zudem viele Anregungen zur Optimierung unserer Geschäftsidee gegeben. Unser Dank gilt vor allem Intel, die diese Veranstaltung ermöglicht haben und für alle Kosten von der Anreise über Unterkunft bis hin zur Verpflegung übernommen haben.

Mit einem Koffer voll wertvoller Tipps und gestärktem Selbstbewusstsein, dass snipdocs ein ernstzunehmendes, konkurrenzfähiges und begeisterndes Produkt ist, haben wir die Heimreise angetreten. Zur Zeit arbeiten wir intensiv an der Beta-Version von snipdocs, die bereits jetzt auf www.snipdocs.com getestet werden kann. Parallel dazu suchen wir privates Beteiligungskapital über die Crowdinvesting-Plattform Innovestment. Investoren können über die Plattform Anteile in Form einer stillen Beteiligung erwerben und sich so an unserem frisch prämierten Geschäftsmodell beteiligen. Noch bis zum 28. Oktober können sich Interessierte so ganz einfach an snipdocs beteiligen und gemeinsam mit uns das Arbeiten mit Informationen revolutionieren. Mehr Informationen zur Auktion gibt‘s unter www.innovestment.de.

Über snipdocs

snipdocs ist eine Cloud-basierte Productivity-App der snipdocs GmbH, die im April 2012 von Julian Hartmann, Björn Uhl, Philipp Hinrichsen, Dan Nommensen, Lutz Lindemann und einem Hamburger Privatinvestor gegründet wurde. Geschäftsführer Julian Hartmann kann langjährige Berufserfahrung als Projektmanager und selbstständiger Unternehmer vorweisen. Inspiriert von der täglichen Herausforderung, Informationen zu finden und effizient zu verarbeiten, entwickelte er mit seinem Team ein intuitiv zu bedienendes Recherche- und Wissensmanagement-Tool. Mehr Informationen zu snipdocs finden Sie unter www.snipdocs.com.

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