Die Social Media Geschäftsidee: BuyMyDay

Eine äußerst kreative Social-Media-Geschäftsidee: Kunden des neuen Vermarktungsportals BuyMyDay können einen Tag im Kalender des Gründers Florian Simeth kaufen.

An diesem Tag bewirbt er je nach Wunsch ein Produkt, eine Dienstleistung, ein Unternehmen, eine Idee, eine Website oder für Privatpersonen auch schon einmal eine Hochzeit im Internet und auf Social-Media Plattformen wie etwa Facebook, Flickr oder Twitter.

Wir haben Florian zu seinem ebenso außergewöhnlichen wie innovativen Konzept befragt:

Wie bist du auf die tolle Geschäftsidee gekommen, euch mit eurer social Media-Agentur quasi selbst für jeweils einen Tag als Marketing-Dienstleister buchen zu lassen?

Wir haben ja im niederbayerischen Raum gegründet. Hier kennen viele Unternehmer (liegt wahrscheinlich am Alter) noch nicht die Vorzüge von Social Media Marketing. Generell ist es so, dass viele auf die Frage „Wissen Sie überhaupt, was Facebook ist?“ gar keine Antwort wissen. Oder es kommt gleich folgende Antwort: „Brauchen wir nicht!“.

Für uns war und ist es sehr schwierig, einen Unternehmer davon zu überzeugen, auch auf Social Media zu setzen. Immerhin hat er ja selbst auch etwas davon: direkten Kundenkontakt und sehr viel Mundpropaganda.

Wir wussten: bevor wir jeweils zu einem Kunden fahren, ihm beibringen, was Social Media eigentlich ist, und dann den Auftrag womöglich doch nicht bekommen, musste eine Idee her. Etwas einfaches. „Social Media zum ausprobieren“ quasi. Darauf haben wir uns ein klein wenig den Kopf zerbrochen und sind auf die Idee von BuyMyDay gekommen.

Das Preismodell selbst kommt aus dem amerikanischen Raum. Dort gibt es schon einige Websites, die so arbeiten und wo es prächtig funktioniert. Wir haben uns gedacht: wir bringen das ganze jetzt nach Deutschland.

Die Idee ist so außergewöhnlich, dass wir sie gleich selbst einmal ausprobiert haben (erscheint am 3. Februar auf BuyMyDay). Wie kommt das Konzept generell an, und wer sind eure typischen Kunden?

Das Konzept kommt sehr gut an. Das liegt zum einen wohl auch an den günstigen Preisen im Januar und Februar. Zum anderen sehen die Menschen natürlich, dass wir Spaß an dem haben, was ich dort produziere. Wir verstehen uns ja nicht nur als total ernsthafte Blogger sondern auch (ein kleinwenig zumindest) als Unterhalter.

Man muss sich vorstellen: die meisten Unternehmen geben mehrere hundertausend Euro im Jahr für Werbung aus, von denen sie selbst teilweise nicht wissen, ob es ihnen was bringt. Wir waren bei einem Unternehmer der ganz ernsthaft folgendes zu uns gesagt hat: „Ich mache Zeitungswerbung und weiß, dass es mir nicht viel bringt. Ich kenne das Medium. Aber wenn ich nicht mehr in der Zeitung inserieren würde, hätte ich ein schlechtes Gewissen.“

Unsere Kunden sind im Moment vornehmlich Startups. Das finde ich selbst absolut genial. Denn ich bin ja generell sehr umfassend an allem interessiert. Und es ist der Wahnsinn, auf welche Ideen die Menschen kommen, die es echt Wert sind, vorgestellt zu werden.

Das ist gerade das Schöne, denn auf BuyMyDay.net kann man alles veröffentlichen. Von der eigenen Hochzeit bis zum Tampon (obwohl letzteres doch ein mulmiges Gefühl bei mir hervorruft *g*).

Das Konzept der täglich steigenden Preise und somit 24 Stunden Dienstleistung ab 1 Euro hat sicherlich zu dem viralen Effekt eurer Bekanntheit beigetragen. Wie wollt ihr dieses Bezahlmodell in Zukunft fortführen, und wie stellt ihr sicher dass am Ende auch deutlich dreistellige Summen hierfür ausgegeben werden?

Es handelt sich nicht wirklich um eine 24-Stunden-Dienstleistung. Vor allem, weil wir ja alle Beiträge, Texte und vor allem die Videos schon viel früher vorbereiten müssen und sich die Dienstleistung an sich ja vor-verschiebt. Eher kann man sagen: es ist eine 24-Stunden-Präsenz des Produkts, der Dienstleistung oder der Idee im Web durch BuyMyDay.

Wie wir BuyMyDay fortführen werden, wissen wir noch nicht. Zuerst ist uns wichtig, dass wir das Jahr ausverkaufen um generell sehen zu können, ob die Idee in Deutschland eine Chance hat. Ich denke, dass wir Mitte des Jahres mehr darüber grübeln können :-)

Und wie oben schon erwähnt: am Preis alleine wird es mit Sicherheit nicht scheitern.

Wie wollt ihr – angesichts des derzeitigen Hype um Facebook, Twitter & Co. – euch auch in Zukunft aus der Masse der Social-Media-Anbieter hervorheben?

Wir verstehen uns nicht als direkter Konkurrent zu Facebook, Twitter und Co. Ich glaube, wir werden deswegen auch nicht das Problem haben, dass wir uns abheben müssen. Wir wollen vielmehr MIT diesen Plattformen arbeiten und die Bekanntheit für uns nutzen.

Das hat auch einen großen Vorteil für den Kunden: Der wird nämlich nicht nur auf unserer Website gefunden, sondern auch bei Twitter, bei YouTube, Facebook und Flickr. Er bekommt Backlinks und Fundstellen im Web präsentiert, die ihm selbst etwas bringen, die einfach und schnell gefunden werden und vor allem: für die er nicht einen Finger krumm machen muss :-)

Dazu kommt: Je bekannter BuyMyDay wird, desto besser natürlich der Backlink. Man wird also die massive Verlinkung durch die vielen Plattformen nicht gleich am ersten Tag spüren, weil Google das Ranking auch nicht jeden Tag aktualisiert.

Wie wichtig ist virales und social Media für Geschäftsgründungen heutzutage, auch in eher „konservativen“ Branchen wie dem Einzelhandel oder dem konventionellen Vertrieb?

Ich glaube, dass es für den einzelnen schon hilfreich sein kann. Einige verdienten sogar Millionen damit. Es gibt aber auch bestimmte Geschäftsbereiche, die Social Media nicht wirklich brauchen.

Trotzdem ist es aber so, dass die Leute online kein Blatt vor dem Mund nehmen (oder eher: vor die Tastatur). Denn: schreiben kann jeder. Und jeder kann seine Meinung frei äußern.

Wie die Geschichte von Dell schon gezeigt hat: wer nicht auf Social Media hört und die Leute nicht dort abholt, wo sie selbst anzutreffen sind, der kann beinahe Pleite gehen. Unterschätzen darf man dieses Medium auf keinen Fall. Und da hilft es auch nichts, wenn man „nicht dabei“ ist. Denn man ist nämlich immer dabei. Ob man nun will oder nicht :-)

Wie wichtig ist virales und social Media für Geschäftsgründungen heutzutage, auch in eher „konservativen“ Branchen wie dem Einzelhandel oder dem konventionellen Vertrieb?

Insgesamt finden wir Social Media besonders wichtig. Denn, es hat – wie oben erwähnt – nicht nur den Effekt, dass sich eine Idee relativ schnell rumspricht. Vielmehr kann man einen direkten Nutzen aus seinen „Fans“ und „Followern“ ziehen.

Wir haben die User z.B. schon einmal gefragt, was sie denn als Keyword bei Google eingeben würden um ein bestimmtes Produkt zu finden. Das ersparte uns eine lange Nacht des Grübelns nach Keywords :-) Allein diese „kostenlose“ Informationen, die die User bereit sind zu geben, sollte man nutzen.

Generell ist es doch super, wenn man mit mehreren hundert Leuten kommunizieren kann. Und sei es bloß um einen „Gefällt mir“-Klick bekommt :-)

Seid ihr durch eure Erfahrung mit dieser Thematik von vornherein anders an die Gründung von buymyday herangegangen, und lässt sich dieser virale Ansatz auch auf andere Aspekte wie Business Planung, Administration oder Finanzierung übertragen?

Phuu. Darüber haben wir uns eigentlich noch keine größeren Gedanken gemacht. Vielleicht auch, weil die Welt der Finanzierung z.B. nicht wirklich zu unseren Kernpunkten gehört. Aber es ist durchaus vorstellbar.

Wir sind so genannte Digital Natives. Also diejenigen, die mit Internet und Handy aufgewachsen sind. Wir wüssten nicht, wir wir anders hätten gründen sollen. Uns sind die Dinge wie Facebook, Twitter, Web 2.0 bekannt. Wir nutzen sie täglich und auch privat in vielfältigster Weise. Deshalb war es wahrscheinlich nur logisch, dass wir solche Plattformen auch für die Gründung nutzten.

Virales Marketing (oder: Mundpropaganda) ist aber in jeder Hinsicht hilfreich und wahrscheinlich die beste Möglichkeit, Werbung zu machen. Ich habe z.B. meine erste Praktikumsstelle via XING gefunden. Ich hatte dadurch den direkten Draht in die Abteilung, die einen Praktikanten gesucht hat. Wer sich nicht mit anderen Menschen austauscht, der tut sich generell schwer im Leben, würde ich sagen

Wie dem auch sei: Wenn ein Freund zu mir sagt: „Produkt xy ist geil! Kauf dir das!“, dann werde ich es tun. Ganz einfach aus dem Grund, weil ich meinem Freund vertraue. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Finanzen oder um einen BuyMyDay-Tag handelt.

Dein Tipp für alle, die sich mit dem Gedanken einer Existenzgründung im World Wide Web tragen?

Ich sage dazu oft nur eins: „Just do it!“. Auch wenn die Idee, die man selbst hat, noch so banal erscheinen mag. Das spielt keine Rolle. Die Welt ist groß und alles ist möglich, wenn man nur selbst an sich glaubt und wenn man sein Ziel unaufhörlich verfolgt.

Chris C. Ducker (ChrisDucker.com) stellte eine tolle Frage (übersetzt): „Findest Du dich oft so wieder: tagträumerisch nachdenkend über deine glorreiche Zukunft?“ Dann solltest Du jetzt etwas tun!

Jeder kann sein Ziel erreichen. Genauso kann jeder ein Existenzgründer werden. Es wird mit Sicherheit nicht leicht. Aber das hat niemand gesagt. Man benötigt einfach ein wenig Mumm und man muss es einfach nur tun.

Ich habe mit BuyMyDay etwas gefunden, was mir Spaß macht. Das war für mich ganz wichtig. Und das ist natürlich auch für den Kunden wichtig. Toll natürlich: ich kann das gesammelte Wissen vom Medientechnik-Studium dort ebenfalls unterbringen.

Wir danken Florian Simeth für das Interview, der übrigens auch in dem Blog hangout-lifestyle.de regelmäßig über die Ziele und Wünsche eines Entrepreneurs berichtet.

Bild: (c) Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

2 Kommentare zu "Die Social Media Geschäftsidee: BuyMyDay"

  1. aber genau die Idee gibt es doch schon seit 2010… erst in Amerika und dann ab 2010 in Deutschland… nichts neues meiner Meinung nach!

  2. Auch schön! Aber doch etwas anders..

    BuyMyDay richtet sich mehr auf den Social Marketing-Markt..

    Aber das zeigt ja, dass da noch Platz für weitere, ähnliche Ideen sein dürfte..

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