Die Stocard als innovative Kundenansprache: Das nächste Groupon?

Alle Kunden- und Bonuskarten auf dem eigenen Handy sammeln und verwalten, das klingt nicht nur sehr praktisch, sondern ist es auch.

Entwickelt wurde die Geschäftsidee der Stocard.de von drei Wirtschaftsinformatikern aus Mannheim, wir sprachen nun mit Geschäftsführer David Handlos über die weiteren Pläne für das StartUp:

Herr Handlos, wie funktioniert das System in der Praxis, etwa wenn man eine Karte bei einem Händler vorzeigen will, und nach der „echten“ Karte als Bedingung gefragt wird?

In der Regel wird die digitale Kundenkarte problemlos akzeptiert, da dies auch für den Händler zahlreiche Vorzüge hat wie zum Beispiel eine höhere Nutzung der Kundenkarte durch die Kunden. Häufig steht zudem in den AGBs, dass man lediglich die Kundennummer an der Kasse vorzeigen muss. Dies haben wir mit der App und der durch die App generierte digitale Kundenkarte nur einen Schritt weitergeführt.

Da wir keine Kundenkarten mit Zahlungs- oder Indentitätsnachweisfunktion in die Stocard App aufnehmen, ist zudem das Missbrauchspotential durch die App sehr gering. Deshalb sind uns bisher nur wenige Einzelfälle, zum Beispiel bei Coop in der Schweiz, bekannt in denen ein(e) Kassierer(in) sich weigerte die digitale Kundenkarte zu akzeptieren.

Welche Partnerunternehmen konnten Sie im Bereich Partner- und Payback-Systeme bereits gewinnen, oder funktioniert die Stocard vollkommen unabhängig von diesen?

Was die Stocard Lösung so attraktiv macht ist, dass sie auch unabhängig von Partner-Systemen funktioniert. Dadurch kann man jede beliebige Kundenkarte durch eine digitale Kundenkarte in der Stocard App ersetzen.

Der jeweilige Händler muss nicht integriert sein, da die Stocard App lediglich die Plastikkarte digital darstellt und von den Händlern auch so akzeptiert wird.

Wir haben zudem einige Kooperationen mit großen Handelsunternehmen und sind derzeit dabei weitere Kooperationen einzugehen.

„Die Welt“ hat bereits über Ihr StartUp berichtet, ebenso der SWR, spüren Sie eine steigende Nachfrage nach Ihrer Lösung nach solchen Berichten, sowohl auf B2C- als auch B2B-Seite?

Da wir Stocard während unseres Studiums und ohne Budget für Marketingmaßnahmen betrieben haben, war es für uns immer sehr wichtig durch Medien und Blogger unsere Reichweite zu erhöhen. Nach Berichterstattungen zu Stocard konnten wir häufig sehr großes Interesse sowohl von B2C, als auch von B2B feststellen.

Dies hat uns darin bestärkt weiterhin an unserer Idee festzuhalten, da es für uns eine Bestätigung darin war, dass Plastikkarten von weiten Teilen der Bevölkerung als störend angesehen werden und die Stocard Lösung nicht nur für sehr technisch versierte „Early Adopters“ attraktiv ist.

„Stocard ist und bleibt für immer komplett kostenlos. Wir finanzieren uns über die Angebote der Kundenkartenbetreiber“, schreiben Sie. Bekommen Sie von diesen eine Provision je nach Einsatz?

Unser Ziel war es von Anfang an mit Stocard eine App zu erstellen, die wir als Verbraucher auch gerne nutzen würden. Das bedeutete für uns, dass wir bei der Entwicklung von Stocard darauf geachtet haben die App möglichst schnell und einfach zu halten und kostenlos anzubieten. Weiterhin war es uns wichtig, dass Stocard keine unnötigen Daten abgreift; das heißt Stocard erfordert keine Registrierung und sammelt keinerlei Daten zu den Einkäufen der Nutzer.

Die Gründer David Handlos, Björn Goß und Florian Barth

Geld verdienen wir damit, dass wir Unternehmen eine moderne und innovative Kundenansprache über die Stocard App ermöglichen. Wir bieten Unternehmen die Möglichkeit ihren Kunden Angebote und Gutscheine direkt in die Stocard App zu senden. Diese Kommunikationsform ermöglicht ein sehr kostengünstiges Versenden von Angeboten und Coupons, welches im Gegensatz zu Werbeemails jedoch nicht als Spam wahrgenommen wird.

Erste Tests haben gezeigt, dass Kunden eine sehr hohe Akzeptanz gegenüber mobilen Coupons haben und daher die Einlöserate von mobilen Coupons die Einlöserate von Papiercoupons bei weitem übersteigt. Für diese Angebote haben wir bereits erste Partner gewinnen können und werden das in der Zukunft stark ausbauen.

Für welche weiteren Systeme ist Ihr Angebot nach Android und iOS noch geplant, und wie soll die Anwendung generell weiter ausgebaut werden?

Momentan sind wir mit der Abdeckung die wir durch iPhone und Android erreichen sehr zufrieden, da wir aufgrund unseres Studiums nur begrenzte Kapazitäten zur Verfügung haben. Wir gehen aber davon aus, dass sich mittelfristig noch weitere Smartphone Plattformen (z.B. Windows Phone 7) am Markt etablieren werden. Diese Plattformen werden wir dann ebenfalls anbieten.

Wir haben einige große Verbesserungen für die Stocard App geplant, was genau verraten wir aber noch nicht. Das Ganze soll eine Überraschung sein ;)

Wie kam es zu der Geschäftsidee, aber auch dem Namen der Stocard?

Die Idee ist sehr zufällig entstanden. Ich selbst habe Kundenkarten eigentlich nicht benutzt, da ich schon zu viele andere Plastikkarten (EC-Karte, Studentenausweis, etc.) im Geldbeutel hatte. Meine Freundin hatte hingegen einen sehr großen Geldbeutel mit ziemlich vielen Karten und hat sich zum Weggehen immer einen kleinen Geldbeutel gepackt, in dem nur Geld, EC-Karte und der Führerschein waren.

Diese Lösung fand ich ziemlich unpraktisch und überlegte wie man so etwas lösen könnte. Dann hab ich in der c’t gelesen, dass Barcodes problemlos von Handydisplays eingescannt werden können und habe mir überlegt, dass Kundenkarten dadurch problemlos ersetzt werden könnten, da sie nur die Kundennummer über einen Barcode an das Kassensystem weitergeben.

Zur Umsetzung der Idee kam es dann als ich mit einem meiner Mitgründer Björn Goß für einen Monat in Australien war um einen gemeinsamen Freund zu besuchen. Björn hatte gerade sein Wirtschaftsinformatik Studium abgeschlossen und hatte – wie ich auch – große Lust eine Idee umzusetzen. Ich erzählte ihm von der Idee, er fand sie gut und so begannen wir uns noch auf dem Rückflug Gedanken über Stocard zu machen.

Den Namen Stocard haben wir uns auch im Flieger überlegt. Stocard ist eine Zusammensetzung aus: to store (speichern), store (Geschäft) und card. Dies soll aussagen, dass man mit Stocard die Karten der Geschäfte auf dem Handy speichern kann. Außerdem wurde mir vor kurzem gesagt, dass „Sto card“ auf Russisch „hundert Karten“ bedeutet.

Inzwischen kann man zwar schon aus über 350 voreingestellten Karten bei Stocard auswählen, ich glaube jedoch kaum, dass jemand bereits über hundert eigene Karten durch Stocard ersetzt hat. Falls dies bei jemandem der Fall sein sollte, würde ich mich aber freuen wenn sich die Person bei mir meldet.

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