Die weltweit erste Crowdfunding Dokumentation „Capital C“ – Im Gespräch mit Timon Birkhofer

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Capital C“ wird die weltweit erste Doku über Crowdfunding in Spielfilmlänge. Mittlerweile hat sich das amitionierte Projekt selbst erfolgreich über die „Crowd“ finanziert.

Wir freuen uns sehr, dass uns Initiator und Produzent Timon Birkhofer für ein Interview zur Verfügung stand:

Mit welchem Hintergrund geht dieses Projekt an den Start?

Das weltweite Interesse an Crowdfunding steigt stetig. Und auch in Deutschland erfährt Crowdfunding eine immer größere Aufmerksamkeit.

Gerade erst hat die Plattform Seedmatch vermeldet, seit Gründung mehr als 1 Million Euro an Kapital für Startups vermittelt zu haben. Das ist eine stolze Summe für eine noch so junge Branche und lässt erahnen, was uns hierzulande noch bevorsteht und möglich wird, wenn Gesellschaft und Politik an einem Strang ziehen. Fast täglich liest man davon, dass es heute schwieriger als je zuvor ist, Zugang zu neuem Kapital zu bekommen. Doch Crowdfunding zeigt, dass es nach wie vor möglich ist, und zwar ganz unmittelbar und direkt.

Wir wollen mit CAPITAL C die Geschichten der Leute erzählen, die mit der Hilfe von Crowdfunding ihr ganzes Leben umgekrempelt haben. Da ist z.B. Daniel Lieske, der Erfinder des erfolgreichsten Webcomics aus Deutschland, der dank Crowdfunding seinen 9 to 5 Job an den Nagel hängen konnte und jetzt in Vollzeit an seiner „Wormworld Saga“ arbeitet.

Oder Kristy und Coulter Lewis aus Massachusetts, die dank Crowdfunding ihren Traum vom Food-Startup verwirklichen konnten. Sie stellen jetzt Bio-Popcorn her und haben sogar schon einige Mitarbeiter, sowie einige Startup-Auszeichnungen gewinnen können. Das alles nur aufgrund einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne, die den Grundstein für die Zukunft legte.

Was möchten Sie mit der Dokumentation in der StartUp-Szene aber auch darüber hinaus anregen?

Crowdfunding gibt der Startup-Szene immense Möglichkeiten, ihre Ideen an den interessierten Abnehmer zu bringen. Die Schöpfer der Inhalte sind längst nicht mehr nur auf die Hilfe von Branchenriesen angewiesen, um ihre Produkte an ihre Fans zu bringen.

Wir sprechen von der Demokratisierung der Innovation, auf direktem Weg zwischen Ideengeber und Endkunde, vorbei an Banken, Investoren und Verwertern als einzigen möglichen Geldgebern. In Amerika hat man dieses Potential bereits erkannt, hierzulande gilt es noch Pionierarbeit zu leisten, das wurde uns auch während der letzten Monate klar. Wenn wir unseren Teil dazu beitragen können, diese Revoluton zu dokumentieren und gleichzeitig voranzutreiben zu können, haben wir unser Ziel erreicht.

Wir wollen allerdings auch die Grenzen aufzeigen, die zweifellos auch vorhanden sind, eine der Hauptaussagen wird jedoch sein: Schaut euch an, wie Crowdfunding funktioniert. Lernt von denen, die sich damit auskennen. Adaptiert dies für eure eigene Situation, und dann geht raus und macht euer Ding!

Capital C will sich über Kickstarter finanzieren. Wie weit ist das Vorhaben dort, und welche Unterstützer bzw. Kooperationspartner können sich außerhalb der reinen Finanzierung noch bei Ihnen melden?

Wir stehen fast am Ende unserer sechzigtägigen Fundingphase, die Kampagne läuft noch ca. 24 Stunden (Mittlerweile ist die Kampagne erfolgreich beendet, Anmerkung der Redaktion). Unser gesetztes Ziel wurde vor drei Tagen bereits überschritten und aktuell stehen wir bei etwas mehr als 82.000 US-Dollar.

Das macht uns sehr glücklich – hinter uns liegen unglaublich intensive Tage mit Reisen, Interviews, vielen Fragen und Antworten, Vorträgen, spannenden Unterhaltungen und Diskussionen, unzähligen E-Mails und vielem mehr. Der Zuspruch hat selbst unsere kühnsten Vorstellungen übertroffen. Wir können nur Jeden ermuntern, diesen Weg einmal für sich zu beschreiten.

Mittlerweile sind wir aufgrund von CAPITAL C in Kontakt mit Vertretern aus der Filmförderung, internationale Vertriebe sind interessiert, Filmfestivals haben bei uns angefragt und ich bin eingeladen, auf Symposien großer Unternehmen über Crowdfunding zu referieren. Wie sich das am Ende konkret auf das Projekt auswirken wird, ist noch nicht abzusehen. Soviel steht fest, es wird ein spannendes Jahr!

Sie konnten bereits zahlreiche sehr spannende Interviewpartner für das Projekt begeistern, unter anderem den Wikipedia-Gründer Jimmy Wales. Wie konnten Sie die „Prominenz“ von Ihrer ambitionierten Dokumentation überzeugen, da diese ja doch weit hinter die Kulissen blicken wird?

Capital C

Timon Birkhofer

Vor der Überzeugung liegt die Kontaktaufnahme und auch, wenn der Spruch wie ein Klischee anmutet, so ist er doch wahr: Jeder kennt jeden über fünf Ecken.

Rein mathematisch betrachtet sind es übrigens 6,6 Ecken. Aber im Ernst: Ein über die Jahre gewachsenes funktionierendes Netzwerk ist die halbe Miete und schafft auch das Vertrauen beim potentiellen Interviewpartner. Nur so konnten wir z.B. einen Jimmy Wales für uns gewinnen.

Andere, wie Iron Sky-Regisseur Timo Vuorensola oder insbesondere die jungen Startups in unserem Film, leben die Nähe zur Crowd wie am ersten Tag ihres Projekts und waren nach einer direkten Kontaktaufnahme sofort begeistert. Dann gab es auch Prominente, die tatsächlich auf uns zugekommen sind, so wie Spieleentwickler Brian Fargo – der vor der Interviewfrage sogar schon Backer unseres Projekts wurde.

Alle Beteiligten haben überragende Erfahrungen mit der Crowd gemacht und Transparenz ist Grundvoraussetzung für Glaubwürdigkeit bei den eigenen Unterstützern. Insofern gibt es keinerlei Vorbehalte, was den Blick hinter die Kulissen angeht. Im Gegenteil: Viele aufregende Geschichten warten nur darauf, endlich erzählt zu werden.

Ein paar Worte zu Ihnen und der Entstehungsgeschichte von „Capital C“?

Vor einiger Zeit habe ich mich Rahmen meines Studiums und der anstehenden Bachelorarbeit verstärkt mit dem Thema Crowdfunding beschäftigt. Mich trieb die Frage um, welche Möglichkeiten sich Kreativen durch diese neue Finanzierungsform bietet.

Seitdem bin ich rund um den Globus gereist, um Vordenker dieser Idee zu treffen und mutige Menschen, die diesen Weg mit der Crowd bereits gegangen sind. Mir war schnell klar: Hier liegt Revolution in der Luft! Allerdings gab es wenig Handfestes: Kaum eine Aufarbeitung des Themas, ein großes Informationsvakuum, keine verlässliche Gesetzeslage. Seitdem hat sich viel getan.

Die Unterzeichnung des JOBS Acts durch Barack Obama bspw. gibt jungen Unternehmern in den USA den notwendigen rechtlichen Rahmen, um Crowdfunding als Investition für sich zu nutzen. Wir als Filmemacher wollten Crowdfunding ebenfalls für uns nutzen und so lag es nahe, dass unser erstes crowdgefundetes Projekt auch noch genau davon handelt.

2 Kommentare zu "Die weltweit erste Crowdfunding Dokumentation „Capital C“ – Im Gespräch mit Timon Birkhofer"

  1. Sehr interessantes Interview. Crowdfunding ist eine sehr spannende Finanzierungsmöglichkeit in diesen Tagen.

    Was mich noch interessiert: Wo und wann kann man den Film anschauen?

    • @Alltagsoekonom: Die genaue Zeitplanung ist m.E. noch nicht veröffentlicht, ich denke wir werden hier aber auf jeden Fall informieren sobald der Film an den Start geht.

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Die weltweit erste Crowdfunding Dokumentation „Capital C“ – Im Gespräch mit Timon Birkhofer

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