Für independent Musiker gibt es YouTube, für Modedesigner nelou.com



Das Portal nelou.com aus Berlin gibt Nachwuchsmodeschöpfern eine Plattform, und ermöglicht es Fashionistas neue spannende Mode zu entdecken.

MeinStartup.com sprach mit den beiden Gründern Regine Harr und Boris Berghammer über die angesagte Modeplattform:

Frau Harr, Herr Berghammer, wie entstand die Idee zu dem Portal?

Die Geschäftsidee zu nelou.com entstand 2009 in Bangladesh. Dort war ich als Investment-Bankerin bei der Garmeen Bank tätig. Diese organisiert Mikrokredite für arme Menschen und wurde dafür bereits mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Bei meiner Tätigkeit war ich jeden Tag hautnah mit den miserablen Fertigungsbedingungen der Bekleidungsindustrie konfrontiert. Deshalb war es mir ein Herzensanliegen, Menschen für Kleidung zu begeistern, die nicht von großen Modeketten gefertigt werden. Zurück in Deutschland traf ich dann auf Boris Berghammer, der bereits in Österreich eine Plattform für Modedesign betrieb.

Statt Konkurrenten zu sein, beschlossen wir gemeinsam an unserer Vision zu arbeiten: Eine Plattform, auf der man einzigartige Stücke findet, die nicht nur unter fairen Bedingungen produziert werden, sondern auch deshalb nachhaltig sind, weil man sie aufgrund ihrer Besonderheit länger trägt. Anscheinend haben wir damit einen guten Nerv getroffen.

Als Online-Marktplatz für Newcomer-Labels dürfte Ihr Angebot sehr begehrt sein. Wer kann und darf sich bei Ihnen seitens der Künstler und Kreativen bewerben?

Bewerben kann sich natürlich jeder. Wir wählen die Designer, die ihre Stücke in unserer Online-Boutique ausstellen dürfen, aber nach genauen Kriterien aus.

Erstens müssen die Designer einen gewissen Professionalitätsgrad erlangt haben. Wir möchte keine „Selbstmach-Plattform“ sein, wo Hobby-Designer ihre Stücke vertreiben, das heißt, es muss ein Kollektion geben oder zumindest geplant sein und die zuverlässige Fertigung und Lieferung muss garantiert werden können. Viele unsere Designer waren darüber hinaus auch auf einer Modeschule. Auch sollte gutes Bildmaterial vorhanden sein, damit wir die Mode überhaupt bei nelou ausstellen können.

Bei der Fashion Week in Berlin konnten Sie namhafte Nachwuchs-Designer für sich gewinnen, nach nur einem Jahr vernetzt nelou bereits Modeschöpfer aus 25 Ländern mit fashionbegeisterten Käufern. Wie erklären Sie sich diesen doch recht rasanten Aufstieg und Erfolg?

Die "Fashion Week für alle"-Aktion vor dem Brandenburger Tor

Dafür spielen zwei Faktoren eine wichtige Rolle: Einerseits ergänzen Boris und ich uns als Gründer perfekt. Er hat die technische und grafische Expertise und ist ein ausgezeichneter Fotograf, so dass wir für diese Bereiche keine externen Dienstleister benötigen.

Ich bin bei uns die Zahlenjongleurin und habe das Budget im Auge. Da Boris überwiegend in Wien lebt, übernehme ich das Netzwerken in der Berliner Startup-Szene. Boris ist wiederum sehr gut in der Wiener Modeszene vernetzt.

Und wir schliessen eine Marktlücke. Für independent Musiker gibt es YouTube und MySpace, aber in der Mode gab es bisher keine Plattform die sich unabhängigen Modelabels annimmt. Und deshalb tun wir das!

Geht Ihre Mission bislang auf, den bislang eher unbekannteren Modeschöpfern mehr Gehör sowie Aufmerksamkeit zu verschaffen?

In jedem Fall! Einige der Newcomer, die ihre Stücke über uns vertreiben, haben inzwischen eigene Fashion-Shows, wie zum Beispiel Sava Nald und Marcel Ostertag auf der Mercedes Benz Fashion Week in Berlin. Auch Stars wurden schon mit Stücken, die bei uns erhältlich sind, gesehen.

Wir unterstützen alle Designer, die bei uns ausstellen mit aktiver PR-Arbeit, wie zum Beispiel mit einem echten Guerilla-Catwalk, den wir für die Berliner Labels Julice En Reve und LUXXUS BERLIN zur Berliner Fashion Week organisiert haben.

Gibt es Ihrer Ansicht nach einen generellen Trend hin zu den kleineren Independent-Labels?

Davon bin ich überzeugt. Der Trendforscher und Anthropologe Rony Rodrigues hat diesen Trend mit den Worten „Konsum ist das neue Cholesterin“ sehr gut auf den Punkt gebracht.

Das Ende des exzessiven Konsums ist meiner Beobachtung nach eingeläutet. Die Konsumenten aus der westlichen Welt, die im allgemeinen Wohlstand aufgewachsen sind, den Tsunami und Fukushima miterlebt haben, wachsen mit einem nie dagewesenen Bewusstsein für Nachhaltigkeit auf.

Und auch die Generation X denkt um. Das zeigt sich zum Beispiel in der Modemetropole Paris. Dort gehen die Umsätze von H&M schleichend zurück. In einer Zeit, in der uns günstige Massenware suggeriert, dass wir alles haben können, trachten wir nach dem Besonderen, Einzigartigen. Der Vintage-Hype ist nur ein Beispiel dafür.

Zur Berliner Modewoche überraschte Ihr Portal unter anderem mit einem „Guerilla-Laufsteg“. Wie kam es dazu, und dürfen wir uns auf weitere kreative Marketingkonzepte Ihres Unternehmens freuen?

Regine Harr und Boris Berghammer

Unsere Idee war es, die Fashion Week für alle anfassbar zu machen.

Normalerweise ist die Berliner Modewoche nur ausgewählten Redaktionen, Bloggern und Celebrities vorbehalten, genau wie die Mode selbst. Genau das möchten wir mit Nelou ändern – Avantgarde für alle – quasi.

Deshalb war es uns auch wichtig, umstehende Passanten zum spontanen Mitmachen einzuladen. Unsere nächste Guerilla-Aktion verraten wir jetzt natürlich noch nicht. Lassen Sie sich überraschen!

Über die Gründer

Regine Harr:

Nach der Schule absolvierte sie einen Bachelor in Philosophy & Economics an der Uni Bayreuth und der Uni Stellenbosch in Südafrika. Nach Ihrem Bachelor absolvierte sie einen LLM in Law & Economics an den Unis in Rotterdam, Bologna und Berkley. Die darauf folgenden Jahre war sie als Investment Bankerin in London tätig.

Im Jahr 2009 lebte sie in Indien, Nepal und Bangladesh, wo sie durch die Grameen Bank Mikrofinanzierung kennenlernte. 2010 stieg sie in das Start Up Leben ein, graduierte vom Founder Institute und ist seither gemeinsam mit Boris Berghammer Geschäftsführerin von nelou.com.

Boris Berghammer:

Seit über 10 Jahren führt der Wiener Kreative seine Onlineagentur BOBdesign. Nebenher ist er als freischaffender Fotograph tätig. Darüber hinaus widmet Boris sich immer wieder auch medienübergreifenden Kunstprojekten und gründete schließlich im Herbst 2008 die Plattform styleaut.com für junges, österreichisches Modedesign.

Gestartet mit neun Modeschöpfern fand die Idee großes Echo bei Publikum und Medien und entwickelte sich sehr schnell zur zentralen Website für österreichische Mode. Motiviert durch das Potential der Idee beschloss er 2010 gemeinsam mit Regine eine internationale Plattform zu launchen nelou.com war geboren.

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