Gründen mit Anhang – Chancen und Hürden für Familientiere

Zuhause arbeiten, die Kinder aufwachsen sehen und dabei noch Karriereträume verwirklichen: für viele Mütter ist die Selbständigkeit eine verlockende Vorstellung oder zumindest eine Möglichkeit, auch mit kleinen Kindern beruflich am Ball zu bleiben.

Wie der Spagat zwischen rosarotem Ideal der erfolgreichen Businessmama und rauer Wirklichkeit gelingen kann, erfahren Sie hier.

Die Freiheit hat ihren Preis

Zunächst zu den Schwierigkeiten, denen sich gründende Mütter gegenübersehen – denn das sind ziemlich viele. Da ist vor allem die finanzielle Seite. Die wenigsten Gründerinnen schaffen ihre erste Million im ersten, zweiten oder dritten Jahr. Zudem muss ein Großteil der Einnahmen gleich wieder in die Kinderbetreuung gesteckt werden. Ein langer Atem, finanzielle Reserven oder ein Partner, der zur Familienkasse wesentlich beiträgt, sind deshalb unabdingbar.

Gründungszuschuss, Existenzgründungsdarlehen etc. gibt es natürlich auch für Frauen mit Kindern; ihrer besonderen Situation und ihren höheren Lebenshaltungskosten wird von dieser Seite allerdings nicht Rechnung getragen. Das daraus resultierende finanzielle Risiko müssen Sie einplanen und ebenso die Bereitschaft zu bescheidenen Verhältnissen mitbringen – zumindest in den ersten Jahren. Auch sind Kinder in den Augen Ihrer Geschäftspartner und Auftraggeber meistens kein Pluspunkt. Das Vorurteil, eine Mutter betreibe ihre Selbständigkeit nur als Hobby und sei mit dem Kopf mehr bei der Familie als bei dem aktuellen Projekt, schwingt oft mit – sei es bei der Auftragsaquise oder Verhandlungen mit der Bank. Viele Gründerinnen und Selbständige behalten Familienthemen daher lieber für sich.

Und natürlich sind Mütter meist räumlich und zeitlich weniger flexibel als Gründer, die nur ihren eigenen Terminplan berücksichtigen müssen. Ein Meeting, das deutlich länger dauert als vorgesehen, aber die Tagesmutter hat gleich Feierabend? Ein kurzfristiger, wichtiger Geschäftstermin 400km entfernt und kein Babysitter in Sicht? Standardsituationen, auf die Sie vorbereitet sein sollten.

Die Vorteile und Chancen

Nach diesen düsteren Fakten jetzt die gute Nachricht: Gründen mit Anhang kann trotzdem funktionieren! Gut organisiert kann der Start in die Selbständigkeit Müttern eine solide berufliche Basis für die Zukunft ermöglichen. Denn von den oben beschriebenen unliebsamen Überraschungsterminen abgesehen sind Selbstständige Herr über ihren eigenen Zeitplan und können flexibler als Angestellte auf die Erfordernisse des Familienalltags eingehen. Mag sein, dass man dann abends länger am Schreibtisch sitzt, damit ein Auftrag pünktlich fertig wird. Aber dafür wird Ihnen kein Chef verwehren, am Geburtstag Ihres Kindes auch mal ein paar Stunden frei zu nehmen.

Ein weiterer Vorteil: Eltern sind oft die perfekten Zeitmanager. Die Zeit, die Ihnen für Arbeit zur Verfügung steht, werden Sie deutlich effizienter nutzen, weil sie eben begrenzt ist. Rumtrödeln geht nicht und das hilft, zügig und konzentriert zu Werke zu gehen – was letztlich auch der Qualität der Arbeit zugute kommt. Wer sich in Teilzeit selbständig machen oder zumindest langsam die Gewinnschwelle erreichen will, kann das auch während des Bezuges von Elterngeld tun.

Elterngeld und Gründungszuschuss schließen einander nicht aus, wenn man die vorgeschriebene Höchstgrenze an Arbeitsstunden nicht überschreitet. Und da am Beginn einer Selbständigkeit die Auftragslage meist noch übersichtlich ist, bleibt genügend Zeit, sich mit Aquise, Marketingstrategien und ersten Kundenkontakten zu befassen.

So gelingt die Gründung mit Familie

  • Ein durchdachtes Zeitmanagement ist wichtig: Wie viel Zeit brauchen Sie für welche Arbeiten? Ist die Kinderbetreuung dafür gesichert? Gibt es Pufferzeiten, falls die Erledigung eines Auftrages sich verzögert? Auch empfiehlt es sich, über Ihre Arbeitszeiten Buch zu führen. So lassen sich Fehleinschätzungen leicht ermitteln.
  • Mal schnell eine wichtige E-Mail schreiben, wenn die Kinder spielen? Oder telefonisch einen Termin bestätigen mit Kleinkind auf dem Arm? Lieber nicht! Familie und Beruf sollten zeitlich und räumlich getrennt sein, denn so vermeidet man Frust, Fehler und den Anschein von Unprofessionalität.
  • Netzwerken ist immer gut: Gibt es in Ihrem Umfeld andere Unternehmerinnen mit Kindern? Könnten Sie sich gegenseitig aushelfen und unterstützen?
  • Augenmass und Pragmatismus helfen Ihnen, sich nicht in Details zu verzetteln und das große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren- in beruflicher wie privater Hinsicht.

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