Gründerin Tanja Preusse: „Die Selbständigkeit erst einmal ausprobieren“

Das neue Existenzgründer-Portal CouchCat.de dreht sich rund um die Themen „Arbeiten von Zuhause“ sowie die Selbständigkeit im Internet. Ein erfrischend abwechslungsreiches Informationsangebot „von der Frau für die Frau“. Wir sprachen mit Gründerin Tanja Preusse – unter anderem Betreiberin von www.clever-selbstaendig.de – über das Konzept:

Frau Preusse, wie entstand die Idee zur CouchCat?

Portale über Selbständigkeit und vor allem über Geld verdienen im Internet gibt es wie Sand am Meer. Mit der CouchCat.de gehe ich einen etwas anderen Weg, um mich von der Masse abzuheben.

Einmal berichte ich aus meiner weiblichen Perspektive, im Gegensatz zu den von vornehmlich Männern betriebenen Portalen. Weiter möchte ich auch die Frau als Zielgruppe mit einbeziehen und weibliche Thematiken rund um diesen Bereich aufgreifen. Dennoch gibt es auch einen großen „geschlechtslosen“ Bereich, so dass auf der CouchCat sowohl Frauen als auch Männer herzlich Willkommen sind.

Die Idee selbst ergab sich eigentlich fast von selbst. Ich hatte mich vor kurzem entschieden statt mit einem thematischen Bauchladen auf einer anderen Domain, mit mehreren themenspezifischen Portalen weiterzumachen. Um diese heraus zu sondieren, fragte ich mich zuerst einmal, was ich kann, worin ich gut bin, mit welchen Themen ich fundiert informieren kann. Und Spaß sollte es mir natürlich auch machen, darüber zu schreiben, sonst hätte das Ganze wenig Zukunft.

Ich bin seit knapp 8 Jahren selbständig und verdiene zum Großteil dieser Zeit meinen Lebensunterhalt mit diversen Projekten und Dienstleistungen im Internet. Ein Bereich in dem ich so einige Erfahrungen sammeln durfte. Und diese möchte ich auf der CouchCat mit meinen Lesern teilen.

Viele Angestellte träumen insgeheim von solch einer eigenständigeren Form, den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. Was meinen Sie: Woran liegt es, dass dennoch nur so wenige diesen Schritt wagen?

Ein Traum ist meist ein Traum, die Wirklichkeit dagegen sieht oft ganz anders aus. Und ich persönlich denke, dass dies auch vielen bewusst ist.

Sicher ist es schön, sein eigener Chef zu sein, doch ergeben sich aus der Selbständigkeit doch auch so einige Pflichten, die nicht unbedingt jeder gerne erfüllen möchte. Hinzu kommt der Punkt des Einkommens, das Selbständige im Vergleich zu Angestellten nicht planen können und das meist auch keiner Regelmäßigkeit unterliegt. Zumindest wenn es im direkten Vergleich mit dem Gehalt steht.

Was ich damit meine, ist, dass wer sich wirklich schon mal eingehender damit beschäftigt hat, was in einer eventuellen Selbständigkeit auf einen zukommt, der ist doch vielleicht in einigen Fällen etwas abgeschreckt davon. Denn bei allem „toll“ und „schön“, die Selbständigkeit ist kein Ponyhof oder Wunschkonzert. Wer erfolgreich seinen Lebensunterhalt damit bestreiten möchte, dem verlangt sie viel Einsatz ab, meist wesentlich mehr als im Angestelltenverhältnis.

Sie selbst arbeiten selbstständig von Zuhause aus. Worauf sollte man besonders achten, wenn man eine solche „Beschäftigungsform“ in Angriff nimmt?

Von Zuhause arbeiten hat genauso seine Vorteile wie auch Nachteile. Einerseits muss man nicht vor die Tür und könnte auch den ganzen Tag im gemütlichen Hausdress seinen Aufgaben nachgehen. Andererseits kommt die Ablenkung mit ins Spiel und wer sich gerne von seiner häuslichen Umgebung ablenken lässt, ist mit einem Home Office schlecht beraten, denn er wird nicht viel oder nicht so effektiv arbeiten.

Doch es gibt auch das andere Extrem, Menschen, die keinen Punkt und kein Ende finden können. Viele kennen ja den Spruch „wer selbständig ist, arbeitet selbst und ständig“ und ich möchte an dieser Stelle auf das Wort „ständig“ hinaus. Von Zuhause aus zu arbeiten verleitet noch viel mehr dazu, immer und viel zu viel zu arbeiten. Und darunter leiden dann letztendlich der Partner, die Kinder und Freunde, sowie oft auch die Gesundheit.

Je nachdem was für ein Typ Mensch man selbst ist, wie viel Selbstdisziplin aufgebracht werden kann, kann das Home Office eine gute wie auch die schlechtere Wahl sein. Grundsätzlich werden die meisten Selbständigen aber eher zu dem an zweiter Stelle beschriebenen Szenario tendieren. Und hier sei eindringlich darauf hingewiesen, dass bei allem Eifer, Elan und Existenzängsten, die eigene Gesundheit sowie auch die Familie und Freunde nicht zu sehr vernachlässigt werden sollten. Das rächt sich sonst irgendwann.

Bei welchen Aspekten der Gründung sollte man sich gegebenenfalls bereits vorher fachliche Hilfe holen?

Das kommt natürlich vor allem auch auf die eigenen Kenntnisse an. Wer z.B. aus dem Bereich Steuern kommt, wird dafür wesentlich weniger fachliche Hilfe benötigen, als andere. Grundsätzlich kann ich aber nur raten, dass für jeden Bereich, in dem man selbst kein Profi ist und sich auch nicht ständig auf dem aktuellen Stand der Dinge halten kann, fachliche Hilfe ratsam ist.

Und das nicht nur bei der Gründung sondern generell in der Selbständigkeit. Viele Selbständige sparen z.B. am Steuerberater und das ist in meinen Augen an der falschen Stelle gespart. Unter Umständen wird so viel zu viel bezahlt und im schlimmsten Falle muss man für Fehler, die aus Unwissenheit gemacht werden, später gerade stehen.

Sie selbst kennen beide Seiten, als Angestellte aber auch als Webworkerin. Wo liegen aus Ihrer Erfahrung heraus die Vor- aber auch Nachteile beider Möglichkeiten?

Tanja Preusse

Meine Zeiten als Angestellte liegen schon mehr als 8 Jahre zurück. Ganz so „up to date“ bin ich da wohl nicht mehr.

Aus meiner heutigen Sicht würde ich die beiden Seiten wie folgt definieren: Angestellte haben feste Arbeitszeiten und beziehen ein monatliches Gehalt für ihre Tätigkeiten. Weiter gibt es Urlaub und auch bei Krankheit gibt es die Lohnfortzahlung.

Selbständige haben dagegen flexible Arbeitszeiten, arbeiten meist wesentlich mehr als Angestellte und beziehen im schlimmsten Fall gar kein Geld für ihre Tätigkeiten. Weiter muss Urlaub bei Selbständigen hereingearbeitet werden (Ausfall der Arbeitszeit und keine Bezahlung in dieser Zeit) und auch bei Krankheit gibt es erst mal nichts (außer es gibt eine entsprechende Krankenversicherung, die ab dem ersten Tag leistet).

Ein Angestelltenverhältnis im Vergleich mit der Selbständigkeit eine sichere Angelegenheit, vor allem in Punkto Zeit und Geld. Der Selbständige kann mit wenigen Punkten fest rechnen, ist dafür aber flexibel und hat auch auf das Geld bezogen nach oben wie nach unten keine Grenzen. Das heißt er kann auch wesentlich mehr verdienen, als im vergleichbaren Angestelltenverhältnis möglich ist. Es kann aber auch wesentlich weniger bis nichts sein, je nachdem, wie es gerade läuft.

Sicherheit kontra Unsicherheit, dafür aber Flexibilität und Grenzenlosigkeit. Den Spaß an der Arbeit nicht zu vergessen. Ich kann mir als Selbständige auch leisten „nein“ zu sagen, wenn ich auf etwas keine Lust habe, es nicht mag oder gerade was anderes möchte. Ebenso kann ich spontan entscheiden, dass ich jetzt z.B. nicht arbeiten will und stattdessen einen Stadtbummel unternehme.

Was raten Sie Gründungswilligen: Sollte man die eigene Geschäftsidee so gut wie möglich erst einmal neben der eigentlichen Beschäftigung ausprobieren, bevor man gleich eine Existenzgründung wagt?

Definitiv würde mein Rat in Richtung nebenberuflicher Selbständigkeit als ersten Schritt gehen. So kann das Ganze mit der Sicherheit des Angestelltenverhältnisses im Rücken erst einmal ausprobiert werden, ob es überhaupt funktioniert. Jede Geschäftsidee ist nur so gut, wie sie in real live funktioniert. Und wenn es nicht zum erhofften Erfolg kommt, ist wenigstens nicht gleich alles verloren.

So geht das Ganze zwar etwas langsamer, was bei allem Enthusiasmus erst mal als negativ empfunden wird, dennoch ist auch das positiv zu werten. Dadurch kann es mit der Zeit vernünftig reifen und auf Aspekte, die von Anfang an nicht einkalkulierbar waren, kann viel ruhiger und besonnener reagiert werden.

Vor allem sollte auch nicht außer Acht gelassen werden, dass in den seltensten Fällen von 0 auf 100 alles in einem halben Jahr funktioniert. Dann ist ggf. der Zuschuss abgelaufen, die Rücklagen sind verbraucht und es wird noch nicht genug Geld verdient, um davon leben zu können. An dieser Stelle kommen dann meist heftige Existenzängste ins Spiel und kaum einer, der damit die ersten Male konfrontiert wird, reagiert in solchen Situationen so besonnen und ruhig, wie es notwendig wäre. Kurzschlusshandlungen sind vorprogrammiert.

Wer dagegen aber nebenbei sich seine zukünftige Existenz aufbaut, hat die entsprechende Ruhe und Sicherheit, um langfristig gesehen auch erfolgreich zu sein und vor allem etwas besser planen zu können als mit dem noch komplett Unbekannten. So schön Businesspläne auf dem Papier auch aussehen, so anders fühlt es sich an und kann es sich entwickeln, wenn man persönlich mitten drin steckt und der Faktor „Unbekannt“ ins Spiel kommt.

4 Kommentare zu "Gründerin Tanja Preusse: „Die Selbständigkeit erst einmal ausprobieren“"

  1. Vielen Dank Michael, für die Möglichkeit dieses Interviews auf Deinem Portal!

  2. Hallo!

    Die Seite kenne ich noch garnicht…obwohl ich ja auch auf anderen Seiten von Tanja mitlese…

    Ganz besonders gefällt mir das Design von CouchCat…schlicht und mit den Farben gut gelöst…ausserdem hat Sie eine angenehme Schreibweise…

    Ich denke meine Partnerin wird das auch freuen, wenn ich Ihr die seite zeige!!!

    MfG

    Csaba

  3. Danke Csaba, das Kompliment freut mich besonders, da ich ja alles am Design usw. selber mache :-)

  4. Hallo!

    @Tanja: Das ist wirklich eine sehr gute Arbeit die Du machst…schöne klare Struktur…ist wirklich toll!

    Mein aufrichtiges Lob…sieht man nicht überall!

    MfG

    Csaba

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