Lernplattform Lecturio: Wie Sie jetzt mit Internet-Kursen Karriere machen können

Lecturio Weiterbildung

Der größte Vorteil des Online-Lernens liegt in seiner Individualität. Denn durch das Internet kann sich jeder unabhängig von Ort und Zeit weiterbilden. Der Markt boomt und es kommen ständig neue Angebote hinzu. Lecturio hat jetzt den ersten kompletten BA-Studiengang  online gestellt. Dies nahmen wir zum Anlass, um Martin Schlichte, den Gründer der Plattform, ein wenig auf den Zahn zu fühlen:

Bitte drei kurze Sätze. Was genau ist die Businessidee, für die Lecturio steht?

Lecturio ist der größte Anbieter in Deutschland für Online Weiterbildung mit dem Bildungsportal Lecturio.de.

Unsere Mission ist es, hochwertiges Wissen professionell aufbereitet für Firmen und Individuen weltweit verfügbar zu machen – so dass jederzeit und an jedem Ort gelernt werden kann. Ob auf dem Laptop am Schreibtisch, mit dem iPad im Flieger oder mit dem Smartphone am Strand.

So kann man zum Beispiel lernen, wie man Photoshop bedient, etwas über Projektmanagement erfahren oder auch einen kompletten Steuerberater machen. Das geht inzwischen alles über die Cloud und bei über 5000 videobasierten Kursen ist für jeden etwas dabei.

Für welche Zielgruppen wird das Lernangebot hauptsächlich konzipiert?

Die 3 wichtigsten Zielgruppen sind:

– Firmen, die ihre Mitarbeiter effektiv und kosteneffizient weiterbilden möchten. Unternehmen wie die Deutsche Bahn, das Bundesjustizministerium oder der TÜV gehören zu unseren Kunden.

– Professionals, die ihre Karriere voran bringen möchten, indem sie z.B. ihre Rhetorik- oder Projektmanagement-Fähigkeiten verbessern oder ihre Excel Skills auf das nächste Level heben wollen.

– Studenten, insbesondere Jura- und Medizinstudenten, die ihre Staatsexamina optimal bestehen wollen.

Im Oktober wurde mit „Wirtschaftsrecht“ auch der erste komplette BA-Studiengang online gestellt. Wird das neue Angebot denn bereits gut angenommen?

Ja, der Bachelorstudiengang wurde in Zusammenarbeit mit der IUBH auf die Beine gestellt und ist vor kurzem live gegangen. Das Interesse ist sehr groß, auch medial. Immerhin kann man einen staatlich anerkannten Abschluss inzwischen komplett online machen.

Ein großer Vorteil ist auch, dass man sich nicht mehr nur durch meterdicke Papierstapel durcharbeiten muss, sondern das Studium jetzt sehr viel lebendiger und interaktiver wird.

Wie kann man sich die Wissensvermittlung in einem Online-Studium denn genau vorstellen?

Flexibler und effizienter. Die Inhalte sind ja zunächst dieselben wie in einer Präsenzveranstaltung. Man kann aber selbst bestimmen, wo und wann man lernen möchte.

Dabei spart man Zeit, weil die Anreise zur Vorlesung entfällt und man kann effizienter lernen, weil man keine Vorlesung verpassen und bei Bedarf Themen jederzeit wiederholen kann – und das zum Beispiel ganz bequem zuhause auf der Couch.

Bei Fragen kann man direkt den Dozenten kontaktieren und bekommt von diesem eine Antwort. Diese ist dann permanent verfügbar und man hat so auch die Möglichkeit, von den Fragen anderer zu lernen und mit den anderen zu interagieren.

Zu den Prüfungen muss man dann persönlich antreten. Es gibt in Deutschland 29 Standorte zur Prüfungsabnahme, so können die Anreisewege kurz gehalten werden. Auch Studierende im Ausland haben in mehr als 130 Goethe-Instituten weltweit die Möglichkeit, ihre Prüfungen abzulegen.


Seit letztem Jahr bietet Lecturio auch eine Lern-App zum Download an. Inwieweit macht sich bei der Weiterbildung die Verschiebung der Nutzer in Richtung mobiler Dienste bemerkbar?

Den Trend zum mobilen Lernen halten wir für extrem wichtig und unsere Zahlen bestätigen das auch. In den letzten 5 Jahren stieg der Anteil der Menschen in Deutschland, die für den Internetzugang ihr Smartphone nutzen, von 4% auf 45% an.

Das spiegelt sich natürlich auch im Lernverhalten wider. Der Lernort verschiebt sich vom Klassenraum oder Hörsaal an den eigenen Schreibtisch, die Couch, das Bett, den Park oder den Zug.

Daher entwickeln wir unser Produkt gemäß der Devise “mobile first” um sicherzustellen, dass bei der Entwicklung die mobile Nutzung immer zuerst bedacht wird. Dies birgt natürlich besondere Herausforderungen.

Auf e-teaching.org gab es vor kurzem das Themen-Special “Mobiles Lernen”. Wir haben dazu einen Fachbeitrag beigesteuert, der die 8 wichtigsten Herausforderungen einer Lern-App an mobiles Lernen näher beleuchtet.

Lecturio ist den Kinderschuhen ja bereits seit geraumer Zeit entwachsen. Was waren die größten Herausforderungen, welche es in den letzten 6 Jahren zu meistern galt?

Die größte Herausforderung bestehen darin, ein Spitzenteam aufzustellen, mit dem man eine Firmenkultur schafft, die Geschwindigkeit, hohe Leistungsbereitschaft und Spaß verbindet.

Dabei ist es extrem wichtig, auf persönlicher Ebene mit seinen Teamkollegen auf einer Wellenlänge zu sein. Ich kann jedem nur raten, niemanden in ein kleines Gründungsteam zu holen, mit dem man nicht gerne auch mal ein Bierchen trinken würde – egal wie gut der fachliche Fit ist.

Mit unserem aktuellen Team bin ich mehr als glücklich. Wir sind super aufgestellt und unsere inzwischen 75 Mitarbeiter sind bereit für alle kommenden Herausforderungen.

Und worin seht Ihr im Allgemeinen die größten Schwierigkeiten für junge StartUps in Deutschland?

Startups in Deutschland haben es teilweise etwas schwerer als in den USA, um an Wachstumskapital zu kommen, auch wenn sich die Bedingungen in Deutschland gerade verbessern – insbesondere in Städten wie Berlin und Leipzig. Deutsche Investoren sind risikoaverser als in den USA.

In der deutschen Kultur ist das Stigma des Scheiterns verankert. Während amerikanische Gründer stets positiv über ihre Fehlversuche reden und die Learnings hervorheben, will man in Deutschland lieber gar nicht drüber reden, um nicht als Versager abgestempelt zu werden.

Das kann junge Gründer durchaus hemmen, den nötigen Mut und die nötige Risikobereitschaft aufzubringen. Deshalb sind Accelerator wie das neue SpinLab in Leipzig auch so wertvoll und genau das richtige, um es Talenten einfacher zu machen, zu gründen.

Mittlerweile konnten auch mehrere Investoren von der Weiterbildungsplattform überzeugt werden. Wie sieht denn die Umsatzkurve aus und schreibt das Unternehmen bereits schwarze Zahlen?

Wir sind sehr zufrieden mit dem Wachstum und haben uns dieses Jahr vom Umsatz her fast verdreifacht. Lecturio war 2011 schon profitabel, aber da der Edutech-Markt riesig ist und wir gemeinsam mit unseren Investoren massives Potenzial sehen, investieren wir gerade sehr viel in unser Wachstum.

Wird die gesamte Klaviatur des Marketings genutzt, um Lecturio bekannter zu machen, oder haben sich bestimmte Kanäle als besonders effizient herausgestellt?

Generell bedienen wir nahezu alle Kanäle des klassischen Marketings, in der ersten Jahreshälfte haben wir z.B. auch Fernsehwerbung geschaltet. Der Hauptfokus im b2c Bereich liegt aber auf dem Online-Marketing, u.a. haben wir mit App-Marketing gute Erfahrungen gemacht.

Unser Ziel ist, Kanäle und Methoden zu etablieren, die wir bei konstanten CAC (Customer Acquisition Costs) hochfahren können. Wir können jeden Kanal effizient fahren, die Frage ist immer, welches Volumen wir dann damit erzeugen können.

Wir haben besonders dieses Jahr noch einmal stark in die Qualität unseres Produkts investiert, also Website, Apps und natürlich auch die Kurse selbst.

Wir spüren an allen Ecken am Feedback von Kunden und B2B-Partnern und dem Verhalten der Nutzer, dass sich die Wahrnehmung und Akzeptanz von Lecturio dadurch nochmal weiter verbessert hat. Und dies macht wiederum die Nutzung für weitere Marketingkanäle möglich.

Nachdem sich Lecturio bereits zur führenden Online-Weiterbildungsplattform in Deutschland entwickelt hat – welche weiteren Ziele werden für die Zukunft anvisiert?

Zunächst einmal ist auch der deutsche Markt für uns weiterhin hochinteressant und es gibt noch enormes Wachstumspotenzial. Auch wenn wir der größte Player sind, schöpfen wir derzeit nur einen Bruchteil des Potentials aus.

Insbesondere bei der Weiterbildung in Unternehmen möchten wir weiter exponentiell wachsen. Alle Weichen dafür sind gestellt, das Interesse explodiert derzeit förmlich. Spannende und auch wegweisende Kooperationen befinden sich bereits in der Umsetzung, u.a. mit Xing.

Im deutschen Markt möchten wir aber langfristig natürlich nicht Halt machen. Wir haben ja bereits ein beachtliches englischsprachiges Portfolio und wollen in 2015 unter anderem im Bereich Medizin das weltbeste Lernangebot aufbauen, sowohl für Medizinstudenten als auch Ärzte und medizinisches Fachpersonal.

Was ist das Wichtigste, auf dass junge Gründer beim Start ins eigene Business achten sollten?

Fokus! Jeder junge Gründer wird in der ersten Phase mit mehr Problemen konfrontiert, als er lösen kann. Es klingt einfach, ist aber schwer umzusetzen, hier ein Tipp: Wenn man als Gründer 20 Probleme hat, sollte man sich seine Top 5 priorisieren und gnadenlos umsetzen.

Die restlichen 15 Herausforderungen sollten dann aber als Prio 2 werden nebenher beackern, sondern sie werden zu einer No-Do Liste – man darf also explizit nicht daran arbeiten.

Der Fokus auf die absolut wichtigsten Probleme ist in der ersten Phase sehr wichtig und ist in der Regel nur lösbar, wenn man sich nicht von weniger wichtigen, aber meist einfacher lösbaren Problemen ablenken lässt.

Martin Schlichte

Martin Schlichte

Abschließend bitte noch ein paar Worte zum Gründer und seinem Werdegang?

Ich habe bis zu meinem 18. Lebensjahr fast nur professionell Sport betrieben, insbesondere Mountainbiking und als Snowboardlehrer mein Geld verdient.

Nach einigen Verletzungen und der Erkenntnis, dass Profisport nichts ist, was man bis zum Rentenalter machen kann oder sollte, habe ich mich in der Gründerszene umgeschaut, bei Spreadshirt, amiando und einigen anderen Startups.

Mit der Erfahrung eines kleinen Import-Business, das ich ein paar Jahre vor meinem Studium betrieben habe, war dann schnell klar, dass Unternehmer mein Traumberuf ist.

Nach einem Studium an der Uni Mannheim und der HHL in Leipzig, habe ich dann Lecturio 2008 direkt nach der Abschlussfeier gegründet.

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