Mit Außergewöhnlichkeit zum Geschäftserfolg

Geschäftserfolg erzielen

Fachbeitrag von Matthias Pöhm, Coach für Rhetorik und Buchautor:

Am Anfang meiner Karriere war ich ein Trainer wie zehntausende andere auch. Da stellte es eine echte Notwendigkeit, aber auch extreme Herausforderung dar, mich zu positionieren und dafür zu sorgen, dass über mich geredet wird.

Mein Thema ist Rhetorik – nichts Neues, nichts Ungewöhnliches. Ein großes Budget für professionelle Marketingmaßnahmen hatte ich nicht. Zudem versprach ich mir nicht viel davon. Mir war klar: Wenn ich Erfolg haben wollte, musste ich mich mit außergewöhnlichen Methoden ins Gespräch bringen.

Erste Aktion – stell dich auf die Kiste

Ich musste auffallen, um mir einen Namen zu machen. Je ausgefallener – desto besser. Meine erste Idee war diese. Ich buchte einen Seminarraum in einem guten Hotel in der Fussgängerzone Zürichs.

Zum Abschluss des Rhetorikseminars, das ich dort abhielt, ließ ich die Teilnehmer an einem Samstag vor dem Hotel, inmitten der Passanten, auf eine Kiste steigen und dort ihre Abschlussreden halten. Die Presse war informiert und berichtete darüber, begeistert vom Neuigkeitswert der Aktion.

Das Ergebnis waren sechs Berichte in den Medien und sogar eine Fernsehmeldung. Und meine Teilnehmer erzählten noch Jahre später von dieser Erfahrung. Diese Aktion habe ich in anderen großen Städten kopiert – und mancherorts ist sie zum Aushängeschild meiner Seminare geworden.

Zweite Aktion – Beleidige mich

Jahre später war ich soweit, dass ich meine Nische gefunden hatte: Schlagfertigkeit. Dieses Thema war noch nicht besetzt, weil die wenigsten glaubten, dass diese Fähigkeit erlernbar ist.

Ich hatte ein Buch darüber geschrieben, das ich verkaufen wollte, und ich überlegte, was die beste Werbung für Schlagfertigkeit wäre. Ganz einfach: Der Beweis, dass sich meine Techniken nicht nur in der Theorie, sondern auch der Praxis bewährten.

Ich bereitete drei Studenten mit meiner Methode vor und ließ sie als Sandwich-Männer durch sieben große Städte laufen. Das Konzept: Passanten sollten versuchen, meine Leute durch einen verbalen Angriff sprachlos zu machen – und wenn meine Studenten dies nicht mit einer schlagfertigen Reaktion parierten, gab es 10 DM für den „Angreifer.“

Wieder informierten wir die Medien im Vorfeld. Die Aktion brachte 35 Erwähnungen – und steigerte den Buchverkauf um 60 Prozent.

Dritte Aktion – Teuer ist Thema

Während mein Thema Schlagfertigkeit viel Aufmerksamkeit brachte, war meine Rhetorik lange Zeit im Abseits. Ich wollte aber auch als Trainer für Rhetorik bekannt werden.

Jedes Rhetorikseminar hat eine Schwäche: Wenn es wenig Teilnehmer gibt, kann jeder oft üben – allerdings bewirkt dies, dass man sich bald gut untereinander kennt. In diesem gemütlichen Kreis lernt niemand, wie es ist, vor einem großen, fremden Publikum zu sprechen. Sind es andererseits viele Teilnehmer, die dies ermöglichen – dann kommt der einzelne nicht mehr oft zum Sprechen.

Um dieses Dilemma zu lösen, setzte ich eine Idee um, die ich seit dem Anfang meiner Karriere hatte: Ein Seminar der Superlative! Ich heuerte 100 Leute als Publikum an,  vor dem dann neun Teilnehmer reden sollten – und zwar unter realitätsnahen Bedingungen: Scheinwerferlicht im Gesicht, Knopf im Ohr, Zeitdruck.

Und damit dieses Seminar Aufsehen erregte, machte ich es zum teuersten in ganz Europa. Aktuell zahlt ein Teilnehmer 5.600 Euro für zwei Tage. Ich mietete mehrere Säle eines Hotels und engagierte Co-Trainer zur Unterstützung. Die Teilnehmer werden von einem Raum in den nächsten „gepeitscht“ und mussten 17 Reden halten. Das Konzept kam an: trotz – oder wegen – des hohen Preises wir waren schneller ausgebucht als erwartet.

Beim ersten Seminar erhielten die Zuschauer 50 Euro für ihre Anwesenheit. Als ich im Jahr darauf das Seminar abhielt, hatte ich auf einmal 350 Anmeldungen für diesen Job. Also ließ ich jetzt die Leute dafür bezahlen, dass sie zuhören und so vom Seminar profitieren konnten.

Über dieses Seminar, das  ich seit 11 Jahren mindestens einmal jährlich abhalte, haben zahlreiche Top-Magazine in mehrseitigen Reportagen berichtet. Meine Bekanntheit im deutschsprachigen Raum verdanke ich zu großen Teilen dieser Idee.

Vierte Aktion – Abneigung als Alleinstellungsmerkmal

Ich habe eine tiefgehende Abneigung gegen PowerPoint, die nur wenige in diesem Ausmaß teilen. Das unterscheidet mich von den anderen Trainern. Die Frage war: Konnte ich diese Besonderheit zu einem USP machen, das mir Aufmerksamkeit brachte?

In der Schweiz, meiner Wahlheimat, sind Parteien so einfach zu gründen wie ein Verein. Also gründete ich kurzentschlossen die Anti-PowerPoint Partei und nahm mit ihr an den Parlamentswahlen teil. Das war vor vier Jahren.

Ich fand Gründungsmitglieder, schrieb Statuten und bastelte eine Webseite – während ich die ganze Zeit über befürchtete, von Microsoft verklagt zu werden. Ich zog dieses Projekt international auf, da man in der Schweiz auch als Nicht-Schweizer Parteimitglied werden kann. Ich verfasste eine Pressemitteilung in deutsch und englisch und ließ sie in 67 Länder verschicken.

Und war nicht auf die Reaktion gefasst, die ich lostrat: Interviews mit Medien aus der ganzen Welt, von Südafrika bis New York, Kanada bis Australien – insgesamt rund 300 Medienabdeckungen.

Bei der Wahl bekam ich damals klägliche 900 Stimmen – aber mein Ziel hatte ich erreicht: eine enorme Medienresonanz. Dieses Jahr tritt die APPP wieder zur Wahl an – mit inzwischen rund 3500 Mitgliedern.

Autorenprofil:

Matthias PöhmMatthias Pöhm unterrichtet Rhetorik und macht als Coach Spitzenleute aus Politik und Wirtschaft für deren öffentliche Auftritte fit.

Er veranstaltet „das teuerste Rhetorik-Seminar Europas“ (FAZ), dessen Teilnehmer vor einem Publikum von 120 Menschen reden müssen. Zudem ist er Autor des Bestseller „Präsentieren Sie noch – oder faszinieren Sie schon“.

Weitere Informationen zum Autor finden Sie unter: www.rhetorik-seminar-online.com/

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