fbpx

Modeopfer110.de: Mit Durchhaltevermögen den Spagat zwischen Kunst und Kommerz meistern

Mit dem noch relativ jungen Portal Modeopfer110.de möchten die beiden Modedesignerinnen Anja Steffen und Berit Müller nach und nach eine „nationale Plattform für Mode“ schaffen.

Ein spannendes und vor allem schön anzusehendes Vorhaben.. Anja Steffen verrät uns mehr:

Frau Steffen, Modeopfer110 hat einen ehrenwerten aber auch anspruchsvollen Vorsatz. Was genau bietet Modeopfer110 seinen Lesern aber auch jungen DesignerInnen?

So neu ist Modeopfer110.de eigentlich nicht. Seit Februar 2009 berichten wir auf dem Portal nun schon regelmäßig über Trends, Labels und Infos zum Thema Mode & Job.

Unseren Lesern bieten wir viele branchenspezifische Infos, wie man sie in ähnlich gebündelter Form auf keinem anderen Portal in Deutschland findet. Darüber hinaus gibt’s wöchentlich neue Infos zu Trends, Shopping, Modelektüre und tollen Labels, die wir entdecken.

Dadurch sind wir besonders für junge Designer aus Deutschland zu einer spannenden Plattform geworden, auf der sie ihre Kollektionen einer breiten Zielgruppe von monatlich 150.000 Lesern präsentieren können.

Wie kam der Name Ihres Projekts zustande, und wie kam es zu der Idee insgesamt?

Auf die Idee zu Modeopfer110 kamen wir während eines Spaziergangs, als wir uns überlegten, dass wir uns im Laufe unseres Lebens schon etliche Male als fashion victim im weitesten Sinne gefühlt haben. Sei es rückblickend auf Stylingsünden in den 90ern, das Studium, als wir verzweifelt auf der Suche nach Informationen zu einem bestimmten Designer waren oder in unserem Job als Modedesigner, wenn wir uns fragten, warum wir nun schon seit 3 Stunden über die Ärmellänge eines Blazers diskutieren.

Weil wir wussten, dass unser Portal als nationale Plattform fungieren sollte, kam für uns nur ein deutscher Name in Frage. Also übersetzen wir „fashion victim“ in „Modeopfer“. Die 110 setzten wir hinten an, weil sie den Grundsatz zu „erste Hilfe bei akuter Modelust“ ausdrückt. 110 ist die Notrufnummer und genauso wie diese Nummer jeder wählt, wenn akute Hilfe benötigt wird, soll unser Portal für die schnelle Hilfe bei Modefragen jeglicher Art da sein.

Sie konnten beide Berufserfahrung bei internationalen Labels sammeln. Was fehlt der Szene hierzulande noch, was andernorts vielleicht besser funktioniert? Und wobei übernimmt die deutsche Modewelt vielleicht sogar eine Art Vorreiterrolle?

Wir konnten Berufserfahrung bei Labels in New York und London sammeln. Generell fällt im internationalen Vergleich auf, dass wir Deutschen viel pragmatischer und damit auch weniger mutig sind. Deutsche Mode ist gerne nah am Alltag. Da ist man in Paris, London oder auch New York viel spielerischer und experimenteller oder sogar provokativ.

Dafür steht Deutsche Mode international für klassische Konfektion und Qualität. Da haben wir Deutschen einfach übergreifend unser Image von Verlässlichkeit und handelsorientierter Denke weg.

Ihre Redaktion sitzt in Berlin. Ist die Nähe zur dortigen Szene eine Art Voraussetzung für ein erfolgreiches StartUp im Bereich Fashion?

Anja Steffen und Berit Müller. Foto: Jan Rasmus Voss.

Ich würde nicht behaupten, dass der Standort Berlin Vorraussetzung ist.

Er ist mit Sicherheit von Vorteil, da es in Berlin mehr Designer gibt als anderswo in der Republik und sich auch sonst einiges in punkto Mode in Berlin abspielt. Da wären z.B. 9 Modeschulen, etliche PR Agenturen und die Fashion Week.

Andererseits spielt sich ein Großteil unserer Arbeit im Büro ab. Mit vielen Designern und Agenturen stehen wir per Mail oder Telefon in Kontakt. Darum würde ich behaupten, dass ein Internet StartUp, wie wir es sind, auch von Pusemuckel aus funktioniert.

Gerade die Hauptstadt beheimatet viele kreative Köpfe, von denen es aber leider viele nicht schaffen, sich mit einem eigenen Geschäftsmodell dauerhaft zu etablieren. Wie kann man diesen Spagat zwischen Kunst und „Kommerz“ Ihrer Meinung nach meistern, was können Sie anderen GründerInnen in spe aus Ihrer Erfahrung heraus raten?

Nach über 3 Jahren Berufserfahrung als Gründerin, bin ich mir sicher, dass eine grundlegende Voraussetzung für den Erfolg in der Konsequenz und dem Durchhaltevermögen liegt, das man an den Tag legt. Am Anfang ist es leicht, Elan für die eigene Sache aufzubringen, doch sobald die erste Euphorie abebbt, wird es schwerer sich zu motivieren, vor allem wenn es keine höhere Instanz und keine Regeln für den Arbeitsalltag gibt.

Den Spagat zwischen Kunst und Kommerz zu schaffen, hat auch für uns immer wieder eine große Herausforderung dargestellt. Dafür haben wir versucht, uns und unsere Arbeit stets mit einer guten Portion Selbstkritik zu betrachten. Wie lässt sich unser Produkt glaubwürdig vermarkten und wo fängt der Kommerz an, die „Kunst“ in den Hintergrund zu drängen? Das sind Fragen, die man sich als Kreativer immer wieder stellen muss.

Früher galt alles rund um „Fashion“ eher als elitäre Angelegenheit. Hat hier mittlerweile ein Wandel stattgefunden?

Mode ist längst keine elitäre Angelegenheit mehr. Besonders das Phänomen Streetstyle hat dazu beigetragen, dass alles was auf irgendeine Art funktioniert und sei es nur, dass es irgendwie schräg aussieht, „Fashion“ ist.

Die Modefreaks von heute mischen Vintageklamotten für 1 Euro mit Chanel & Co auf solch selbstverständliche Weise, dass der elitäre Gedanke dem Streben nach Individualität untergeordnet wird.

Ein paar Worte zu Ihnen und dem Team hinter Modeopfer110?

Ich bin eine der zwei Gründerinnen von Modeopfer110. Nach abgeschlossenem Studium als Modedesignerin ging ich mit einem Fulbright Stipendium nach New York, wo ich am FIT Modeillustration studierte.

Es folgte Berufserfahrung bei Kenneth Cole und Yohji Yamamoto, ehe ich nach Deutschland zurück ging und als Designerin für das Label Schumacher anfing. Im Februar 2009 launchte ich zusammen mit meiner Kollegin Berit Müller, die ich schon seit dem Studium kenne, Modeopfer110.

Zwei Jahre lang arbeiteten wir vom Home Office aus an unserem Portal, bis wir unseren Arbeitsplatz vor anderthalb Jahren in ein Büro in Friedrichshain verlegten, wo wir heute mit einem Team von Praktikanten unsere Redaktion führen.

Kommentar hinterlassen on "Modeopfer110.de: Mit Durchhaltevermögen den Spagat zwischen Kunst und Kommerz meistern"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.