Möglichst günstig die eigene Internet-Geschäftsidee umsetzen

Internet-Geschäftsidee umsetzen

Viele unserer Leser denken an die Gründung eines Onlineunternehmens, haben hierfür zwar eine gute Geschäftsidee, jedoch nicht immer die notwendigen technischen Kenntnisse.

Unser Leser Gunther Kotz hat sich sein Portal www.versteigerungszwang.de in Indien programmieren lassen. Ein Erfahrungsbericht:

Wie kamen Sie auf diese Idee Ihr Portal im Ausland programmieren zu lassen, und wie gelang es Ihnen, von Deutschland aus einen guten und seriösen Anbieter dort zu finden?

Eine Programmierung in Indien war nicht vorab geplant, sondern hat sich eher zufällig ergeben. Ich hatte zunächst einige Angebote aus Deutschland eingeholt, diese schienen mir aber sehr teuer (so ca. EUR 12.000-15.000).

Auf der Suche nach Alternativen habe ich mehr zufällig im Internet nach Freelancern gesucht und bin dabei auf die Platform Twago gestoßen. Dort können Auftraggeber Ihre Aufträge einstellen und Auftragnehmer auf die Aufträge Gebote abgeben.

Ohne große Erwartungen habe ich mein Konzept (auf deutsch und englisch) auf der Platform eingestellt und war von der enormen Resonanz überrascht – innerhalb von vier Tagen erhielt ich über 40 Angebote.

Die Anbieter kamen aus der ganzen Welt, zum Teil aus Deutschland, aus Osteuropa, aber auch USA und Indien.

Daraufhin habe ich die Angebote verglichen und die Anbieter nach Referenzprojekten gefragt. Dadurch wurde die Auswahl eingeschränkt. Weitere Kriterien die ich bei der Auswahl angewandt habe waren

  1. wie schnell die Anbieter auf meine Nachfragen reagiert haben
  2. Zahlungsmodalitäten (Vorkasse oder nicht)
  3. natürlich auch der Preis.

Es blieben 3-4 Anbieter übrig, die alle einen guten Eindruck machten. Letztlich habe ich mich für Citytech entschieden, einen Anbieter aus Indien.

Ausschlaggebend war, dass Citytech mehrere Projekte mit GoogleMaps Einbindung realisiert hatte, die Firma groß schien (sie war auch auf der CeBit), und sie ihr Angebot auf deutsch abgegeben hatten (Citytech hat einen Deutschen als Key Account Manager).

Was sind Ihre Erfahrungen was diese Zusammenarbeit angeht?

Insgesamt war ich mit der Zusammenarbeit sehr zufrieden, auch wenn es zwischendurch Missverständnisse gab.

Zunächst war meine Kontaktperson der deutsche Key Account Manager. Wir haben mehrmals per Skype telefoniert und ich habe ihm erklärt, wie ich mir die Seite vorstelle. Er hat dies an die Programmierer weitergegeben die das umgesetzt haben.

Dabei kam es manchmal zu kleinen Missverständnissen, so dass ich nach kurzer Zeit dazu übergegangen bin, direkt mit den Programmierern zu sprechen (auf englisch). Wir haben alle 2-3 Tage per Skype kommuniziert: zunächst wurden Funktionen entwickelt, dann habe ich diese getestet, dann wurde verbessert, usw.

Um den Programmierern die Arbeit zu erleichtern wurde die Seite zunächst in englisch programmiert, erst am Ende wurde alles auf deutsch übersetzt.

Was sind die Hauptvorteile aber vielleicht auch Nachteile dieses Vorgehens?

Der Hauptvorteil war sicherlich der Preis. Das ganze Portal wurde für unter EUR 4.000 umgesetzt, also deutlich günstiger als von deutschen Anbietern.

Kleinere Beeinträchtigungen gab es auch, wie z.B. sprachliche Missverständnisse, oder enge Kommunikationsfenster wegen der Zeitverschiebung zu Indien. Und natürlich wäre es besser gewesen, man hätte sich direkt Treffen können um das Projekt zu besprechen.

Als große Nachteile würde ich diese Punkte allerdings nicht bezeichnen, da man sie relativ leicht in den Griff bekam.

Ihr Portal soll auch in Zukunft um neue Möglichkeiten erweitert werden. Geben Sie diese Arbeiten wieder nach Indien, und waren Ihnen heimische Anbieter schlicht zu teuer?

Ich war mit Citytech bisher sehr zufrieden und werde weitere Arbeiten am Portal wieder an Citytech vergeben.

Zum einen kenne ich die Programmierer jetzt, und diese kennen die Seite, zum anderen sind diese auch deutlich günstiger als deutsche Anbieter.

Wie wird es mit versteigerungszwang.de weitergehen, auf welche neuen Möglichkeiten dürfen sich die Nutzer freuen?

Zunächst möchte ich die Seite schneller machen.

Danach wird das Portal um neue Funktionen erweitert. Hier denke ich an eine erweiterte Suchfunktionen, so dass Nutzer auch nach Objektart (Wohnung, Einfamilienhaus, etc.) suchen können, eine Erinnerungsfunktion die Nutzer an gespeicherte Versteigerungen erinnert, sowie „now trending“ um Nutzern anzuzeigen, welche Objekte gerade gesucht/angecklickt werden, so dass sie abschätzen können, wie viel Konkurrenz es bei der Zwangsversteigerung geben wird.

Mittelfristig möchte ich eine Datenbank aufbauen über die Preise zu denen der Zuschlag erfolgt ist. Derzeit erarbeite ich das Konzept dafür.

10 Kommentare zu "Möglichst günstig die eigene Internet-Geschäftsidee umsetzen"

  1. Hallo!

    Da sieht man, was das Internet für Möglichkeiten bietet!

    Genau aus diesem Grund sollten die Menschen und die Politik versuchen, nicht nur die heimische Wirtschaft zu berücksichtigen, sondern die Weltwirtschaft!

    Viele Arbeiten werden, dank Internet, nicht mehr an die heimische Wirtschaft vergeben, sondern in die ganze Welt getragen…es sollte nicht mehr nur versucht werden die eigene, heimische Wirtschaft zu stärken und zu stabilisieren, sondern die gesamte Weltwirtschaft zu vereinheitlichen!

    Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg…überhaupt mit manchen Politiker, die z.B. für Facebook einen Führerschein fordern…mit solchen Politikern kann man nicht einmal die Haushaltskasse einer Familie im Griff behalten…geschweige die Weltwirtschaft!

    Lange Rede, kurzer Sinn: Das Internet macht vieles Möglich und lässt durchaus professionelles Service mit wenig Geld realisieren und ein Top-Online-Business starten!

    MfG

    Csaba

  2. @Csaba Nagy: Ich denke auch, viele stehen dieser Form des Outsourcing natürlich kritisch gegenüber, aber wieso sollten die Entwickluns- und Schwellenländer hier nicht punkten und von uns profitieren können, das ist eigentlich nur gerecht.

    Und gerade in der Programmierung ist die Grauzone manchmal groß, viele bieten sehr gute Leistung zum guten Preis, aber manche ziehen Neukunden auch gerne einmal „über den Tisch“.

    Hätte ich eine umfangreiche Onlineidee die ich nicht selbst auf WordPress-Basis realisieren könnte, ich würde mir solch ein Outsourcing ebenfalls überlegen..

  3. @Markus: Klar, das kommt natürlich hinzu. Ich selbst biete ja auch Webdesign an, und kann auch nicht zu knapp kalkulieren, lieber sage ich hinterher „ich war doch schneller“ und dann freut sich der Kunde.

    Für gewisse Programmieraufgaben (nicht für alle) kann Offshoring aber natürlich schon eine Alternative sein, auch wenn einem dies als heimischer Entwickler natürlich weh tut..

    Wir haben aber wohl eh mit den größeren Agenturen eine stärkere Konkurrenz als mit solchen Tendenzen

  4. Ich würde gern an dieser Stelle nicht kritisch aber skeptisch hinterfragen ob nicht gerade Firmen wie twago, das Wort Crowdsourcing für sich neu erfunden haben. Vor allem freie Mitarbeiter erleben, ähnlich wie bei myhammer, einen Wettbewerb, der zu unsicheren Kalkulationen führt und ungesund ist.

    Im Zusammenhang mit der Thematik entstehen andererseits aber auch erste organisierte Kooperationsmodelle auf reiner Freelancer Basis, wie beim eLancer-Team, die scheinbar ihrerseits eine Art natürlichen Gegenpool ausprägen.

    Für Webdesign stellen derartige Konzepte meiner Meinung nach eine durchaus sinnvollere Lösung dar, da hier noch am ehesten kundennah und vor allem glaubwürdig agiert werden kann und Freelancer sich in Teams gegenseitig unterstützen und Risikos minimieren können.

  5. Leute wie Herr Kotz haben den deutschen Wirtschaftkreislauf nicht wirklich verstanden. Durch die Geiz Mentalität der Betreiber scheitern die meisten Web 2.0 Portale. Sogar für 12t Euro ist sicher kein ordentliches Portal realiserbar und die Kosten für Marketing etc. müssen sicher auch noch viel höher kalkuliert. Mit 4t Euro Budget sollte man lieber einen netten Urlaub machen.

    Grüße aus Hamburg

    • Das würde ich nicht unbedingt behaupten. Es kommt immer darauf an, was man wirklich benötigt. Wir selbst stellen ja auch Portale auf die Beine, und es muss dabei nicht immer gleich eine Investition von mehreren 10k Euro sein. Das hat dann auch mit dem deutschen Wirtschaftskreislauf wenig zu tun, es sei denn man setzt voraus, dass in diesem auch völlig überteuerte Dienstleistungen zum Einsatz kommen. Reines Preisdumping funktioniert natürlich genauso wenig.

  6. Würde ich jetzt auch schreiben, wenn meine Zielgruppe eine Truppe von Billigheimern wäre. Natürlich nehm ich es euch nicht übel wenn Ihr den Kommentar nicht veröffentlicht.

    • Wir zensieren keine Kommentare (es sei denn sie beleidigen Dritte), selbst wenn es natürlich schade ist dass einige Verfasser ihre Beiträge nur anonym verfassen wollen.

  7. Es ist schön zu lesen, dass Outsourcing hier so gut funktioniert hat. Wie man erkennen kann, sind die pauschalisierten Barrieren wie Sprache und Kultur überwindbar. Sicherlich sind da noch Unterschiede, wenn man das im eigenen Land oder tausende von Kilometern wo anders produzieren lässt. Ein Key Account Manager der dieselbe Sprache spricht ist vom großen Vorteil. Offshoring 2.1 ist ein recht neuer Ansatz, der genau diesen Vorteil betont. Es ist so eine Art weiter entwickelte Form vom Offshoring. Es ist die Kombination aus inländischen Vertragspartnern und ausländischen Software-Entwicklern. Dadurch verwschwimmen die Hindernisse wie Sprache, Zahlungsmodalitäten, rechtliche Unterschiede und der finanzielle Vorteil bleibt erhalten.

  8. Ich habe gerade eher durch Zufall diesen Artikel entdeckt. Es ist freut mich zu hören, dass das Thema Outsourcing auch bei anderen so gut funktioniert. Ich musste vor über einem Jahr ein Projekt nach Indien verlagern. Eine Umsetzung zu deutschen Konditionen war für uns leider nicht mehr realisierbar. Mittlerweile hat sich eine nachhaltige Partnerschaft mit dem indischen Unternehmen entwickelt und wir sind sehr zufrieden mit der Arbeit. Auf die indischen Arbeitszeiten mussten wir uns nicht einstellen, da dort die meisten Angestellten erst gegen späten Vormittag die Arbeit aufnehmen und dann bis abends arbeiten, das egalisiert den Zeiterunterschied.
    Ich kann verstehen, dass sich viele deutsche Programmierer über die asiatische Konkurrenz ärgern, aber gerade für uns kleinere Unternehmen, die auf dem globalen Markt tätig sind bzw. sein wollen, ist dies oft nur die einzige Möglichkeit, um nicht von der Konkurrenz abgehängt zu werden.
    Ohne die günstigen indischen IT-Unternehmen wüsste ich nicht, ob mein Unternehmen so noch exisitieren würde.
    MfG

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