Neugründung carzapp aus Berlin: Die Revolution des Carsharing?

carzapp app

Nichts geringeres als das Carsharing zu revolutionieren, das möchte das StartUp carzapp aus Berlin.

Ein äußerst spannendes Konzept, gefördert und unterstützt durch Bund und EU, dem man nur viel Erfolg wünschen kann. MeinStartup.com im Interview mit Yannick Feige, bei carzapp für das Projektmanagement zuständig:

Herr Feige, wir berichten in letzter Zeit des Öfteren über neue Konzepte auf dem Gebiet des Carsharings. Sie rufen nun mit Ihrem StartUp „die nächste Evolutionsstufe“ aus. Was macht carzapp so einzigartig?

Wir haben mit unserem „ZappKit“ eine Lösung entwickelt, die das Teilen privater Autos in den meisten Fällen überhaupt erst möglich macht. Mieter können bei uns nach einer Bestätigung des Autobesitzers einfach und sicher das Auto mit Ihrem Smartphone öffnen. Der Besitzer kann zu jeder Zeit, ob im Urlaub oder in einem Meeting Geld mit seinem Auto verdienen.

Neben dem „ZappKit“ haben wir eine neue Versicherungslösung mit unseren Partnern erarbeitet, die speziell auf die Anforderungen des privaten Carsharings mit Hardware angepasst ist und beide Seiten für alle Eventualitäten absichert. Durch diese beiden Faktoren können wir uns deutlich von den Konkurrenten, nicht nur im deutschen Markt, absetzen.

Neben dem Auto-Teilen wird man sich bei Ihnen auch ein Auto mieten können, etwa für das Wochenende. Wie bestehen Sie den Spagat zwischen beiden ja doch recht unterschiedlichen Konzepten?

Über carzapp werden ausschließlich Mieten zwischen Privatpersonen vermittelt. Die Länge der Miete kann zwischen einer Stunde und mehreren Wochen liegen, so dass man sich auch über das Wochenende z.B. ein Cabrio mieten kann.

Das „Schaufensterprojekt E-mobility“ (hier weitere Informationen des BMVBS als PDF) ermöglicht es Privatpersonen über unsere Partner vergünstigt ein Auto über zwei bis drei Jahre zu leasen. Diese geleasten Autos werden dann genau wie die konventionellen Fahrzeuge auf unser Portal gestellt und stehen anderen Personen zur Miete zur Verfügung.

Wer sind die Partner Ihres Unternehmens, und wie konnten Sie von deren Know How profitieren?

Im Rahmen der Bewerbung zum Schaufenster Elektromobilität Berlin-Brandenburg haben wir mit unseren Partnern Renault, Peugeot, Vodafone, E.ON und Capgemini ein Projekt eingereicht. Ziel ist es die Vorteile und Potenziale von Elektroautos zu kombinieren, um u.a. mehr Personen die Möglichkeit zu geben Elektroautos zu nutzen.

Erst durch das Zusammenspiel der Partner u.a. aus dem Automobilbereich, der erneuerbaren Energien und uns als Carsharing Dienstleister wird es ermöglicht die Potenziale der einzelnen Bereiche voll auszuschöpfen.

So bringt jedes einzelne Unternehmen sein Know How in dieses Projekt ein und wir profitieren gegenseitig von unseren Netzwerken und den Erfahrungen. Aktuell profitieren wir auch ganz konkret durch unsere Partnerschaften, da uns für Veranstaltungen und Präsentationen freundlicherweise verschiedene Elektroautos der Hersteller zur Verfügung stehen.

Warum tut sich das Thema Elektromobilität – trotz großen Interesses in der Bevölkerung – Ihrer Meinung nach immer noch so schwer?

Elektromobilität hat noch einige Barrieren zu überwinden. Technisch sind die Autos schon sehr weit. Viele Konsumenten verbinden aber immer noch lange Batterie-Ladezeiten und geringe Reichweiten mit Elektroautos. Durch die Schnellladung kann man Elektroautos inzwischen innerhalb einer halben Stunde auf 80% aufladen. Auch die Reichweite liegt bei den neusten Modellen zwischen 100 km und 200 km pro Ladung. Aktuelle Umfragen bestätigen, dass sich die Meisten inzwischen vorstellen können ein Elektroauto zu fahren.

carzapp Team

Das Team hinter carzapp

Nach wie vor die größte Hürde stellt der vergleichsweise hohe Anschaffungspreis dar. Damit nicht eine einzelne Person die hohen Anschaffungskosten tragen muss und es möglich wird die sehr geringen laufenden Kosten eines Elektroautos voll auszunutzen, setzen wir unser Konzept des privaten Carsharings zusammen mit den Herstellern von Elektroautos um.

Dabei werden die Anschaffungskosten zunächst über eine Leasing über die Leasingdauer verteilt und der Besitzer verdient durch die Vermietung Geld. So profitieren alle von den Elektroautos.

Welche weitere Unterstützung seitens der Industrie, der Politik oder auch der Bevölkerung selbst wünschen Sie sich in diesem Zusammenhang?

Die Politik geht bereits mit gutem Beispiel voran. Das Schaufenster Elektromobilität bietet für Industrie, Forschungseinrichtungen und kleine Unternehmen wie uns als Startup eine hervorragende Plattform um zusammen neue Konzepte zu entwickeln.

Durch diese Konzentration und den intensiven Austausch wird es möglich schneller innovative Modelle umzusetzen und die nötigen gesetzlichen Anpassungen zu beschleunigen. Gerade was die Anpassung der gesetzlichen Rahmenbedingungen betrifft wäre es natürlich schön, wenn sich die Politik da flexibler zeigen würde. Aber eine Regierung ist nun mal kein Startup und muss viele Interessensgruppen vereinen.

Letztendlich liegt es nun an uns, die Bevölkerung von den Vorteilen unseres neuen Mobilitätskonzepts zu überzeugen. Als Unterstützung aus der Bevölkerung sind wir aktuell auf der Suche nach Betatestern, die als Erste unser Portal und unser „ZappKit“ zum schlüssellosen Öffnen testen möchten. Bewerbungen dazu werden über carzapp.net entgegengenommen.

Wie hat sich Ihr Team gefunden?

Das Kern-Team hat sich über den Venture Campus an der TU Berlin gefunden, einem Projekt im Rahmen der TU-Gründungsinitiative. Ziel dieser Initiative ist die nachhaltige Förderung und wirtschaftliche Nutzung des hohen technologischen Gründungspotentials an der TU Berlin.

In dieser praxisnahen Lehrveranstaltung spielen die Teilnehmer in interdisziplinären Teams eine Unternehmensgründung selbstständig und realitätsnah durch. Viele Fragestellungen und Herausforderungen des Gründungsprozesses haben wir hier schon durchdacht. carzapp ist hieraus entstanden.

6 Kommentare zu "Neugründung carzapp aus Berlin: Die Revolution des Carsharing?"

  1. Klingt spannend, aber haben die Jungs schon mal etwas von der in Deutschland geltenden Halterhaftung gehört? Lässt man jemanden ohne Führerschein hinters Steuer, kann das ein Jahr Freiheitsentzug bedeuten. Welche Privatperson möchte so etwas riskieren fahren (http://dejure.org/gesetze/StVG/21.html)

  2. Ich hätte eher gedacht, das das erklärte Heiligtum eines jeden deutschen Mannes eher wie eine heilige Kuh behandelt wird.
    Ich kann mir noch nicht so richtig vorstellen, dass irgendwer sein Auto an Menschen verleiht, die er nicht einmal kennt. Gerade eine starke Frequentierung mit unterschiedlichen Umgehensweisen und Fahreigenschaften durch den Mieter würden mich eher davon abhalten, mein Auto aus der Hand zu geben.
    Gerade wenn ich auch sicher sein muss, dass mein Auto um eine bestimmte Uhrzeit wieder bereitstehen muss. Beschädigungen durch den Mieter die nicht direkt sichtbar sind, sind hinterher schwer nachzuweisen.

  3. Das Zappkit bzw. Smartphone ist ja eine supergeile Idee zum auf-und zumachen eines PKW, aber ich nehme an ich brauch noch’en Schluessel zum Fahren …oder? Wenn ich mir den Schluessel vom Besitzer holen muss, wozu brauch ich dann den Zappkit, …zum auf-und zumachen des PKW obwohl ich den Schluessel habe? Vor allen Dingen, wie hoch sind die Kosten des Carsharing pro Tag oder km? Geht es hier um Auto Leasing als Gruppe oder das private Ausleihen eines PKW an andere? Ist die ganze Zappkit Geschichte mehr auf zukuenftige E-Autos oder noch auf die Mehrheit der Benziner ausgerichtet? Alles das konnte ich auf der Webseite nicht wirklich finden…aber zumindest gab es eine schoene Goetterdaemmerungssicht auf Berlin.
    MfG, Klaus Kramer

  4. Die Themen Zeit, aber auch Bequemlichkeit seien die Luxusthemen der jüngeren Generationen, das Auto als Eigentum verliere dabei als Statussymbol deutlich an Bedeutung.

  5. Ich halte es für sehr relevant, das es neue und zusätzliche Beförderungsarten in der Stadt gibt. Dabei steht die Flexibilität im Vordergrund. Mal ist der öffentliche Nahverkehr das richtige Mittel, mal Carsharing, mal ein Mietwagen und auch mal ein Taxi. Durch den richtigen Mix wird es interessant.

  6. Vielen Dank für das umfangreiche Feedback und die vielen Fragen.

    @Tim
    Mit dieser Frage haben wir uns in der Tat intensiv beschäftigt. Für den Vermieter und den Mieter besteht während jeder Miete eine rundum Versicherung. Im Fall der Fälle ist das Auto, der Vermieter und der Fahrer über unsere Partner mit einer Haftpflicht, Teil- und Vollkasko abgesichert. Bei jedem Fahrer wird außerdem überprüft, ob dieser über eine gültige Fahrerlaubnis verfügt, so dass der Vermieter (und carzapp) aus der Haftung genommen sind. Dieser wichtige Punkt ist geprüft und der Halter ist rechtlich abgesichert.

    @Frank
    Es wird einen Zeitpuffer bei der Vermietung geben, so dass der Mieter sich auch mal verspäten kann, ohne dass der Besitzer warten muss. Falls es doch einmal zu einer größeren Verspätung kommen sollte, kümmert sich carzapp um ein Ersatzauto oder eine Entschädigung für den betroffenen Vermieter.
    Mieter machen vor der Abholung und nach der Abgabe ein Übergabeprotokoll, in dem die vorhandenen Schäden angezeigt und neue eingetragen werden. Genauere Details dazu werden wir noch bekannt geben.

    @Klaus
    Danke für die umfangreichen Fragen. Da wir aktuell noch in der Test- und Entwicklungsphase sind, können wir leider noch nicht alle Informationen vollständig veröffentlichen.
    1. Ein Schlüssel zum Starten des Motors ist im Auto hinterlegt. Damit ein Einbrecher nicht einfach die Scheibe einschlagen und losfahren kann, wird eine zusätzliche Wegfahrsperre eingebaut, die einen Diebstahl verhindert. So ist das Auto ganz nebenbei noch zusätzlich gegen Diebe abgesichert und es sind dadurch sogar Einsparungen bei der eigenen Versicherung möglich.
    2. Die Kosten für die Miete pro Stunde / Tag / km werden unter denen von kommerziellen Anbietern mit eigener Flotte liegen. Genaueres dazu werden wir noch bekannt geben.
    3. Ziel ist es, dass Privatpersonen ihr Auto an andere einfach und sicher ausleihen können, um damit Geld zu verdienen. Das Schaufensterprojekt auf das Sie sich beziehen ist ein Leasingmodell, wodurch Sie sich vergünstigt ein Elektroauto über unserer Partner leasen können und zusätzlich (wie mit herkömmlichen privaten PKW) über carzapp Geld durch das Vermieten an andere verdienen.
    4. Das Schöne an unserer Hardware, dem ZappKit, ist dass wir es in fast jedes Fahrzeug einbauen können, es ist also egal ob Elektroauto, Benziner oder Diesel.

    Für weitere Fragen stehe ich gerne unter yannick [ät] carzapp.net zu Verfügung.

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