Neustart für E-Invoicing-Plattform Pactas: Das Potenzial ist enorm

Die eigenen Rechnungen online versenden, empfangen und verwalten, genau das bietet Pactas. Das StartUp mit dem spannenden Geschäftskonzept nimmt derzeit den zweiten Anlauf, sich auf dem Markt zu etablieren. Unter anderem darüber sprachen wir mit Dr. Ricco Deutscher, geschäftsführender Gesellschafter der Pactas GmbH aus Frankfurt:

Herr Dr. Deutscher, Pactas hat bewegte Zeiten hinter sich, und nimmt nun einen neuen Anlauf. Wie kam es zu diesem quasi zweiten Versuch einer Gründung?

Sowohl die Idee „eInvoicing für Selbständige und den Mittelstand“ als auch der Plan zur Unternehmensgründung waren schon vorher da. Es war aber eine sehr glückliche Fügung, dass ich über einen gemeinsamen Kontakt auf das Münchner Startup aufmerksam wurde. Es stellt sich heraus, dass wir ähnliche Konzepte hatten und dass die Plattform im Kern das abdeckte, was ich brauchte. Dies hat dann die Gründung und den Online-Start beschleunigt.

Die Lösungen von Pactas unterstützen die Rechnungslegung für Unternehmen jeglicher Art. Welche Vorteile genau ergeben sich für kleinere aber auch größere Unternehmen, welche Ihre Lösung einsetzen?

Pactas adressiert nicht nur die Probleme des Rechnungsstellers, sondern auch die des Rechnungsempfängers. Beide Seiten – Rechnungssteller und Rechnungsempfänger – werden in einem Netzwerk integriert, sodass sich Medienbrüche durch Papier oder E-Mail vermeiden lassen. Auch eine PDF-Rechnung im Anhang einer E-Mail ist für den Rechnungsempfänger ein Medienbruch, da er beispielsweise nicht automatisiert an Zahlungsfristen erinnert werden kann. Der Nutzen von Pactas ist vielfältig.

Der größte Nutzen liegt in einer neuartigen Transparenz und Kontrolle über den Status einer Rechnung und den Status der Zahlung auf beiden Seiten: die eine Seite kann der anderen Status-Informationen zusenden wie „Rechnung ist akzeptiert“, „Zur diese Rechnung gibt es folgende Rückfrage“ oder „Zahlung erhalten“. Dadurch lassen sich Dispute und Konflikte sehr viel effektiver lösen. Ein weiterer wesentlicher Nutzen ist die Reduktion der Kosten für Kuvertierung, Porto und die gesetzlich vorgeschriebene 10-jährige Archivierung – ein Aspekt, der häufig übersehen wird. Größere Unternehmen profitieren zusätzlich von deutlichen Einsparungen bei den Prozesskosten, die für die Rechnungsprüfung anfallen, und sie sparen Verwaltungsaufwand und wertvolle Arbeitszeit.

Das Potenzial ist enorm: „30 Milliarden Rechnungen werden jährlich in Europa immer noch per Brief versendet“, so schreiben Sie. Was meinen Sie, wieso hinkt der Markt hier den elektronischen Möglichkeiten bislang hinterher? Ist dies auch eine Art „kulturelles“ Problem, dass eine Post-Rechnung als „wertvoller“ gilt?

Das ist eine sehr gute Frage: Wieso werden heute die meisten Rechnungen noch papierbasiert verschickt, obwohl jede andere schriftliche Kommunikation zwischen Kunden und Lieferanten schon elektronisch per E-Mail geschieht? Ich glaube, der hauptsächliche Grund dafür sind die mit der Rechnung verbundenen internen Geschäftsprozesse.

Wie wird sich das E-Invoicing entwickeln? (c) pactas GmbH

Sind solche internen Geschäftsprozesse einmal in einer Organisation ausgeprägt, dann lassen sie sich nur langsam verändern. Aber mit dem Nachrücken der Generation der sogenannten Digital Natives in Führungs- und Entscheidungspositionen, ist die Umstellung auf vollelektronische Rechnungsprozesse nur eine Frage der Zeit. Ich rechne hier mit einer Dekade.

Die Versuche der Post aber auch privater Unternehmen, den eBrief durchzusetzen, mussten schwere Rückschläge verzeichnen. Bereitet Ihnen dies Sorge, oder sehen Sie sich in Ihrem Markt in einer anderen Situation?

Aus meiner Sicht hat die Deutsche Post bei der Einführung des E-Postbriefs lange Zeit eine falsche Strategie verfolgt. Sie hat erstens versucht, die alte papierbasierte Wertschöpfungskette eins zu eins ins Internet zu übertragen. Das musste scheitern, da das Internet Wertschöpfungsketten neu strukturiert. Der zweite Fehler war, dass E-Postbrief als geschlossenes System konzipiert wurde. Damit konnte sich E-Postbrief nicht in den gewohnten digitalen Workflow eines Internet-Users integrieren.

Jeder Smartphone-User fragt sich, warum er den Online-Brief nicht auf seinem Smartphone empfangen kann. Drittens rechtfertigt der Preis eines Online-Briefes im Vergleich zur E-Mail in den meisten Fällen den heutigen Zusatznutzen nicht.

Wie will Pactas nachhaltig wachsen, und was können Sie hierbei aus der ersten Launch-Phase lernen und anwenden?

Dr. Ricco Deutscher

Es ist Teil unserer Strategie, dass die Nutzung von Basisfunktionalität kostenlos ist. So wie die meisten Internet-Nutzer über E-Mail-Services wie Gmail und web.de kostenlos E-Mails versenden und empfangen können, so können Selbständige und Freiberufler bei Pactas ihre Rechnungen kostenlos versenden, empfangen und verwalten. Erst die erweiterte Funktionalität wird kostenpflichtig.

Ein weiteres Element unserer Strategie sind Partnerschaften mit Anbietern von Buchhaltungssystemen und anderen Online-Applikationen (SaaS). Schließlich bieten wir auch branchenspezifische Lösungen für mittelständische Unternehmen, die beispielsweise eine große Anzahl von eingehenden Rechnungen verarbeiten müssen. Wir lernen in dieser Anfangsphase von den Nutzern, welche Funktionen ihnen wichtig sind, um diese Funktionen zeitnah zu liefern.

Ein paar Worte zu Ihnen und dem Team hinter Pactas?

Pactas ist persönlich mein drittes Startup. Vom Hintergrund bin ich Physiker. Ich habe in Leipzig und Moskau studiert, und in Hannover promoviert. Danach war ich bei SAP und McKinsey. Mein Team besteht aus sehr erfahrenen Managern und Entwicklern. Ich bin sehr stolz, in der kurzen Zeit seit der Gründung im März 2012 ein so gutes Team aufgebaut zu haben. Im nächsten Schritt werden wir das Team mit Marketing- und Vertriebsexperten erweitern.

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