Ortsunabhängiges Arbeiten als Chance für Entrepreneure

Ein Gastbeitrag von Slavisa Tavic, digitalenomaden.info.

Dilemma eines Entrepreneurs

Wer kennt das Dilemma als Jungunternehmer nicht, man hat die erste umsetzbare Geschäftsidee und steht vor der Kostenrechnung. Schnell summieren sich die Budgetposten wie Büro, Festnetzanschluss, Internetzugang und Einrichtung zu einem schwindelerregenden Betrag. Es steht aber nirgends in Stein gemeißelt, dass man heute als Unternehmer über ein Büro mit fester Anschrift, oder über eigenes Personal verfügen muss. Es kann sogar als innovativ gelten wenn man, im Sinne eines Lean-Startups, eine Gründung wagt und sich gar nicht erst auf hohe, ortsgebundene Fixkosten einlässt. Immerhin sind gemäß einer Studie des BMWi Finanzierungsprobleme gefolgt von unternehmerischen Fehlentscheiden Hauptgründe für Schließungen.

Wie wirkt man dieser Problematik entgegen? Wie umgeht man die Kostenfalle und gründet innert Kürze eine Unternehmung mit dutzenden Angestellten Profis, ohne auch nur einen Cent im Voraus dafür zu bezahlen? Nebst einem schlanken Aufbau eines Unternehmens gewinnt auch die ortsunabhängige Arbeitsweise immer mehr an Bedeutung und trägt zu blühenden Neugründungen bei.

Digitale Nomaden

Als „Digitale Nomaden“ werden Menschen bezeichnet, welche ortsunabhängig arbeiten und in der Extremform auch komplett losgelöst von einem festen Ort leben. Einer der bekanntesten dieser Art, ist sicherlich der Autor des Buches „Die 4-Stunden-Woche“, Timothy Ferriss. Wie wird man ein virtueller CEO und was sind dabei Chancen und Risiken? Eignet sich jeder zu so einer Lebensweise, oder ist dieser Lifestyle einigen Wenigen vorbehalten? Idealerweise versucht man sich daran, in einem nahegelegenen Kaffee mit kostenlosem W-LAN zu Arbeiten. Wer auch einen Drucker und weitergehendes Equipment braucht, der findet mit sogenannten Coworking Büros unter coworking.de alle Voraussetzungen die ein eigenes Büro auch bieten muss für ca. 80€ pro Monat.

Später kann man den Schritt in ein Strandhaus auf Bali wagen, denn auch da braucht man nicht mehr als einen Internetanschluss. Ein Beispiel für diese Lebensweise ist Cody McKibben, der sogar einen Studiengang für „Digitale Nomaden“ ins Leben gerufen hat. Er zeigt seinen Studenten, wie man Schritt für Schritt ortsunabhängig wird.

Chancen

Dank moderner Kommunikationsmöglichkeiten entstehen neue Berufsbilder und bestehende, wie Webdesigner, werden attraktiver. Ob als professioneller Blogger, virtueller Projektmanager oder alt bekannt als Programmierer, diese Berufe kann man ortsunabhängig ausüben. Heute ist es möglich eine Projektidee innert kürzester Zeit auf die Beine zu stellen. Musste man früher noch mühsam nach bezahlbaren Programmierern für die Umsetzung eines Onlineprojektes suchen, so reicht heute eine halbe Stunde, um sein Projekt auf Elance.com oder Freelancer.com vorzustellen. Innert Minuten melden sich die ersten Bewerber und man kann sofort mit der Realisierung beginnen. Hier ist allerdings auch Vorsicht geboten, da man die Freelancer nicht kennt, sollte man immer mit Meilensteinzahlungen arbeiten und die bisherigen Referenzen prüfen.

Auch diese Mühe kann man sich mit einem virtuellen Projektmanager sparen, der bereits ein gutes Portfolio an Freelancern hat und das Projekt für einen Auftraggeber begleitet. Für Arbeiten die eine gewisse Routine mit sich bringen, wie Beispielsweise Buchhaltung, kann man einen online Buchhalter hinzuziehen wie runmyaccounts.ch oder e-conomic.de. So hat man mehr Zeit für die Kerntätigkeit seines eigenen Geschäftes oder um auf Reisen zu gehen. Die Möglichkeiten des Outsourcings scheinen grenzenlos.

Outsourcing und Reisen ist doch teuer?

Wenn man bedenkt, wie viel man üblicherweise für ein Büro, Personal und Versicherungen ausgibt und mit den Lebenshaltungskosten von „Digitalen Nomaden“ vergleicht, dann lautet die Antwort nein, dieser Lifestyle ist nicht teuer. Angenommen ein funktionsfähiges Büro kostet 500€ im Monat. Mit diesen 500€ beschäftigt man ein Projektteam in Pakistan für 100 Stunden, was 5€ pro Stunde entspricht. Damit lässt sich schon ein ansehnliches und gewinnbringendes Onlineprojekt auf die Beine stellen, vorausgesetzt die Kommunikation funktioniert.

Zusammengefasst lässt sich sagen, noch nie war eine Unternehmensgründung so einfach und schnell möglich wie heute. Man muss nicht umgehend seinen ganzen Lifestyle umkrempeln, doch man kann sich von „Digitalen Nomaden“ so einiges abschauen was die Effizienz in der Umsetzung von Projekten angeht. Losgelöst von alten Regeln, die Fixkosten mit sich bringen, einfach mal den Mut haben und den ersten Schritt zum eigenen Unternehmen in Angriff zu nehmen.

Gerade wenn man noch angestellt ist und den Schritt in die Selbständigkeit wagen möchte, lassen sich mit einem schlanken Startup größere Risiken vermeiden. Praxisbeispiele zu erfolgreichen Onlineprojekten mit Interviews sind auf dem Blog „Digitale Nomaden“ zu finden.

Titelfoto: Jef Bettens, Belgien

7 Kommentare zu "Ortsunabhängiges Arbeiten als Chance für Entrepreneure"

  1. Die Zusammenfassung des modernen erfolgreichen Jungunternehmers:

    „Profilneurotischer outgesourcter exitgetriebener Innovations Billig-Nomade mit geringer Halbwertzeit“

    Was haben wir gelernt? Heutzutage begegnet einem die Muse der unternehmerischen Inspiration nicht mehr in der elterlichen Garage, sondern auf Bali unter Palmen. Sicherlich gibt es dafuer sogar Foerdermittel von der KfW?

    • @Klaus Kramer: Über eine ein wenig konstruktivere Diskussion würde ich mich freuen. Es gibt zum Glück sicherlich nicht nur das altbekannte Muster eines Gründers. Warum nicht auch neue Gedanken zulassen?

      Ich selbst bin sicherlich das was man einen ortsunabhängigen Webworker nennt, aber ich würde mich weder als profilneurotisch noch als exitgetrieben oder gar „Billig“-Nomade bezeichnen (lassen wollen). Vielleicht funktionieren die „alten“ Modelle der Gründer „alten“ Schlags auch einfach nicht mehr in jedem Fall so gut, und das hat möglicherweise auch seine guten Gründe?

      Viele Grüße, Michael Firnkes

      • Meine sarkastischen Bemerkungen beziehen sich auf den o.g. Gastbeitrag, der nicht den Autorennamen Michael Firnkes traegt. Dass Sie sich persoenlich angegriffen fuehlen, war nicht in meiner Intention, verwundert aber insofern, als dass Salz in Wunden geraten ist, von denen ich keine Ahnung hatte, dass sie ueberhaupt existieren.

        Es geht in dem Gastbeitrag primaer nicht um digitale Nomaden wie z.B. Journalisten, Kuenstler oder andere freibewegliche Freelancer, sondern explizit um gruene Jungunternehmer (sogenannte Entrepreneure), die kostenbewusst (billig) und hedonistisch ihren sogenannten Traum einer gewissen Selbststaendigkeit am Strand ihrer Wahl erfuellen wollen. Nun, beide Ausrichtungen sind in perfekter Ordnung, solange diese Gruppierungen sich auf der unterschiedlichen Basis von einer nonchalanten Amateurhaftigkeit „Laissez-faire“ und auf der anderen Seite von hoher qualitativer Professionalitaet nicht ins Gehege kommen.

        Leider gibt es genug Beweise dafuer, dass diese Gruppierungen sehr unterschiedliche Bewertungen einer hohen qualitativen Berufs- und Serviceauffassung haben, die aus meiner jahrzehntelangen globalen Erfahrung fast immer in einem Fiasko der Zusammenarbeit geendet haben.

        Lieber Herr Firnkes, echte konstruktive kritische Diskussionen mit einem Konsens habe ich in den deutschen Gruenderforen noch nicht gefunden…leider. Entweder gibt es Lobhudelei ohne Ende oder ansatzweise boesartige Haehme. Mein Sarkasmus dient allein dem Zweck, die Maeuse aus den Loechern zu locken, aber das ist wohl vergebliche Liebesmueh. Hippe Deutsche IT Jungunternehmer heutzutage zeichnen sich nicht durch die Faehigkeit aus, Kritik von einem alten Sack ueberhaupt zu ertragen, geschweige denn einen Diskurs zu fuehren. Irgendwie erinnert mich das auch an meine Jugend. In diesem Sinne „leben und leben lassen, oder holt euch blutige Koepfe, wenn’s denn sein muss“.

        • Ich habe mich nicht persönlich angegriffen gefühlt, ich dachte eher ich müsse den Autor verteidigen oder wen auch immer :-) Tut mir leid für das Missverständnis.

          Ich glaube es gibt nicht nur die Copycat-Räubertum-Fraktion unter den hippen deutschen IT Jungunternehmern, auch wenn ich Sie in Teilen natürlich verstehen kann.. Und ein mehr an Diskussion wäre absolut zu wünschen..

          Meinen Sie, das ist ein Problem der Gründerszene hierzulande, Sie kenne sich ja auf dem US-amerikanischen Markt aus? Dort habe ich jedoch (ohne große Kenntnis der Szene) fast das Gefühl, dass noch mehr ungefragt jedes „hip“ scheinende Geschäftsmodell gleich in den Himmel gelobt wird, gerade wenn dieses Online umgesetzt wird..

          • Nun, das Copycat Thema ist schon ausreichend behandelt in der deutschen Szene, meine Meinung dazu ist nicht massgeblich.

            Ich denke schon das die deutsche Gruenderszene zu sehr auf das innovative „politisch korrekte“ Geschaeftsmodell fixiert ist. Nordamerikaner sind in erster Linie mit hippen Projekten stark profitorientiert ausgerichtet, der politisch korrekte Ansatz ist relativ zweitrangig. Das eine schliesst aber das andere nicht aus. Lob und Anerkennung geht den Nordamerikanern eher ueber die Lippen, weil es Ihnen um den „American Dream“ geht. Diese urspruengliche Tradition ist in Deutschland nicht vorhanden, und ist auch nicht erwuenscht. In Deutschland kopiert man leidenschaftlich, aber leidet unendlich darunter, das man den IT Groessen aus den USA nicht das Wasser reichen kann.

            Recherchieren sie einmal wo der Begriff „Made in Germany“ urspruenglich herkommt. Man ist auf dem besten Wege das es wieder zwangsweise eingefuehrt wird…just kidding.

            Das Land der Dichter und Denker ist Vergangenheit, die grossen Geigen werden woanders gespielt…..leider!

  2. @Klaus Kramer
    Danke für Ihren Kommentar und Ihre etwas andere Ansicht, was ja durchaus erlaubt sein soll.

    Auf die im Artikel beschriebene Art und Weise habe ich bereits einige Projekte erfolgreich umsetzen können, ohne dass diese in einem Fiasko endeten. Wenn ein Projekt scheitert, könnte es an der Kommunikation liegen. Auch diese Erfahrung soll man gemacht haben.

    Mir geht es darum denjenigen, welche gute Ideen haben, Ansätze zu liefern mit welchen sie ihre Ideen umsetzen können. Wie im Artikel beschrieben muss jeder für sich selbst herausfinden, ob er der Typ dazu ist.

    Diese Variante eines Startups benötigt kaum finanzielle Ressourcen geschweige denn Fördermittel. Wichtig ist den ersten Schritt zu wagen und dass geht wesentlich leichter, wenn man über ein gutes Netzwerk verfügt und sich bewusst ist, wo man beginnen soll. Ob man nun in der Garage der Eltern durchstartet, oder unter Palmen…Hauptsache man tut es.

    Über die Qualität eines solchen Startups kann man, meiner Meinung nach, auch keine allgemein gültige Aussage machen. Diese hängt vielmehr von der Person des Unternehmers und seinem Verantwortungsbewusstsein ab.

    Und selbstverständlich lernen wir ortsunabhängigen Entrepreneure gerne von den erfahrenen, älteren Unternehmern. Nur weil man offen für neues Gedankengut ist, so ist man noch lange nicht Lernresistent.

    • @ Slavisa Tavic

      Fuer unterschiedliche Ansaetze um kostenguenstig eine Firma zu fuehren gibt es etliche gute Gruende, und ich denke das ist auch nicht unbedingt das Thema hier. Die Frage ist nach wie vor, ob und wie „Digitale Nomaden“ mit ortsgebundenen Firmen gut zusammenarbeiten koennen. Ich schliesse diese Moeglichkeit grundsaetzlich nicht aus, betone aber gleichzeitig das bestimmte Parameter zusammenpassen muessen. Je hochwertiger eine komplexe interaktive Dienstleitung oder Produkt ist bzw. wird, umso hoeher werden auch die Anforderungen an die digitalen Nomaden, und in all diesen Faellen sind es nicht die Nomaden die die Spielregeln erstellen. Mal abgesehen davon, das diese globale Namesfindung grundsaetzlich keine glueckliche ist.

      Ein Beispiel aus der unmittelbaren Vergangenheit. Ross und Reiter werden von mir nicht genannt.

      Es gibt zur Zeit eine deutsche „Digitale Nomaden“ startup Firma die mit Behauptungen glaenzt jede Firma mit Buchhaltungs- PR- und Webseiteplannung, Managementfuehrung etc 24 Std am Tag zu unterstuetzen. Aus Gruenden der Betriebskostensenkung nahm ich Kontakt auf mit jener ortsungebundenen Firma auf, deren Festnetzanschluss in Deutschland keinen aktiven Anschluss hat. Die weitere Telefon Kontaktaufnahme fuehrte dann auf eine Insel im Atlantik deren Telefon Verbindung miserabel war. Einige email Anfragen wurden beantwortet einige nicht. Die Firmenleitung nahm dann per email nach „zwei“ Wochen mit mir Kontakt auf mit einer Vereinbarung fuer ein Treffen bei uns. Das Treffen wurde sechs Stunden per eamil vorher abgesagt wegen „wortwortlich“ Magen-und Darmgrippe. Auf einen Vorschlag fuer einen weiteres Treffen warte ich heute noch….offen gesagt nicht!

      Dieses Beispiel ist eines unter vielen und mag eine Ausnahme gewesen sein, fuehrt bei mir aber verstaerkt zu der Behauptung das Firmen die hochkomplexe Anforderungen an Zulieferer stellen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mit fliegenden digitalen Nomaden nicht gluecklich werden aus ganz bestimmten Gruenden heraus. Es mag hochqualitative digitale IT Nomaden geben…bislang ist mir noch keiner ueber den Weg gelaufen, obwohl meine Arme weit offen sind.

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