PaperC.com: Die eBook Flatrate im Portrait

Die Plattform PaperC soll das „Spotify für Fachbücher“ werden. Wie genau der Dienst funktioniert, und welche Erfahrungen das Gründerteam mit Crowdinvesting als Finanzierungsform gemacht hat, das beantwortet uns Katja Splichal von PaperC:

Für unsere weniger onlineaffinen Leser bzw. für alle, die Spotify noch nicht kennen: Wie funktioniert eure neue Plattform?

Im Oktober werden wir mit PaperC.com hoffentlich eine technisch und optisch überragende Plattform launchen können, die einen eBook-Reader beinhaltet, mit dem eBooks endlich auch auf mobilen Endgeräten groß rauskommen und auch ohne Download in der cloud offline gelesen werden können. Darüber hinaus haben wir das Bezahlmodell endlich an die Nutzerwünsche und -gewohnheiten anpassen können und konnten schon viele Verlage davon überzeugen, bei unserer Flatrate-Lösung mitzumachen: als Nutzer einmal zahlen und dann in allen freigeschalteten Büchern verlagsübergreifend lesen, markieren, Notizen anlegen, offline synchronisieren..

Die eBook Flatrate macht natürlich nur so viel Sinn, wie wir an Inhalten bereitstellen können, darum laufen an vielen Stellen die Verhandlungen auf Hochtouren. In einem nächsten Schritt denken wir auch über Pay-as-you-go oder Pay-as-you-read nach, aber wir wollen erstmal eins richtig machen und die Branche langsam an ihre neuen Herausforderungen gewöhnen – uns übrigens auch!

Euer StartUp hat über die Crowdinvesting Plattform Innovestment.de 100.000 Euro eingesammelt. Welche Vorteile versprecht ihr euch von diesem Schritt?

Wir sind mit nachhaltigen Kapitalgebern im Gespräch und allerorten stoßen wir auf Zustimmung und auf erhobene Daumen – allerdings sind wir mit der closed Alpha beziehungsweise der ersten open Beta ab Oktober in deren Augen „noch nicht finanzierungswürdig aber hochspannend“. Dahin müssen wir schnellstmöglich kommen: ein großartiges Produkt launchen, erste steigende Kurven bei den zahlungswilligen Usern verzeichnen und noch mehr Verlage ins Boot holen! Eine Finanzspritze in so deutlicher Höhe kommt da gelegen, war sogar notwendig, denn in einem mittlerweile heiß umkämpften Markt können wir uns angesichts der Konkurrenz keine Verzögerungen bzgl time-to-market erlauben. Das sind die Hardfacts.


Auf der anderen Seite steht aber auch unsere Überzeugung, dass Shareholderinvolvement bei der Markteinführung des Produktes die Marketingefforts im besten Falle mindestens spiegeln – überzeugte Microinvestoren sind die besten Botschafter und auch das Feedback der Investoren ist unschätzbar wertvoll. Da Innovestment geklappt hat, möchte ich im September ein Projekt über Startnext starten, um mit der Nutzerbasis noch besser in Kontakt zu kommen.

Das Geld, es sollen 25k für ein Uploadfeature für eigenes Material werden, ist da ein wunderbarer Nebeneffekt, im Vordergrund steht aber das Involvement – ohne Fans und Förderer kann sich eine neue Plattform am Markt eingraben, es gibt Konkurrenz mit deutlich tieferen Taschen und sehr langem Atem.. Wir müssen mit unserem Produkt viel mehr überzeugen, als große Marktteilnehmer und das auch noch schnell – nicht erst Ende nächsten Jahres, wenn alle anderen auch soweit sind!

Wie habt ihr euch auf die Finanzierung vorbereitet, bzw. was waren hierbei die größten Herausforderungen?

Man muss sich darüber im Klaren sein, dass ein solches Projekt größere Medienaufmerksamkeit mit sich bringt und entsprechend Zeit einplanen – auch am Wochenende! Das Telefon klingelt sehr viel öfter als sonst, es berichten Blogs und Onlinezeitungen, die Interaktion über Facebook und Twitter steigt etc. Da kommen leider auch nicht nur Jubelschreie sondern auch jede Menge Kritik und manchmal sogar heftige Anwürfe – dafür muss man, auch als Team, gewappnet sein.

Eine noch größere Herausforderung war es aber, unsere Scheuklappen loszuwerden, die man wohl zwangsläufig anlegt, wenn man jeden Tag der Woche mit einer Sache zubringt: Für uns ist PaperC.com so selbstverständlich geworden, dass es immer schwerer wird, jemandem von außen zu erklären, was eigentlich das Besondere daran ist, was für ein wahnsinniger Entwicklererfolg die Offline-Sync ist, welche Arbeit dahintersteckt, internationale Rechte für eine Flatrate einzuholen.. dankbarerweise stellen uns unsere User jeden Tag die richtigen Fragen und bleiben kritisch.

Außerdem ist Crowdfunding, womöglich auch Crowdinvesting in Deutschland noch sehr behaftet mit einem Hauch von „für richtiges Geld hat’s wohl nicht gereicht“ und damit muss man fertig werden. Ja, im Moment reicht PaperC.com noch nicht für große Investments, aber wir sind Willens, genau dahin zu kommen und dankbar für jede Chance, die sich uns auf dem Wege bietet.

Die ursprüngliche Plattform PaperC.de wird nach erfolgreichem Launch im Oktober 2012 in PaperC.com eingebettet. Was war der Grund für diesen Neustart?

Fachbücher lesen ist für die meisten Menschen per se schon keine Spazierfahrt im bonbonfarbenen Chevrolet und wenn dann auch noch der Zugriff mit mobilen Endgeräten nicht funktioniert, hört der Spaß ganz auf. Unsere Zugriffszahlen auf der neuen Plattform, wo wir dynamische eBooks im ePub-Format anbieten, zeigen einen so unübersehbaren Trend Richtung „mobil“, dass wir den enormen Aufwand im Nachhinein als gerechtfertigt ansehen: mit unserem Angebot auf PDF Basis haben wir uns „mobile“ Nutzeranteile von jetzt schon 40% entgehen lassen und diese Zahl wächst rasant.

Die derzeitige Plattform

Die Migration der bestehenden Plattform wird eine enorme Herausforderung, ist aber notwendig: momentan halten noch sehr viele Verlage hervorragende Titel als PDF vor und wir müssen eine Lösung finden, diese unseren Usern trotz neuer Plattform zugänglich zu machen.

Wie konntet ihr die angeschlossenen Verlage davon überzeugen, bei diesem innovativen Modell mitzumachen?

Der Grad der Aufgeschlossenheit hängt, so denken wir, mit dem Grad der Bedrohung durch illegale Angebote zusammen: ein Verlag, der zum Leidwesen der Umsätze 80% seiner eBooks (oder mehr) in bester Qualität kostenfrei im Netz finden kann, hat großes Interesse daran, potentiellen Kunden das Geldausgeben so einfach wie möglich zu machen: Nutzer sind ja bereit zu zahlen, wenn das Angebot stimmt/überhaupt erst einmal vorhanden ist!

Je schlimmer die Bedrohung, desto williger die Verantwortlichen. Die Einsicht sickert mittlerweile recht zügig, dass das alte Modell „Buch“ und die dazugehörigen Vertriebsgewohnheiten sich auf Dauer nicht werden halten lassen und mit ein bisschen Glück sind wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Die Verlagsbranche ist in den letzten zwei Jahren sehr in Bewegung geraten und ich bin überzeugt, dass es sich da zwar um einen dicken Tanker handelt, der nur schwer die Richtung wechselt, wenn aber mal Fahrt aufgenommen ist, ist auch viel möglich!

3 Kommentare zu "PaperC.com: Die eBook Flatrate im Portrait"

  1. Danke fürs Vorstellen, Michael, für unsere closed beta können wir jeden Multiplikator gebrauchen!

    Unsere eBooks, 2000 Titel aus den Bereichen IT, Computing, Web Development und Engineering sind immer noch for free und gegen feebdack zu lesen. Interesse an einem der Gebiete und digitalem Lesen vorausgesetzt einfach auf PaperC.com mailadresse hinterlassen und kurz auf den Invitecode warten.
    Wir freuen uns auch Euch und coden fleißig weiter.
    Hau rein, Micha, bis zu den nächsten guten Nachrichten!
    katja

  2. Das scheint mir ein schlüssiges Geschäftskonzept zu sein. Vor allem, da die Zukunft nicht in den gedruckten Büchern, sondern in den eBooks liegt.

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.