Petition zur weiteren Förderung der Existenzgründung – Jetzt mitzeichnen

Dagmar Schulz – Inhaberin der 1a-STARTUP Unternehmensberatung in Düsseldorf – hat eine Online-Petition für den Bundestag gestartet, und fordert darin die Förderung des KfW Gründercoachings mit bis zu 90 Prozent.

Ein spannendes Thema angesichts der aktuellen Diskussion rund um die Streichungen beim Existenzgründerzuschuss der Arbeitsagenturen:

Frau Schulz, was sind die Hintergründe Ihres Anliegens?

Der Weg in die eigene Selbstständigkeit ist stets mit einer großen Portion Mut und Risikobereitschaft verbunden. Die Förderung mittels Gründungszuschuss hat in der Vergangenheit dabei geholfen, dieses Risiko einzugehen. ExistenzgründerInnen und junge Selbstständige sind die Arbeitgeber von Morgen.

Der Gründungszuschuss (Leistung für Existenzgründer aus ALG I) war das erfolgreichste Arbeitsmarktinstrument in Deutschland nach dem Krieg auf den die deutsche Politik mit Stolz jahrzehntelang hingewiesen hat. Die regelmäßigen Evaluierungen haben hervorragende Ergebnisse aufgezeigt. Der aktuelle KfW Gründungsmonitor besagt, dass nach einem Jahr rd. 90 Prozent der Gründungsprojekte weiterhin am Markt vertreten sind. Nach drei Jahren bestehen ca. 75 Prozent dieser jungen Unternehmen weiterhin. Pro Gründung werden 0,8 Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen.

Nun wurde dieses erfolgreiche Instrument stark eingeschränkt. Bis zum Jahresende 2011 hatten Gründer aus der Arbeitslosigkeit einen Rechtsanspruch auf den Gründungszuschuss. Der Gründungszuschuss hat gerade in den ersten schwierigen Monaten dabei geholfen, den Lebensunterhalt zu sichern. Die Anfangszeit ist für den Existenzgründer mit wichtiger Basis- und Aufbauarbeit verbunden für die, durch die monetäre Unterstützung, bislang der Kopf frei war.

Der Erhalt des Gründungszuschusses ist wiederum die Fördervoraussetzung um das KfW Gründercoaching mit 90% in Anspruch zu nehmen. Durch die Kürzungen beim Gründungszuschuss werden Gründer nun zweifach benachteiligt. Die Folge daraus ist, dass das EU Programm Gründercoaching Deutschland, für Gründer ohne Gründungszuschuss, wesentlich teurer bzw. eher gar nicht bezahlbar ist, um sich ein einen „Trainer“ für die neue Disziplin Existenzgründung, leisten zu können.

Laut KfW bzw. Creditreform scheitern 50% aller Gründungen innerhalb der ersten 5 Jahre, wenn kein Gründungscoaching in Anspruch genommen wurde. Die KfW wirbt bei diesem Beratungsprogramm mit „Gewusst wie – von Anfang an! Optimieren Sie Ihre Wettbewerbsfähigkeit gleich zu Beginn“ und „Erhöhung der Erfolgsaussichten Ihrer Gründung“ – so vermeiden Sie Fehler, sparen Zeit und Kosten. Durch die Kürzung entfällt nicht nur die monatliche wichtige Unterstützung zu Beginn des Gründungsvorhabens, zudem fehlt die fachliche Begleitung des Existenzgründers in den ersten entscheidenden Monaten, um das Vorhaben auf ein sicheres Fundament zu stellen.

Ein Gründercoach begleitet und unterstützt beim Aufbau der neuen beruflichen Existenz und hilft dabei ganz individuell in den Bereichen, in denen der Gründer nicht über die notwendigen Informationen oder Fachkenntnisse verfügt. Diese Betreuung geht meist über einen längeren Zeitraum hinweg und sorgt für Sicherheit beim Jungunternehmer in der Gestaltung seiner unternehmerischen Zukunft. Deshalb meine Forderung, das Gründercoaching Deutschland künftig nicht mehr an die Vergabe des Gründungszuschusses zu knüpfen. Vielmehr sollte die zuvor bestandene Arbeitslosigkeit als Voraussetzung dieser Leistungen dienen.

Unter diesem Link kann man nach der vorherigen Registrierung mit abstimmen (Petition Nr. 23681). Welche Chancen räumen Sie der Initiative ein, beziehungsweise wann würde sich der Bundestag tatsächlich damit auseinandersetzen?

Der Gesetzgeber gibt eine Frist von 4 Wochen vor (bis 29.05.2012), innerhalb dieser Frist müssen 50.000 Unterstützer die Petition mit unterzeichnen, damit diese im Petitionsausschuss öffentlich beraten wird. Der Petent wird zu dieser Beratung eingeladen und erhält Rederecht. Das zuständige Ministerium muss generell zur vorliegenden Petition eine Stellungnahme verfassen.

Wir wissen, dass eine Petition bereits bei weniger Unterstützern zur parlamentarischen Prüfung vorgelegt wird, wenn durch massive Aufmerksamkeit deutlich wird, dass ein großes öffentliches Interesse besteht.

Die tatsächlichen Auswirkungen durch die Kürzungen beim Gründungszuschuss sind umstritten. Wie schätzen Sie aus Ihren Erfahrungen heraus die momentane Situation ein, gibt es weniger Gründungen hierdurch?

Aus meinen Erfahrungen heraus kann ich diese Frage ganz klar mit ja beantworten.

Mit der Kürzung des Gründungszuschusses wird das Gründungsgeschehen in Deutschland ausgebremst. Gründungswillige überlegen sehr genau, ob sie das Risiko eingehen können und wollen, komplett aus eigenen Kräften alleine ihr Gründungsvorhaben umzusetzen. Die Verunsicherung ist gestiegen.

Mit den Kürzungen wird verhindert, neue Geschäftsideen auf den Markt zu bringen, Arbeitsplätze zu schaffen oder auch denen eine Chance zu ermöglichen, für die der Arbeitsmarkt keine Wege bietet.

Das BMWI (Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie) erläutert auf dem Portal für Existenzgründung, wie welche besondere Bedeutung Existenzgründung auf die gesamte Volkswirtschaft hat: Arbeitsplätze, Belebung des Wettbewerbs und des wirtschaftlichen Strukturwandels, Innovation und Fortschritt, Stabilität unserer demokratischen Gesellschaftsordnung und Förderung der unternehmerischen Freiheit.

Was benötigen wir hierzulande neben den rein finanziellen Förderungen noch an Unterstützungsleistungen, damit mehr Menschen den möglichst erfolgreichen Schritt in die Selbstständigkeit wagen können?

Dagmar Schulz

Das Gründungsgeschehen ist ein wichtiger Wirtschaftsmotor in Deutschland mit Potential für weiteres Wirtschaftswachstum.

Die berufliche Existenz im Rahmen einer Selbstständigkeit sollte kontinuierlich und systematisch unterstützt werden, besonders für Gründungen aus der Arbeitslosigkeit. Die Förderung und Unterstützung der Existenzgründer müsste mit weniger Bürokratie einhergehen, vor allem die Grundsicherung für Existenzgründer. Die bestehenden Möglichkeiten einer Gründungsfinanzierung sind gut, könnten aber weiter verbessert werden.

Der Anteil der Gründungsbereitschaft für unter 30 –Jährige ist laut IHK in den letzten 5 Jahren leicht angestiegen. Viele jüngere Gründer gehen ihr Projekt oft motiviert, aber doch teilweise übereilt an, wodurch der Erfolg des Vorhabens gefährdet wird. Meist bestehen Lücken in der sorgfältigen Konzeption und Planung der Geschäftskonzepte.

Das Potential der jungen Existenzgründer kann stärker aktiviert werden, indem z.B. die „Unternehmerische Selbstständigkeit“ bereits in der Schule in Lehrplänen eingebunden wird. Innovative Ideen sollten frühzeitig unterstützt werden.

Titelfoto: (c) Deutscher Bundestag / Julia Nowak-Katz

1 Kommentar zu "Petition zur weiteren Förderung der Existenzgründung – Jetzt mitzeichnen"

  1. Wir selbst unterstützen diese Position, und haben die Petition mit unterzeichnet.

    Das diesem Portal zugrunde liegende Unternehmen – die Blogprofis UG – würde es ohne den damaligen Gründungszuschuss der Arbeitsagenturen heute nicht geben.

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