re:publica – Die Zukunft von Crowdfunding in Europa #rp12

In den vergangenen drei Tagen fand in Berlin die Crowdfunding-Konferenz co:funding statt, im Rahmen der wohl bekanntesten europäischen Netzkonferenz re:publica 2012. Unsere Redaktion war mit vor Ort, und sammelte ein Stimmungsbild der aktuellen Trends rund um das Thema Crowd und Finanzierung.

Unter anderem diskutierten Clas Beese, Initiator einer Peerlending Plattform für Selbstständige und Unternehmer, Claudia Pelzer vom crowdsourcingblog.de und Gründerin des Deutschen Crowdsourcing Verbands sowie David Röthler, Berater für Social Media und EU-finanzierte Projekte über das Thema „Zukunft von Crowdfunding in Europa“.

Die durchaus diverifizierte Landschaft in der Crowdfunding-Szene – mit Nischenplattformen aber auch aufkommenden großen Playern – wird sich weiter ausbauen, so die einhellige Meinung, in beiden Bereichen sah das Podium noch jede Menge Potenzial. Interessant sei dabei, dass in einzelnen Ländern Europas Nischenanbieter entstehen würden – wie zum Beispiel Crowdfunding-Plattformen für die Comic-Produktion in Belgien – die durchaus als Vorbild auch für andere europäische Nischenmärkte dienen könnten.

Crowdfunding: Regulierung oder De-Regulierung?

Wird es eine zunehmende Regulierung für Crowdfunding-Plattformen geben? In dieser Frage waren die Teilnehmer durchaus unterschiedlicher Meinung. Während etwa im non-Profit-Bereich eine Vereinheitlichung teilweise hilfreich sein könne – was etwa die gemeinsame Vermarktung sowie die zunehmende Akzeptanz des Systems anbelange – so gab es bezüglich des Crowd-Finanzierungssektors differenziertere Stimmen. Manche Anbieter würden sich in diesem kommerziellen Bereich eher eine Deregulierung wünschen, was aber zumindest teilweise im Gegensatz zu den Interessen der Anleger, Investoren und damit auch Verbraucher stehen könnte.

„Wir können darauf vertrauen, dass die Crowd derartige Aspekte teilweise selbst regulieren und damit Seriöses von Unseriösem trennen wird“, so warb etwa David Röthler für eine zunehmende Liberalisierung selbst für den kommerziellen Crowdfunding-Markt. Und Clas Beese ergänzte: „Zum Teil haben wir es in Europa sogar besser als in den USA“, dort gebe es in manchen Richtungen noch mehr Restriktionen, was man für den hiesigen Markt durchaus als Chance begreifen könne.

Relativ gute Voraussetzungen für die Crowdfinanzierung in Europa

Weiterhin betonte er: „Crowdfunding ist pure Wirtschaftsförderung“, umso wichtiger und richtiger sei es, dass dieses Thema immer mehr in den Fokus des öffentlichen Interesses rücke. Claudia Pelzer vertrat hinsichtlich der Vermarktung von Crowdfunding-Aktivitäten den Standpunkt, dass Best Practice-Beispiele vor allem in Deutschland ein guter Weg seien, alle potenziellen Beteiligten von den Vorzügen des Crowdfunding überzeugen zu können. Auch müsse man noch mehr vermitteln, dass ein solches Modell eben nicht nur monetäre Vorteile biete, sondern darüber hinaus einigen zusätzlichen Mehrwert für jegliche Projekte mit sich bringe. Etwa in der gemeinsamen Überprüfung und dem Weiterdenken einer initialen Idee durch die Crowd, darin waren sich die Redner einig.

Beese brachte die Stimmung vieler Anhänger der Crowd-Theorien auf den Punkt „Man muss beim Crowdfunding den Mut haben, zu scheitern“, das sei der Paradigmenwechsel, der derzeit stattfinde und immer mehr auch akzeptiert würde. Und – so das Podium – gerade bei regionalen Crowd-Projekten stünde eine gemeinsame Motivation der Beteiligten im Vordergrund, um eine Idee quasi in der Gruppe umsetzen zu können, egal ob mittels finanzieller, „ideologischer“ oder aktiv mitwirkender bzw. mitarbeitender Unterstützung.

Der Mut zum Scheitern

Sprachliche Barrieren wurden als eine banale aber wichtige Hürde genannt, was die Zusammenarbeit der einzelnen Crowdfunding-Szenen Europas anbelangt. So gebe es etwa in den Niederlanden entsprechende Crowd-Initiativen die sehr vorbildlich und gut aufgestellt seien und von denen man einiges lernen könne, zu denen es hierzulande aber erst wenige Berührungspunkte gebe.

Ein spannender Ansatz beziehungsweise Beispiel kam aus dem Publikum, um die Crowdfunding-Idee gerade in Nischenbereichen auf internationaler Ebene voranzubringen, indem man quasi per Franchise-Ansatz oder in Lizenzvergabe eine Crowd-Plattform expandieren könne. Denn dann würde eine entsprechende Initiative auch mehr und mehr als Innovationsführer auftreten, was neben der ganzen Diversifizierung ebenfalls sehr wichtig sei, um den Crowdfunding-Markt insgesamt voranzubringen.

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