Schnelles und effektives Testen von Geschäftsideen nach dem Lean StartUp Prinzip

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Ein Gastbeitrag von Thomas Jakel, Geschäftsführer von Strandschicht und Mitgründer des Idea Camp.

Bei seinem neusten Projekt ‚Wonderpress‘ geht es darum Gründern in Webinars und Videos zu zeigen, wie man ohne Programmierkenntnisse professionelle Webseiten mit WordPress erstellt. Thomas bloggt auf www.onedayprofits.de über Entrepreneurship und das Starten eigener Projekte.

Für die meisten der Gründer die ich kenne und mit denen ich Projekte umsetze, ist das Lean StartUp Prinzip das gängige Vorgehen, um neue Projekte zu testen und auf ihre Durchführbarkeit zu überprüfen, bevor sie größere Summen und viel Zeit und Energie in eine Idee investieren. In diesem Artikel möchte ich 5 Methoden vorstellen, mit denen man Geschäftsideen nach dem Lean StartUp Prinzip testen kann.

1. Blitztest – Produkt, Webseite, Zahlungsmöglichkeit und GO

Der Blitztest ist in meinen Augen eine der schnellsten Methoden um eine Geschäftsidee zu testen. Alles was er erfordert, ist ein Produkt oder ein Service, den man anbietet, eine Webseite auf der man das Ganze ansprechend präsentiert und eine mit der Webseite verbundene Zahlungsschnittstelle. Das ist die gesamte erforderliche Infrastruktur. Ist diese einmal vorhanden, muss man den Test natürlich noch vermarkten und die Ergebnisse des Tests auswerten. Habe ich keine Anfrage, obwohl ich genug Traffic auf die Seite gelenkt habe? Wie lange bleiben die Leute auf meiner Seite? Zu welchen Preisen interessieren sich die Besucher meiner Seite für mein Produkt oder Service? Und so weiter.

Wer weiß, wo man Produkte zum Verkauf findet und sich ein bisschen mit Webseitenerstellung auskennt, der kann einen solchen Test sogar in 24 Stunden auf die Beine stellen. In unserer One Day Profit Challenge hat unserer Praktikant so einen Blitztest innerhalb von 24 Stunden selbst durchgeführt – nicht ohne einen gewissen Erfolg.

Und natürlich ist auch die Webseite nur eine Option. Ein Blitztest lässt sich auch komplett ohne Webseite durchführen. Richard Branson, Milliardär und Gründer der Virgin Gruppe, hat einen Blitztest durchgeführt, als er auf einem Flughafen festhing, weil sein Flug ausfiel. Kurzerhand telefonierte er um herauszufinden, was es kosten würde ein Flugzeug zu chartern. Er teilte die Kosten durch die Anzahl der Sitze in der Maschine, hing eine Tafel am Flughafen auf und schrieb Virgin Airlines und den Ticketpreis darauf. Die Plätze verkaufte er an die anderen Passagiere, die wie er den ausgefallenen Flug hatten nehmen wollen und kam so letztendlich doch an sein Ziel – mit seinem eigenen gecharterten Flugzeug. Kein schlechter mini Markttest. Hier die komplette Geschichte über Richards ersten Virgin Flug bei Forbes.

2. Der Crowdfunding Test

Crowdfunding ist eine weitere interessante Möglichkeit um Geschäftsideen zu testen. Im Prinzip setzt man einfach nur eine Crowdfunding Kampagne auf, in der man die Vision hinter der eigenen Idee, den Service oder das Produkt beschreibt, und warum man auf die Unterstützung der „Crowd“ zurückgreifen möchte, um das eigene Projekt in die Realität umzusetzen. Für jede „Spende“ bzw. finanzielle Unterstützung, die man erhält, gibt man dem Supporter der Crowdfunding Kampagne ein Dankeschön. Das kann das Endprodukt sein, das man entwickelt. Es kann aber auch eine Postkarte, ein Video, eine Erwähnung auf der Facebookseite oder etwas ganz anderes sein.

Ein Beispiel: Im Jahr 2012 habe ich mit Freunden eine Fahrradtour von Berlin nach Indien gemacht, um Spenden für den Bau von Trockentrenntoiletten in Indien zu sammeln. Die Idee war es, sowohl die Reise als auch den Bau der Toiletten in einem Dokumentarfilm festzuhalten. Um das Ganze zu finanzieren, entschieden wir uns eine Crowdfunding Kampagne aufzusetzen. Hätte uns keiner geholfen den Film zu finanzieren, hätten wir uns fragen müssen, ob sich überhaupt jemand für unsere Reise und unser Vorhaben interessiert. Da wir aber sehr positives Feedback bekamen und wir über die Crowdfunding Kampagne relativ schnell die Produktionskosten decken konnten, waren wir frohen Mutes. Als Dankeschön für die Unterstützung erhielten unsere Spender dann Kinotickets zur Filmpremiere am Potsdamerplatz, Postkarten aus Indien und konnten ihre Namen im Film lesen, vor den in Indien erbauten Toiletten.

Nun ist ein Film zwar nicht die typische Geschäftsidee. Aber dennoch beobachte ich, dass auch immer mehr StartUps, die aus unseren Idea Camps hervorgehen, auf Crowdfunding setzen. Nicht nur um ihre Idee zu finanzieren, sondern auch um sie zu testen, Feedback von Early Adoptern zu erhalten und ihre Hypothesen über die Zahlungsbereitschaft und die Erreichbarkeit der Zielgruppe zu überprüfen.

3. Der Videotest

Der Videotest ist eines meiner Lieblingsbeispiele für einen kreativen Markttest. Das Beispiel auf das ich hier immer zurückgreife, stammt aus dem Buch „The Lean StartUp“ von Eric Ries.

Jeder kennt Dropbox. Dropbox ist eine einfach zu handhabende aber technisch relativ komplexe Anwendung zur Synchronisation von Daten zwischen verschiedenen Endgeräten. Wie also testet man so eine technisch komplizierte Idee, ohne gleich extrem viel Zeit und Energie zu investieren, nur um am Ende herauszufinden, dass sich niemand für das Produkt oder den Service interessiert?

Thomas Jakel

Thomas Jakel

Drew, der Gründer von Dropbox, löste das Problem folgendermaßen. Er erstellte ein Video, welches die Funktionsweise von Dropbox perfekt simuliert, ohne zum damaligen Zeitpunkt mit der Programmierung von Dropbox begonnen zu haben. Das Video verbreitete er und Personen, die sich für die Lösung interessierten, konnten sich für einen Betaaccount anmelden. Das Video ging viral. Innerhalb von einem Tag sammelte er tausende von Anmeldungen für einen Betaaccount ein. Genug ‚Proof of Concept‘ um sich sicher zu sein, dass die Arbeit, die er nun in die Entwicklung des eigentlichen Produktes stecken musste, nicht umsonst sein würde.

Einen weiteren Videotest haben wir durchgeführt, bevor wir uns für die Eröffnung unseres Creative Spaces entschieden. Unser Office Loft ist zu groß, als dass es sich für mein Team lohnen würde es alleine zu nutzen. Gleichzeitig hatte es genau den Charme und die Ausmaße, die uns inspirierten und die wir in einem Office suchten. Also nahmen wir beim ersten Besichtigungstermin ein erstes Video auf, in dem wir die Vision für das Idea Camp Loft erklärten und andere einluden, mit uns auf eine neue Art und Weise zu ‚co-worken‘. Das Video war recht improvisiert aber reichte trotzdem um genug Unterstützer für unsere Idee zu finden. Erst als wir innerhalb einer Woche eine handvoll von Untermietern und Mitstreitern gefunden hatten, unterzeichneten wir den Mietvertrag, in der Gewissheit, dass wir das finanzielle Risiko für uns, bei entsprechendem Engagement, sehr niedrig halten und auf mehrere Köpfe verteilen konnten.

4. Der Black Box Test

Dieser Test lässt sich in meinen Augen besonders gut durchführen, wenn man einen technischen Service anbieten möchte. Blackbox heißt der Test deshalb, weil für den Nutzer des Services oder des Produktes nicht ersichtlich ist, was im ‚Inneren‘ bzw. hinter den Kulissen des Produktes oder des Services vor sich geht. Hier ein Beispiel anhand einer fiktiven speziellen Flugsuchmaschine. Man könnte die online Flugsuchmaschine aufwendig programmieren, online stellen und hoffen, dass sie funktioniert. Das würde aber das Risiko mit sich bringen, dass man viel Zeit in die Entwicklung der Plattform investiert und diese am Ende vielleicht von niemandem genutzt oder gefunden wird.

Wie könnte man die Idee vorab mit dem Blackbox Test testen? Die Idee des Tests ist es, für den Nutzer den Service von außen so auszusehen zu lassen, als würde es den Service tatsächlich schon automatisiert geben, während der Service in Wirklichkeit nicht von einem automatisierten Algorithmus durchgeführt wird, sondern von einer Person, die den Algorithmus simuliert. Im Falle der Suchmaschine könnte man also auf eine Nutzeranfrage das Ergebnis einer manuellen Recherche ausgeben.

Skaliert so ein Prozess? Nein, absolut nicht. Schließlich scheitert das Vorgehen, sobald zwei oder mehr Personen zeitgleich eine Anfrage stellen, da man dann nicht mehr zeitnah hinterherkommen würde, die Suchanfragen manuell zu bearbeiten und entsprechende Ergebnisse auszugeben. Nichtsdestotrotz, mit diesem Vorgehen kann man viel über das Nutzerverhalten lernen, bevor man beginnt Code zu schreiben. So reduziert man erheblich das Risiko, dass man sich verrennt und etwas entwickelt, das letztendlich niemand braucht.

Hat man seine ersten Erfahrungen gesammelt und seine Hypothesen zum Geschäftsmodell und dem Nutzerverhalten verifiziert, kann man damit beginnen, die eigentliche technische Lösung zu entwickeln, die dann auf Skalierung angelegt ist.

5. Partnerschaften

Ein weitere Möglichkeit, seine Geschäftsidee mit dem Lean StartUp Prinzip zu testen, ist es sich Partner zu suchen, die die Investition an Zeit und Kapital am Anfang entweder überflüssig machen oder extrem erleichtern. Ich habe dafür zwei Beispiele aus meiner persönlichen Erfahrung.

Das erste Beispiel betrifft ein Unternehmen, mit dem wir ökologische mobile Toiletten vermieten, mit denen wir eine Alternative zu den Chemietoiletten bieten. Die ökologischen Komposttoiletten vermieten wir an Festivals, Events und Baustellen aller Art. Als wir das Projekt starteten, war unsere Hauptsorge, dass wir ein hohes Investment in den Kauf der Toiletten tätigen müssten, obwohl wir noch gar nicht genau wussten, ob es einen Markt gab und wir Aufträge akquirieren könnten. Außerdem hatten wir nur sehr wenig Startkapital und wollten Liquidität in dem Projekt halten. Die präsentierte sich letztendlich in der Form, dass wir eine Partnerschaft mit einem anderen Anbieter von mobilen Komposttoiletten in Hessen eingingen. Da das Unternehmen nur in Hessen aktiv war, hatte es nichts dagegen, dass wir das Geschäftsmodell in Berlin aufbauten. Sie willigten ein uns die Toiletten in einem Mietkauf mit sehr attraktiven Konditionen anzubieten. So konnten wir letztendlich starten die ersten Toiletten zu vermieten, ohne auch nur eine Toilette vorab kaufen zu müssen. Außerdem leitete uns unser Partner noch Kundenanfragen für den Raum Berlin weiter, die sie selbst von Hessen aus nicht bearbeiten konnten. So konnten wir von Anfang an positive Cashflows erwirtschaften und den Markt kennen lernen, ohne von Anfang an ein hohes Risiko eingehen zu müssen.

Mein zweites Beispiel für Partnerschaften bezieht sich vor allem auf Marketing. Wenn ich ein neues Produkt launche, dann überlege ich mir immer, welche Unternehmen oder Personen schon eine Beziehung zu meiner Zielgruppe aufgebaut haben. Dann überlege ich mir, wie ich diese Personen oder Unternehmen anspreche und Ihnen ein Angebot mache, von dem sowohl sie, als auch die Zielgruppe, als auch ich profitieren könnte. Auf diese Art und Weise haben wir beispielsweise auch damit begonnen mit unserer Firma Wonderpress WordPress Webinare und Videos zu verkaufen. Ich wusste, dass die StartUp Szene ein guter Ausgangspunkt wäre, um Personen zu finden, die gerne lernen wollen, wie man selbst professionelle Webseiten erstellt, ohne dafür Jahre lernen zu müssen oder Programmierkenntnisse zu besitzen. Also ging ich zu verschiedenen Blogs, die eine Newsletterliste haben und bot ihnen eine Provision für jeden Webinarplatz an, der über ihre Liste verkauft würde. Auf diese Weise haben wir viele Teilnehmer für die Webinare gewinnen können.

Für die Vermarktung unserer Workshops mit dem Idea Camp haben wir in der Vergangenheit viel auf kostenlose Medienpartnerschaften gesetzt, in denen wir auf Events unserer Partner aufmerksam gemacht haben und diese im Gegenzug auf unsere Veranstaltungen.

Fazit:

Letztendlich gibt es die verschiedensten Möglichkeiten um Geschäftsideen zu testen. Welche Methode für eine Geschäftsidee am besten funktioniert, kommt vor allem auch auf das Geschäftsmodell, die Komplexität der Idee und die Zielgruppe an. Letztendlich ist das Testen von Ideen ein Mindset. Die 5 Methoden zum Testen von Geschäftsideen können einen Anhaltspunkt liefern. Am Ende wird aber vor allem Einfallsreichtum und Kreativität darüber entscheiden, ob man seinen eigenen Weg findet, um eine Idee schnell und erfolgreich zu testen.

Titelbild: (c) Rui Lousao, Portugal

2 Kommentare zu "Schnelles und effektives Testen von Geschäftsideen nach dem Lean StartUp Prinzip"

  1. Wir haben nach dem Lean StartUp Prinzip unseren eCourse „Starte einen Blog“ gelauncht. einfach perfekt.

  2. Adrian von anythinx | 22. November 2013 um 22:34 | Antworten

    Hi Thomas, danke für die wirklich gute Auswahl an Möglichkeiten, seine eigene Produktidee bereits in einer frühen Phase zu bewerten. Ich kann nur jedem Gründer eines Startups genau diese Methodik empfehlen. Irgendwie widerstrebt es einem im ersten Augenblick, die Idee nicht erst prototypisch umzusetzen um selbst zu überprüfen, ob es überhaupt funktionieren könnte, sondern die diese erst von anderen bewerten zu lassen, ohne dass das Produkt existiert. Aber aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass genau dieses Vorgehen sehr viel Zeit und Geld sparen kann. Was man dann nämlich macht, ist sich genau zu überlegen, was der Kundennutzen ist und wie man diesen Nutzen kommunizieren kann. Man investiert also Zeit in eine Tätigkeit, die die Grundlage jedes erfolgreichen Produkts ist: die Identifikation eines signifikanten Mehrwerts für die User und einer möglichen Differenzierung zu anderen bestehende Produkten.

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