.shop, .web, .berlin, .hotel – Welche neue Domainendung ist ein „Muss“ für StartUps und Gründer?

Im nächsten Jahr gehen zahlreiche neue Domainendungen an den Start. Was bringt eine rechtzeitige Registrierung für Gründer? Wie kann man seinen StartUp-Namen gegebenenfalls schützen? Welche Trends sollte man dabei nicht verpassen? Wie sieht die Zukunft der Top Level Domains aus?

In einem spannenden Interview beantwortet uns Sebastian Ritze – Legal Manager bei der united-domains AG – diese und weitere Fragen zum Thema:

Herr Ritze, .shop, .web, .berlin, .bayern, .hotel und .site sind derzeit die begehrtesten Domainendungen, die auf Ihrem Portal vorbestellt werden. Welches StartUp und welches junge Unternehmen sollte sich bereits jetzt eine solche Domain reservieren, und warum?

Für viele Unternehmen kommen nur die Domainendungen .de oder .com in Frage. Sie sind die erste Wahl. Beide Endungen genießen unter den Usern ein hohes Vertrauen. Bedauerlicherweise sind gute Domains unter diesen Endungen häufig nur noch über Domainbörsen zu kaufen. Die neuen Domainendungen bieten hier eine Alternative, da gerade ein StartUp nicht zwangsläufig unter den beiden Endungen erwartet wird.

Es gibt einige StartUps, die über sogenannte Domain Hacks eine schöne Domain gebildet haben. Del.icio.us fing mit einer .us Domain an. Bit.ly hat die Endung .ly. populär gemacht und last.fm und about.me weitere Endungen. Instagram.com hat nachträglich noch instagr.am registriert. StartUps, die früher eine passende Länderendung (ccTLD) wählten, können bald neue Domainendungen mit einbeziehen. Diese unterliegen auch weniger kuriosen nationalen Besonderheiten der jeweiligen Länder.

Zur Frage, welche Endung zu wählen ist: Wenn ein regionaler Bezug zum Unternehmen oder den Kunden besteht, sind die sogenannten geoTLDs sinnvoll, also beispielsweise .berlin, .bayern oder .koeln. Ein StartUp, das auf Nachhaltigkeit setzt, könnte auch .eco oder .green wählen. Im medizinischen Bereich gibt es .med. .web kann eine Alternative für diejenigen sein, die keine passende beschreibende Domainendung finden. Die Domain sollte dabei möglichst kurz und aussagekräftig sein, damit man sich diese auch merken kann. Als Hauptdomain sind die neuen Domainendungen nicht für alle Unternehmen geeignet, als zusätzliche Adresse für viele Unternehmen aber sehr praktisch. Die Liste neuer Domainendungen erweitern wir dafür immer wieder.

Greift hier nicht unter Umständen der Markenschutz, nachdem sich „Trittbrettfahrer“ eine Domain der Art bestehendeFirmaxy.berlin gar nicht sichern dürften?

Die beliebtesten neuen Domainendungen bei United Domains als TLD-cloud

Das ist richtig. Aber Domaingrabber wird es immer geben. Das ist ein Katz- und Mausspiel, das bei jeder TLD-Einführung beginnt. ICANN und die neuen Vergabestellen versuchen hier mit vielen Schutzmechanismen einen Mißbrauch zu minimieren. So gibt es für alle Domainendungen eine sogenannten Sunrise Phase, in der Kennzeichenrechtsinhaber die Möglichkeit haben, ihren Unternehmensnamen oder Marken bevorrechtigt zu registrieren. Darauf können auch StartUps zurückgreifen, wenn sie die entsprechenden Rechte haben.

Zusätzlich werden Domain-Registranten gewarnt, wenn sie eine in einer Datenbank hinterlegte Marke als Domain registrieren wollen. Die Liste der neuen Schutzmechanismen ist umfangreich. Alles was danach frei registrierbar ist unterliegt natürlich den bestehenden Streitbeilegungsordnungen und nationalen Bestimmungen. In Deutschland ist das primär das Markenrecht, das Wettbewerbsrecht oder das Namensrecht.

Wir bieten für diese Fragen übrigens auch ein kostenloses Tool für den Einstieg. Unter namecheck.com erhält man einen Überblick, ob die wichtigsten gTLDs, ccTLDs, Marken und sogar social usernames noch frei oder schon belegt sind. Das ist für eine erste Einschätzung hilfreich.

Wenn man sich jetzt eine solche Domain vorbestellt, garantieren Sie, dass diese – bei nur einem Bewerber – auch wirklich am Ende gleich mit Beginn der neuen Top Level Domains in 2013 gekauft werden kann?

Wir bieten nur dem ersten Besteller die Chance, die Domain auch zu erwerben. Mehrere Bewerber für eine Domain akzeptieren wir nicht. Das ist im ersten Schritt unverbindlich und sogar kostenfrei. Sobald die Möglichkeit besteht und der Kunde sein O.K. gegeben hat, beantragen wir für ihn die Domain bei der Vergabestelle. So haben wir das übrigens auch in der Vergangenheit gemacht: Bei den Einführungen von .info und .eu waren wir von Anfang an dabei und mit einer Zuteilungsquote von 78% und 63% sehr erfolgreich. Außerdem zahlt unserer Kunde nur, wenn er die Domain auch tatsächlich erhält. Die Aussichten sind also gut.

Kann man von dieser Reservierung auch noch zurücktreten?

Alle Vorregistrierungen, die wir zur Zeit annehmen, sind unverbindlich.

Wie stellen Sie sicher, dass sogenannte „Domain-Jäger“ nicht rein prophylaktisch unzählige Domains sichern um zu schauen, ob hierfür ein Markt vorhanden ist?

Die Anzahl der Domains, die ein Kunde bei uns registrieren kann, ist begrenzt. So möchten wir verhindern, dass Spekulanten alle guten Begriffe bei uns besetzen.

Werden viele dieser Domains in Zukunft rein der Sicherung dienen, oder rechnen Sie damit, dass Unternehmen dann neben ihrem .de-Auftritt ein weiteres Portal der Art .berlin, .shop o.ä. mit eigenen Inhalten versehen und pflegen werden?

Zunächst werden die Domains und Angebote nebeneinander stehen. Ob diese dann weitergeleitet oder zusätzliche eigene Inhalte aufweisen werden ist Geschmacksache. Apple leite seine Domain apple.de beispielsweise auf apple.com/de weiter. BMW ist natürlich unter bmw.de erreichbar. Große Unternehmen wie AUDI oder BMW werden zusätzlich unter einer eigenen Domainendung .bmw und .audi auftreten. Alle drei Varianten haben eine Berechtigung.

Es werden also zunächst zusätzlich Einstiegsmöglichkeiten für bestehende Inhalte geschaffen, um direkt auf das Produkt oder die Information zu verweisen. Man spart sich damit die Navigationsarbeit in einer Seite oder die Suche über Google. Wenn man mehrere Zugangswege zur Information schafft, macht man sich auch weniger abhängig und je einfacher und schneller es ist, Informationen zu finden, desto mehr Traffic generiert man.

ICANN will mit der Erweiterung des Namensraums aber nicht nur die Adressierung von zusätzlichen Inhalten ermöglichen, sondern auch Innovation erreichen, also andere Anwendungsmöglichkeiten als bisher schaffen. Die von Ihnen angesprochene .shop ist ein erster Schritt in diese Richtung: Shops aller interessierter Unternehmen. Etwas weiter plant .hiv zu gehen. Über das Aufrufen einer .hiv Unternehmensdomain spendet das Unternehmen einen Kleinstbetrag und unter .bank oder .secure werden wir vielleicht besonders sichere Abrechungssysteme sehen. Viele Ideen werden hier getestet werden. Die neuen Domainendungen sollen also auch über die klassische Verwendung hinaus benutzt werden. Aber es wird sich hier sicherlich nicht alles durchsetzen.

Wann wird es die eigene, ganz persönliche .tld zu einem einigermaßen bezahlbaren Preis zu kaufen geben?

Sebastian Ritze

Der Gedanke der Frage ist nur konsequent und folgerichtig. Solche Anträge gibt es wahrscheinlich sogar schon aus Deutschland, auch wenn das in den Bewerbungen nicht klar postuliert wird. Die Deutsche Vermögensberatung Aktiengesellschaft (DVAG) beantragt z.B. die Domainendung .pohl und die Schwarz Domains und Services GmbH & Co. KG die Endung .schwarz. Die Familie Schwarz ist vielen über die Marke Lidl und Kaufland bekannt. Beides sind Familiennamen, die nicht als Marke in den jeweiligen Geschäftsfeldern von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Hier vermuten Branchenkenner eher den Wunsch nach einer persönlichen Domainendung.

Aktuell sind aber persönliche Domainendung für jedermann nicht in Reichweite. Formell kann z.B. eine natürliche Person keine Domainendung beantragen. Das muß immer eine juristische Person sein. Und bei Preisen von ca. $ 3 Mio. für 10 Jahre ist es selbst für kleine und mittelständische Unternehmen noch unerschwinglich. Aber die Richtigung ist klar:

  • Anfänglich hatten wir Domains nach dem Schema
  • Darauf folgte www.IhrFirmenname.de/produkt
  • Und nun gibt es bald Produkt.IhrFirmenname
  • und in ferner Zukunft vielleicht Vorname.nachname

Vor 15 Jahren kostete eine Domain über DM 800 im Jahr. Das konnte sich nicht jedermann leisten, war aber für Unternehmen erschwinglich. Heute kostet eine eigene Domainendung ca. US$ 300.000 pro Jahr! Das ist eine andere Liga. Bis also eine eigene Domainendung erschwinglich sein wird, wird es noch lange dauern. Wir können uns in 10 Jahren ja nochmals zusammensetzen. Ich glaube nicht, das es bis dahin passieren wird. Dafür ist der Betrieb noch zu kompliziert und die Kosten sind zu hoch.

Über Sebastian Ritze

Sebastian Ritze hat in Trier und München Rechtswissenschaften mit Schwerpunkt gewerblicher Rechtsschutz studiert. Seit 2006 ist Sebastian Legal Manager der united-domains AG. Er referiert und publiziert regelmäßig zu domainrelevanten Themen.

1 Kommentar zu ".shop, .web, .berlin, .hotel – Welche neue Domainendung ist ein „Muss“ für StartUps und Gründer?"

  1. Die Preise bei den neuen Domain-TLDs sind echt ein Wahnsinn und das werden sich nur die großen Marken leisten können, die so ihren Brand weiter stärken möchten…auf der anderen Seite hat man die neuen TLDs eingeführt, um die großen Firmen und Brands etwas „zur Ader“ zu lassen, den welche große Marke möchte nicht im Besitz des eigenen Brand als TLD sein?!

    Als werden die großen Unternehmen hier mit (mehr oder weniger) muß zur Kasse gebeten…das ist die schöne Welt des Kapitalismus…

    Im Gegenzug muß ja die TLD auch finanziert werden und wer wird dann zur Kasse gebeten…die Bürger…

    Ob die TLDs noch einen anderen Sinn haben bezweifle ich und auch nach langem überlegen finde ich nicht viel Vorteile, als die Umverteilung von Geld…leider am Ende doch wieder nur in eine Richtung!

    Aber man wird ja bald sehen was sich mit den neuen TLDs ändern wird…

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