Soziale Gründungen im Bereich Fair Trade: „Mich treibt das Leitbild des ehrbaren Kaufmanns an“

„Was mich antreibt, ist das Leitbild des ehrbaren Kaufmanns, wie es ihn zu alten Zeiten einmal gegeben haben soll“, so schilderte uns Christian Günther das Konzept hinter seinem Spenger Handelskontor. Warum er sich entschlossen hat, im Bereich „fairer Handel“ zu gründen, das und mehr verrät er uns in einem Interview:

Herr Günther, Ihr StartUp verbindet einen Onlineshop mit einer sozialen Komponente. Wie genau sieht diese aus?

Die soziale Komponente des Onlineshops steht auf drei Beinen. Auf der einen Seite versuche ich, durch fairen Handel gegen die schlechten Lebens- und Arbeitsbedingungen der Produzenten anzukämpfen. Die meisten Waren kommen von kleinbäuerlichen Kooperativen, bisher hauptsächlich aus Zentral- und Mittelamerika sowie Afrika. Durch den fairen Handel profitieren die Bauern entweder direkt, durch höhere Entgeltung der hergestellten Waren, oder indirekt, durch Schaffung von Infrastruktur.

Auf der anderen Seiten möchte ich Hilfsorganisationen finanziell unterstützen. Allerdings nicht wahllos. Ich unterstütze in erster Linie Brot für die Welt, weil ich mich damit am meisten identifizieren kann. Zu diesem Zweck werden von jedem verkauften Artikel zwei Cent gespendet. Im Onlineshop ist jederzeit der aktuelle Stand zu sehen. Er wird täglich aktualisiert.

Das dritte Standbein hat mit dem Leitbild des ehrbaren Kaufmanns zu tun. Sozial zu sein heißt auch sozial zu handeln. Nicht nur durch fairen Handel oder Spenden, sondern auch im alltäglichen Leben. Vorbildfunktion, nachhaltiges Handeln, und immer ehrbar und aufrichtig sein, das sind die Dinge die den Kaufmann ausmachen und für die ich einstehe.

Wie kam es zu der Entscheidung, mit der eigenen Gründung auch etwas Gutes tun zu wollen?

Die Idee zur Selbständigkeit reift schon seit vielen Jahren in mir. Die Idee des sozialen Engagements gehörte schon von Anfang an mit dazu. Der Gedanke dahinter ist ja, dass sich Dinge nur ändern, wenn man selbst daran arbeitet. Da ich mich auch privat in vielen Bereichen engagiere, war die Idee, das auch beruflich zu tun, nicht weit entfernt.

Erhoffen Sie sich hierdurch auch ein besseres Unternehmensimage, und damit letztendlich mehr Kunden?

Ja natürlich. Wenn man ein Unternehmen nachhaltig betreiben will ist man immer auch auf das Unternehmensimage und die Anzahl der Kunden bedacht. Letztendlich sind es die Kunden, die mit ihrem Kaufverhalten bestimmen wie viele Mittel für soziales Engagement zur Verfügung stehen. Die Anzahl der Kunden hängt aber wiederum vom Unternehmensimage ab.

In diesem Zusammenhang: Schließen sich „Kommerz“ und soziale Anliegen nicht weitestgehend aus?

Christian Günther

Zu diesem Thema habe ich einen längeren Aufsatz geschrieben, den ich demnächst auf meiner Seite veröffentlichen werde. Wenn man das Wort Kommerz – wie es heute häufig gebraucht wird – als Synonym für möglichst hohe Gewinnerzielung sieht, dann schließt das ein soziales Anliegen natürlich aus. Wo der maximale Gewinn erzielt werden soll, da kann der soziale Gedanke nur zu kurz kommen.

Nimmt man aber das Wort Kommerz, wie es ursprünglich gedacht war, als Synonym für „Handeln“, dann schließt man damit in keinster Weise ein soziales Anliegen aus. Denn das ist ja genau das was ich, was aber auch viele andere Unternehmer mittlerweile tun: Handeln mit Gewinn, aber dennoch im Zeichen des sozialen Engagements.

Sehen Sie den Bereich „Social Entrepreneurship“ als absolute Nische an, oder wird es in Zukunft mehr solcher Gründungen geben, was meinen Sie?

Als Nische sehe ich das eigentlich nicht. Es ist eine Philosophie der Unternehmensführung die es schon lange gibt und die auch relativ weit verbreitet ist. Es gibt sogar Studiengänge zu diesem Thema. Man muss nur unterscheiden zwischen ernst gemeintem sozialen Engagement und reiner Imageaufbesserung, wie es beispielsweise Handelskonzerne tun. Viele davon werben auf der einen Seite damit, dass sie an Hilfsorganisationen spenden, nehmen aber auf der anderen Seite, durch ihre Macht und Preisgestaltung, den Produzenten ihre Lebensgrundlage. Das ist weder fair gegenüber den Produzenten, noch gegenüber den Kunden.

Da ändern auch die wenigen fair gehandelten Alibi-Produkte nichts daran. Gerade wegen solcher Beispiele glaube ich, dass es in Zukunft mehr Gründer geben wird, die bereit sind einen Teil ihres Gewinns für soziales Engagement und Gerechtigkeit einzusetzen.

Wie kann ein Unternehmen wie das Ihre das notwendige Vertrauen beim Kunden aufbauen, und nachhaltig authentisch wirken aber auch bleiben?

Speziell in auf meinen Fall bezogen versuche ich zu zeigen, dass das Unternehmen real ist, dass es die Menschen die dahinterstehen wirklich gibt. Um heutzutage das Vertrauen der Kunden zu erlangen ist es wichtig, dass das Unternehmen transparent ist, dass man mit den Kunden spricht und Informationen über das Unternehmen und die Produkte liefert. Wenn ein Unternehmer nicht nur seine Waren verkaufen will, sondern voll und ganz dahintersteht, hinter seinen Produkten, hinter der Botschaft die er nach außen kommuniziert, dann sind die Kunden auch zufrieden und kommen gerne wieder.

Um auch in Zukunft authentisch zu bleiben muss man als Unternehmer an seinen Prinzipien festhalten und darf keine Kompromisse eingehen. Man muss seine eigene Verhaltensweise regelmäßig infrage stellen und gegebenenfalls korrigieren.

Zu welchem Zeitpunkt würden Sie Ihre noch sehr junge Gründung als erfolgreiches Projekt bezeichnen, was haben Sie sich vorgenommen?

Es fängt natürlich damit an, dass der Onlineshop sich am Markt etablieren und einen gewissen Kundenstamm aufbauen muss. Dazu werde ich das Angebot in nächster Zeit immer weiter ausbauen. Als Betriebswirt finde ich gerade diese Unternehmensphase sehr spannend, weil sich so vieles entwickelt. Ein weiteres Ziel ist natürlich die Selbständigkeit, damit ich mich ganz auf das Unternehmen und vor allem auch den sozialen Gedanken dahinter konzentrieren kann.

Im Moment arbeite ich ja noch weitgehend allein, abgesehen von gelegentlicher Hilfe meiner Frau. Reizvoll finde ich natürlich den Gedanken später selbst auszubilden, um meine Philosophie an zukünftige Kaufleute weitergeben zu können. Über weitere Ziele und das Vorankommen informiere ich auf den Seiten des Onlineshops.

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