Stadtmobilität – Ist taxiseat eine Antwort auf Carsharing und den Fahrdienst Uber?

taxiseat - das andere uber?

Die Idee für ein Taxi-Pooling Portal kam Klaus Wettel aufgrund persönlich gemachter Erfahrungen bei einem Konzertbesuch. Insgesamt 2 Jahre Entwicklung stecken seitdem in dem für März 2015 geplanten Start von taxiseat.de, der Taxifahrten preislich wieder attraktiv machen soll. Wie genau es funktioniert und welche Schlagzeile er über das Projekt gern lesen würde, erklärt er uns im Folgenden.

Wie lässt sich das Projekt in wenigen Sätzen beschreiben?

Das Pooling Portal taxiseat macht Taxifahrten preislich wieder attraktiv. Durch Mitfahrer lassen sich die eigenen Fahrtkosten für Taxifahrten um 50 Prozent oder mehr reduzieren.

Taxipooling bedeutet, dass sich Kunden mit gleicher oder ähnlicher Fahrstrecke ein Taxi teilen, um so Fahrtkosten zu sparen. Dies könnte auch die Chance für das stark belastete Taxigewerbe sein.

Frei nach dem Motto: Taxi alleine zu teuer?  Suche und finde Deine Mitfahrer über taxiseat….
Wann, wo und durch wen wurde das Unternehmen gegründet und wie viel Vorlaufzeit steckt in dem Projekt?

Taxiseat wurde 2013 von mir in Stuttgart gegründet. Es stecken insgesamt mehr als 2 Jahre Vorbereitungszeit in dem Projekt.

Die Vorbereitungszeit war nötig, um mit der beauftragten Internetagentur Funktionsumfänge, Programmieraufwände und Machbarkeiten festzulegen, sowie das Pflichten- und Lastenheft zu schreiben und eine genaue Budgetplanung sicherzustellen.

Was genau war der Auslöser für die Idee eine eigenes Fahrdienstportal als Gegenmodell zu Uber zu entwickeln?

Die Idee ist aus einer persönlichen Erfahrung entstanden, als ich mit einem Taxi zu einer Konzertveranstaltung gefahren bin. Am Zielort zeigte das Taxameter fast 50 Euro.

Auf der Konzertveranstaltung habe ich dann zufällig Nachbarn von mir getroffen. Hier haben wir uns dann die Frage gestellt, warum gibt es keine Möglichkeit, dass sich Leute für gemeinsame Fahrten suchen und auch finden können. Auf dem Heimweg haben wir uns dann ein Taxi geteilt und so hatte jeder eine Ersparnis von 25 Euro.

Hieraus ist die Idee entstanden ein Pooling Portal und eine App zu entwickeln.

Eine Plattform über die sich Leute mit gleicher oder ähnlicher Start – Zieladresse im Voraus suchen und finden können, um eine gemeinsame Fahrt bei halben Kosten oder noch weniger durchzuführen.

Und ich denke, es gibt viele Situationen bei denen fremde Personen gleiche oder ähnliche Wegstrecken haben. Warum soll man sich da nicht ein Taxi mit einer anderen Person teilen und noch Geld sparen.

In der Zeit als die Idee zu taxiseat entstanden ist, war das amerikanische Startup Unternehmen „Uber“ noch nicht im deutschen Markt aktiv. Zwischenzeitlich ist das Thema Taxipooling mehr als aktuell, da Uber mit Privatfahrern auch im deutschen Markt aktiv ist.

Zudem wirkt sich auch das Thema Mindestlohn stark auf die Taxibranche aus. Für viele Personen ist Taxi fahren einfach zu teuer geworden. Und da bietet sich ein Taxipooling geradezu an.

Bei nur einem Mitfahrer lassen sich die eigenen Fahrtkosten um 50 Prozent reduzieren. Gerade in Ballungszentren ist dies eine große Chance, sowohl für die Taxis als auch für Kunden.

Für Taxiunternehmen sehe ich Taxipooling als die Chance, um gegenüber Fahrdienstanbietern wie „Uber“ preislich wieder konkurrenzfähig zu werden.

Sozusagen eine Win- win Situation für Fahrdienstleister und Kunden.

Worin genau besteht der unverwechselbare Nutzen für die Fahrgäste?

Der größte Nutzen für die Fahrgäste besteht zweifellos in der Kostenersparnis, denn bei nur einem Mitfahrer reduzieren sich die eigenen Fahrtkosten um 50 Prozent. Bei weiteren Fahrgästen um so mehr. Zudem lerne ich noch nette Leute kennen und habe eine sichere Fahrt, da es sich bei Taxis um Fahrer mit Personenbeförderungsschein handelt und nicht um einen Privatfahrer ohne Versicherungsschutz für Fahrgäste.

Für Taxifahrer entstehen so ganz neue Kundengruppen, da durch Pooling das Taxi fahren für Leute wieder interessant ist, die bisher aus Kostengründen kein Taxi benutzt haben.

Wie genau funktioniert taxiseat und was kostet es?

taxiseat hat eine Online Pooling Plattform und entsprechende Apps für Kunden, Taxiunternehmen und Fahrdienste entwickelt.

So ist es Kunden jederzeit möglich nach bestehenden Fahraufträgen zu suchen, um bei anderen Personen mitzufahren, oder eigene Fahraufträge einzustellen um Mitfahrer zu finden. Über die Fahrerapp können Taxifahrer unterwegs nach Fahraufträgen suchen und diese auch annehmen.

Das Taxipooling gilt sowohl für Kurz- als auch für Langstreckenfahrten. Bei Kurzstrecken (Strecken bis 20 Km) werden die Fahrtkosten nach der jeweiligen Taxiordnung berechnet. Bei Langstrecken (Strecken über 20 Km) können Taxiunternehmer den Poolingkunden Festpreisangebote vorschlagen.

Der Kunde entscheidet dann, ob er das Preisangebot des Taxiunternehmers annimmt. Solange der Kunde das Angebot noch nicht angenommen hat, können andere Taxiunternehmen den vorgeschlagenen Preis unterbieten.

Am Zielort werden die Fahrtkosten dann durch die Anzahl der Fahrtgäste geteilt.

Um einfacher mögliche Mitfahrer zu finden, können Entfernungs- und Zeiteinstellungen  über eine Umkreissuche verändert werden. Je flexibler man seinen Fahrtwunsch gestaltet, desto einfacher ist es entsprechende Mitfahrer zu finden.

Über ein integriertes Chat Tool können sich die Mitfahrer untereinander austauschen. Zudem ist es möglich Fahraufträge über Facebook an Freunde zu posten und diese zum Mitfahren einzuladen.

Für Kunden ist taxiseat kostenlos. Die Kunden Apps als auch die Fahrer Apps (Android und IOS) sind ebenfalls kostenlos und können über die App Stores heruntergeladen werden. Nur Taxiunternehmen bezahlen pro vermittelten Fahrauftrag eine geringe Gebühr.

Wie viel Geld wurde bis dato für die Programmierung in die Hand genommen?

Für das Vorprojekt und Programmierung des Internetportals incl. Kunden- und  Partnerapps ist bisher ein hoher fünfstelliger Betrag angefallen.

Wann genau ist der Start geplant und ist das Angebot gleich in ganz Deutschland verfügbar?
Der Start von taxiseat ist für März 2015 in Stuttgart und Berlin geplant.

Nun gilt es Kunden und auch Taxiunternehmen die Potentiale  und Anwendungsmöglichkeiten von taxiseat sowohl für Kurz- als auch Langstrecken aufzuzeigen. Gerade in Ballungszentren sind die Potentiale für Taxipooling sehr groß. Ich denke, es ist entscheidend sich am Anfang auf ein bis zwei Ballungszentren zu konzentrieren.

Klaus-Wettel-mit-taxiseatApp

Welcher langfristigen Vision hat sich das Fahrdienstportal verschrieben und gibt es eine Top Schlagzeile, welche Ihr gern lesen würdet?

Ich glaube, dass Kunden als auch Taxifahrer sich erst an das Prinzip des Taxipooling gewöhnen müssen, um die Potentiale die im Pooling liegen zu erkennen.

Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten bei denen Taxipooling zum Einsatz kommen kann. Insbesondere in Ballungszentren halte ich Taxipooling für einen großen Gewinn, da es zudem zur Verkehrsentlastung beiträgt.

Weitere Potentiale sehe ich auch in großen Metropolen außerhalb Europas.

Die langfristige Vision von taxiseat ist es das Pooling Prinzip auch für Langstrecken attraktiv und interessant zu machen. Sozusagen als Ergänzung zu den Fernbussen.

Warum sollte es nicht möglich sein, dass Personen sich zusammenschließen um gemeinsam eine „Fernstrecke“ zu fahren. Personen, die bei einem Fernbus mitfahren beteiligen sich ja auch an einer gemeinsamen Pooling fahrt. Der Unterschied ist nur, dass die Fahrstrecke des Fernbusses vom Busunternehmen vorher festgelegt wurde.

Taxiseat hat hier einen anderen Ansatz indem die Kunden den Start- und Zielort bestimmen und mögliche Mitfahrer gesucht und gefunden werden. Das ist sehr individuell und spiegelt genau die Marktbedürfnisse.

Welcher Servicedienstleister solche Fernfahrten durchführen kann, muss dann zu gegebener Zeit geprüft werden. Es richtet sich auch nach der Anzahl an Personen, die sich für eine gemeinsame Pooling Fahrt zusammenschließen.

Ich könnte mir folgende Topschlagzeile vorstellen: „Neues Pooling Portal macht Taxifahrten um 50 Prozent billiger“.

Über welche Marketing-Kanäle versucht Ihr die Menschen Eure Idee näher zu bringen und sind eventuell Kooperationen geplant?

Ziel ist es die Idee, sowohl Kunden als auch Taxifahrern zu vermitteln und den Nutzen aufzuzeigen. Dabei ist es wichtig die Einstiegshürde für Kunden so gering wie möglich zu halten.

Über die Homepage kann man nach Mitfahrgelegenheiten suchen, ohne dass man sich registrieren oder einloggen muss. Erst wenn man einen eigenen Fahrauftrag einstellen oder mitfahren möchte ist ein Login z.B. mit dem Facebook Account erforderlich.

Große und kostspielige Marketing Aktivitäten sind bei einem Startup einfach nicht machbar. So bleiben vorerst die Social media Kanäle, Pressemitteilungen und ggf. eine Vorstellung bei lokalen Hörfunkstationen.

Kooperationen mit anderen Plattformen stehen derzeit nicht im Focus.

Gibt es einen besonderen Ratschlag, den auch andere Gründer beherzigen sollten, um besser wahrgenommen zu werden?

Hinter jedem Startup Unternehmen stehen immer Personen mit einer Vision. Das entscheidende ist, dass man 100 Prozent von seiner Vision überzeugt ist, und diese auch konsequent verfolgt.

Es wird immer Personen geben, die neuen Ideen offen gegenüber stehen, aber es gibt auch genauso viele Personen, die mit neuen Visionen nur sehr begrenzt etwas anfangen können und allen Neuerungen gegenüber sehr skeptisch sind.

Als Gründer sollte man jedoch nie seinen roten Faden verlieren. Alles in allem ist und bleibt eine Neugründung ein langer und steiniger Weg….

Zum Abschluss bitte noch ein paar Worte zu den Initiatoren von taxiseat und ihren persönlichen Werdegang?

Die Idee, die hinter taxiseat steht hat sich über einen längeren Zeitraum entwickelt. Hierbei hat mir mein Betriebswirtschaftliches Studium sehr geholfen, mich auf die wesentlichen Punkte zu konzentrieren.

Eine große Herausforderung war immer die Finanzierbarkeit des Projektes. Bis heute ist taxiseat komplett eigenfinanziert ohne fremde Kapitalgeber. Ob dies allerdings auch in Zukunft weiterhin so machbar ist bleibt abzuwarten.

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