StartUp mentio.de: Der virtuelle Ort der Erinnerung

Das Onlineportal mentio.de aus Köln bietet einen ganz besonderen Ort im World Wide Web, er dient der „virtuellen“ Erinnerung.

Eine äußerst spannende Idee, über die uns Existenzgründer und Geschäftsführer Oliver Birk mehr verraten hat:

Herr Birk, wie funktioniert mentio.de, und für welche Zielgruppe wurde das Portal geschaffen?

mentio.de ist ein Ort, an dem Verstorbene auf lebendige Weise Erwähnung finden und Hinterbliebene ihren Gefühlen individuell Ausdruck verleihen können – das ganze kostenlos, zu jeder Zeit und überall auf der Welt.

Das Ganze funktioniert über eine Registrierung auf mentio.de. Im Anschluss daran hat der Anwender die Möglichkeit einen oder mehrere Orte der Erinnerungen zu erstellen. Die Erstellung ist einfach. Im ersten Schritt werden einige personenbezogenen Daten der Person, für die der Ort der Erinnerung erstellt wird, erfasst. Im zweiten Schritt hat der Anwender nun die Möglichkeit ein Portraitfoto der Person hochzuladen. Der dritte Schritt umfasst die Möglichkeit zur Erfassung von persönlichen Informationen, wie z.B. eine Biografie.

Im letzten Schritt werden Einstellungen zum Ort der Erinnerung festgelegt, wie z.B. Zugriffsberechtigungen und Hintergrundmusik. Nach der Bestätigung unserer AGBs (wir legen hier sehr großen Wert auf den Schutz personenbezogener Daten) ist der Ort angelegt und kann durch Freunde und Familienangehörige besucht und mit deren Erinnerungen an die Person gefüllt werden. Das ist der Kern von mentio. Durch die Möglichkeit, dass jeder seine Erinnerung in Form von Fotos, Videos, Erinnerungsmomente oder Lebenstationen an dem Ort hinterlassen kann, entsteht so der eigentliche Ort der Erinnerung für die Person und das Leben wird in den Vordergrund gestellt.

Neben diesen „privat“ erstellten Plätzen erstellen wir – das mentio-Team – auch Orte der Erinnerungen für VIPs, sowie für tragische Ereignisse. Wir möchten mit diesen Orten Menschen einen Platz schaffen, ihrer Trauer und Anteilnahme Ausdruck zu verleihen.

Wir haben zwei Zielgruppen identifiziert. Die erste Zielgruppe sind internetaffine Personenkreise. Also die Personen, die mit dem Internet „aufgewachsen“ sind und dieses als tägliches Medium nutzen. In einer Altersrange ausgedrückt = 18 – 30 Jahre. Die zweite Zielgruppe sind die Personenkreise, die das Internet als „Mittel zum Zweck“ nutzen, somit sich ihren Alltag durch das Internet erleichtern (z.B. Bestellung von Ware über das Internet). Dies sind Personen, die nicht mit dem Internet aufgewachsen sind, dessen Entstehung aber erlebt haben. In einer Altersrange ausgedrückt = 30 – 50 Jahre.

Unter diesem Beitrag haben wir jüngst darüber berichtet, dass Trauerportale im World Wide Web teilweise immer noch mit Vorbehalten und Tabus zu kämpfen haben. Spüren Sie dies in Ihrer täglichen Arbeit ebenfalls, und wie gehen Sie damit um?

Diese Vorbehalte spüren wir auch. Interessant ist, dass wir diese nicht nur bei unseren Kunden erleben, die sich dir Frage stellen, ob das Internet der richtige Ort ist, um zu trauern, sondern auch bei Bestattern.

Wir haben unser Konzept auch mit mehreren Bestatter durchgesprochen, da wir wissen wollten, was sie von dieser Idee halten. Dabei haben wir festgestellt, dass die „klassischen“ Bestatter, dieses Konzept ablehnen. Bestatter, die hingegen nicht nach dem „Standard“ ihr Geschäft betreiben, sondern dort Einflüsse wie die Individualität der Gesellschaft einfließen lassen (spezielle Arten / Formen von Särgen, individuelle Wünsche bei Trauerfreiern) fanden das Konzept gut.

Es zeigt sich also, dass das Thema „Trauern im Internet“ noch nicht gesellschaftsfähig ist. Wir versuchen diesen Vorbehalten damit entgegen zu wirken, dass wir Themen wie Datenschutz, Transparenz, Umgang mit Daten, Nutzung von Werbung sowie das Design als wichtige Punkte in unserem Konzept verankert haben. Wir verkaufen keine Daten, bei uns gibt es keine versteckten Kosten oder Vertragsbindungen und wir blenden keine Werbung auf privaten Orten der Erinnerungen ein.

Als wir das Konzept entwickelt haben, sind wir mit dem Anspruch dran gegangen, dass wir unseren Kunden alles bieten wollen, was wir uns auch bei den unterschiedlichsten Anbietern im Internet auch wünschen. Ein weiterer Punkt um das Thema „Trauern im Internet“ in die Gesellschaft zu bringen, ist die allgemeine Berichtserstattung, die wir um das Thema aufgebaut haben. Was muss zum Beispiel beachtet werden, wenn ich mit dem Tod eines Familienmitglieds konfrontiert bin?

Prinzipiell handelt es sich – wie auch die Milliardenumsätze der Bestatterbranche zeigen – um einen interessanten und sehr umfangreichen „Markt“. Wie reifte Ihr Entschluss, ein Portal wie mentio.de ins Leben zu rufen?

Die eigentliche Idee zu diesem Projekt ist mir bei einer Folge der Serie Dr. House gekommen. In dieser Folge wurde ein Obdachloser, der Krebs im Endstadium hatte, durch die Assistentin von Dr. House stationär aufgenommen, damit er die letzten Stunden nicht draußen in der Kälte verbringen musste.

Die Ärztin wollte ihm Morphium gegen die Schmerzen verabreichen. Dies lehnte er aber ab. Als Sie ihn dann fragte, aus welchem Grund er das Morphium nicht möchte, antwortete er: „Ich habe niemanden der sich an mich erinnert, wenn ich gestorben bin. So weiß ich aber, dass wenigstens Sie sich an mich erinnern werden, als der Obdachlose, der das Morphium verweigerte, damit sich jemand an mich erinnert“.

Genau diesen Aspekt der Erinnerung an einen verstorbenen Menschen war es, der mich auf die Idee von mentio gebracht hat. Mit meinen beiden Partnern habe ich dann diese Idee diskutiert und gemeinsam daraus ein Konzept entwickelt.

Wie refinanziert sich Ihre virtuelle Dienstleistung?

Aktuell wird unsere virtuelle Dienstleistung nicht refinanziert, da wir uns aus unserer Sicht noch in der Rampup Phase des Projektes befinden und wir immer noch täglich Erfahrungen sammeln.

Ziel ist es in der „Growing Phase“ mentio durch Werbeeinnahmen zu refinanzieren. Diese Werbeeinblendungen würden allerdings auch nur auf der Portalseite / Hauptseite und durch uns erstellte Ort der Erinnerung stattfinden. Bei privat erstellte Orte der Erinnerungen würden wird dies nicht machen, da uns der respektvolle Umgang mit dem Thema sehr wichtig ist.

Wie wollen Sie das Portal bekannter werden lassen, und auf welche Marketingkanäle oder Kooperationen setzen Sie hierbei?

Hier sprechen Sie einen unserer wichtigsten Punkte zum Erfolg / Misserfolg an. mentio kann nur dann ein Erfolg werden, wenn wir den Bekanntheitsgrad steigern.

Hier werden wir unterschiedliche Marketingkanäle einsetzen. Zum einen werden wir diesen Monat einen mentio-Blog einrichten, über den wir Themen rund um „Trauern im Internet“ publizieren werden. Daneben gibt es natürlich unsere facebook Seite und Twitter-Seite, über die wir ebenfalls kommunizieren.

Ein weiterer Kanal ist google. Hier versuchen wir über unsere Orte der Erinnerung für VIPs und tragischen Ereignisse auf uns aufmerksam zu machen. Das Ziel ist es, dass mentio bei google über die typischen Suchkriterien „Trauer, Online Friedhof, Kondolenz, etc.“ gefunden wird.

Neben den Kanälen nutzen wir auch Kooperationen, um mentio im Bekanntheitsgrad zu steigern. Mit bestattungen.de, einer zentralen Zusammenführung rund um das Thema „Bestattungen“, sind wir verlinkt, um Besuchern unserer Seite die Möglichkeit zu geben, Detailinformationen rund um das Thema „Bestattungen“ direkt aufrufen zu können.

Ein weiterer wichtiger Partner ist das Institut Vita Plus (http://lebens-trauerberatung.org/). Das Institut unterstützt Betroffene bei der Trauerbewältigung und kümmert sich bei mentio um unser Trauer-Café. Damit stellen wir sicher, dass jegliche Fragen zum Thema „Trauer“ professionell beantwortet werden.

Ein paar Worte zu Ihnen und Ihrem Unternehmen?

Das Unternehmen mentio besteht aus drei Gründungsmitgliedern, die ich gerne hier kurz vorstellen möchte:

  • Oliver Birk, Ausbildung: MBA, Ing. der IT, Berufserfahrung: Team-Manager in einem großen Handelsunternehmen, Senior Projektmanager
  • Christian Beckers, Ausbildung: Wirtschaftsinformatiker, Berufserfahrung: Senior Entwickler Web & Architektur, Senior Projektmanager IT, Professor nebenberuflich für die BA Heidenheim
  • Wilhelm Markett, Berufsausbildung: Wirtschaftsinformatiker, Berufserfahrung: Experte in der IT Analyse & Entwicklung, Rolloutexperte für IT Produkte

Wilhelm Markett, Oliver Birk und Christian Beckers (von links)

Wir drei kennen uns schon länger und haben nach dem Studium angefangen uns regelmäßig zu treffen, um über Geschäftsideen zu diskutieren. Taugt die Idee dazu, mehr draus zu machen. So ist aus der Idee mentio das Unternehmen mentio geworden.

Titelbild: Jamie Harris, USA

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