Upcycling-Bio-Handyhüllen von kepu – nachhaltig Made in Germany

Bio Handyhülle von kepu

Eine junge Ausgründung der TU Darmstadt will Kunststoffprodukte nachhaltiger machen – mit Biokunststoffen aus Resten der Lebensmittelproduktion. So lassen sich Ressourcen sparen und die Entstehung von Mikroplastik verhindern. Die neuen Produkte von kepu sind nicht nur biobasiert, sondern auch kompostierbar. Mehr dazu von Carmen Rommel – Mitgründerin dieses nachhaltigen Startups.

Carmen, kurz und knapp: Erkläre Eure Geschäftsidee?

Hey ich bin Carmen und zusammen mit Vinzenz, Julian, Lisa, Andre und Loretta sind wir kepu.

Wir retten um Darmstadt herum Lebensmittel-Produktions-Reststoffe wie Biertreber und Traubentrester, aber auch Kaffeebohnenhülsen und Zuckerrübenschnitzel. 

Daraus machen wir einzigartige, schützende und besonders umweltfreundliche Handyhüllen für iPhones. Die Hüllen sind zuhause kompostierbar und du kannst dir deine Lieblingshülle passend zu deinem Lieblingsgetränk aus vier Geschmacksrichtungen und zehn leuchtend schönen Farben aussuchen.

Was genau war der Auslöser für den Start in ein eigenes Business?

Wir glauben an eine Welt, in der Nachhaltigkeit, Komfort, Spaß und ein cooler Style zusammengehören und für jeden zugänglich ist.

Um alltägliche Produkte nachhaltiger zu machen und unsere vielen Ideen in die Praxis umzusetzen, haben wir kepu gegründet. Weil nur wenn nachhaltige Produkte mindestens so gut wie ihre herkömmlichen Alternativen sind, kann sich ein nachhaltiger Lebensstil großflächig durchsetzen.

Was macht das Geschäftsmodell einzigartig – was ist der USP?

Unsere Hüllen sind biobasiert, kompostierbar, CO2-neutral und Made in Germany. Wir machen alles hier in Deutschland und das meiste sogar selbst. Dadurch sparen wir unnötige Transporte.

Wir designen die Hüllen selbst. Das Material haben wir auch selbst entwickelt. Die Komponenten wählen wir nach unseren hohen Umweltkriterien aus. Insbesondere die Farben sind hier kritisch. Damit haben wir volle Kontrolle über alle Inhaltsstoffe: Alle unsere Inhaltsstoffe sind daher vegan und absolut nicht giftig für Wasser- und Landlebewesen. Außerdem sammeln wir die Lebensmittelreste selbst ein und verarbeiten sie zu unserem Hüllenmaterial.

Der Weintrester für unsere Fruchthülle kommt übrigens vom Weinbaubetrieb meines Vaters, damit steckt sogar noch ein kleines Stückchen Heimat in der Hülle. Die Hüllen werden dann von unserem Partner in der Nähe von Frankfurt teils sogar in Handarbeit gefertigt. Durch die natürlichen Lebensmittelreste ist jede Hülle am Ende ein kleines Unikat.

Wo siehst Du die Zielgruppe bzw. wer sind die Wunschkunden?

Zielgruppe sind alle, die ihr Leben nachhaltiger gestalten wollen. Wir stehen noch am Anfang unserer Reise und bieten deshalb aktuell nur Hüllen für die gängigsten iPhones an.

Wir haben aber noch viel vor und werden Stück für Stück weitere Handymodelle und zusätzliche Produkte realisieren.

Wie viel Geld wurde bis zum Start investiert und wie lange war die Vorlaufzeit?

Angefangen haben wir Anfang 2020 Vollzeit an unserer Idee zu arbeiten. Da haben wir das Hessen Ideen Stipendium bekommen. Finanziert haben wir uns teils durch eigene Ersparnisse und teils durch Stipendien. Uns war wichtig zumindest den Start aus eigenen Mitteln zu schaffen und organisch zu wachsen.

Gerade die Gründerstipendien sind da eine sehr wertvolle Unterstützung, wenn in der Anfangsphase zwar eine gute Idee da ist, ein vermarktbares Produkt aber noch in weiter Ferne. Die Stipendien sichern den Lebensunterhalt und geben damit die Möglichkeit sich mit voller Power um die Gründung zu kümmern.

Wie sieht es mit der Einnahmeseite aus – auf welchem Weg werden Geldrückflüsse erzielt?

Einnahmen generieren wir klassisch durch den Verkauf unserer Produkte. Unser selbst entwickeltes Material eignet sich auch für viele andere Anwendung z. B. in den Bereichen Consumerprodukte, Verpackungen, etc. Weil wir nicht alles selbst umsetzen können, vermarkten wir das Material auch an interessierte B2B Kunden.

Welche Werbe- bzw. PR-Aktion hat bis dato für den größten Bekanntheitsschub gesorgt?

Für Werbung setzen wir auf einen Mix aus Social Media, wobei wir hauptsächlich auf Instagram unterwegs sind, Onlinewerbung und Messen.

Viele interessante Kontakte kommen aber auch über andere Kontakte zustande oder wenn man es gar nicht erwartet. Deshalb gilt die Fühler ausstrecken, ein großes Netzwerk aufbauen und viel ausprobieren.

Welche Vision verfolgt Du und welche Schlagzeile würdest Du gern mal über das Unternehmen lesen?

Weltweit werden jährlich ca. 1,6 Milliarden Tonnen weggeworfen. Das ist das 3fache der Weltbevölkerung. Das ist eine Verschwendung, die wir uns eigentlich nicht leisten sollten.

Gleichzeitig ist unsere Ernährung auch ein wichtiger Teil von uns. Der erste Kaffee am Morgen oder das gemütliche Glas Bier oder Wein mit Freunden sind Glücksmomente, die viele nicht missen wollen. Wir wollen mit unseren Handyhüllen auf das Problem der Lebensmittelverschwendung aufmerksam machen und einen Teil zur Lösung beitragen.

Wir verarbeiten die Reststoffe aus der Lebensmittelindustrie. Die sind dann als Sprinkles auf der Hülle sichtbar. Das sieht nicht nur cool aus, sondern senkt gleichzeitig auch den ökologischen Fußabdruck der Hüllen und macht sie besser kompostierbar.

Weil trotzdem noch eine ökologische Wirkung vorhanden ist, kompensieren wir unseren kompletten CO2-Fußabdruck und spenden zusätzlich 1% unseres Umsatzes an ökologische Umweltschutzprojekte.

Auf welche 3 Tools/Apps kannst Du bei der täglichen Arbeit keinesfalls verzichten und warum?

Besonders wichtig sind die Tools zur Kommunikation. Wir benutzen dafür Trello und Slack. Wenn nicht alle im selben Büro arbeiten, sei es wegen corona bedingtem Homeoffice oder weil man in unterschiedlichen Städten wohnt, ist es besonders wichtig, dass alle Bescheid wissen was läuft und was als nächstes getan werden muss.

Wir haben deshalb neben den eingangs erwähnten Tools einmal am Tag ein Daily, bei dem wir alles Wichtige besprechen. Zusätzlich treffen wir uns zu digitalen Kaffeepausen, um auch einfach mal so quatschen zu können.

Was bedeutet für Dich persönlich Erfolg – worauf kommt es wirklich an?

Persönlicher Erfolg heißt für mich, dass ich am Ende des Tages zufrieden mit mir und meiner Arbeit bin. Dazu kommt viel zusammen.

Das wichtigste ist aber ein Team, mit dem man gerne und gut zusammenarbeitet und eine Vision, für die man arbeitet. Weil das die nötige Motivation bringt, um auch durch die schwierigen Phasen des Startup Lebens zu kommen.

Welchen Fehler würdest Du aus der eigenen Erfahrung heraus jungen Gründern ersparen?

Verzettelt euch nicht. Viele Gründer:innen sprühen vor Ideen und man will am liebsten alles sofort und gleichzeitig umsetzen. Ein kleines Team bedeutet aber auch wenige Hände, um die viele Arbeit zu erledigen. Da hilft nur Prioritäten zu setzen und die dann auch einzuhalten. Nicht verzetteln gilt auch für den Mut bei der Umsetzung.

Nicht alles muss perfekt umgesetzt sein zum Marktstart. Konzentriert euch aufs wesentliche und hinterfragt dann erneut, was alles noch nicht sofort sein muss. Wenn ihr perfekt zufrieden seid, dann war der Start vermutlich zu spät. Besser ist es gemeinsam mit euren Kunden an Optimierungen zu arbeiten.

Welche Frage sollte sich eine Gründerin bzw. ein Gründer mindestens einmal gestellt haben?

Ich denke es ist am wichtigsten, einfach mal auszuprobieren. Es gibt so viele Probleme und Chancen, um Dinge besser zu machen. Wer also eine Idee hat – und sei sie noch so wage – einfach loslegen.

Sucht euch Mitstreiter:innen, probiert aus, macht Fehler und lernt daraus.

Es gibt inzwischen auch viel Unterstützung durch Start-up Acceleratoren, Gründungsberatungen von z. B. Unis & IHK, Ideenwettbewerbe usw. Gerade auch für frühe Phasen, gibt es immer mehr Angebote.

Mit welchen drei Worten würdest Du dich selbst beschreiben?

puh, schwierig, da fallen mir zum Beispiel die hier ein: idealistisch, lernfreudig, neugierig.

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