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Was tun gegen den Kammerzwang der IHK für Gründer und Unternehmen

Protest gegen den IHK Zwang vor dem Brandenburger Tor in Berlin

Nicht nur im Internet wird der Protest gegen die verpflichtende Mitgliedschaft von Unternehmen in den örtlichen Industrie- und Handelskammern (IHKs) lauter.

MeinStartup.com im Gespräch mit Kai Boeddinghaus, Bundesgeschäftsführer des bffk Bundesverband für freie Kammern, zum Kammerzwang für Unternehmer, Selbstständige, Handwerksbetriebe, Freiberufler und Pflegekräfte:

Herr Boeddinghaus, der Bundesverband für freie Kammern ist eine bundesweite Vereinigung von Unternehmern sowie Freiberuflern, welche die Zwangsmitgliedschaft bei der IHK und anderen Kammern ablehnen. Wir selbst haben uns – wie viele Leser sicherlich auch – bereits über den „Kammerzwang“ geärgert. Sehen Sie eine realistische Chance, dass es diesen eines Tages nicht mehr geben wird?

Ja. Defintiv. Der Kammerzwang ist gerade beim Blick auf die europäischen Nachbarländer ein Relikt. Mittlerweile fordert sogar der Internationale Währungsfonds seine Abschaffung.

Und auch das Bundesverfassungsgericht hat in seiner Entscheidung vom Dezember 2001 den Kammerzwang nicht einfach festgeschrieben, sondern den Gesetzgeber verpflichtet, regelmäßig zu überprüfen, ob der Kammerzwang noch gerechtfertigt ist. Seit mehr als 14 Jahren verweigert sich (noch) eine breite politische Front dieser Verpflichtung. Warum wohl? Sie haben Angst vor den Erkenntnissen. Eine solche Verweigerungshaltung hält nicht ewig.

Was muss hierzu passieren, wie kann man Ihre Initiative unterstützen, selbst wenn man nicht zahlendes Mitglied bei Ihnen werden kann oder möchte?

Wer Informationen über Verschwendung oder Vetternwirtschaft hat, mag diese gerne an uns senden. Ganz wirksam sind auch aktive Leserbriefschreiber. Wir haben dafür einen speziellen Email-Verteiler für Presseartikel.

Es ist wichtig, dass sich hier immer wieder Unternehmen zu Wort melden. Und sicher nicht zu vergessen ist auch, lokalen Politikerinnen und Politiker immer wieder mit dem Thema und dem Widerstand gegen den Kammerzwang zu konfrontieren.

Für Empörung sorgt auch die Tatsache, dass einzelne IHK’s mit bestimmten Firmen und Dienstleistern zusammenarbeiten und diese unterstützen, während andere Mitbewerber außen vor bleiben, und diese Bevorzugungen quasi sogar noch durch ihre eigenen Beiträge mit bezahlen müssen. Dann finanziert man indirekt die Konkurrenz. Hören Sie solche oder ähnliche Beschwerden des Öfteren?

Das ist ein ganz großes Thema. Die Kammern haben mittlerweile ein Fülle von kommerziellen Aktivitäten entwickelt, die dann selbstverständlich in direkter Konkurrenz zu den Mitgliedsbetrieben stehen. Da gibt es IT-Firmen, Verlage, ja sogar ein eigenes Hotel wird da betrieben.

Schlimm ist, dass gerade in den Bereichen Beratung und Bildung die Kammern ihre Position ausnützen und die eigenen Angebote mit Hilfe
der Zwangsbeiträge auch noch subventionieren.

Was kann jeder einzelne Freiberufler und jedes StartUp für sich selbst tun, um dem Ende der Zwangsmitgliedschaft ein wenig näher zu kommen?

Gemeinsam sind wir stärker. Das gilt für eine mögliche Mitgliedschaft in unserem Verband genauso wie für Aktivitäten auf lokaler Ebene. Denn klar ist, dass die Kammerfunktionäre ihre erheblichen Besitzstände nicht freiwillig aufgeben werden.

Wie begegnen Sie dem Argument, dass einzelne Kammern ja durchaus wertvolle Arbeit leisten, die nur mit einer allgemein verpflichtenden Mitgliedschaft zu finanzieren sei?

kai boeddinghaus

Kai Boeddinghaus

Richtig ist natürlich, dass die Kammern als Selbstverwaltungsorgane der Wirtschaft wertvolle Arbeit leisten können. Das aber hat mit einer Zwangsmitgliedschaft nichts zu tun. Die Kammern berufen sich ja zu recht auf das erhebliche ehrenamtliche Engagement von Unternehmen z.B. in den Prüfungsausschüssen.

Wer soll denn glauben, dass dieses ehrenamtliche Engagement ohne den Zwang wegbrechen würde? Wäre das tatsächlich so, so würde das ja bedeuten, die Unternehmen würden sich nur unter Zwang ehrenamtlich engagieren. Das behaupten ja noch nicht einmal die Kammern.

Nein, die Kammern können und sollen als Körperschaften öffentlichen Rechts weiter in der Selbstverwaltung der Wirtschaft auch öffentliche Aufgaben erledigen. Dass dies aber an die Zwangsmitgliedschaft gebunden sein muss, ist ein Märchen aus Kammerland.

5 Kommentare zu "Was tun gegen den Kammerzwang der IHK für Gründer und Unternehmen"

  1. Wenn es nach meiner örtlichen IHK ging, dürfte ich garnicht Selbstständig sein! Wie gut das ich immer meinen eigenen Kopf durchsetze. Dadurch wurmt mich der Zwangsbeitrag immer mehr, denn die haben es garnicht verdient…

  2. Michael Wagner | 16. Juli 2012 um 11:40 | Antworten

    ..:“wertvolle Arbeit..“….lach:))

  3. Siehe auch diesen Artikel zum Thema „Kammern wollen (oder besser: müssen?) Gehälter ihrer Führung offenlegen“:

    http://www.impulse.de/unternehmen/:impulse-exklusiv–Kammern-wollen-Gehaelter-ihrer-Fuehrung-offenlegen/1030381.html

  4. Die Zwangsmitgliedschaften zu Kammern (speziell zu IHKn!) gehören schnellstens auf den Müllhaufen der deutschen Geschichte!
    Als „kostenverursachende Hemmschuhe und Arbeitsplatzbeschaffungsmaßnahmen für Funktionäre“, so beschrieben schon die Wirtschaftsfachleute Günter und Peer Ederer die Zwangsmitgliedschaften zu Berufskammern sehr treffend! (Das Erbe der Egoisten, Seite 373)
    Mit folgendem Link ist die Seite 373 übrigens im Internet zu finden: http://ow.ly/i/xAA/original
    Jürgen Möllemann beschrieb den unerträglichen Zustand (kurz vor seinem tragischen Tod) noch mal prima so: „Die Kammern können und müssen sich als Service-Unternehmen so attraktiv machen, dass sie keinen Mangel an freiwilligen Mitgliedern haben. Oder sie laufen Gefahr, überflüssig zu werden.“
    Siehe: http://ow.ly/i/rXY/original =gelb-rot markiert.
    Und sogar ein Herr Dr. Martin Moderegger, der frühere Hauptgeschäftsführer der IHK in Fulda, sagte in einem FOCUS-Interview im Jahre 2000 z. B. dies: „Die Pflichtmitgliedschaft halte ich wirklich für überholt!“
    Siehe: http://www.focus.de/finanzen/news/wirtschaft-pflichtmitgliedschaft-beenden_aid_183120.html

    Heinrich Vetter, Meerbusch

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