Web-Projekte erfolgreich umsetzen: „Jeder Test ist besser als gar kein Test“

Jens Jacobsen ist Autor des Buchs „Website-Konzeption: Erfolgreiche Websites planen, umsetzen und betreiben„.

Wir freuen uns ganz besonders, dass er unseren Lesern in einem Interview einige tolle Tipps mit auf den Weg gibt, wie man gerade als Gründer oder junges (Online-) Unternehmen den eigenen Internetauftritt noch erfolgreicher gestalten kann:

Herr Jacobsen, nur wenn Zielgruppe und Kommunikationsziel klar definiert sind können Web-Projekte erfolgreich umgesetzt werden, so ein Fazit aus Ihrem Buch. Was meinen Sie, warum begegnet man dennoch nach wie vor so vielen Negativbeispielen, selbst bei neuen und prominenten Portalen?

Ich glaube das hängt damit zusammen, dass Vielen gar nicht bewusst ist, wie wichtig ihre Site ist. Sie haben nur ein unbestimmtes Gefühl, dass man die irgendwie braucht, aber sie überlegen sich weder, was genau sie mit der Site erreichen wollen noch warum jemand ihre Site besuchen sollte. Bei Anderen ist es so, dass sie denken, sie wissen, wie eine gute Site aussehen sollte. Dann entscheiden Einzelne nach ihrem Bauchgefühl, ohne auch nur im Ansatz mal mit echten Nutzern zu testen und damit zu prüfen, ob die Site so wirklich funktioniert.

Gerade bei Gründern und StartUps muss es – was den eigenen Onlineauftritt anbelangt – oft schnell und mit schmalen Budgets einhergehen. Wie kann man dennoch sichergehen und auch testen, dass die Konzeptionsphase nicht zu kurz kommt?

Für sehr viele Unternehmen ist die Website heute ganz wichtiges Instrument für Marketing, PR und Neukundengewinnung. Daher kann die Site kaum zu wichtig genommen werden. Entsprechend sollte dafür auch von Anfang an ein entsprechend großes Budget vorgesehen werden. Und ganz wichtig: Eine Website ist nicht erfolgreich, wenn sie schön gestaltet ist, sondern wenn sie an den Bedürfnissen der Nutzer ausgerichtet ist.

Man kann mit günstigen Vorlagen arbeiten, aber nicht mit Inhalten von der Stange. Praktisch jeder, der eine neue Site anlegt, will, dass sie schön aussieht. Und das soll sie auch, weil man sich dann eher mit ihr identifiziert. Aber wie gesagt: Kunden gewinnt man mit Inhalten und Funktionen, die sie brauchen, nicht mit Schönheit.

Wen ich damit immer noch nicht überzeugt habe, ausreichend Budget für die Konzeption vorzusehen, der sollte wenigstens für einen Moment sich selbst und seine Wünsche an die Site vergessen. Und statt dessen in die Schuhe eines unbefangenen Besuchers der Site schlüpfen, die erstellt werden soll. Welche Erwartungen bringt der mit? Nach welchen Begriffen sucht er? Welche Funktionen möchte er? Allein schon wenn man sich diese Fragen stellt – und beantwortet – wird die Website besser als der Durchschnitt.

Nicht wenige junge Firmen denken in diesem Zusammenhang „Erst einmal Online gehen, den Feinschliff kann ich später immer noch erledigen“. Welche Gefahren sehen Sie bei einer solchen Vorgehensweise?

Keine, solange das Fundament stimmt. Sites, die nur aus einer einzigen Seite bestehen sind zum Beispiel höchst benutzerfreundlich – man sieht auf einen Blick, was hier geboten ist. Aber wenn man einmal eine Struktur etabliert hat, dann ist es sehr ungünstig, die später wieder zu ändern. Das verwirrt Benutzer und auch Suchmaschinen. Daher sollte man die Struktur so anlegen, dass die Site wachsen kann.

Falls man auf Expertenhilfe beim Thema Konzeption und Usability angewiesen ist, wie findet man einen guten Dienstleister, auf was sollte man hierbei achten?

Man sollte das Gefühl haben, der Dienstleister hört zu. Und er erzählt nicht, was „man gerade so hat“ oder was „Nutzer heute erwarten“. Er sollte erst analysieren, was Sie überhaupt erreichen wollen mit Ihrer Site und dann erst mit ersten Vorschlägen kommen. Und Sie sollten das Gefühl haben, er kümmert sich um die Inhalte. Wenn er nur von Design und technischen Funktionen spricht, wird er vielleicht eine schöne Site erstellen, aber sicher keine, die gut funktioniert.

In den letzten Monaten gingen zahlreiche Crowd-basierte Testplattformen an den Start, die Usability- und Website-Testing für den schmalen Geldbeutel anbieten. Kann dies Ihres Erachtens eine echte Alternative sein?

Ja, wobei das voraussetzt, dass man ein bisschen Erfahrung hat, sonst testet man das Falsche oder zieht die falschen Schlüsse. Generell gilt: jeder Test ist besser als gar kein Test. Aber man kann mit etwas Erfahrung auch mit unkonventionellen Tests, die man selbst mit beliebigen Testpersonen durchführt, sinnvolle Resultate erzielen.

Zum Thema Barrierefreiheit: Diese Disziplin gilt oftmals immer noch eher als lästige Pflicht denn als Kundenservice und Alleinstellungsmerkmal. Wie kann man Webseiten-Gestalter aber auch Unternehmer hier zum Umdenken bewegen?

Barrierefreiheit ergibt sich fast von allein, wenn man seine Site so anlegt, dass sie technisch sauber sowie leicht wartbar ist und auf allen Geräten wie z.B. Mobilgeräten gut angezeigt wird. Und auch für die Suchmaschinenoptimierung bringt Barrierefreiheit viel. Insofern ist es nicht nur moralisch geboten, sondern auch aus purem Eigennutz sollte man auf Barrierefreiheit achten.

Titelfoto: (c) S. Hofschlaeger / pixelio.de

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