Weiterbildungskosten – So viel zahlen Betriebe für Weiterbildungen von Mitarbeitern

Kosten Weiterbildung

Es gibt viele Gründe für Unternehmen, in die Weiterentwicklung Ihrer Mitarbeitenden zu investieren: Strukturwandel, Fachkräftemangel und Digitalisierung sind starke Herausforderungen für die Zukunftsfähigkeit eines Betriebes. Längst ist ein qualifizierter Mitarbeiter zu einer wertvollen Ressource auf dem Arbeitsmarkt geworden – das wissen die Unternehmer und Unternehmerinnen ebenso wie die Politik.

Wieviel Geld fließt in die Weiterbildung?

Während Arbeitgebende in öffentlicher Hand derzeit immer weniger in den Wissensausbau ihrer Mitarbeitenden investieren, geben deutsche Unternehmen rund 11,1 Millionen Euro für diesen aus. (Quelle: Springer Professional, Stand 2021) Das Engagement in Sachen Weiterbildung ist groß, doch es auch vielfältige Möglichkeiten, eine Förderung für entsprechende Angebote zu erhalten!

Das Qualifizierungschancengesetz der Bundesregierung soll sicherstellen, dass Unternehmen bei der Förderung Ihrer Arbeitnehmer*Innen durch gezielte Angebote unterstützt werden können. Seit 2019 in Kraft, können Unternehmen Qualifizierungsmaßnahmen vom Staat bezuschussen oder auch, abhängig von der Betriebsgröße, komplett finanzieren lassen.

Genutzt wird dafür der Topf der Bundesagentur für Arbeit, welche unter dem Stichwort „WEITER.BILDUNG“ auch bei der Vermittlung passender Maßnahmen unterstützt. Das Interesse seitens der Arbeitnehmenden ist auf jeden Fall da: Laut Statistischem Bundesamt hatten 2020 rund 15,19 Millionen deutschsprachige und in Deutschland lebende Personen über 14 Jahren ein starkes Interesse an beruflicher Fortbildung. 

Je nach Branche hat sie unter erwerbstätigen Angestellten einen unterschiedlichen Stellenwert. So nahmen in Deutschland 2016 rund 31 Prozent der Beschäftigten im Bereich Erziehung und Unterricht an einer Fortbildung teil, während es in Verkehr und Logistik noch gut 13 Prozent waren.

Am unteren Ende dieser Statistik findet sich das Gastgewerbe mit nur 5,5 Prozent. Dabei hätte ausgerechnet die Gastronomie die Zeit der Pandemie sehr gut nutzen und von Fördermitteln profitieren können, denn Weiterbildung in der Kurzarbeit unterliegen besonderen Regelungen, die mit dem Corona Maßnahmepaket noch einmal deutlich ausgeweitet, aber zeitlich befristet wurden.

Aktuell gibt es Öffnungen und die Zeit für Weiterbildungen wird sich für Mitarbeitende in Hotelerie und Gastgewerbe vorerst nicht finden lassen. Fördermöglichkeiten wird es aber auch nach wie vor geben, wenn auch nicht in dem Umfang und so unkompliziert.

Wie sieht die Förderung aus?

Um einen möglichst sinnvollen Weg zur Qualifizierung eines Mitarbeitenden zu finden, kann ein Betrieb eine umfassende Beratung in Anspruch nehmen. Bei dieser werden sowohl die aktuelle Personalstruktur als auch die möglichen Entwicklungspotenziale der Angestellten analysiert.

Die Optionen und Vorstellungen des Betriebs werden geprüft und schließlich auch über mögliche Maßnahmen sowie entsprechende Zuschüsse gesprochen. Das Beratungsangebot der Agentur für Arbeit unterstützt auch beim Beantragen entsprechender Fördermittel.

Gefördert werden vor allem Berufsbilder, die vom zunehmend technologiebasierten Wandel der Arbeitswelt betroffen sind und zukünftig messbaren Veränderungen unterliegen werden. Mit den Geldern soll sichergestellt werden, dass das Personal mit den Entwicklungen Schritt halten kann.

Förderleistungen können als Zuschuss zum Arbeitsentgelt oder in Form von Übernahme von Lehrgangskosten in Anspruch genommen werden. Je nach Bedarf wird also entschieden, welche Art von Unterstützung für den Betrieb sinnvoll ist.

Über das Qualifizierungschancengesetz kann ein Betrieb, der unter 10 Mitarbeitende beschäftigt, Lehrgangskosten bei einem qualifizierten Maßnahmenanbieter bis zu 100 Prozent erstattet bekommen. Auch für mittelständische und größere Unternehmen gibt es Zuschüsse, die zwischen 50 und 15 Prozent gemessen an der Betriebsgröße betragen.

Die Grenzwerte für die Zuschussregelungen liegen bei 10, unter 250 und über 250 sowie über 2500 Mitarbeitenden. Generell höhere Zuschüsse gibt es für Mitarbeitende ab 45 Jahren und Menschen mit Behinderungen. Eine ähnliche Aufteilung herrscht auch bei den möglichen Zuschüssen zum Arbeitsentgelt. Hier liegt die maximale Leistung für Kleinstunternehmen bei 75 Prozent. 

Ganz konkret: Ein Beispiel

Angenommen, eine Geschäftsführerin eines mittelständischen Betriebs mit 16 Mitarbeitenden sieht sich vor der Herausforderung, einen der bisherigen Produktionsabläufe umstellen zu müssen, weil sich die Ansprüche an das Produkt verändern.

Sie hält diese Entwicklung für eine dauerhafte Veränderung und das Unternehmen plant bereits die Anschaffung neuer Maschinen. Diese sind jedoch komplexer in der Anwendung und mindestens ein Mitarbeitender jeder Schicht muss eine entsprechende Qualifizierung vorweisen, um die Produktion beaufsichtigen zu können.

Sie wendet sich nun an die zuständige Agentur für Arbeit und lässt sich entsprechend der Bedarfe ihres Unternehmens zu einem Angebot beraten. Voraussetzung für den Erhalt der Bezuschussung ist, dass die Bildungsmaßnahme mindestens 120 Stunden umfasst und von einem qualifizierten Träger durchgeführt wird.

Die Geschäftsführerin beschließt, vier ihrer Angestellten auf den entsprechenden Lehrgang zu schicken, um auch in Vertretungsfällen qualifizierte Fachkräfte im Produktionsraum zu haben. Obwohl Arbeitnehmer*Innen generell Anspruch auf Weiterbildung in ihren Berufen haben, liegt die Entscheidung bezüglich der angestrebten Qualifizierungsmaßnahme beim Arbeitgeber.

Aufgrund der Betriebsgröße können für 50% der Lehrgangskosten Fördermittel beantragt werden. Die Mitarbeitenden werden entsprechend der neuen Aufgaben qualifiziert und das Unternehmen sieht sich besser gewappnet für die zukünftigen Geschäftsjahre.

Übrigens ist der Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur auch offen für innovative Ideen und bereit, sich mit Bildungsanbietern und Unternehmen an einen Tisch zu setzen. Beispielsweise wenn eine Betriebserweiterung ansteht und viel neues Personal auf einmal gebraucht wird.

Deutsche Betriebe fördern die Weiterentwicklung ihrer Arbeitskräfte

Vorausplanen und sich mit Erfolg am Markt halten: das ist das Ziel der meisten Unternehmer*Innen. Investitionen sind notwendig, das gilt für technologisches Equipment ebenso wie für das soziale Kapital, das Herzstück eines Unternehmens: die Menschen. 

Startups, die Angestellte haben, profitieren ebenfalls von den Förderprogrammen und können von Anfang an dafür sorgen, dass ihre Mitarbeiter gut qualifiziert sind. Weiterbildungen kommen den Unternehmen auch auf mehrfache Weise zugute. Sie liefern den Mitarbeitenden das nötige Knowhow und wirken gleichzeitig als Instrument zur Personalbindung. Denn die Lernbereitschaft bei Arbeitnehmer*Innen ist sehr groß und wird dem Wunsch nach Weiterbildungen nachgekommen, kommen gar nicht erst Abwanderungsgedanken auf. 

Ob die Tendenz zur Weiterentwicklung nun aufgrund freiwilliger Basis entstanden ist oder nicht. Fest steht, sie ist unumgänglich. Die Digitalisierung schreitet voran. Deutschland hinkt global gesehen, hinterher. Warten Unternehmen zulange ab, verpassen sie den Anschluss auf dem Weltmarkt. Die Pandemie hat die Notwendigkeit der Digitalisierung ebenfalls aufgezeigt. Kontaktlose Abwicklungen von Warenübergaben bergen gleichzeitig auch ein geringeres Infektionsrisiko.

Fazit: „Man lernt nie aus.“

Nie war das Sprichwort zutreffender als in der heutigen Zeit. Forschung und Entwicklung schreiten rasant voran. Neue Technologien und Prozesse haben bis in den letzten Unternehmensbereich Auswirkungen. Mitarbeiter nicht zu fördern und zu qualifizieren, würde zweifellos zu finanziellen Einbußen führen, die deutlich höher wären, als eventuelle Weiterbildungskosten.

Die Förderfähigkeit der beruflichen Weiterbildung kommt interessierten Arbeitnehmenden ebenso zugute, wie ihren Beschäftigungsgebern. 

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