Wie könnte ein „Facebook für Unternehmen“ aussehen?

Ein Gastbeitrag von Lukas Pfeiffer, swabr.com.

Mit einer Bewertung von 100 Milliarden Dollar und knapp einer Milliarde Mitgliedern ist das vor 8 Jahren gestartete ehemalige Studenten-Netzwerk in aller Munde. Bei Nutzern, bei Spiele- und Appanbietern, bei Datenschützern und seit neuesten auch bei Anlegern an der Börse.

Angesichts solcher Dimensionen stellt sich die Frage, auf welchen Faktoren der Siegeszug von Facebook beruht und ob sich daraus nicht auch Effekte für die Geschäftswelt ableiten lassen? Es geht dabei um die Frage, wie könnte ein „Facebook für Unternehmen“ aussehen?

Echtzeit-Kommunikation ist die Zukunft

Facebook hat die Art, wie Menschen kommunizieren grundlegend geändert. Und dass Kommunikation altersunabhängig ist, zeigen aktuelle Nutzerdaten. Ein Grund für Facebooks Erfolg liegt auch in der Öffnung des ehemaligen Studenten-Netzwerkes für jedermann (vom Teenager über Familien bis hin zu Großeltern). Wenn eine Revolution so generationenübergreifend erfolgreich ist, muss an der Art der Kommunikation liegen – die Rede ist von der Echtzeit-Kommunikation.

Evolutionssprünge in der Unternehmenskommunikation (Gartner, 2009)

Nun erfahren wir derzeit einen Transfer dieser neuen Kommunikationstechniken vom Privatbereich in die Unternehmenswelt. Die Geschichte zeigt: Alle 20 Jahre wird eine neue, weit verbreitete Form der Unternehmens-Zusammenarbeit angenommen. Nach dem Telefon ab 1950, dem Fax ab 1970 und der Email ab 1990 ändert sich die Art unserer Kommunikation in Unternehmen („Enterprise Adoption“) jetzt hin zur Echtzeit-Kommunikation.

Echtzeit-Kommunikation ist die Zukunft der Zusammenarbeit in Unternehmen. Facebook bietet zwar die Möglichkeit der Echtzeit-Kommunikation, jedoch keine Funktionalität für Unternehmen. Es bedarf einem „Facebook für Unternehmen“. Aus dem „Was machst Du gerade?“ bei Facebook wird ein „Woran arbeitest Du gerade?“ im Arbeitsalltag.

Revolution der Kommunikation

Es geht in Unternehmen darum, themenrelevante Nachrichten mit seinen Kollegen zu teilen, ganz ohne die Ablenkung durch Spiele oder Apps. Wurden bisher unzählige Emails an Einzelne oder Kollegen verschickt, ersetzt nun die Echtzeit-Kommunikation diesen innerbetrieblichen Austausch von Informationen.

Facebook hat es sehr einfach gemacht, Inhalte mit Freunden zu teilen oder mobil mit diesen in Kontakt zu bleiben. Die gleichen Erfolgsfaktoren müssen nun auch für Unternehmensanwender gelten, d.h. die Kommunikation muss einfach, intuitiv zu bedienen und schnell (Echtzeit) sein. Genau das ist die neue Evolutionsstufe in der Kommunikation nach Telefon, Fax und Email.

Vom Web 2.0 zum Enterprise 2.0

Die Mechanismen des Web 2.0 haben längst Einzug in Unternehmen gehalten. Die Deutsche Bahn etwa bietet auf Twitter einen Kundendienst in Echtzeit an und Atos-CEO Thierry Breton hat angekündigt, alle internen Emails abzuschaffen und stattdessen Kollaborations-Plattformen und Social Communities im Unternehmen zu etablieren.

Aus „Was machst Du gerade?“ (Facebook) wird „Woran arbeiten Sie gerade?“ (in Unternehmen)

Natürlich unterscheidet sich die Perspektive von Unternehmen von der Perspektive eines Privatanwenders, wenngleich sich neue Technologien in beiden Bereichen etablieren werden. In den kleinen und großen Firmen geht es vielmehr darum, wie man mit mehreren Kollegen gleichzeitig in Echtzeit kommunizieren kann – ohne ständig Email-CCs und –BCCs herumzuschicken.

Enterprise Microblogging: Kurze Mitteilungen statt endloser Emails

Der Begriff Microblogging wurde vor allem durch den Kurznachrichtendienst Twitter geprägt. Auf Twitter kommunizieren Menschen in nur 140 Zeichen. Diese Beschränkung muss für den Einsatz in Unternehmen freilich aufgehoben werden, um sinnvoll für die interne Unternehmenskommunikation eingesetzt werden zu können. Enterprise-Microblogging-Dienste wie swabr stellen eine Symbiose von einem Netzwerk wie Facebook und von Kurznachrichten wie Twitter dar. Allerdings hat jedes Unternehmen auf swabr ein eigenes, geschlossenes, privates Netzwerk für seine Mitarbeiter mit verifizierter Email-Adresse.

swabr (abgeleitet von „Schwarzem Brett 2.0) kann daher als ein „Facebook für Unternehmen” oder ein „Twitter für Unternehmen” verstanden werden, weil es sowohl Elemente von Facebook (geschlossenes Netzwerk) als auch von Twitter (Kurznachrichten) in einer einzigen Kommunikation vereint. Der Dienst ermöglicht es, die Emails in der Gruppenkommunikation abzulösen und die Unternehmenskommunikation in ein Netzwerk zu übertragen. So können Unternehmen eine automatisierte und ständig wachsende Wissensbasis entstehen lassen und durchsuchbar machen.

Fazit

Der Wissensaustausch in Unternehmen ist ein komplexes Thema. In Zeiten von Web 2.0 aber deutlich einfacher zu realisieren als zuvor. Ein „Facebook für Unternehmen“ sollte also Firmen aber auch Organisationen und Hochschulen dabei helfen, schneller und effektiver zusammenzuarbeiten, es sollte einfach und intuitiv zu bedienen sein und in Echtzeit die interne Unternehmenskommunikation verbessern.

Mitarbeiter können sich mit einem Enterprise-Microblogging-Dienst untereinander besser vernetzen und das Wissen im Unternehmen gezielter nutzen. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, die Angestellten tatsächlich dafür zu begeistern und zum Mitmachen zu motivieren.

8 Kommentare zu "Wie könnte ein „Facebook für Unternehmen“ aussehen?"

  1. Nach meinen Informationen gibt es Unternehmen, die bereits die Kommunikation innerhalb der Firma über Facebook organisieren. Zumindest weiß ich von einem Unternehmen, das dabei ist, dies zu realisieren.

    Wenn man sowieso im Büro am Rechner sitzt, dann ist es vermutlich am Einfachsten, wenn man per Computerchat auch kommuniziert. Ein Griff zum Telefonhörer ist da natürlich deutlich aufwendiger, aber: Per Telefon können auch mehr Informationen (Tonalität der Stimme) übermittelt werden. Daher wird das Telefon als Kompromisslösung zwischen Chat und persönlichem Gespräch vermutlich weiter erhalten bleiben.

    • Ein Problem bleibt dabei meines Erachtens ungelöst: In vielen Projekten hat alleine die Emailfunktion schon dazu geführt, dass man zum eigentlichen Arbeiten irgendwann gar keine Zeit mehr hatte. Wenn nun noch die Direktnachrichten hinzukommen müssten solche Ströme viel stärker gefiltert werden, um den einzelnen Nutzer nicht zu überlasten..

  2. In meiner alten Agentur haben wir dafür ein Tool namens „Yammer“ verwendet, sozusagen eine Mischung aus „Facebook light“ und „ICQ“. Problem war nur, dass ale so überarbeitet waren, dass sie keine Lust mehr hatten, irgendwelche Statusmeldungen zu schreiben.

  3. Vielen Dank für die Kommentare!

    Wir kennen die Bedenken bezüglich Emails und dem zunehmenden Email-Volumen. Dazu kommt, dass Facebook regelmäßig die Einstellungen ändert und vermeintlich privates auf einmal einsehbar ist. Für Firmen ist das nicht tragbar.

    Aus diesem Grund haben wir swabr genau so entwickelt – eben als ein Facebook für Unternehmen. Es ist ein geschlossenes Netzwerk nur für Mitarbeiter ohne Schnick-Schnack.

    Jeder kann http://www.swabr.com kostenlos nutzen, freue mich immer über Feedback.

  4. Zitat aus „Wie koennte ein Facebook fuer Unternehmen aussehen“ ?

    „…die Kommunikation muss einfach, intuitiv zu bedienen und schnell (Echtzeit) sein. Genau das ist die neue Evolutionsstufe in der Kommunikation nach Telefon, Fax und Emai…“

    Offen gesagt sprengt diese Frage meinen Horizont und ich halte sie zur Zeit auch fuer irrelevant, denn das persoenliche Gespraech von Mensch zu Mensch sei es privat oder geschaeftlich, wird nie das Telefon, Fax, email, etc xyz ersetzen. Es sei denn ein neuer Mensch (kuenstliche Intelligenz – Mr.Data) wird erschafft der alles das was wir schon haben (Tel, Fax, email, FB etc), simultan in Echtzeit bewerkstelligen kann, neben dem persoenlichen Gespraech…wollen oder sollen wir das als Mensch koennen? Ich glaube eher nicht!
    MfG, Klaus Kramer
    Voice Ads Ltd

  5. Hallo Herr Kramer,

    ich gebe Ihnen vollkommen Recht, das gesprochene Wort ist unersetzlich.

    Mir geht es eher darum, die Kommunikation in Teams zu verbessern, die sich z.B. an unterschiedlichen Orten oder anderen Ländern befinden.

    Viele Grüße

    Lukas Pfeiffer

  6. Hallo Herr Pfeiffer

    Wir bei Voice Ads Ltd sehen keinen Vorteil in einer zusaetzlichen externen login logout Kommunikationsebene. Allerdings bringt Herr M.Firnkes einen interessanten Aspekt auf den Tisch (siehe oben). Wie waere es wenn man bestimmte Nachrichten aus bestehenden Kommunikationsebenen herausfiltert und in einem betriebsinteren Pool allgemein zur Disskusion/Bearbeitung stellt….. per App Schnittstelle fuer Outlook, Thunderbird etc etc verwendbar

    MfG, Klaus Kramer

  7. Swabr finanziert sich derzeit über Innovestment in einer Crowd-Finanzierung.

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