Zentrales Fundbüro: Deutschlands großes Fundportal will über Ländergrenzen wachsen

Nichts weniger als das weltweite Google für Verlust- und Fundsachen zu werden, ist das selbstgesteckte Ziel des im Jahr 2014 gestarteten Services zentralesfundbuero. Hierfür bietet das StartUp sowohl Lösungen im B2B- als auch B2C-Bereich an. Um das weitere Wachstum und neue Services zu finanzieren, sucht man jetzt erstmalig auch nach externen Geldgebern.

Der Name zentralesfundbüro.de sagt ja bereits Einiges aus. Steckt hinter der Idee denn noch mehr?

Das Zentrale Fundbüro soll in der Tat mehr sein als eine Anlaufstelle für Fund- und Verlustmeldungen. Ziel ist es, ein holistisches Netzwerk zu schaffen, das sämtliche Anforderungen im Zusammenhang mit Verlorenem und Gefundenem weltweit abdeckt.

Dazu gehört natürlich in erster Linie, Fundsachen wieder mit den rechtmäßigen Besitzern zu vereinen. Von unseren Services sollen alle einen Nutzen haben – egal ob Privatperson, Unternehmen, Behörde oder Kommune.

Doch auch zur Verlustprävention und gegen den Handel mit Hehlerware wollen wir mit unserer Seriennummern-Datenbank beitragen.

Langfristig spielen wir sogar mit dem Gedanken, unsere Services im Offline-Bereich deutlich auszuweiten – hier wollen wir aber noch nicht zu viel verraten.

Wo und wann seid Ihr genau gestartet?

Die Plattform ZentralesFundbüro.de ist im April 2014 als Projekt der NEOSULTING GmbH online gegangen. Unser Firmensitz liegt in Frankfurt am Main, also im Herzen des Rhein-Main-Gebiets.

Die Region ist für ihr Bank- und Finanzwesen bekannt, deshalb zieht es auch viele Start-ups aus diesem Bereich hierher. Doch auch wir fühlen uns hier sehr wohl.

Wie ist die Idee eines zentralen Fundbüros entstanden?

Wie so oft stecken hinter der Idee persönliche Erfahrungen. Der Gründer und Entwickler des Zentralen Fundbüros, Markus Schaarschmidt, vergaß im Sommer 2013 seinen Rucksack an einer S-Bahn-Haltestelle.

Danach folgte eine Odyssee, auf der er bei zahlreichen Anlaufstellen immer wieder anfragen musste. Aus diesem Erlebnis heraus entstand die Idee, etwas an der unstrukturierten und unüberschaubaren Fundlandschaft in Deutschland zu ändern.

Als Markus bei den Recherchen dann feststellte, dass auch auf Seiten von Unternehmen und Behörden noch erheblicher Nachholbedarf besteht, war schnell klar, dass ebenso Lösungen für diesen Bereich ein Teil des Konzepts für das Zentrale Fundbüro werden mussten.

Wie lange hat es dann noch bis zum Unternehmensstart gedauert und wie viel Zeit und Geld ist bis dato hineingeflossen?

Von der ersten Idee bis zum Launch von ZentralesFundbüro.de ist ungefähr ein Dreivierteljahr vergangen. Mit unserem IT-Service-Unternehmen NEOSULTING GmbH hatten wir bereits vielfältige Erfahrungen in der Umsetzung sowohl fremder als auch eigenständiger Projekte gesammelt.

Das bedeutet wiederum, dass es bereits gut eingespielte Teams und Partner gibt, mit deren Unterstützung die Umsetzung des Online-Fundbüros zum Großteil hausintern möglich war. Die Kosten beschränkten sich hierdurch fast ausschließlich auf Personalkosten.

Da die NEOSULTING GmbH vor allem im Bereich der IT-Weiterbildung in der Pharma-, Banken- und Tourismusbranche aktiv ist, verfügen wir über konstante Einnahmen.

Dadurch sind wir in der Lage, zusätzlich Projekte wie das Zentrale Fundbüro oder WebcamCover zu realisieren, mit denen wir bereits Erfolge erzielen. Für einige unserer Service-Erweiterungen suchen wir nun zum ersten Mal auch nach Fremdkapital, da wir wirklich Großes vorhaben.

Wie erleichtert die Plattform im Vergleich zum normalen Fundbüro die Anfragen von Suchenden?

Bevor es das Zentrale Fundbüro gab, mussten Suchende bei etlichen Stellen anfragen, um alle möglichen Fundorte abzudecken. Und auch dann konnten sie nie wirklich sicher sein, ob das Verlorene tatsächlich nicht gefunden worden war oder einfach ganz unten in der Fundkiste versteckt blieb.

Mehrere Runden dieses Hinterher-telefonier-Spiels sind da die Regel. Vor allem, wenn der Betreffende nicht genau sagen kann, wo er die Sache verloren hat – in den meisten Fällen also.

Doch selbst wenn der Gegenstand bei einem der in Frage kommenden Standorte abgegeben wurde, kann es Wochen dauern, bis er erfasst wird und in einem offiziellen System auftaucht. Hat der Finder oder die Behörde ihn aber bei ZentralesFundbüro.de eingestellt, kann der Suchende sofort nachvollziehen, wo sein Gut sich befindet.

Auch Unternehmen erleichtern wir das Handling von Fundsachen und Suchanfragen mit unserem „Zentralen Fundbüro Manager“ deutlich, denn nur selten gehört die Abhandlung von Fundsachen zum eigentlichen Kerngeschäft.

Die Software vergleicht Anfragen mit den über 200.000 Einträgen des Zentralen Fundbüros, informiert den Administrator nach Ablauf der gesetzlich vorgeschriebenen Aufbewahrungszeit automatisch und vereinfacht das Verwalten von Neuzugängen durch eine standardisierte Erfassung.

Was waren die größten Klippen, die es zu umschiffen gab und gab es je Zweifel am Erfolg des Projektes?

Einen Service wie den des Zentralen Fundbüros hat es bisher so nicht gegeben. Daher waren wir gezwungen, in diesem Bereich Pionierarbeit zu leisten. Gerade am Anfang war das natürlich eine durchaus anstrengende Angelegenheit. Aber wie so oft war die Lösung eine Kombination aus Geduld und Energy Drinks.

Wenn es eine Hürde zu nennen gibt, dann ist es die Finanzierung unserer größeren Vorhaben. Wie bereits erwähnt, konnten wir das Projekt bisher komplett eigenfinanzieren. Die zukünftigen Service-Erweiterungen und Marketingmaßnahmen können wir finanziell allerdings nicht allein stemmen. Wir wägen diesbezüglich gerade mehrere Optionen ab, haben uns aber noch nicht endgültig für einen Weg entschieden.

Zweifel am Erfolg unseres Konzepts hatten wir insgesamt aber nicht. Gelegentliche Frustrationen bleiben natürlich nicht aus, gerade in der Anfangszeit. Aber unser Team hat schon andere Projekte umgesetzt und seine Erfahrungen machen können, daher braucht es schon sehr viel, um uns aus der Ruhe zu bringen.

Wie genau wird Geld verdient und steht bereits eine schwarze Zahl vor dem Komma?

Wir sind konstant dabei, unsere Services auszubauen – dazu zählen auch die neuen Software-Lösungen und Apps, auf die wir uns 2015 freuen dürfen. Bezüglich der Einnahmequellen unterscheiden wir zwischen unserem B2B- und B2C-Angebot.

Im B2C-Bereich können Nutzer sich Suchaufträge einrichten und sich automatisch über Neuzugänge informieren lassen. Das spart nicht nur Zeit, sondern auch Nerven. Außerdem haben Nutzer die Möglichkeit, eine Premiumplatzierung zu buchen, die die Sichtbarkeit der gesuchten Sache erhöht, was natürlich mehr Aufmerksamkeit erzeugt.

Außerdem verhandeln wir gerade mit ausgesuchten Kooperationspartnern, da so auch Werbeeinnahmen Teil des Einnahmekonzepts werden können.

Für den B2B-Bereich haben wir den schon erwähnten Zentralen Fundbüro Manager entwickelt, mit dem Unternehmen, Behörden, Kommunen usw. das Handling von Fundsachen deutlich vereinfachen können. Wir rechnen damit, dass das Zentrale Fundbüro bereits 2016 schwarze Zahlen schreiben wird.

Wie viel Marketing betreibt Ihr, oder wie werden Suchende auf Euch aufmerksam?

Das Internet wird heute immer intensiver für alle möglichen Zwecke genutzt – so auch für die Suche nach Verlustsachen. Als Online-Service betreiben wir Marketing hauptsächlich in den Bereichen SEO, Social Media und AdWords. Das können und werden wir auch noch sehr viel stärker tun, damit die Plattform die flächendeckende Bekanntheit erreicht, die sie verdient.

Ebenso wichtig ist uns aber auch der stetige Kontakt zu den Medien. Daher sind wir gerade im Bereich PR bereits sehr aktiv und freuen uns besonders über Interviews wie dieses hier.

Insgesamt arbeiten wir ständig daran, die Bekanntheit der Plattform voranzutreiben, da unser Service mit der Nutzerbeteiligung steht und fällt.

In Zukunft werden wir unsere Dienste vermehrt über Partnerunternehmen – z. B. Hotels, Flughäfen, Clubs etc. – bekannt machen. Ziel ist es ja, ein holistisches Netzwerk für den Bereich Lost and Found aufzubauen. Daher wollen wir natürlich auch alle Kanäle nutzen, die uns zur Verfügung stehen.

Das Online-Fundbüro kann bereits eine beachtliche Entwicklung vorweisen – welche weiteren Ziele werden für die Zukunft anvisiert?

Es freut uns sehr, dass wir unsere selbstgesteckten Ziele für 2014 erreicht haben. Unter anderem wollten wir es schaffen, von etwas über 50.000 Einträgen beim Launch des Zentralen Fundbüros im April bis Ende des Jahres auf 200.000 Einträge zu kommen. Diese Marke haben wir geknackt.

Nun gilt es, die nächsten Etappenziele zu erreichen. Hierzu zählt vor allem die Internationalisierung der Plattform. Mit dem internationalen Start werden wir den Grundstein für eine globale Anlaufstelle für sämtliche Fund- und Verlustsachen legen um so unserem langfristigen Ziel näherzukommen, nämlich: das Google für Verlust- und Fundsachen zu werden!

Außerdem sind Erweiterungen unseres Fundbüro Managers sowie der Apps geplant. Hier gilt es letztlich, namhafte Vertreter verschiedener Branchen für uns zu gewinnen, um diese bekannt zu machen. Voraussetzung hierfür ist natürlich ein Ausbau unserer Marketing- und Vertriebsaktivitäten – eine Herausforderung, auf die wir uns jetzt schon sehr freuen.

Doch das Produkt- und Dienstleistungsportfolio wird insgesamt einen Zuwachs erfahren – hier wollen wir aber noch nicht zu viel verraten. Nur so viel: 2015 wird ein spannendes Jahr für uns und ein hoffnungsvolles für alle, die etwas verloren haben.

Was ist das Wichtigste, auf das junge Gründer beim Start ins eigene Business achten sollten?

So gerne sich viele junge Gründer direkt in die Praxis stürzen möchten – ihr solltet euch darüber im Klaren sein, dass vor allem zu Beginn eines angesagt ist: eine ordentliche Recherche!

Das fängt schon bei der Wahl der richtigen Unternehmensform an. Aber auch eine erste Roadmap, die Erstellung des Businessplans, Konkurrenzanalysen usw. erfordern erst einmal einen erheblichen Aufwand.

Sehr wichtig ist es auch, das richtige Team zu finden. Denn wenn es um die Realisierung geht – das heißt Überstunden, Nachtschichten, Wochenenden im Büro – werdet ihr feststellen, dass manchen Mitstreitern der anfängliche Elan schnell verloren geht. Erschwert wird dieser Umstand, wenn einigen der Erfolg nicht schnell genug eintritt und sie dadurch ungeduldig werden.

Ebenso solltet ihr bedenken, dass euer Service oder euer Produkt noch lange kein fertiges Konzept darstellt. Im Gespräch mit Team, Kunden, Investoren, Partnern etc. wird sich immer wieder herausstellen, dass ihr bei diesem oder jenen Aspekt nachbessern müsst.

Hier heißt es, Kritikfähigkeit beweisen, Einwände ernst nehmen und positiv nutzen. Das erfordert natürlich manchmal ein dickes Fell – wer das aber nicht hat, sollte sich nicht für die Selbstständigkeit entscheiden.

Worin seht Ihr im Allgemeinen die größten Schwierigkeiten für junge StartUps in Deutschland?

Deutschland hat in vielerlei Hinsicht eine führende Position, in diesem Bereich aber noch ein gewisses Ausbaupotenzial. Hier sollten wir noch sehr viel mehr tun – und der IT-Sektor ist dafür besonders geeignet.

Für Gründer bedeutet das, dass sie bei der Investorensuche einen langen Atem brauchen – denn während in den USA oft schon frühzeitig in Ideen mit Potenzial investiert wird, ist es in Deutschland eher das fertige Produkt, das Geldgeber suchen.

Fehlende Risikobereitschaft auf Investorenseite ist wohl das, was deutsche Jungunternehmen die größten Schwierigkeiten bereitet – wer eine neue, innovative Geschäftsidee verwirklichen möchte, ist auf Unterstützung angewiesen.

Abschließend bitte noch ein paar Worte zu den Unternehmensgründern und Ihren Werdegang?

Das ursprüngliche Gründerteam setzt sich zusammen aus dem Geschäftsführer und Entwickler des Zentralen Fundbüros Markus Schaarschmidt sowie dem PR-Verantwortlichen und Projektmanager Antonio Vega.

Die beiden sind seit fast 20 Jahren miteinander befreundet und haben schon andere erfolgreiche Projekte gemeinsam auf die Beine gestellt. Kennengelernt haben sie sich schon zu Schulzeiten und obwohl sie nur ein Jahr lang eine gemeinsame Klasse besuchten, haben sie seitdem immer Kontakt gehalten.

Akademisch haben die beiden eine grundverschiedene Laufbahn eingeschlagen: Während Markus an der THM Gießen Informatik studierte, absolvierte Antonio ein Studium der Amerikanistik, Politikwissenschaften und Religionsphilosophie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Diese unterschiedlichen Horizonte haben sich bei ihren gemeinsamen Projekten immer als großer Vorteil erwiesen.

Später sind dann aus dem Freundes- und Bekanntenkreis noch weitere Unterstützter zum Zentralen Fundbüro hinzugekommen, u. a. für die Bereiche Recht, Finanzen, IT und Vertrieb.

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