Im Gründerinterview verrät uns Mert Erdogan von syntik, warum die Suche nach der perfekten Lösung oft ein Anfängerfehler ist, wie LinkedIn als wichtigster Vertriebskanal im B2B-Umfeld funktioniert und wie er KI für Industrieunternehmen zu einem Werkzeug macht, das im Alltag echte und vor allem messbare Effizienz schafft.
Mert, kurz und knapp: Pitche Eure Geschäftsidee?
Mit syntik unterstützen wir Industrieunternehmen dabei, Künstliche Intelligenz sinnvoll und wirtschaftlich in ihre Prozesse zu integrieren. Wir identifizieren konkrete kaufmännische Anwendungsfälle, etwa im Vertrieb, Qualitätssicherung oder Service, schulen Mitarbeitende im praktischen Umgang mit KI und entwickeln anschließend maßgeschneiderte KI-Lösungen.
Unser Ziel ist es, KI vom großen, abstrakten Hype zu einem Werkzeug zu machen, das im Unternehmensalltag tatsächlich Effizienz schafft.
Was genau war der Auslöser für den Start in ein eigenes Business?
In vielen Projekten habe ich gesehen, wie groß das Potenzial von KI ist, vor allem in Bereichen, in denen heute noch viele repetitive Aufgaben manuell erledigt werden. Gleichzeitig habe ich erlebt, dass gerade Industrieunternehmen Schwierigkeiten haben, diese Technologien richtig einzuordnen.
Es fehlt oft nicht an Interesse, sondern an Orientierung. Genau diese Lücke wollte ich schließen und Unternehmen dabei helfen, KI pragmatisch und mit klarem wirtschaftlichem Nutzen einzusetzen.
Was macht das Geschäftsmodell einzigartig – was ist der USP?
Unser Ansatz ist bewusst ganzheitlich für Industrieunternehmen im kaufmännischen Bereich. Wir verbinden drei Dinge, die häufig getrennt gedacht werden: Strategische KI-Betrachtung, Weiterbildung der Mitarbeitenden und die technische Umsetzung konkreter KI-Lösungen.
Dadurch begleiten wir Unternehmen von der ersten Idee bis zur produktiven Anwendung. Zudem arbeiten wir sehr praxisnah, nicht mit abstrakten Konzepten, sondern mit konkreten Use Cases, die kaufmännische Prozesse im Alltag tatsächlich verbessern.
Wo siehst Du die Zielgruppe bzw. wer sind die Wunschkunden?
Unsere Zielgruppe sind mittelständische Unternehmen, insbesondere aus industrienahen Branchen.
Viele dieser Unternehmen haben komplexe Abläufe und große Datenmengen, nutzen KI aber bisher nur begrenzt. Gerade in Bereichen wie Vertrieb, Service, Einkauf oder Qualitätssicherung sehen wir enormes Potenzial für Automatisierung und bessere Entscheidungsgrundlagen.
Wie viel Geld wurde bis zum Start investiert und wie lange war die Vorlaufzeit?
syntik wurde bewusst schlank aufgebaut. Die Gründung erfolgte im Sommer 2025, nachdem ich das Konzept und erste Inhalte bereits einige Monate vorbereitet hatte.
Finanziert wurde das Unternehmen klassisch durch eigenes Kapital der Gründer. Statt früh auf externe Investoren zu setzen, verfolgen wir einen Bootstrapping-Ansatz und wachsen organisch aus Projekten und Kundenaufträgen heraus. Dadurch können wir flexibel agieren und nachhaltig wachsen.
Wie sieht es mit der Einnahmeseite aus – auf welchen Weg werden Geldrückflüsse erzielt?
Unsere Umsätze entstehen aus mehreren Bausteinen.
Zum einen führen wir KI-Workshops durch, in denen Unternehmen konkrete Anwendungsfälle identifizieren und ihre Mitarbeitenden schulen. Zum anderen entwickeln und integrieren wir (identifizierte) individuelle KI-Lösungen, beispielsweise für automatisierte Angebotserstellungen, KI-basierte Ausschreibungsabgleiche oder Demand Forecasting, z.B. Für Ersatzteile im Sondermaschinenbau.
Langfristig planen wir zusätzlich standardisierte KI-Module, die sich in verschiedene Unternehmensumgebungen integrieren lassen.
Welche Werbe- bzw. PR-Aktion hat bis dato für den größten Bekanntheitsschub gesorgt?
Der größte Hebel war bisher tatsächlich der direkte Austausch über LinkedIn. Dort teile ich regelmäßig Einblicke in konkrete KI-Anwendungen, Erfahrungen aus Projekten oder Einschätzungen zu Entwicklungen im KI-Bereich.
Gerade im Mittelstand entstehen viele Kontakte noch über Vertrauen und persönliche Netzwerke, und das funktioniert letztlich über solche Plattformen sehr gut.
Welche Vision verfolgt Ihr und welche Schlagzeile würdest Du gern mal über das Unternehmen lesen?
Unsere Vision ist es, KI für Industrieunternehmen wirklich nutzbar zu machen, nicht als abstrakte Zukunftstechnologie, sondern als Werkzeug, das Prozesse messbar verbessert.
Besonders spannend wird es dort, wo Abläufe komplex sind und hohe Anforderungen an Dokumentation oder Qualität bestehen.
Eine Schlagzeile, über die ich mich freuen würde, wäre:
„syntik etabliert KI als festen Bestandteil in deutschen Industrieunternehmen.“
Auf welche 3 Tools/Apps kannst Du bei der täglichen Arbeit keinesfalls verzichten und warum?
Ein Tool, das ich täglich nutze, ist ChatGPT bzw. Claude, weil es hervorragend dabei hilft, Ideen zu strukturieren, Inhalte zu entwickeln oder komplexe Themen schnell zu analysieren.
Außerdem arbeite ich viel mit Microsoft Teams, da Kommunikation und Abstimmung mit Kunden, Kollegen und Partnern darüber sehr effizient funktionieren.
Und schließlich ist Notion ein wichtiges Werkzeug für mich, um Ideen, Projekte und Inhalte strukturiert zu organisieren.
Was bedeutet für Dich persönlich Erfolg – worauf kommt es wirklich an?
Für mich bedeutet Erfolg, dass etwas entsteht, das echten Mehrwert schafft.
Gerade in der Industrie merkt man schnell, ob eine Lösung wirklich hilft oder nur gut klingt. Wenn ein Kunde sagt, dass eine Lösung ihm täglich Zeit spart oder Prozesse spürbar einfacher geworden sind, dann ist das für mich ein sehr greifbarer Erfolg.
Welchen Fehler würdest Du aus der eigenen Erfahrung heraus jungen Gründern ersparen?
Ein häufiger Fehler ist sich zu früh zu sehr auf eine perfekte Lösung zu konzentrieren. In der Praxis ist es viel wichtiger, schnell mit Kunden zu sprechen und echte Probleme zu verstehen.
Viele gute Ideen entstehen erst im Austausch mit dem Markt, nicht einfach allein am Schreibtisch.
Welche Frage sollte sich eine Gründerin bzw. ein Gründer mindestens einmal gestellt haben?
Viele Technologien sind spannend, aber nicht jedes Problem ist für Unternehmen auch wirtschaftlich relevant. Der Schlüssel liegt darin dann Lösungen zu entwickeln, die einen echten Nutzen für den Kunden auch haben.
Mit welchen drei Worten würdest Du dich selbst beschreiben?
Neugierig. Analytisch. Pragmatistisch.