Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige – Gesundheitsfragen beachten

Gesundheitsfragen Berufsunfähigkeit

Beitrag von Klaus Fechner vom InsurTech-Startup Getsurance zum Thema BU:

Bedeutung der Berufsunfähigkeitsversicherung

Egal ob Freiberufler, Selbstständiger oder Unternehmensgründer – die eigene Gesundheit gehört zu den wichtigsten Grundlagen der Arbeit.

Deshalb zählt die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) zu den bedeutendsten Versicherungen für Selbstständige überhaupt. Sie zahlt eine monatliche Rente, wenn man wegen einer Krankheit oder nach einem Unfall berufsunfähig wird. Das bedeutet, dass die bisherige berufliche Tätigkeit nur noch zu weniger als 50 Prozent ausgeübt werden kann.

Und ohne private Absicherung der eigenen Arbeitskraft ist im Fall der Berufsunfähigkeit die Existenz bedroht. Eine große Bedeutung beim Abschluss der passenden BU kommt den
Gesundheitsfragen zu.

Warum BU-Gesundheitsfragen?

Die Versicherungsunternehmen wollen ihr Risiko einschätzen, das sie mit dem Abschluss eines Vertrages eingehen. Bei dieser Risikoabwägung werden mehrere Faktoren herangezogen.

Dazu zählt der Beruf des Antragstellers, denn bestimmte Berufsgruppen wie Bauarbeiter oder Dachdecker besitzen ein höheres Risiko, berufsunfähig zu werden als körperlich wenig aktive Berufsgruppen wie Bürokaufleute. Außerdem spielt das Alter eine Rolle.

Wichtig ist für die Versicherungsanbieter auch der Gesundheitszustand eines Antragstellers. Mit den Gesundheitsfragen wird gezielt danach gefragt. Denn Vorerkrankungen wie Rückenleiden oder Allergien erhöhen das Risiko, später einmal berufsunfähig zu werden.

Das erhöhte Risiko geht dann in die Beitragsberechnung ein und erhöht die monatliche Beitragszahlung.

Beispiele für Gesundheitsfragen

Der Umfang der zu beantwortenden Gesundheitsfragen ist je nach Versicherer unterschiedlich. Die Fragen sind sehr konkret und sie betreffen ein breites Spektrum möglicher Erkrankungen und Behandlungen, wie die folgenden Beispiele zeigen:

  • Sind oder waren Sie in den letzten 12 Monaten mehr als 2 Wochen zusammenhängend nicht in der Lage Ihrer beruflichen Tätigkeit nachzugehen?
  • Hatten Sie in den letzten 3 Jahren Erkrankungen oder Beschwerden der folgenden Punkte oder waren deswegen in ärztlicher Behandlung: Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Knochenbrüche, chronische Durchfälle oder angeborener Herzfehler?
  • Hatten Sie in den letzten 3 Jahren Störungen der Haut- und der Atemwegsfunktionen?
  • Hatten Sie in den letzten 5 Jahren Erkrankungen oder Beschwerden der folgenden Punkte: Erkrankungen des Immunsystems (z.B. Multiple Sklerose, Rheuma) oder Tumorerkrankungen?
  • Sind oder waren Sie in den letzten 5 Jahren in Beratung, Behandlung oder Untersuchung wegen der Psyche, des Gehirns, des Nervensystems (z.B. Depressionen, Neurosen)?
  • Nehmen oder nahmen Sie in den letzten fünf Jahren Medikamente länger als einen Monat?
  • Wurden Sie in den letzten 5 Jahren in einem Krankenhaus, in einer Rehabilitationsklinik oder einer Entzugseinrichtung beraten, behandelt oder untersucht?

Diese Auswahl macht deutlich, dass sowohl körperliche als auch psychische Erkrankungen abgefragt werden. Dazu kommen Fragen nach Drogenkonsum und Selbsttötungsversuchen. Der abgefragte Zeitraum, für den Angaben gemacht werden müssen, kann bis zu 10 Jahre betragen.

Beispiel BU für einen selbstständigen Programmierer

Die Antworten auf die Gesundheitsfragen können erhebliche Auswirkungen auf die Höhe der monatlichen Beiträge haben, die zu zahlen sind.

Hierzu ein fiktives Beispiel:

Tim ist selbstständiger Programmierer, 30 Jahre alt, 1.86m groß und er wiegt 85 kg. Die zu versichernde BU-Rente beträgt 1000 €. Da Tim kerngesund ist und die Gesundheitsfragen dementsprechend vorteilhaft beantworten kann, erhält er ein Angebot für eine BU mit einem monatlichen Beitrag in Höhe von 50,47 €.

Hätte er Vorerkrankungen bei den Gesundheitsfragen angegeben (Bluthochdruck, eine Meniskus-Verletzung und Heuschnupfen), müsste er bei seiner Versicherung 25 % mehr bezahlen.

Das gleiche Ergebnis bringen Anfragen bei anderen Anbietern. Hinzu kommt, dass er bei einigen Anbietern zusätzliche Unterlagen ausfüllen muss; die Versicherer fragen also noch einmal genau nach, was es mit den Erkrankungen auf sich hat.

Auch wenn sich die Angabe von möglicherweise vorhandenen Erkrankungen bei den Gesundheitsfragen negativ auf die Beiträge auswirkt, müssen alle Antworten korrekt sein.

Ganz wichtig: Gesundheitsfragen ehrlich beantworten

Was für viele Selbstständige selbstverständlich ist, nämlich eine positive Eigendarstellung und PR in eigener Sache, das gilt bei den Gesundheitsfragen nicht. Hier lautet das Gebot: Ehrlich sein und wahrheitsgemäß antworten.

Werden beim Antrag für eine BU Krankheiten verschwiegen oder Behandlungen nicht erwähnt, dann kann sich das später rächen. Tritt nämlich in späteren Jahren der Leistungsfall ein und der Versicherte will seinen Anspruch auf eine Berufsunfähigkeitsrente geltend machen, zählen viele Details.

Die Versicherungsunternehmen prüfen, wie es zur Berufsunfähigkeit kam, zu welchem Grad die Person nicht mehr arbeiten und ob folglich eine BU-Rente ausgezahlt werden kann. Bei vorherigen Falschangaben im Antrag kann die Rente verweigert werden; Versicherer gehen dann von arglistiger Täuschung aus.

Den besten Überblick über die Krankheitsgeschichte eines Patienten haben die behandelnden Ärzte und die zuständige Krankenkasse. Darum ist es sinnvoll, beim Antrag auf eine BU-Versicherung alle Ärzte zu kontaktieren und Informationen zu vorhandenen Diagnosen und Behandlungen einzuholen.

Oft ist auch ein längeres Gespräch mit dem Arzt sinnvoll, in dem Fachbegriffe geklärt werden können. Dadurch werden mögliche Fehlangaben bei den Gesundheitsfragen vermieden.

Die Risikovoranfrage ist besonders wichtig für Selbstständige

Nicht jeder Selbstständige bekommt eine Berufsunfähigkeitsversicherung.

Sind Vorerkrankungen vorhanden und bestehen zudem weitere Risiken, wie ein gefährlicher Beruf oder ein riskantes Hobby, dann kann ein Versicherer den Abschluss einer BU ablehnen.

Wird ein Antragsteller aber einmal abgelehnt, dann kommt er in das Hinweis- und Informationssystem der deutschen Versicherer (HIS), das allen Versicherungsunternehmen zugänglich ist. Und dann wird es schwer, überhaupt noch eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu bekommen.

Darum ist es ratsam, mit Hilfe eines Versicherungsmaklers eine Risikovoranfrage zu stellen. Damit kann bei mehreren Versicherern unverbindlich angefragt werden, wie die Chancen auf eine BU stehen. Bei dieser Anfrage werden die Daten des Antragstellers dann nicht zentral gespeichert, so dass er/sie die Möglichkeit hat, noch bei anderen Versicherern eine BU zu beantragen.

Tipp: Wer sich in jungen Jahren entscheidet, hat Vorteile

Junge Menschen sind in den meisten Fällen gesünder als ältere. Gerade Berufseinsteiger, die sich selbstständig machen, können davon profitieren. Denn in jungen Jahren sind die Gesundheitsfragen leichter zu beantworten.

Es sind weniger Krankheiten vorhanden, die angegeben werden müssen. Das reduziert das Risiko des Versicherers und er kann mit günstigeren Tarifen rechnen. Außerdem ist die Vertragslaufzeit bei einem frühen Abschluss länger, was ebenfalls die monatlichen Beiträge verringert.

Die genaue Höhe des monatlichen Beitrages ist individuell unterschiedlich und richtet sich nach den bestehenden Risiken und der BU-Rente, die später ausgezahlt werden soll. Es ist ratsam, vor dem Abschluss einer BU mit einem Vergleichsrechner, z.B. bei Getsurance, die angebotenen Tarife unter die Lupe zu nehmen.

Fazit

Die beim Abschluss einer BU gestellten Gesundheitsfragen der Versicherer lassen sich nicht umgehen. Dabei sind ehrliche Antworten unbedingt erforderlich. Mit der Nachfrage bei Ärzten und der Krankenkasse können aber auch länger zurückliegende Erkrankungen und Behandlungen belegt werden.

Autorenprofil:

Klaus Fechner arbeitet in der Online-Redaktion des InsurTech-Startups Getsurance.

Als Versicherungsportal gestartet, hat sich Getsurance auf den wichtigen Bereich der Lebensversicherungen spezialisiert und dazu die erste Online-Beratung zur Berufsunfähigkeitsversicherung entwickelt.

Gleichzeitig entwickelt das Unternehmen eigene modulare Versicherungsprodukte und informiert vor allem junge Kunden über Versicherungen mit fachlich fundierten Ratgebertexten.

Weitere Informationen zum Autor findest Du unter: https://getsurance.de

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