Artikelserie „Corporate Design“: Die richtige Hausschrift finden

Ein Gastbeitrag von René Aye, Medienagentur Pyropixel.de.

Was ist eine Hausschrift?

Es handelt sich hierbei um eine Schrift, die unternehmensweit für Korrespondenzen und Geschäftsdrucksachen wie Briefpapier, Visitenkarten, Stempel, Anzeigen, Webseiten, E-Mail etc. eingesetzt wird.

Es muss darauf geachtet werden, dass die festgelegte Schrift konsequent eingehalten werden, da diese Bestandteil des Charakters des Unternehmens sind und somit zur Image- und Markenbildung beitragen. In der Regel werden für elektronische Medien andere Schriften eingesetzt, als für die Printmedien. Insbesondere Serifen-Schriften (siehe unten) sind für den Monitoreinsatz weniger geeignet.

Welche Schrift-Stile gibt es?

Der Einfachheit halber möchte ich eine sehr grobe Einteilung von Schriften vornehmen:

  • Serifen-Schriften (sans sans)
  • Serifenlose-Schriften (serif)
  • Hand- und Kalligrafieschriften (script)

Die Schriftklassen in der Übersicht

Diese Kategorien sollen zunächst reichen, wobei für die Hausschrift nur die ersten beiden interessieren. Handschriften und kalligrafische Schriften eignen sich meiner Meinung nach nicht für längere Texte, könnten aber für Überschriften in Betracht kommen..

Was gilt es bei der Wahl einer Hausschrift zu beachten?

  • sie muss gut lesbar sein
  • sie muss zum Unternehmen passen und/oder
  • sie muss zu meiner Zielgruppe passen

Wie finde ich heraus, ob eine Schrift zu meinem Unternehmen passt?

Serifenlose Schriften wirken eher konstruiert und technisch, dadurch wirken Sie eher modern und kühl. Schriften mit Serifen wirken in die gegenteilige Richtung, also eher klassisch. Nun müssen Sie sich fragen, wie Sie Ihr Unternehmen einordnen. Sind Sie eher ein modernes, technologisches und/oder konstruierendes Unternehmen (zum Beispiel Webdesign, Architektur, Programmierung, Konstruktion etc.)? Oder sind Sie eher in einer klassischen Branche tätig (etwa Finanzen, Versicherungen, Beratung, Gesundheit etc.)?

Sie können es auch mit einem Blick auf die Zielgruppe versuchen: ist meine Zielgruppe über 50 und nicht internetaffin? Falls ja, dann würde hier eine Serifen-Schrift passen. Sprechen Sie ausschließlich eine junge Zielgruppe an, ist eine serifenlose Schrift sicher angebrachter.

Bedenken Sie bitte: dies sind nur Vorschläge, um Ihre Situation mit einfachen Mitteln zu analysieren. Das sind keine eisernen Design-Regeln.

Selbstverständlich kann ein Finanzunternehmen auch einen serifenlose Schrift verwenden, gerade wenn Sie eine junge Zielgruppe ansprechen möchten oder hauptsächlich übers Internet agieren (zum Beispiel Direkt-Banken). Sie sollen durch diesen Artikel nur eine Idee dafür bekommen, welche Fragen man sich stellen kann.

Schriften per Mausklick finden

Es gibt Webseiten, die einem bei der Suche nach einer Schrift helfen können. Zum Beispiel die Seite www.identifont.com, mit der ich im Folgenden exemplarisch eine Schrift heraussuchen möchte:

Schritt 1: In der linken Spalte „Fonts by Apearance“ wähle ich zunächst, ob meine Schrift Serifen „Yes (serif)“ oder keine Serifen „No (sans-serif)“ haben soll. Ich wähle „No“.

Schritt 2: Im Folgende soll ich die Art des Striches im Buchstaben „Q“ wählen. Mir gefällt die Variante, bei der der Q-Strich unter und getrennt vom Kreis ist – „Below and separated from the circle“.

Schritt 3: Danach darf ich wählen, ob das große „J“ über die Grundlinie hinaus geht oder direkt auf der Grundlinie steht. Ich wähle „Below the baseline“.

Schritt 4: Danach wird die Art des Dollar-Zeichens gewählt. Mir gefällt auf Anhieb „Double line which does not cross the ‚S’“.

Schritt 5: Nun bekomme ich das Ergebnis: Foco Black, welche mir auf den ersten Blick nicht gefällt, weil Sie mir zu „fett“ ist. Es gibt aber zwei Wege, um weiter zu verfahren: Zum Einen werden auf der rechten Seite ähnliche Schriften vorgeschlagen. Diese Alternativen sollte man auch prüfen – diese sind mir jedoch auch alle zu „fett“.

Zum anderen deutet der Name Foco Black darauf hin, dass es sich hier um die fette Variante der Schrift Foco handeln könnte.

Die identifont-Seite hat auch eine Suche nach dem Schrift-Namen. Wenn ich dort „Foco“ eingebe, bekomme ich die Schriften Foco, Foco Light und Foco Black angezeigt. Perfekt: Foco und Foco Light gefallen mir sehr viel besser (Allerdings haben diese beiden Schriften nicht mehr den doppelten Strich im Dollarzeichen. Das gibt es wohl nur in der Foco Black).

An den Klassikern orientieren

Eine weitere Methode, eine Schriftart zu suchen, möchte noch beschreiben: wenn man sich an den Klassikern orientiert, kann im Grunde fast nichts schief gehen. Ich nutze dafür wieder die Seite identifont.com.

Ganz oben gibt es den Link „Popular Fonts“. Hier finden Sie Top-Ten-Listen in den Kategorien „Alle Schriften“, „Schriften mit Serifen“ und „Schriften ohne Serifen“. Wenn es also eine serifenlose sein soll, klicken Sie auf „Text sans-serif fonts“ und sie erhalten eine Top-Ten-Liste der serifenlosen Schriften (erstellt durch die Nutzer von identifonts.com).

Die Top-Ten der serifenlosen Schriften bei identifont

Hier könnten Sie jetzt schon eine Auswahl treffen. Sie können aber auch noch weiter recherchieren. Klicken Sie eine der Schriften an und Ihnen wird der ganze Schriftzug präsentiert. Auf der rechten Seite finden Sie wieder weitere Schriften-Vorschläge, die auf Ähnlichkeit basieren. Diese Liste mit ähnlichen Vorschlägen lässt sich noch über den Punkt „Show more similiar fonts“ erweitern und Sie bekommen eine ganze Reihe Vorschläge professioneller Schriften.

Zum Schluss noch zwei Links für diejenigen, die sich an Schriften bekannter Firmen orientieren wollen. Unter und http://typefacts.com/whatfont sind bekannte Firmen und ihre Hausschrift gelistet.

Ich hoffe, dieser Artikel hilft Ihnen bei der Suche nach einer Hausschrift. Vielleicht finden Sie selber noch weitere Methoden, um nach einer passenden Schrift zu suchen? Ich würde mich freuen, wenn Sie diese mit uns teilen. Nutzen Sie dazu die Kommentar-Funktion oder schreiben Sie mir eine E-Mail.

Links zum Artikel:

www.identifont.com
www.typografie.info
www.typefacts.com

Den ersten Teil der Artikelserie finden Sie hier: Von der Corporate Identity bis zum Corporate Design Manual.

Über den Autor

René Aye

René Aye ist seit 2002 selbständiger Mediengestalter im Raum Hannover. Mit seiner Medienagentur Pyropixel setzt er für seine Kunden Lösungen im Bereich Print & Web um.

Wenn es um Fragen der technischen Möglichkeiten im Bereich Medien geht, hat er sich unter seinen Kunden als erste Anlaufstelle entwickelt. Seit 2012 schreibt er Artikel über Themen der Mediengestaltung und veröffentlicht diese im hauseigenen Coporate-Blog oder als Gastartikel auf anderen Blogs.

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