Lokalisierung für Startups – 5 Schlüssel zum Erfolg

Lokales Marketing

Fachbeitrag von Ljubica Negovec, ALLESPRACHEN.AT-ISO 9001 GmbH:

Was im heimischen Markt funktioniert, kann auch im globalen Erfolg haben. Gerade im Zeitalter der zunehmenden Globalisierung ist es für Startups nahezu unverzichtbar, schnellstmöglich im Ausland Fuß zu fassen. Dies erfordert ganz besonders auch eine Anpassung an die Sprachgewohnheiten der jeweiligen Zielgruppe.

Wer allerdings seine Web-Inhalte Muttersprachlern nur in Form einer einfachen Google-Übersetzung anbietet, darf sich nicht wundern, wenn er damit kaum einen Blumentopf gewinnt.

Eine solche Maschinen-Übersetzung ist nicht nur nicht ausreichend, sondern kann möglicherweise sogar mehr schaden als nutzen. Im besten Fall verschwindet der potenzielle Kunde einfach. Im schlimmsten Fall assoziiert er fortan Ihre Marke mit Unprofessionalität und Minderwertigkeit – ein Schaden, den Sie kaum wieder gutmachen können

Doch selbst eine professionelle Wort-für-Wort-Übersetzung ist nur im seltensten Fall ausreichend. Denn Sprachgewohnheit bedeutet mehr als nur eine Sprache sprechen oder verstehen. Das Zauberwort lautet deshalb nicht Übersetzung, sondern Lokalisierung.

Wir geben Ihnen hier 5 Erfolgsschlüssel an die Hand, mit denen Sie bei der Lokalisierung die Herzen und damit hoffentlich auch die Geldbeutel Ihrer Kunden öffnen.

Schlüssel Nr. 1: Die Sprache – oder: Talk to me!

Untersuchungen zeigen immer wieder, dass Menschen (Kunden) in ihrer Muttersprache angesprochen werden möchten. Dies gibt ihnen das Gefühl, dass man ihnen auf gleicher Ebene begegnet, und es schafft Vertrauen – die Grundlage eines jeden Geschäfts. Landessprache = Identität.

Dazu ein schon fast erschreckendes Beispiel: Offensichtlich verweigern deutsche Bundestags-Ausschüsse gelegentlich die Beratung über EU-Vorlagen, da diese nur in Englisch vorliegen und nicht ins Deutsche übersetzt sind. Die EU-Entscheidungen finden trotzdem statt…

Eine Lokalisierung in alle Sprachen der Welt wäre allerdings ebenso unsinnig wie utopisch. Beschränken Sie sich – abhängig von Ihren Expansionswünschen – auf die nötigsten Sprachen, aber dafür richtig.

Denken Sie auch daran, dass Deutschland und deutschsprachiger Raum nicht identisch sind, weder geografisch noch in sprachlicher Hinsicht.

  • Stichwort DACH (Deutschland, Österreich, Schweiz): Wenn Sie Lebensmittel auch in Österreich verkaufen wollen, sagen Sie nicht Hefe oder Sahne, sondern Germ und Schlagobers. Wenn Sie Motorradreifen auch in der Schweiz anbieten möchten, verwenden Sie Pneu statt Reifen.
  • Ähnliche Besonderheiten bestehen zwischen Britisch English (BE), American English (AE) und Australian Englisch. Was dem Briten seine colour, ist dem US-Bürger seine color. Pants (BE) sind underwear (AE), und trousers (BE) sind pants (AE). Football, soccer oder rugby? – In Australien erhitzen sich daran je nach Gegend die Gemüter. Jedem das Seine.

Schlüssel Nr. 2: Die Zeit – oder: Gut Ding braucht Weile!

Eine Lokalisierung ist keine 1:1-Übersetzung. Sie erfordert ein erhöhtes Maß an Recherche, um Sachverhalte korrekt in der Zielsprache wiederzugeben. Oft müssen sogar komplette Passagen neu formuliert werden. Das gilt ganz besonders für juristische Dokumente. Denken Sie etwa an unterschiedliche Datenschutzrichtlinien, Anforderungen an die Angaben über Inhaltsstoffe oder Informationen für Epileptiker bei Games.

Lassen Sie sich rechtzeitig ein Angebot über den zeitlichen Bedarf der Lokalisierung machen und rechnen Sie nochmals 20 bis 30 Prozent hinzu, damit Sie in Ihrem eigenen Zeitrahmen bleiben.

Schlüssel Nr. 3: Der Markt – oder: Verkaufen Sie Kühlschränke am Nordpol!

Recherchieren Sie Ihren Zielmarkt. Nutzen Sie das Internet, fragen Sie Fachleute (IHK, Messen). Wenn Sie innerhalb Europas expandieren wollen, sollten Sie das nächste Flugzeug besteigen und das Land besuchen. Lernen Sie den Markt und seine (Ihre künftigen) Kunden vor Ort kennen. Informieren Sie sich unter anderem

  • über die Konsumentengewohnheiten,
  • über die Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Kunden,
  • über Minderheiten und Mehrheiten,
  • über die Zahlungsgewohnheiten.

Nur mit dem nötigen Marktwissen aus erster Hand wird es Ihnen auch tatsächlich gelingen, Kühlschränke am Nordpol zu verkaufen.

Schlüssel Nr. 4: Die Lokalmatadoren – oder: Finden Sie die Profis!

Aus dem bereits Gesagten ergibt, sich dass Sie nicht nur einfach einen Übersetzer benötigen, der über die entsprechenden Fremdsprachenkenntnisse verfügt. Wer eine Lokalisierung durchführen soll, benötigt umfassende Kompetenzen. Insbesondere erfordert ein solcher Auftrag

  • Sprachkompetenz: Suchen Sie nach einem Muttersprachler (native speaker) der Zielsprache, der aber auch die Ausgangssprache – in Ihrem Fall etwa Deutsch – perfekt beherrscht und deren Tücken kennt. Als Muttersprachler wird er die false friends der Zielsprache vermeiden.
  • Fachkompetenz: Wer keine Ahnung von Medizin hat, wird sich mit einem medizinischen Artikel schwer tun. Das gleiche gilt für andere Fach- und Wissensbereiche. Fachkompetenz bedeutet nicht nur Grundkenntnisse des Fachs (idealerweise eine entsprechende Ausbildung und Fachpraxis), sondern auch stete Fortbildung in dem Gebiet sowie die Verwendung aktueller Fachübersetzungsliteratur.
  • Marktkompetenz: Der Lokalisierer sollte auch den anvisierten Markt kennen oder sich damit auseinandersetzen. Vegetarier sind keine Veganer. “Koscher” und “Halal” sind nicht identisch, Muslime können aber bedenkenlos koschere Speisen essen.
  • Unternehmenskompetenz: Wer Ihr Unternehmen nicht kennt, kann es nicht nach außen hin vertreten. Versorgen Sie den Lokalisierer deshalb mit allen erforderlichen Informationen und bleiben Sie im Dialog mit ihm.

Schlüssel Nr. 5: Ausdauer – oder: Don’t stop it!

Ab dem Moment, in dem Sie sich für eine Lokalisierung entscheiden, sollten Sie sich über eines bewusst sein: Dies ist eine never ending story. Es ist nicht damit getan, die einzelnen Web-Seiten zu lokalisieren, und Sie sollten sich keinesfalls auf dem einmal erreichten Punkt ausruhen:

  • Dinge ändern sich: Sobald Sie Ihr Produkt aktualisieren oder Ihre Dienstleistungen erweitern, müssen die entsprechenden Informationen wieder angepasst und lokalisiert werden.
  • Regeln und Gegebenheiten ändern sich: Die EU erweitert sich ständig, aus einer Landeswährung wird plötzlich Euro. Seit 1.1.2015 gelten neue Bestimmungen für die Angabe von Preisen innerhalb der EU. Luxemburg hat zum 1.1.2015 die allgemeine Mehrwertsteuer (TVA) von 15 auf 17 Prozent erhöht. Auch auf solche lokalen oder übergreifenden Änderungen müssen Sie reagieren.
  • Menschen ändern sich: Zunehmend erobern auch Senioren das Internet. Sie haben andere Bedürfnisse, Ansprüche und Lebenserfahrungen als Youngsters. Sie gehen anders mit Geld um. Auch bestehende Zielgruppen können ihre bisherigen Gewohnheiten ändern. Nachdem Amazon mit kostenlosem Buchversand vorgeprescht war, hatten andere Buchversender Probleme, die weiterhin Versandkosten in Rechnung stellten. Auch die Art der Informationsvermittlung ändert sich stetig. Der Bereich der Social Media wird auch in Zukunft noch viele Änderungen erleben, die das Nutzerverhalten erheblich beeinflussen. Ökologisches Denken, Nachhaltigkeit und Tierschutz sind weitere Themen, die aktuell das Konsumentenverhalten ändern.

Unbezahlbar? – Die Frage der Kosten

Gute Lokalisierungen erhalten Sie nicht für Dumpingpreise. Ein Dilemma für Startups mit meist geringem Budget. Die Qualitäts- und damit Kostenkurve sieht wie folgt aus:

Maschine – InHouse – Freelancer – Agentur

Fazit Lokalisierung

Wenn Sie mit Ihrem Startup landesübergreifend Fuß fassen wollen, kommen Sie um eine kompetente Lokalisierung nicht herum. Mit weniger sollten Sie sich allerdings auch nicht zufrieden geben, wenn Sie auf dem angezielten Markt dauerhaft erfolgreich sein möchten.

Autorenprofil:

Ljubica Negovec ist die Gründerin vom Übersetzungsbüro ALLESPRACHEN in Wien & Graz und ist mittlerweile seit mehr als 20 Jahren im Geschäft.

Kürzlich wurde dem Unternehmen das Bundeswappen der Republik Österreich verliehen.

ALLESPRACHEN war das erste Übersetzungsbüro Österreichs mit Zertifizierungen nach ISO 9001:2008 als auch ÖNORM DIN EN 15038.

Die Übersetzungsagentur wurde mit dem Ziel gegründet, Unternehmen, die auf dem internationalen Parkett unterwegs sind, die bestmögliche Sprachlösung zu bieten und sie sprachlich zu begleiten.

Weitere Informationen unter: http://www.allesprachen.at/

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