Privatentnahme – Wie viel sollte ich mir als Gründer selbst bezahlen?

Privatentnahme - Was selber zahlen?

Fachbeitrag von Julius Pankoke, Co-Geschäftsführer bei SmartBusinessPlan in Berlin:

Der Traum vom eigenen Unternehmen motiviert jährlich tausende Menschen in Deutschland dazu, den Sprung ins Ungewisse zu wagen. Das eigene Unternehmen verspricht Selbstverwirklichung und Unabhängigkeit.

Um bei der Gründung allerdings nicht direkt auf der Nase zu landen ist eine genaue Planung unabdinglich.

Am Anfang stehst du als Gründer vor einem Berg an Zahlen. Umsatz, Kosten, Kapitalbedarf etc. wollen berechnet werden. Für die großen Posten gibt es mehr als genug Anleitungen. Doch was ist mit den kleineren Kapiteln des Finanzplans?

Der Kostenpunkt, den wir uns in diesem Artikel anschauen werden, ist für viele Gründer unangenehm: die Privatentnahme. Um ihr das schlechte Image zu nehmen wird erklärt, was genau die Privatentnahme ist und wie man sie berechnet.

Was ist die Privatentnahme?

Kompliziert formuliert sprechen wir von einer monatlichen Entnahme von finanziellen Mitteln aus dem Investitionsvermögen, um den Lebensunterhalt des Gründers zu garantieren. Vereinfacht gesagt ist die Privatentnahme das Gehalt, das der Gründer sich zugesteht.

Die Privatentnahme kommt relativ oft in Einzelunternehmen und Personengesellschaften vor. Der Solounternehmer begleicht seine privaten Lebenshaltungskosten über sein Geschäftskonto, da er sich nicht, wie etwa angestellte Arbeitnehmer, auf die Lohn- und Gehaltsabrechnung setzen kann.

Zu beachten ist, dass die Entnahme aus dem Kapitalvermögen des Unternehmens bezogen wird und somit das monatliche Geschäftsergebnis beeinflusst. Diese Entnahmen können Geldmittel oder Gegenstände im Besitz des Unternehmens sein. Die Nutzung eines Firmenwagens für private Zwecke gilt also auch als Privatentnahme.

Wie berechne ich meine Privatentnahme?

Private Geldentnahmen mindern stets das Eigenkapital deiner Firma, nicht jedoch deinen Gewinn. Sie erfolgen zu Lasten des eingebrachten Kapitalanteils. Deshalb sollten Privatentnahmen und private Einlagen stets miteinander verrechnet werden.

Nun stellst du dir als Gründer natürlich die folgende Frage: Wie hoch sollte die Privatentnahme sein – was ist angemessen, was notwendig? Leider gibt es keine einfache Formel, die es dir erlaubt, die Privatentnahme zu berechnen.

Es ist eher eine Schätzung, bei der sich der monatliche Lebensbedarf und das berechnete Geschäftsergebnis gegenüberstehen. Es ist weder gut die Privatentnahme auffällig klein noch auffällig groß einzuplanen. Banken verfügen über statistische Daten, die ihnen zeigen, wie viel Geld der durchschnittliche Gründer im Monat benötigt.

Sei offen, ehrlich und berechne deine Privatentnahme gewissenhaft. Solange du das tust, wird sie nicht zum Streitpunkt bei Investitionsgesprächen. Um dir die Berechnung zu erleichtern, habe ich dir nachfolgende Liste zusammengestellt.

Wichtigsten Posten der Privatentnahme

Wohnkosten/Miete:

Der größte Posten für fast jeden Gründer. Im Regelfall fallen monatlich Mietkosten für eine Wohnung an. Ausnahme sind hier Gründer, die Eigentümer ihres Wohnsitzes sind. Die Miete macht in der Regel ein Drittel des monatlichen Bedarfs aus, mittlerweise ist es oft sogar mehr.

Sie ist aber auch relativ stabil und lässt sich gut planen. Achtung: Auch die Nebenkosten dürfen hier nicht vergessen werden.

Lebens-/Haushaltsmittel:

Jeder Mensch muss essen und trinken, selbst Gründer. Niemand erwartet, dass ein Gründer in der Anlaufphase fastet. Im Gegenteil, eine ausgewogene Ernährung macht leistungsfähig und glücklich. Essentielle Gegenstände wie Hygieneartikel und Haushaltsbedarf gehören ebenso in diese Kategorie.

Manch einer mag jetzt der Ansicht sein, dass die Aufstellung der Privatentnahmen beendet ist. Doch weit gefehlt: Die Kosten in den Punkten 1 und 2 sichern nur das Überleben. Fast jeder, der jemals in einem Klassenraum saß, kennt Maslows Bedürfnispyramide.

Für diejenigen, die ihr bis jetzt erfolgreich aus dem Weg gegangen sind, sei kurz gesagt: Maslow ordnet die grundlegenden Bedürfnisse eines Menschen in einer fünfstufigen Pyramide ein.

Unsere bisherigen Punkte erfüllen bisher nur Stufe eins (physiologische Bedürfnisse) und Stufe zwei (Sicherheitsbedürfnis).

Soziale Bedürfnisse:

Stufe drei wird leider immer wieder unterschätzt und das trägt zu einer immer größeren Zahl von ausgebrannten Entrepreneuren bei. Soziale Kontakte und Aktivitäten sind essentiell, um die richtige Work-Life-Balance zu erreichen. Wer sich 24/7 nur mit seinem Unternehmen beschäftigt, verliert die Fähigkeit abzuschalten.

Das führt erst zu schlechten Entscheidungen und langfristig zum Burnout. Ein Wochenende mit Freunden kann einem helfen montags mit frischer Kraft und neuen Ideen an die Arbeit zurückzukehren. Deine Mitarbeiter werden dir die Augeglichenheit danken.

Hobby:

Die Grundidee ist die gleiche wie bei Nummer 3. Neben einem regen Sozialleben sollte man auch etwas haben, das einem Spaß macht und nichts mit dem eigenen Unternehmen zu tun hat. Ob nun Sport, Handwerk oder Lesen, du solltest genug Geld für entspannende Aktivitäten einplanen.

Dabei musst du dir nicht vorkommen als würdest du Geld verschwenden. Uns allen sind die größten Ideen nicht am Schreibtisch gekommen, sondern irgendwo, wo man es am wenigsten erwartet. Kauf dir ein Notizbuch, damit du das nächste Mal, wenn du beim Wandern in der Wildnis stehst, eine Möglichkeit hast, plötzliche Geistesblitze festzuhalten.

Selbstverwirklichung: Nicht nötig. Wenn du dein Unternehmen nicht als Selbstverwirklichung begreifst, solltest du darüber nachdenken, ob du auf dem richtigen Pfad bist. Allerdings kann dein Leben als Gründer auch nur ein Teil deiner Selbstverwirklichung sein. Finde etwas, das dich neben deinem Unternehmen glücklich macht und plane entsprechend.

Wenn du diese Liste nacheinander durcharbeitest, solltest du eine gute Idee haben, wie hoch deine Privatentnahme sein sollte. Viele Gründer machen sich viel zu große Gedanken über die Höhe ihrer Privatentnahme – im wahrsten Sinne des Wortes.

[bctt tweet=“Frei nach dem Motto: So wenig wie möglich, so viel wie nötig.“]

Aus der Angst vor Investorenkritik unterbieten sie ihren eigentlichen Bedarf und geben so unnötig ein Stück Lebensqualität auf. Um zu verhindern, dass dir das passiert, berechne deine Privatentnahme fair und genau und sei bereit, im Gespräch mit möglichen Investoren Fragen beantworten zu können.

Autorenprofil:

Julius Pankoke hat einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften und lebt in Berlin.

Seine Spezialgebiete sind Entrepreneurship und Business Development. Julius teilt sein Wissen gern mit Gründern und Startups bei SmartBusinessPlan.

Weitere Informationen zum Autor finden Sie unter: https://smartbusinessplan.de

Bildnachweis: Infografik Vektor durch Freepik entwickelt

1 Kommentar zu "Privatentnahme – Wie viel sollte ich mir als Gründer selbst bezahlen?"

  1. Ein toller Artikel, der Gründern die Festlegung des richtigen „Gehalts“ um einiges erleichert. Sinnvoll kann auch sein, sich an gängigen Vergütungsstudien zu orientieren, beispielsweise die Gehälter-Studien der BBE Unternehmensberatung.

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