Social Entrepreneurship – Unternehmertum der Zukunft?

Ein Gastbeitrag von Anton Nagatkin, social-startups.de.

Seitdem Muhammad Yunus im Jahr 2006 den Friedensnobelpreis für sein Mikrokredit-Konzept erhielt, ist das Thema Social Entrepreneurship in aller Munde. Doch trotzdem wird dieser Begriff auch heute noch häufig nicht richtig zugeordnet.

Welche Assoziationen haben Sie, wenn Sie an die Begriffe Sozialunternehmen bzw. Social Entrepreneurship denken? Mit diesen Begriffen verbinden die meisten Menschen wahrscheinlich Organisationen, die von Spendengeldern Dritter anhängig sind. In Wirklichkeit hat Social Entrepreneurship aber weitaus mehr zu bieten.

Was ist eigentlich Social Entrepreneurship?

Den Begriff Social Entrepreneurship zu definieren, ist keine einfache Aufgabe. Man kann ihn aber als Form von Unternehmertum beschreiben, bei welcher nicht die Profitmaximierung, sondern die Maximierung des gesellschaftlichen Nutzens an erster Stelle steht. Sozialunternehmer sind also hochgradig daran interessiert, gesellschaftliche Probleme auf eine unternehmerische Art und Weise zu lösen. Dabei sind sie in verschiedenen Bereichen aktiv. Von der Armutsbekämpfung über Gleichberechtigung bis hin zu Gesundheit oder Bildung – in fast allen gesellschaftlich relevanten Bereichen sind Sozialunternehmer (Social Entrepreneurs) anzutreffen.

Social Entrepreneurship baut auf der Idee auf, dass gesellschaftliche Probleme nicht mehr dem Staat überlassen werden sollten. Es liegt an jedem Einzelnen von uns, soziale Probleme in die Hand zu nehmen und etwas dagegen zu tun. Ein Social Entrepreneur nutzt für die Lösung dieser Probleme seine kreativ-unternehmerischen Fähigkeiten. Ein Sozialunternehmen – auch Social Business genannt – muss deswegen aber nicht unbedingt die Form einer gemeinnützigen Organisation annehmen. Häufig ist sogar das Gegenteil der Fall: Es gibt viele Sozialunternehmen, die als profitorientierte Kapital- oder Personengesellschaft agieren.

Was zeichnet einen typischen Sozialunternehmer aus?

Anton Nagatkin

Der typische Social Entrepreneur ist eine Unternehmerpersönlichkeit wie jede andere auch, nur mit dem Unterschied, dass der Sozialunternehmer nicht primär daran interessiert ist, Gewinne aus der Geschäftstätigkeit seines Unternehmens zu erwirtschaften und sich persönlich zu bereichern. Ein Social Entrepreneur ist sehr ambitioniert in Hinblick darauf, sozial benachteiligten Menschen zu helfen oder der Gesellschaft anderweitig etwas Gutes zu tun. Das schließt aber nicht aus, dass der Sozialunternehmer sich ein Gehalt auszahlt.

Jeder Social Entrepreneur verfolgt das Ziel, ein großes Umdenken in der Gesellschaft zu bewirken. Dazu geht er innovative Wege, die vor ihm noch niemand gegangen ist. Er möchte viele Menschen in seiner Umgebung für seine Ideen gewinnen und nimmt das Risiko auf sich, von allen Seiten auf große Ablehnung oder Gelächter zu stoßen, weil niemand an einen gedanklichen Umbruch in der Gesellschaft glaubt. Oft ist es auch der Fall, dass die Gesellschaft nicht dazu bereit ist, umzudenken, was eine wesentliche Hürde im Social Entrepreneurship darstellt.

Sollte das Social Business profitorientiert sein, was nicht selten vorkommt, so ist es auch entscheidend, wie ein Sozialunternehmer mit den Gewinnen umgeht. So wird sich ein typischer Sozialunternehmer kein teures Luxus-Fahrzeug anschaffen, auch wenn er es könnte. Er wird das Geld lieber zu sozialen Zwecken reinvestieren oder anderweitig sinnvoll ausgeben.

Welche Praxisbeispiele gibt es?

Wie zu Beginn schon erwähnt, ist die die durch Muhammad Yunus gegründete Grameen Bank ein Musterbeispiel für ein Sozialunternehmen. Die Grameen Bank war die erste Bank, die Kredite an arme Menschen vergab und dafür keine klassischen Sicherheiten einforderte. Im Jahr 2007 gab die Bank an, Kredite in Höhe von über 6 Milliarden US-$ vergeben zu haben. Zur Überraschung aller Skeptiker wurden die Kredite bisher in ca. 98% aller Fälle zurückbezahlt.

Ein weiteres interessantes Social Business ist „Dialog im Dunkeln“. Mit seinem einzigartigen Konzept wollte Andreas Heinecke, der 2011 den deutschen Gründerpreis erhielt, blinde und sehende Menschen zusammenbringen. Der „Dialog im Dunkeln“ ist eine mittlerweile auf der ganzen Welt anzutreffende Führung, bei welcher blinde Menschen die sehenden Besucher in ihre Welt einweihen. Diese Führung findet in absoluter Dunkelheit statt, sodass die Blinden die Führungsrolle übernehmen und dadurch ein Rollenwechsel stattfindet: Die Blinden werden zu Helfern. In 35 Ländern weltweit konnte so schon über 7000 sehbehinderten Menschen ein Arbeitsplatz geboten werden.

Fazit

Vor dem Hintergrund des heutigen gesellschaftlichen Wandels sind Regierungen zunehmend überfordert, Armut zu bekämpfen, Bildung oder Umweltschutz voranzutreiben oder sich sich für Menschenrechte einzusetzen, sodass zielstrebige Social Entrepreneurs immer dringender gebraucht werden. Unsere Welt braucht mehr Unternehmerpersönlichkeiten, die gesellschaftliche Probleme auf eine kreative und innovative Art und Weise lösen. Hoffen wir also darauf, dass sich in Zukunft mehr Menschen für Sozialunternehmertum begeistern können und die Welt zumindest ein bisschen besser machen.

Zum Autor:

Anton Nagatkin ist Gründer und Chefredakteur des im September 2012 gegründeten Online Magazins social-startups.de. Er studierte International Business an der Fachhochschule der Wirtschaft in Paderborn und während seines Studiums, das sich primär mit der Frage beschäftigte, mit welchen Strategien Unternehmen ihre Gewinne maximieren können, setzte er sich mit der Frage auseinander, ob das Streben nach Gewinn das wichtigste Ziel eines Unternehmens sein sollte. Durch sein starkes Interesse an Unternehmensgründung und am Lösen gesellschaftlicher Probleme kam die Idee auf, ein Online Magazin zu schaffen, das genau diese beiden Aspekte berücksichtigt.

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