Startups: Wie wecke ich das Interesse von Investoren?

Wie können Existenzgründer und StartUps das Interesse von Investoren wecken?

Unter anderem darüber sprachen wir mit Jens-Uwe Sauer von der Crowdfunding-Plattform Seedmatch.de:

Herr Sauer, was sind die Erfahrungen aus Ihrer ersten Finanzierungsrunde, was muss ein Startup generell tun und vorweisen können, um das Interesse von Investoren zu gewinnen?

Die Gründer müssen die Investoren von sich und der Geschäftsidee auf Anhieb überzeugen können. Dazu gehört neben einem sympathischen Auftreten auch der Wille sich gern mit den Investoren auszutauschen und offen in den Dialog zu treten.

Die Startups sollten zudem Durchhaltevermögen mitbringen und während der gesamten Fundingzeit die Aufmerksamkeit für das Investmentangebot aufrechterhalten. Dabei ist es gleichermaßen wichtig auf bereits interessierte, aber noch zögernde, und neue Investoren zuzugehen und fortlaufend deren Fragen zu beantworten.

Weiterhin hat sich gezeigt, dass Vergünstigungen für Investoren sehr gut bei den Usern ankommen. Diese profitieren von einem Investment doppelt: Kurzfristig beispielweise durch Rabatte oder kleine Geschenke und langfristig durch das Wachstum des Unternehmenswertes.

Wie haben Ihre Startups diesen Prozess bislang bewältigt, wobei gibt es eventuell noch Potential für die jetzigen und kommenden Startups?

Cosmopol und NeuroNation haben die Aufgabe bisher sehr gut bewältigt. Beide Unternehmen haben die Fragen der Investoren schnell und offen beantwortet. Zudem wurden Updates wie aussichtsreiche Kooperationen, Interviews oder neue Geschäftszahlen immer ohne Verzögerung kommuniziert.

Die Gründer haben auch aktiv die Social Media Kanäle genutzt, um über die Finanzierung und deren Fortschritt zu berichten und um ihre Fans zur Unterstützung aufzurufen. Des Weiteren konnten die beiden Startups sich in einigen Medien platzieren. Für die letzte Woche gilt es, jetzt noch mal alles in Bewegung zu setzen und möglichst viele Zögernde zu überzeugen.

Im Hinblick auf die kommenden Unternehmen muss man bedenken, dass Crowdfunding für Startups zwar große Schritte macht, aber noch in den Kinderschuhen steckt. Somit ist immer Platz für Verbesserungen. Die künftigen Startups sollten sich stark darauf fokussieren, ihr Alleinstellungsmerkmal, den Kundennutzen und die Neuartigkeit ihres Produkts in der Kommunikation herauszuarbeiten und für jeden leicht verständlich auf den Punkt zu bringen.

Es ist weiterhin wichtig, von Anfang bis Ende der Fundingzeit auf allen Kanälen ununterbrochen intensiv zu kommunizieren und auch verstärkt auf die Presse zuzugehen. Crowdfunding ist ein sich etablierender Trend, den immer mehr Medien in der Berichterstattung aufgreifen. Diese Chance müssen die Startups mehr nutzen.

Ausschlaggebend wird sein, dass die Startups kreativ werden und so die Aufmerksamkeit für sich gewinnen. Dabei empfehlen wir auch gern, einen Blick auf Projekte von Crowdfunding-Plattformen aus dem Kunst- und Kulturbereich wie bspw. bei Startnext.de oder Kickstarter.com zu werfen.

Auf der Seite der Investoren: Welche Fortschritte konnte Ihr Team hier verzeichnen, und wieso zögern einige der Investoren trotz guter Geschäftsideen?

Seit dem Start ist die Anzahl der registrierten User auf über 1.700 gestiegen. Zudem steigt die Traffic auf der Plattform von Woche zu Woche und liegt derzeit bei rund 600 Besuchern täglich.

Für das Zögern konnten wir durch eine User-Befragung verschiedene Ursachen identifizieren: Die erste Ursache ist ein Phänomen, was man in Deutschland öfter erlebt. Sehr viele User wollen auf jeden Fall in eines der beiden Startups investieren, aber erst in den letzten Tagen. Vorher wird geschaut, was passiert. Hier muss noch mehr ins Bewusstsein gerufen werden, dass wenn alle warten, auch entsprechend nichts passiert. Zumal nur bei einem erfolgreichen Funding die Beteiligungs-Verträge wirksam werden. Ansonsten bekommen die Investoren ihr Geld vollständig zurück.

Andere Investoren zögern noch, weil sie sich Startups aus anderen Bereichen mit größerem Technologiefokus und disruptiven Ideen wünschen. Das ist aber auch gut so. Jeder soll bei Seedmatch die Möglichkeit bekommen, sein Geld in die Startups zu investieren, die man selbst für unterstützenswert hält. So erstellt jeder sein individuelles Investment-Portfolio.

Konnten Sie neue Startups und Konzepte für sich gewinnen?

Seit dem Start vor zwei Monaten haben wir fast täglich Anfragen von Gründern bekommen, die Ihre Geschäftsideen gern über Seedmatch finanzieren wollen. Viele haben sich dabei bewusst für die Crowd und deren Multiplikatorwirkung entschieden.

Aus den zahlreichen Bewerbungen haben wir einige spannende Startups herausgesucht, die gerade in den Vorbereitungen stecken und in Kürze die Finanzierung bei Seedmatch starten.

Welche Erkenntnisse gab es bei den beteiligten Parteien, mit denen so zuvor keiner gerechnet hatte?

Was uns sehr gefreut und doch ein bisschen überrascht hat, war der große Zuspruch von allen Seiten. Viele Investoren sind von der hohen Transparenz, der Kommunikation auf Augenhöhe mit den Gründern und dem geringen Aufwand mit dem Beteiligungsvertrag überrascht gewesen. Bei vielen anderen Anlagemöglichkeiten haben die Investoren diese Eigenschaften vermisst.

Schon vor dem Ende der eigentlichen Finanzierung hat die Multiplikatorwirkung der Crowd ihre Stärken gezeigt und erste Früchte für die Startups getragen. So haben sich durch die geschaffene Aufmerksamkeit bspw. neue Kooperationen ergeben, die Kundenzahl erhöht und wichtige Medienkontakte aufgebaut.

Wie wird Seedmatch sein Angebot in nächster Zeit ausbauen beziehungsweise verbessern?

Es wird mehr Startups aus unterschiedlichen, spannenden Bereichen geben. Zudem werden wir die Erfahrungen nutzen, um den Austausch zwischen Startup und Investoren weiter zu erleichtern und zu erhöhen. Diese Nähe zu den Gründern soll noch mehr Vertrauen für ein Investment schaffen.

Maßnahmen dafür sind Online-Meetings mit interessierten Investoren, ein erweiterter Investor Relations Kanal im Startup-Profil bei Seedmatch und kleine Coachings für die Startups im Hinblick auf die Chancen einer intensiven Kommunikation beim Crowdfunding.

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