Abtippen war gestern – App pixometer digitalisiert Daten per Kamera

App-pixometer

Als junges Unternehmen erzielt pixolus seine Aufmerksamkeit durch den Gewinn diverser Gründerwettbewerbe. In 2014 war der Anbieter von Digitalisierungslösungen laut fuer-gruender.de sogar das zweiterfolgreichste Startup in Deutschland. Und auch 2015 wurde mit dem eco Internet Awards eine weitere renomierte Auszeichnung errungen.

Herr Krausz, kurz und knapp: Erklären Sie Ihre Geschäftsidee?

pixolus macht Smartphones & Tablets zu mobilen „Scannern“. Dafür entwickeln wir spezielle Algorithmen, die eine Erfassung und Digitalisierung von Daten per Kamera von Mobilgeräten ermöglichen.

Dies haben wir mit der ersten Anwendung für Energieversorger bewiesen: Mit unserer mobilen App pixometer können Zählerstände bequem und vor allem korrekt mit Smartphone-Kameras erfasst und digitalisiert werden.

pixometer ist übrigens kostenfrei im App Store und bei Google Play erhältlich.

Was genau war der Auslöser für den Start eines eigenen Business?

Wir kennen uns aus verschiedenen Konstellationen, teils als Studien-/Promotionskollegen an der RWTH Aachen, teils als Arbeitskollegen am Fraunhofer-Institut IAIS.

Barbara Krausz ist meine jüngere Schwester. Smartphones und Tablets haben heute exzellente Kameras und sehr gute Prozessoren. Da lag der Gedanke nahe, diese Kameras zur mobilen Datenerfassung einzusetzen.

Und daraus wurde schließlich unsere Geschäftsidee, zu deren technischen und wirtschaftlichen Umsetzung wir bei pixolus die erforderlichen Kompetenzen haben.


 

Was macht Ihr Geschäftsmodell einzigartig – was ist der USP?

Wir sind ein Team von sechs Gründern, die alle einen akademischen Hintergrund (vier Ingenieure, eine Informatikerin, ein Betriebswirt) haben und die bereits einige Jahre in der Industrie und Forschung tätig waren.

Wir sind Experten für Computer Vision, also Bilderkennung sowie Machine Learning. Wir entwickeln branchenübergreifende Erkennungs- und Digitalisierungslösungen speziell für den jeweiligen Anwendungsfall und zwar so, dass die Software bedarfsgerecht in den Datenprozess eingebunden werden kann.

Wir setzen dabei auf gängige Smartphones & Co. als mobile Alltagsbegleiter, mit dem entscheidenden Vorteil, dass keine neue Hardware und Betriebssysteme angeschafft werden müssen.

Wichtig für den Erfolg ist ein großer Bestand an Fotos, anhand derer wir unsere eigens entwickelten Erkennungs-Algorithmen trainieren.

Darauf fußt auch die Leistungsstärke von pixometer, unserer ersten marktreifen Pilotanwendung, die wir für Energieversorger und Stadtwerke entwickelt haben: Spezielle Algorithmen in unserer mobilen App pixometer erkennen Zählwerke von Strom-, Gas- und Wasserzählern automatisch.

Die erfassten Zählerstände werden direkt auf dem mobilen Endgerät digitalisiert. Diese Daten können dann, direkt in das Abrechnungssystem des Versorgers eingespeist werden – eine entscheidende Prozessoptimierung in Hinblick auf das Handling und Kosten.

Wo sehen Sie Ihre Zielgruppe bzw. wer sind Ihre Wunschkunden?

Wir sehen branchenübergreifendes Potential für die Bilderkennung und Datenerfassung per Smartphone-Kamera. pixometer als Pilotanwendung zielt darauf ab, den noch uneinheitlichen und ineffizienten Prozess der Zählerablesung zu optimieren.

Kernzielgruppe sind hier Energieversorger und Stadtwerke – und das letztlich weltweit. Hinzu kommen komplementäre Dienstleister und Interessenten in weiteren angrenzenden Bereichen, für die wir angepasste Versionen von pixometer erarbeiten. Mehr möchten wir im Moment noch nicht dazu sagen.

Darüber hinaus erreichen uns immer wieder Anfragen abseits der Energiewirtschaft hinsichtlich mobiler Bilderkennung und Datenerfassung.

Kein Bankkunde tippt gerne Rechnungsdaten beim Online- bzw. Mobile-Banking ein. Und im Handel oder der Logistik werden Tag für Tag mühsam viele Auftrags- und Seriennummern manuell erfasst – das geht heute anders. pixolus selbst ist da eine Art „Dachmarke“, unter der wir unser Fachwissen anbieten.

Getreu unserer Devise „Abtippen war gestern!“ liefern wir maßgeschneiderte Lösungen, um veraltete Prozesse der Datenerfassung und -digitalisierung zu optimieren.

Wie viel Geld wurde bis zum Start investiert und wie lange war die Vorlaufzeit?

Konkrete Beträge möchten wir nicht nennen. Erfreulicherweise konnten wir unsere Startphase durch ein Exist-Gründerstipendium, diverse Preisgelder und Auftragsarbeiten finanzieren.

Es gibt zwar viele Anfragen von Investorenseite, doch bis heute sind wir eigenfinanziert und finanziell unabhängig.

Wie sieht es mit der Einnahmeseite aus – auf welchen Weg werden Geldrückflüsse erzielt?

Wie bei den meisten Gründungen war und ist die Finanzierung eine Herausforderung. Hilfreich waren eben Fördermittel, erste Kundenaufträge sowie Geldpreise aus gewonnenen Gründerwettbewerben. So waren wir 2014 das zweiterfolgreichste StartUp bei deutschen Gründerwettbewerben.

Was konstante Einnahmen aus dem Geschäftszweck anbetrifft, steht die Lizenzierung unserer Software im Mittelpunkt. Die größte Aufmerksamkeit gilt hier pixometer: Erste Kunden haben wir gewonnen (darunter einen europäischen Branchenriesen).

Weitere Gespräche und Initialprojekte laufen derzeit. Neben der Vermarktung der Bilderkennung, bieten wir pixometer als Komplettlösung an, die eine eigene App samt Serveranbindung und Middleware umfasst. Nebenbei laufen mehrere Projekte in Sachen Bilderkennung, auch im europäischen Ausland.

Welche Werbe- bzw. PR-Aktion hat bis dato für den größten Bekanntheitsschub gesorgt?

Als kleines StartUp sind unsere Ressourcen begrenzt und wir wollen v.a. mit inhaltlicher Kompetenz überzeugen. Ein großer Bekanntheitsschub kam aus Presseberichten über erreichte Auszeichnungen – zuletzt im Juni 2015 mit dem Gewinn des renommierten eco Internet Awards.

Außerdem waren wir Aussteller auf der CeBIT und einigen Fachmessen – und natürlich gab es jeweils im Messeumfeld einige Presseveröffentlichungen über uns.

Welche Vision verfolgen Sie und welche Schlagzeile würden Sie gern mal über Ihr Unternehmen lesen?

Wir möchten uns nicht auf die automatische Erkennung von Zählerständen beschränken. Unsere App zur Zählerablesung ist letztlich nur ein Beispiel für eine fortschrittliche Antwort auf veraltete Datenerfassungsprozesse.

Auch bei Banken oder z.B. im Handel sehen wir großes Potenzial. Als junges Start-Up fällt es auch uns nicht leicht, sehr weit in die Zukunft zu schauen. Doch wir arbeiten daran, pixolus als führenden Anbieter für die mobile visuelle Bilderkennung und Datenerfassung zu etablieren – weltweit.

pixolus-Team

pixolus-Gründerteam: Dr. Markus Beermann, Dr. Mark Asbach, Dr. Steffen Kamp, Dipl.-Ing. Marco Lierfeld, Dr. Barbara Krausz, Dr. Stefan Krausz (v.l.n.r.)

Die bisherige Entwicklung stimmt uns da zuversichtlich.

Auf welche 3 Tools/Komponenten können Sie bei der täglichen Arbeit nicht verzichten und warum?

Ganz klar – das Smartphone. Nicht nur der Erreichbarkeit halber, sondern weil ich pixometer stets bei mir trage und so immer wieder live vorführen kann. Dann natürlich mein Laptop als Arbeitsgerät. Wichtig ist auch unser Daily Scrum – unsere tägliche Abstimmungsrunde im Team.

Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg – worauf kommt es wirklich an?

Meine Kollegen und ich suchen nicht das schnelle Geld, sondern wollen ein nachhaltig erfolgreiches Unternehmen aufbauen: Damit wollen wir wirtschaftlich erfolgreich sein und Freude an der Arbeit haben.

Welchen Fehler würden Sie aus ihrer Erfahrung heraus jungen Gründern ersparen?

Ein Fehler, den wir zum Glück nicht gemacht haben: Mit den falschen Kollegen zusammen gründen. Denn das Gründerteam ist das „A und O“.

Welche Frage sollte sich eine Unternehmerin bzw. ein Unternehmer mindestens einmal gestellt haben?

Habe ich Freude an meiner Selbständigkeit?

Mit welchen drei Worten würden Sie sich selbst beschreiben?

Zielstrebig, kreativ – und wenn es darauf ankommt: hartnäckig.

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