Existenzfalle Berufsunfähigkeit – So finden Selbstständige die richtige Absicherung ihrer Arbeitskraft

Fachbeitrag von André Löffler, DieMaklerwelt.de:

Wenn man sich einmal bewusst macht, dass der Lebensstandard von der eigenen Gesundheit und der daraus resultierenden Arbeitskraft abhängt, müsste sich jeder Berufstätige gegen Berufsunfähigkeit absichern. Doch tatsächlich haben nur ca. 25 Prozent aller Deutschen – egal ob Arbeitnehmer oder Unternehmer, eine entsprechende Police abgeschlossen.

Dabei trifft es statistisch gesehen jeden vierten Berufstätigen im Laufe seines Arbeitslebens und er muss vorzeitig aus gesundheitlichen Gründen aus dem Job aussteigen. Wer führt dann ihre Firma bzw. erbringt ihre Leistung? Wie lange können Sie diesen Zustand finanziell überbrücken?

Da junge Selbstständige in der Regel nicht über finanzielle Reserven von mehreren Hunderttausenden Euro verfügen, sollte unbedingt bereits perspektivisch beim Unternehmensstart über eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) nachgedacht werden.

Denn Versicherungsexperten sind sich einig: „Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist ein Muss und folgt in ihrer Wichtigkeit direkt nach einer Privathaftpflichtversicherung.“


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Wer wegen einer Krankheit oder Unfall nicht mehr dauerhaft arbeiten kann, muss mit herben finanziellen Einbußen rechnen. Denn die Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung sind mit der Rentenreform 2001 für alle nach dem 1.1.1961 Geborenen drastisch gesunken.

Anstelle einer Berufsunfähigkeitsrente gibt es nur noch eine Erwerbsminderungsrente. Diese erhalten Versicherte aber nur in voller Höhe wenn sie weniger als 3 Stunden täglich arbeiten können. Die Art der Tätigkeit spielt dabei keine Rolle.

Wer zwischen 3-6 Stunden arbeiten kann, erhält noch die halbe Erwerbsminderungsrente, welche durchschnittlich nur 17% des letzten Bruttoeinkommens ausmacht. Bei den Wenigsten dürfte das jedoch ausreichen, um den Lebensunterhalt dauerhaft zu bestreiten.

Der Status Quo für Unternehmer

Für Selbstständige entsteht eine weitere Lücke. Viele von Ihnen sind von der Beitragspflicht in die gesetzliche Rentenversicherung befreit, oder werden sich perspektivisch befreien lassen. Da somit keine weiteren Beiträge einbezahlt werden, wird im Fall der Erwerbsunfähigkeit auch nur eine minimale bis gar keine Rente an Sie ausgezahlt!

Selbstständige haben somit kaum einen gesetzlichen Erwerbsunfähigkeitsschutz. Eine BU kann diese Lücke auffüllen. Denn die Versicherung zahlt die monatlich vereinbarte Rente. Der Markt dafür ist groß und das Angebot teilweise sehr unübersichtlich.

Deshalb empfiehlt sich immer eine persönliche Beratung durch eine unabhängige Institution, z.B. einen Versicherungsmakler. Um dennoch eigenständig einen ersten BU-Vergleich durchführen zu können, gibt es nachfolgend fünf wertvolle Tipps bei der Suche nach Ihren optimalen BU-Vertrag:

  1. Konditionen vergleichen

Die Höhe des monatlichen Beitrags richtet sich nach verschiedenen Kriterien. Ausschlaggebend für den Beitrag sind dabei die Höhe der Rente, die Vertragslaufzeit, das Eintrittsalter, das Risiko des ausgeübten Berufes und der Gesundheitszustand.

Grundlegend gilt: Je jünger und gesünder ein Versicherter ist, umso günstiger sind die Beiträge. Die Höhe der BU-Rente sollte 70 bis 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens betragen und bestenfalls bis zum 67. Lebensjahr laufen.

Versicherer stufen unterschiedliche Berufe zudem in verschiedene Risikogruppen ein. Je geringer das Arbeitsrisiko ist, desto günstiger sind auch hier die Beitragssummen. Somit zahlt ein Kaufmann deutlich weniger, als ein Bauhandwerker.

  1. Keine Koppelpolicen

Schließen Sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung als reinen Risikoschutz ab. Mein Tip dazu: Sparen und Risikoabsicherung nicht in einem Vertrag zu verbinden. Sind Sie einmal in einer finanziell angespannten Lage, können Sie ihren Sparvertrag aussetzen, ohne die Absicherung ihrer Arbeitskraft zu gefährden.

  1. Gesundheitsprüfung

Anbieter prüfen sehr genau den Gesundheitszustand ihrer Kunden bei Antragsstellung. Keiner möchte ein „brennendes Haus“ versichern. Seien Sie bei der Beantwortung sehr genau, denn Sie sind verpflichtet alle gestellten Fragen nach ihrem Gesundheitszustand wahrheitsgemäß zu beantworten.

Lassen Sie sich durch ihre Krankenversicherung eine Historie erstellen, oder nutzen Sie beim Ausfüllen der Gesundheitsfragen ihren mit ihrer Person vertrauten Hausarzt.

Ein Versicherungsmakler kann bei Vorerkrankungen eine unverbindliche und anonymisierte Risikovoranfrage bei den Versicherern stellen. Somit verhindern Sie im Falle einer Ablehnung eine Speicherung im Hinweis- und Informationssystem der deutschen Versicherungswirtschaft (HIS).

Sollte Ihnen der Versicherer einen Risikozuschlag auf eine Vorerkrankung anbieten, empfiehlt es sich, diesen anzunehmen. Es wird dann zwar den Beitrag erhöhen, allerdings haben sie trotzdem einen vollständigen Risikoschutz. Eine Verhältnismäßigkeit zwischen Risikozuschlag und der Vorerkrankung sollte dennoch gewährleistet sein.

  1. Umorganisation bei Selbstständigen und abstrakte Verweisung

Achten Sie auf nachteilige Verweisungsklauseln. Im Falle einer abstrakten Verweisung wird die BU-Rente dann nicht gezahlt, wenn der Versicherte eine andere ähnliche Tätigkeit ausüben kann. Bei der Umorganisation prüft die Berufsunfähigkeitsversicherung, ob der bisherige Arbeitsplatz so umstrukturiert werden kann, dass die bisherige Tätigkeit weiter ausgeübt werden kann.

Gute BU-Versicherer legen jedoch bedingungsgemäß fest, dass die Umorganisation zumutbar und sinnvoll sein muss und die Aufgabe des Betriebes für eine BU-Leistung nicht erforderlich ist.

  1. Nachversicherungsgarantien

Gerade bei Neugründungen oder zu Beginn einer beruflichen Karriere wählen junge Versicherte meist eine niedrige BU-Rente um die Beiträge gering zu halten. Achten Sie darauf, dass Sie bei geänderten Lebenssituationen die Rentenhöhe ohne eine erneute Gesundheitsprüfung anpassen können.

 

Autorenprofil:

Andre Löffler ist Geschäftsführer der Firma DieMaklerwelt.de UG (haftungsbeschränkt). Das unabhängige Maklerbüro mit Sitz in Eisenach unterstützt seine Kunden als kompetenter Service-Dienstleister in allen Fragen rund um die Themenschwerpunkte Risiko und Vorsorge.

Durch die langjährige Tätigkeit im Bereich Versicherungen weiß er um die zentrale Bedeutung einer bedarfsorientierten Absicherung der Risiken von Unternehmen und Privatpersonen sowie der damit einhergehenden Ressourcenoptimierung.

Weitere Informationen zum Unternehmen und dem Autor unter: www.DieMaklerwelt.de

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