Während Tech-Boutiquen aus Berlin und München KI an DAX-Konzerne verkaufen, ist Mert Erdogan in seiner Heimatstadt geblieben – und genau das ist sein Vorteil. Der gebürtige Siegerländer kennt den Mittelstand von innen heraus. Sein Startup syntik ist der Dolmetscher zwischen KI-Technologie und Industriealltag.
Im Gründernterview spricht Mert über seine Erfahrungen aus der Beratung großer Konzerne, den bewussten Schritt in die Selbstständigkeit – und warum er überzeugt ist, dass der Mittelstand das Rennen machen wird, wenn er erst einmal anfängt.
💡 Hintergrund: KI im deutschen Mittelstand
Laut einer Studie des Bitkom nutzen erst 15 % der mittelständischen Unternehmen KI produktiv – obwohl 68 % das Potenzial als hoch einschätzen. Die Hauptbarriere ist nicht mangelndes Interesse, sondern fehlende Orientierung: Welche Use Cases machen Sinn? Was kostet es? Wie fange ich an?
Genau diese Lücke adressiert syntik – mit Workshops, Training und individueller Entwicklung aus einer Hand.
Das Interview
01
Mert, pitche syntik in zwei Sätzen.
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Mert: Mit syntik unterstützen wir Industrieunternehmen dabei, Künstliche Intelligenz sinnvoll und wirtschaftlich in ihre Prozesse zu integrieren. Wir identifizieren konkrete Anwendungsfälle im kaufmännischen Bereich – etwa in Vertrieb, Qualitätssicherung oder Service – schulen die Mitarbeitenden und entwickeln maßgeschneiderte KI-Lösungen. Unser Ziel: KI vom abstrakten Hype zum Werkzeug machen, das im Alltag wirklich Effizienz schafft.
02
Du hast den sicheren Management-Sessel verlassen. Was hat dich in die Selbstständigkeit getrieben?
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Mert: In vielen Projekten habe ich gesehen, wie groß das Potenzial von KI ist – vor allem in Bereichen, in denen heute noch unnötig viele repetitive Aufgaben manuell erledigt werden. Das Frustrierende war: Diese Use Cases könnten echten Mehrwert schaffen, aber gerade im Mittelstand fehlt das Know-how, sie technisch und wirtschaftlich richtig einzuordnen. Es fehlt nicht an Interesse, sondern an Orientierung. Genau diese Lücke wollte ich schließen.
„Ich kenne den Mittelstand, weil ich selbst aus dieser Welt komme. Mein Vater arbeitet seit über 20 Jahren bei den Deutschen Edelstahlwerken. Wir reden nicht über Visionen – wir reden über Lösungen, die heute schon etwas besser machen.“
— Mert Erdogan, Gründer syntik
03
Was unterscheidet syntik von anderen KI-Beratungen?
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Mert: Unser Ansatz ist bewusst ganzheitlich. Wir verbinden drei Dinge, die sonst getrennt gedacht werden: strategische KI-Beratung, Weiterbildung der Mitarbeitenden und technische Umsetzung. Dadurch begleiten wir Unternehmen von der ersten Idee bis zur produktiven Anwendung. Wir kommen nicht mit bunten Folien – wir kommen mit echtem Verständnis für die Herausforderungen im Alltag. Und wir wissen, dass ein Ausschreibungsabgleich, der statt drei Stunden nur noch 15 Minuten dauert, mehr wert ist als jede KI-Roadmap.
04
Wer sind eure Wunschkunden?
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Mert: Mittelständische Unternehmen aus industrienahen Branchen – Maschinenbau, Automotive, Kunststoffverarbeitung, technische Dienstleistungen. Viele dieser Unternehmen haben komplexe Abläufe und große Datenmengen, nutzen KI aber bisher kaum. Wir bringen ihnen die Erfahrung aus großen Konzernen mit – und übersetzen sie in Lösungen, die im Mittelstand tatsächlich funktionieren. Das ist unser USP.
syntik
— Auf einen Blick
Gründung
2025
Sommer, Siegen NRW
Erfahrung
6+ Jahre
KI & Data Science
Projekte
15+
Erfolgreiche Umsetzungen
Branchen
12+
Maschinenbau bis Logistik
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Wie finanziert sich syntik – kein Investor, kein EXIST?
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Mert: syntik wurde bewusst schlank aufgebaut und klassisch durch eigenes Kapital finanziert. Statt früh auf externe Investoren zu setzen, verfolgen wir einen Bootstrapping-Ansatz und wachsen organisch aus Projekten und Kundenaufträgen heraus. Das gibt uns Flexibilität und Unabhängigkeit. Wir müssen nicht jedem Investor erklären, was Demand Forecasting für Ersatzteile im Sondermaschinenbau bedeutet.
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Wie sieht das Geschäftsmodell konkret aus?
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Mert: Unsere Umsätze entstehen aus mehreren Bausteinen. Wir führen KI-Workshops durch, in denen Unternehmen konkrete Anwendungsfälle identifizieren und Mitarbeitende schulen. Wir entwickeln individuelle KI-Lösungen – etwa für automatisierte Angebotserstellung, KI-basierte Ausschreibungsabgleiche oder Demand Forecasting für Ersatzteile im Sondermaschinenbau. Langfristig planen wir zusätzlich standardisierte KI-Module, die sich in verschiedene Unternehmensumgebungen integrieren lassen.
„Viele wissen um das Potenzial von GPT & Co. – aber es fehlt ein strukturierter Weg von der Idee zur Anwendung. Wir bauen genau diese Brücke.“
— Mert Erdogan, Gründer syntik
07
Was hat euch bisher die größte Reichweite gebracht?
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Mert: Der größte Hebel war der direkte Austausch über LinkedIn. Dort teile ich regelmäßig Einblicke in konkrete KI-Anwendungen, Projekterfahrungen und Einschätzungen zu Entwicklungen im KI-Bereich. Gerade im Mittelstand entstehen viele Kontakte noch über Vertrauen und persönliche Netzwerke – und das funktioniert über solche Plattformen sehr gut. Wir wurden außerdem von Startup Valley, der Westfalenpost und StartingUp aufgegriffen – das hat zusätzliche Sichtbarkeit gebracht.
08
Was ist eure Vision – wo soll syntik in fünf Jahren stehen?
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Mert: Unsere Vision ist es, KI für Industrieunternehmen wirklich nutzbar zu machen – nicht als abstrakte Zukunftstechnologie, sondern als Werkzeug, das Prozesse messbar verbessert. Die Schlagzeile, die ich irgendwann lesen möchte: „syntik etabliert KI als festen Bestandteil in deutschen Industrieunternehmen.“ Besonders spannend wird es dort, wo Abläufe komplex sind und hohe Anforderungen an Dokumentation oder Qualität bestehen.
Die 3 Tools von Mert
Auf diese drei Werkzeuge kann Mert bei der täglichen Arbeit nicht verzichten – und warum:
09
Welchen Fehler würdest du anderen Gründern ersparen?
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Mert: Sich zu früh auf eine perfekte Lösung zu konzentrieren. In der Praxis ist es viel wichtiger, schnell mit Kunden zu sprechen und echte Probleme zu verstehen. Viele gute Ideen entstehen erst im Austausch mit dem Markt – nicht am Schreibtisch. Ich habe das selbst erlebt: Die besten Use Cases, die wir heute umsetzen, haben wir nicht im Konzept entwickelt, sondern im Gespräch mit Kunden entdeckt.
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Welche eine Frage sollte sich jeder Gründer mindestens einmal gestellt haben?
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Mert: „Ist das Problem, das ich löse, für meine Kunden wirtschaftlich relevant?“ Viele Technologien sind spannend – aber nicht jedes Problem ist für Unternehmen auch relevant genug, um dafür Geld auszugeben. Der Schlüssel liegt darin, Lösungen zu entwickeln, die echten Nutzen stiften. Nicht KI um der KI willen, sondern KI, weil sie ein konkretes Problem messbar besser macht.
3 Dinge, die du von Mert mitnehmen kannst
1
Herkunft ist kein Handicap – sie ist dein USP
Mert kommt aus dem Siegerland, kennt den Mittelstand von innen – und genau das macht ihn glaubwürdig. Wer seine eigene Geschichte kennt, findet darin oft seinen stärksten Wettbewerbsvorteil.
2
Starte mit dem Prozess, nicht mit der Technologie
syntik fragt immer zuerst: Welches Problem hat der Kunde wirklich? Erst dann kommt die Technologie ins Spiel. Dieser Ansatz verhindert KI-Projekte, die zwar funktionieren, aber niemanden interessieren.
3
Bootstrapping zwingt zur Schärfe
Wer ohne Investor wächst, muss von Anfang an echten Nutzen liefern. Für syntik bedeutet das: kein Konzeptionieren auf Vorrat, sondern direkte Umsetzung mit messbarem Ergebnis.
KI im Mittelstand: Wer jetzt anfängt, hat in fünf Jahren einen entscheidenden Vorsprung.
Mert Erdogan ist kein Tech-Evangelist. Er ist jemand, der gesehen hat, wie viel Potenzial in deutschen Industrieunternehmen schlummert – und der beschlossen hat, dieses Potenzial zu heben. Nicht mit abstrakten Versprechen, sondern mit konkreten Lösungen, die Prozesse messbar verbessern.
syntik steht für das, was gute KI-Beratung ausmacht: Technologieverständnis gepaart mit echtem Verständnis für den Kundenalltag. Und für die Überzeugung, dass KI nur dort Wirkung entfaltet, wo sie wirklich gebraucht wird.
Du willst wissen, wie KI deine kaufmännischen Prozesse verbessern kann?