Phasengerechte Gründungs- und Wachstumsfinanzierung

Startup Finanzierung

Fachbeitrag von Stefan Reinpold, Experte für Startup- Finanzierung & Startup-Investor:

Viele Gründer unterschätzen den finanziellen Aufwand, der nötig ist, um ein Unternehmen am Markt zu etablieren.

Dabei ist die Finanzierung neben der Vermarktung die größte Herausforderung für viele Startup-Gründer und gleichzeitig einer der häufigsten Gründe, wieso junge Unternehmen scheitern.

In jungen Wachstumsunternehmen fallen dabei diverse Finanzierungsanlässe an. Sowohl zur Gründung als auch zum Wachstum wird fortwährend Kapital für neue Investitionen benötigt.

Der idealtypische Lebenszyklus eines Startups umfasst dabei die vier Phasen Gründung, Wachstum, Reife und Sättigung, wobei im Folgenden insbesondere die ersten zwei Phasen als erfolgskritischste Abschnitte näher vorgestellt werden.

Hierbei haben sich vor allem die Begriffe Early Stage und Expansion Stage etabliert, wobei jede Phase mit anderen Zielen, Chancen und Risiken, Aufgaben und Herausforderungen einhergeht und sich weiter unterteilen lässt.

Über den Lebenszyklus eines Unternehmens hinweg ergeben sich deshalb verschiedene Bedürfnisse bezüglich der Finanzierungsstruktur und -dauer, sowie der Höhe des Finanzierungsvolumens.

Lebenszyklus eines Unternehmens

Finanzierungsphasen und geeignete Finanzierungsformen

Gründung (Early Stage)

Die Phase der Unternehmensgründung umfasst alle Prozesse von der ersten Idee, über die offizielle Gründung des Unternehmens bis hin zur Markteinführung und initialen Vermarktung des Produktes.

Bedeutendster Aspekt in den Frühphasen der Unternehmensgründung ist die Entwicklung des zu vermarktenden Produktes.

In dieser Phase werden zwangsweise Verluste erzielt, da dem investierten Geld kein ausreichend großer Kapitalrückfluss durch Verkäufe gegenübersteht. Erschwerend kommen bei vielen Gründern oftmals mangelnde betriebswirtschaftliche Kenntnisse und fehlende Erfahrung bei der Businessplanung hinzu.

Deshalb sind Neugründer in den Anfangsphasen häufig auf die Unterstützung durch erfahrene, externe Mentoren angewiesen.

In der Seed Phase, die auch Orientierungs- und Planungsphase genannt wird, steht die Ideenfindung bezüglich neuer Dienstleistungen, Technologien oder Produkte und die Ausarbeitung eines Grobkonzepts im Mittelpunkt.

Im Anschluss gilt es, ein konkretes Geschäftsmodell auszuarbeiten. Im Zuge dessen ist ein Businessplan zu erstellen und die Geschäftsidee auf die Umsetzbarkeit und das wirtschaftliche Potenzial hin zu prüfen.

Weiterhin gilt es, Aspekte wie Rechtsform, Standort und Preispolitik festzulegen. Im Rahmen der damit anfallenden Markt-, Akzeptanz-, und Machbarkeitsstudien entsteht so ein Kapitalbedarf in Form initialer Betriebskosten.

Der Finanzbedarf in dieser Phase ist vergleichsweise gering, weshalb die Finanzierung oftmals durch die Bereitstellung eigener Mittel des Unternehmers oder durch Familienmitglieder abgedeckt werden kann.

Bei forschungsintensiven Technologien hingegen ist im Anfangsstadium mit einem Kapitalbedarf von bis zu 500.000 Euro und mehr zu rechnen. Zusätzlich sind Entrepreneure oftmals auf die finanzielle Unterstützung externer Kapitalgeber angewiesen.

Hierfür kommen meist nur öffentliche Förderprogramme, Acceleratoren oder Business Angels als Investoren in Frage.

Die darauffolgende Startup-Phase umfasst alle Schritte des Organisationsaufbaus hinsichtlich Produktionsplanung und -vorbereitung, Entscheidungen bezüglich Eigen- und Fremdproduktion oder zwischen Vertriebskooperationen und dem Aufbau eines eigenen Vertriebsnetzes.

Weiterhin wird ein detailliertes Marketingkonzept erstellt und das eigene Angebot auf Testmärkten erprobt. Zur Vorbereitung des Markteintritts muss dazu ein Mitarbeiterstamm aufgebaut werden. Aufgrund der Komplexität der Entscheidungen zu diesem Zeitpunkt haben Gründer in dieser Phase nach wie vor einen hohen Beratungsbedarf.

Gleichzeitig steigt der Finanzierungsbedarf des Unternehmens, während nach wie vor keine Gewinne erzielt werden. Als Alternative zu Business Angels treten deshalb vermehrt Inkubatoren und staatliche Förderprogramme und -kredite in Erscheinung.

Die Aufnahme der operativen Geschäftstätigkeit und die Akquise erster Kunden, sog. „Early Adopter“ findet während der First Stage statt. Die ersten Verkaufserfolge erzielen dabei zwar erste Einnahmen, diese reichen jedoch nicht aus, um den gesamten Kapitalbedarf zu decken.

In Abhängigkeit von der Skalierbarkeit des Geschäftsmodells steigt dieser konstant oder exponentiell an. Um die Geschäftstätigkeit aufrechtzuerhalten, sind zukünftig deshalb weitere finanzielle Mittel nötig.

Als Ergänzung zu vorherigen Finanzierungsarten hat sich Crowdinvesting als Methode zur Schwarmfinanzierung in Zeiten von Niedrigzinsen etabliert.

Wachstum (Expansion Stage)

In der Wachstumsphase geht es für Jungunternehmen darum, sich rasch am Markt zu etablieren und diesen zu durchdringen. Eines der Ziele mit der höchsten Priorität ist dabei die Ausweitung des Wirkungsbereichs, wodurch der Kundenstamm vergrößert werden soll.

Das angepeilte, stetige Umsatzwachstum soll zur der Erwirtschaftung erster Gewinne beitragen. Im Zuge dessen steht die Vergrößerung der Kapazitäten in allen Bereichen an.

Es gilt, formale Strukturen und Prozesse zu etablieren, um den reibungslosen Geschäftsbetrieb gewährleisten zu können. Dazu muss häufig die Geschäftsführung personell aufgestockt werden, um den gestiegenen Managementanforderungen gerecht zu werden.

Zudem können sowohl nationale als auch internationale Expansion eine tragende Rolle bei der Steigerung des Unternehmenswerts spielen.

Im Fokus in der Second Stage steht dabei Weiterentwicklung des Unternehmens hinsichtlich Verkaufszahlen, Marketing und etwaiger Produktionsstätten. Darüber gilt es, das Vertriebsnetz stetig auszubauen.

Diese Phase im Wachstumsprozess ist sehr kostenintensiv, wobei gleichzeitig jedoch erstmalig Gewinne erzielt werden. Das Startup hat das sog. „Tal des Todes“ erfolgreich überlebt. Nach und nach können Anfangsverluste amortisiert werden.

Das Erreichen der Gewinnzone bietet Unternehmen diverse Sicherheiten, wodurch die Attraktivität in den Augen von externen Kapitalgebern enorm steigt

Die Third Stage forciert die Differenzierung von der Konkurrenz, indem neue Märkte erschlossen werden. Zur Erreichung der Reifephase stehen Umstrukturierungen und neue Produktentwicklungen an.

Zusätzliche Produktionskapazitäten und eine Diversifikation des Angebots sollen Nachfrageschwankungen entgegenwirken und steigende Umsätze gewährleisten. Während dieser Zeit wachsen Unternehmen exponentiell.

Dem gegenüber stehen jedoch Umsätze, die meist nicht hoch genug sind, um die weitere Expansion kostenmäßig zu finanzieren. Deshalb sind häufig mehrere Finanzierungsrunden nötig, um den hohen Kapitalbedarf decken zu können.

Neben der Finanzierung durch Crowdinvesting, Förderkredite bzw. Förderprogramme kommt deshalb insbesondere Venture Capital als Finanzierungsquelle in Frage, um Liquiditätsengpässe vermeiden und den gestiegenen Finanzbedarf decken zu können.

Finanzierungsarten für Gründer

Fazit Wachstumsfinanzierung

Egal für welche Finanzierungsformen sich Gründer letztendlich entscheiden, jede geht mit individuellen Chancen und Risiken, sowohl aus Gründer-, als auch Investorensicht einher.

Je früher Investoren Unternehmen finanziell unterstützen, desto höher sind dabei etwaige Renditechancen.

Gleichzeitig ist jedoch aber auch das Risiko tendenziell höher, da kaum Prognosen zu Markterfolg von jungen Wachstumsunternehmen getroffen werden können, da diese sich in einem volatilen Wettbewerbsumfeld bewegen.

Unternehmer müssen dabei den richtigen Zeitpunkt wählen, um externe Kapitalgeber einzuwerben, um langfristig erfolgreich am Markt bestehen zu können.

Hierbei gilt es zwischen einem eventuellen Kontrollverlust bei gleichzeitiger unternehmerischer Unterstützung durch erfahrene Kapitalgeber mit unternehmerischen Hintergrund und der Autonomie bei gleichbleibender Kapitalknappheit abzuwägen.

Autorenprofil:

Stefan Reinpold

Stefan Reinpold ist erfahrener Startup-Investor, der sich während des Studiums genauer mit der Finanzierung junger Unternehmen auseinandergesetzt hat.

Dieses Wissen will er mit dem Ratgeber Startup Finanzierung angehenden Gründern und Investoren im Detail näher bringen und über Chancen & Risiken aufklären.

Weitere Informationen zum Autor und zu Startup-Finanzierung findest Du direkt unter: http://startup-finanzieren.com/

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