- Die Idee: Eine Drohne, die nicht nach unten schaut — sondern nach oben bohrt. Christoph Kunz hat damit ein Problem gelöst, das die Baubranche täglich hat, aber nie wirklich angegangen ist.
- Der Prototyp: In nur 12 Wochen entwickelte Dr. Christian Molter (Aeromolter, Stuttgart) gemeinsam mit Kunz einen fliegenden Demonstrator — inklusive neuem Bohrmodul, angepasstem Autopiloten und Softwaresteuerung für den Bohrkopf.
- Das Ergebnis: Patent angemeldet, Machbarkeitsstudie abgeschlossen, Bericht in der Fachzeitschrift „Drones“ veröffentlicht. Funktioniert — nachgewiesen.
- Der Markt: Rauchmelder, Kabeltrassen, Sprinkleranlagen, abgehängte Decken — überall dort, wo Menschen heute gefährlich auf Leitern und Gerüsten arbeiten müssen.
- Was jetzt fehlt: Ein Partner für die Serienproduktion. Kein klassischer Investor — ein Hersteller oder Startup, das versteht, was in diesem Prototyp steckt.
Als Christoph Kunz zum ersten Mal eine Drohne nach oben bohren sah, wusste er: Das ist kein Spielzeug mehr. Das ist die Zukunft der Deckenarbeit. Was als Skizze auf dem Papier begann, ist heute ein funktionierender Prototyp mit Patent, wissenschaftlicher Publikation — und dem Potenzial, eine ganze Branche zu verändern.
💡 Hintergrund: Höhenarbeit als unterschätztes Risiko
Abstürze von Leitern und Gerüsten gehören zu den häufigsten Arbeitsunfällen in Deutschland. Allein im Bereich Bau und Gebäudetechnik ereignen sich jährlich tausende meldepflichtige Unfälle bei Decken- und Höhenarbeiten. Jede Aufgabe, die ohne Höhenarbeit erledigt werden kann, ist eine Aufgabe, bei der niemand fallen kann.
Der Mann, der von der Decke träumte
Stell dir vor, du bist Elektriker. Oder Brandschutzbeauftragter. Oder Wartungstechniker in einer Industriehalle. Deine Aufgabe: Ein Loch in die Decke bohren. Auf drei Metern Höhe. Oder vier. Oder sechs.
Also baust du ein Gerüst auf. Oder du holst eine Leiter. Du trägst Werkzeug nach oben, arbeitest über Kopf, hältst die Bohrmaschine gegen die Schwerkraft — und weißt, dass jeder Fehler auf dieser Höhe teuer werden kann. Für dich.
Christoph Kunz, leidenschaftlicher Modellbauer seit seiner Jugend, hatte irgendwann genug davon, diesem Problem zuzusehen. Seine Lösung war radikal: Was wäre, wenn die Bohrmaschine selbst fliegen würde?
Drohnen schauen immer nach unten — mit Kameras, mit Sensoren. Aber die eigentliche Revolution findet über der Drohne statt. Das war mir klar, sobald ich die Idee zu Ende gedacht hatte.
Die Idee klingt simpel. Die Umsetzung ist es nicht. Wer eine Drohne nach oben bohren lassen will, kämpft gegen die Physik selbst: Der Rückstoß der Bohrmaschine dreht die Drohne. Die Erschütterung destabilisiert den Flug. Das Gewicht des Bohrmoduls verändert alles. Und ein solches Bohrmodul — kompakt, leicht, flugfähig — gab es am Markt schlicht nicht.
01 — Die Begegnung
Vom Modellbauer zum Erfinder: Wie aus einer Skizze ein Patent wurde
Christoph Kunz ist kein Luft- und Raumfahrtingenieur. Er ist Tüftler — einer, der seit Kindheitstagen Modelle baut, der versteht wie Dinge fliegen, der das Handwerk kennt. Was ihm fehlte, war jemand, der die Physik der Bohrdrohne in die Luft bringen konnte.
Den fand er in Dr. Christian Molter. Promovierter Luft- und Raumfahrtingenieur, spezialisiert auf Multirotor-Fluggeräte, Autopiloten und schwenkbare Propeller — und Gründer von Aeromolter in Stuttgart. Molter hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine Windmessdrohne für die Universität Stuttgart entwickelt und eine 6-Freiheitsgrade-Drohne für den Oscar-nominierten Schauspieler Terrence Howard zum Fliegen gebracht — und das Vertrauen darin, dass ungewöhnliche Drohnenprobleme lösbare Drohnenprobleme sind.
Was Christoph Kunz mitbrachte: eine präzise Problembeschreibung, ein Gebrauchsmuster und die Überzeugung, dass das Konzept funktionieren muss. Was er von Dr. Molter bekam: zwölf Wochen intensive Entwicklungsarbeit — und am Ende einen funktionierenden Prototyp, der tatsächlich abhebt und bohrt.
02 — Das technische Problem
Die härteste Nuss: Wie fängt man den Rückstoß einer Bohrmaschine in der Luft ab?
Das zentrale technische Problem war nicht das Bohren selbst. Es war die Verbindung zwischen Bohrmoment und Flugstabilität. Wenn die Bohrmaschine dreht, dreht die Drohne mit — oder versucht es zumindest. Die Flugregelung muss diesen Rückstoß in Echtzeit kompensieren, ohne den Bohrvorgang zu unterbrechen.
Dazu kommt: Das Bohrmodul musste vollständig neu entwickelt werden. Kein vergleichbares Produkt existierte am Markt. Es musste leicht sein — jedes Gramm kostet Flugzeit. Es musste kompakt sein — der Schwerpunkt der Drohne darf nicht kippen. Und es musste zuverlässig funktionieren, auch wenn die Drohne unter dem Druck des Bohrens leicht schwankt.
Vollständig neu entwickelt — mit geringstem Gewicht und kompakter Bauweise, da kein vergleichbares Produkt am Markt existierte. Jedes Gramm zählt, wenn die Drohne gleichzeitig fliegen und bohren soll.
Angepasste Software mit schwenkbaren Propellern für die Lageregelung — kompensiert den Bohr-Rückstoß in Echtzeit, ohne den Flug zu destabilisieren. Technik, die Dr. Molter bereits bei der ANDroMeDA-Windmessdrohne eingesetzt hatte.
Eigene Software koordiniert Bohrmotor und Vorschubmotor — die Drohne schiebt den Bohrer kontrolliert in die Decke. Nicht nur daran vorbei.
Das Ergebnis nach zwölf Wochen: Ein Prototyp, der tatsächlich fliegt, tatsächlich bohrt — und damit beweist, dass das Konzept nicht nur auf dem Papier funktioniert. Die Grenzen des Systems wurden in einer theoretischen Studie vermessen: welche Deckenmaterialien möglich sind, welche Drohnengröße nötig ist, bis zu welcher Bohrkraft das Fluggerät stabil bleibt.
03 — Die Erfindung
Was die Bohrdrohne so besonders macht — und warum sie nicht einfach kopiert werden kann
Drohnen schauen nach unten. Das ist das Paradigma der Branche. Kameras, Sensoren, Lidar — alles designed für den Blick auf den Boden oder geradeaus. Die Decke ist terra incognita für die Drohnenwelt.
Christoph Kunz hat die Drohne umgedreht — nicht physisch, sondern konzeptionell. Die patentierte Neuentwicklung an der Multicopter-Oberseite ist der Kern der Erfindung: Ein Bohrmodul, das über der Drohne montiert ist, nach oben ausgerichtet, präzise gesteuert — während die Drohne darunter stabil in der Luft hängt und den Gegendruck ausgleicht.
Die eigentliche Innovation findet über der Drohne statt. Das klingt banal — aber es hat die gesamte Denkweise der Entwicklung auf den Kopf gestellt.
Die Fachzeitschrift „Drones“ hat einen wissenschaftlichen Bericht über das Projekt veröffentlicht — ein Zeichen dafür, dass die akademische Welt die Relevanz dieser Arbeit anerkennt. Was andere davon abhält, das einfach nachzubauen: Das Zusammenspiel aus Flugregelung, Bohrmodul-Steuerung und Rückstoßkompensation ist so spezifisch, dass es ohne tiefes Verständnis der zugrundeliegenden Physik nicht funktioniert. Das Patent schützt die Konfiguration — aber es ist das Know-how, das wirklich schützt.
04 — Der Markt
Wer wartet auf diese Drohne — und seit wann?
Rauchmelder, die alle zehn Jahre ausgetauscht werden müssen. Sprinkleranlagen in Industriehallen. Befestigungen für Kabeltrassen in Tunneln. Überall dort, wo Menschen heute Gerüste aufbauen, Leitern aufstellen und über Kopf arbeiten — könnte eine Bohrdrohne diese Arbeit übernehmen.
Das ist nicht nur eine Frage der Effizienz. Es ist eine Frage der Sicherheit. Abstürze von Leitern und Gerüsten gehören zu den häufigsten Arbeitsunfällen in Deutschland. Jede Arbeit, die nicht auf Höhe stattfindet, ist eine Arbeit, bei der niemand fallen kann.
Mögliche Anwendungsbereiche
- → Brandschutz — Rauchmelder, Sprinklerköpfe und Brandmeldeleitungen in Decken montieren
- → Elektro und Gebäudetechnik — Kabeltrassen, Befestigungen, Leitungsführungen in Industriegebäuden, Beleuchtungsinstallationen
- → Wartung und Inspektion — schwer zugängliche Deckenbereiche in Tunneln, Hallen, Tiefgaragen
- → Innenausbau — Arbeiten über nicht betretbare Deckenverkleidungen bzw. abgehängten Decken
- → Sanierung und Nachrüstung — energetische Ertüchtigung von Bestandsgebäuden ohne aufwändige Rüstung
Die Reaktion aus der Industrie, als die ersten Testflüge dokumentiert wurden: Überraschung — und sofortige Wiedererkennung. Nicht „das braucht niemand“, sondern „warum gibt es das noch nicht?“
05 — Die Realität
Ohne Millionen-Investment: Wie weit kommt man mit einer guten Idee?
Christoph Kunz ist kein VC-gefördertes Startup. Er ist ein Erfinder — einer, der eine Idee so klar im Kopf hat, dass er bereit war, sie aus eigener Kraft weiterzuverfolgen. Der Weg vom ersten Prototyp zur Serienreife ist lang. Er weiß das.
Was die zwölf Wochen mit Dr. Molter gezeigt haben: Das Konzept funktioniert. Der Machbarkeitsnachweis ist erbracht. Der Prototyp fliegt, der Prototyp bohrt, die Studie definiert die Grenzen des Systems. Das ist mehr, als die meisten Hardware-Ideen je erreichen.
Was jetzt fehlt: Ein Partner für die Serienproduktion. Ein Startup oder Hersteller, der versteht, was in diesem Prototyp steckt — und bereit ist, ihn in ein marktreifes Produkt zu verwandeln. Christoph Kunz sucht keinen Investor im klassischen Sinne. Er sucht jemanden, der die Vision teilt: dass Deckenarbeiten in Zukunft nicht mehr bedeuten müssen, dass Menschen auf Leitern steigen.
Die härteste Lektion: In Deutschland dauert alles länger als gedacht. Aber der Prototyp, der jetzt fliegt, beweist, dass die Idee keine Illusion ist.
06 — Der Blick nach vorne
Globale Tech-Riesen und ein Erfinder aus Deutschland: Wie schützt ein Patent wirklich?
Drohnen sind kein Nischenthema mehr. Konzerne wie Amazon, DJI und Boston Dynamics investieren Milliarden in Drohnentechnologie. Warum sollte eine patentierte Erfindung eines Einzelerfinders dagegen bestehen?
Die Antwort liegt im Fokus. Die großen Player lösen andere Probleme: Logistik, Überwachung, Kartierung. Das spezifische Problem — ein fliegendes System, das präzise von unten nach oben in Decken bohrt — ist so speziell, dass es nicht auf dem Radar der Drohnen-Giganten steht. Noch nicht.
Das Patent schützt die Konfiguration. Das Know-how schützt die Umsetzung. Und der Zeitvorsprung — ein vollständiger Machbarkeitsnachweis, eine wissenschaftliche Publikation, zwölf Wochen Entwicklungsarbeit — ist der stärkste Schutz überhaupt.
Was Christoph Kunz sich für 2028 als Schlagzeile in der Fachpresse vorstellt: „Bohrdrohne revolutioniert Deckenarbeiten — Gerüste für Routinearbeiten werden überflüssig.“
07 — Das Vermächtnis
Was eine Drohne in zehn Jahren verändern kann
Die Baubranche ist eine der verletzungsreichsten Branchen in Deutschland. Höhenarbeit ohne ausreichende Sicherung, improvisierte Gerüste, Zeitdruck — das sind die Umstände, unter denen Unfälle entstehen.
Christoph Kunz träumt nicht von einem coolen Gadget. Er träumt davon, dass ein Elektriker 2035 keinen Gerüstbauer mehr anrufen muss, um drei Löcher in eine Industriehallendecke zu bohren. Dass ein Brandschutzbeauftragter Rauchmelder nachrüsten kann, ohne dass jemand auf eine Leiter steigen muss. Dass Wartungsarbeiten in Tunneln und Tiefgaragen sicherer, schneller und günstiger werden.
Das ist kein Mondprojekt. Der Prototyp fliegt. Die Studie ist publiziert. Das Patent ist angemeldet. Was fehlt, ist der Schritt von der Demonstration zur Serie.
Christoph Kunz hatte ein Gebrauchsmuster. Was den Durchbruch brachte, war der Schritt zum fliegenden Demonstrator. Wer beweisen kann, dass etwas funktioniert, hat ein stärkeres Argument als jedes Dokument.
Dr. Molter war nicht irgendjemand. Er hatte genau die Erfahrung, die dieses spezifische Problem brauchte: schwenkbare Propeller, Autopiloten-Anpassung, Extremdrohnen. Die richtige Expertise zur richtigen Zeit schlägt jedes Budget.
Alle schauen auf Drohnen, die nach unten blicken. Die eigentliche Lücke war darüber. Die spannendsten Erfindungen lösen Probleme, die die Branche noch nicht auf dem Schirm hat — weil die, die es wissen, zu beschäftigt sind, das Bestehende zu optimieren.
08 — Das Fazit
Du bist Hersteller, Startup oder Investor?
Christoph Kunz wollte ein Problem lösen, das Millionen von Handwerkern täglich haben — und fand am Markt keine Lösung, die wirklich passte. Also ließ er eine bauen.
Der Prototyp fliegt. Die Studie ist publiziert. Das Patent ist angemeldet. Jetzt sucht er den Partner, der daraus ein Serienprodukt macht. Wenn du an innovativer Hardware-Entwicklung interessiert bist und verstehst, was ein funktionierender Prototyp mit wissenschaftlicher Publikation bedeutet — dann ist das dein Einstieg.
Mehr zum Projekt, den Testflügen und der Machbarkeitsstudie: aeromolter.com →
Kontakt: Inspirationsquelle @ t-online.de
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