Finanzplanung: Wie der „F*ck up“ eines Startups verhindert werden kann

Fuck up Startup

Beitrag zur Finanzplanung von Monika Loschek – Controllerin und Prokuristin bei der Kernaussagen GmbH:

Wer gründet visualisiert zunächst die Geschäftsidee, schreibt beziehungsweise modelliert also dementsprechend einen Businessplan. Das macht ihr als Gründungsteam oder du als Gründer zum einen für euch/dich selbst aber vor allem auch für externe Geldgeber.

Ein wichtiger Baustein des Businessplans ist die Finanzplanung.

Dem bist du dir sicherlich bewusst aber Hand aufs Herz: Wie viel Spaß macht es und wie sicher bist du dir bei der Erstellung des Finanzplans? Wie oft passt du deinen Finanzplan an? Nutzt du Ihn auch zur Reflexion und schlussendlich zum Controlling?

Ziel des Artikels soll es sein das Bewusstsein für die Finanzplanung zu schärfen, denn grobe Fehler in der Finanzplanung können der Anfang vom Ende sein.

Zur Verdeutlichung dient ein kurzer Blick auf eine Auswertung von CBinsights.com. Die Seite wertete ihre Rubrik „Startup Post Mortem“ nach Gründen des Scheiterns aus.

Unter den Top 5 der Gründe stehen an zweiter Stelle „Ran out of Cash“ (29%) und an fünfter Stelle „Pricing/Cost Issues“ (18%). Nicht, dass eine Finanzplanung das Scheitern verhindern kann, kontinuierlich und gewissenhaft geführt kann Sie euch aber Anzeichen für kritische Situationen aufzeigen.

Die Phrase „Information ist Macht“ stimmt nun mal – so hast du die Chance frühzeitig entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, ganz davon abgesehen, dass du auch gegenüber externen Interessenten aufzeigst, dass du deine Zahlen im Griff hast.

Damit du von Anfang an vieles richtig machst, hier ein paar Fehler, die du vermeiden solltest:

Fehler: Unstrukturiertes Vorgehen

Werde dir bewusst, dass der Finanzplan keine mit Zahlen hinterlegte Kopie des Businessplans in Excel ist. Er ist vielmehr das strukturierte Durchdenken von Szenarien auf Grundlage von Annahmen und wichtigen Einflussfaktoren.

Du kommst also gar nicht darum herum schrittweise vorzugehen, um dir selbst Zusammenhänge und Einflussfaktoren zu verdeutlichen. Ein schrittweises Vorgehen, ständiges hinterfragen sowie darstellen von Zusammenhängen ist also Grundlage einer guten Finanzplanung.

Fehler: Die Komplexität

Keep it smart and simple!

Die Erweiterung zum strukturierten Vorgehen ist, dass Level der Komplexität auf einem geringen Niveau zu halten. Eine hohe Komplexität, verursacht durch viele Annahmen, Formeln und Excelsheets ist nicht gleichbedeutend mit Professionalität.

Denk dran, dass der wirkliche Sinn einer Finanzplanung nur erfüllt ist, wenn diese auch begleitende Anwendung findet. Sie soll also auch leicht händelbar sein. Mit wenigen Hauptannahmen kann die Komplexität so reduziert werden, dass sich mit einer entsprechenden Verformelung eine effiziente Umwandlung in sinnvolle Werte realisieren lässt.

Fehler: Finanzierungen kosten euch Geld

Das Finanzierungen für viele Startups überlebenswichtig sind, ist nichts Unbekanntes. Was aber häufig vergessen wird, ist, dass Finanzierungsrunden dich auch richtig Geld kosten. Kaum ein Investor steigt bei einem Unternehmen wegen eines gut klingenden Unternehmensnamens, schönen Bildern oder Träumen ein.

Letztendlich musst du also den Wert deines Unternehmens präsentieren und zwar in Form von Zahlen und deren Entwicklungen, basiert auf vorhandenen Daten (sofern vorhanden) sowie den getroffenen Annahmen.

Bei großen Finanzierungsrunden sind Due Diligence Prüfungen nicht unüblich, deren Kosten du bzw. ihr als Startup tragen müsst – und zwar im Voraus. Ein anderes Beispiel sind die Notarkosten für die Aufnahme von neuen Gesellschaftern oder Anwaltskosten für die Vertragsgestaltung.

Berücksichtigst du diese Kosten nicht in der Planung, verfälscht dies die finanzielle Situation deines Unternehmens und das schadet nicht nur kurzfristig dem Geldbeutel, sondern kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass das Geld nicht bis zum nächsten Meilenstein ausreicht.

Es gilt also auch sämtliche Kosten der Finanzierung und möglicher weiterer Finanzierungen zu berücksichtigen.

Fehler: Statische Planung

Das Aufsetzen der Finanzplanung ist der erste wichtige Schritt zu einer erfolgreichen Entwicklung. Doch niemand hat eine magische Kristallkugel im Büro und kann sagen, dass die Zahlen wirklich zu 100% so zutreffen, wie sie geplant wurden.

Viele Startups nutzen eine statische Planung, was bedeutet, dass die Daten der Planung im Rahmen einer Finanzierungsrunde oder direkt bei Gründung festgelegt werden, um anschließend in der Schublade zu verstauben.

Dadurch wird jedoch die Chance vergeben, die Unternehmensentwicklung messbar zu machen (durch den Abgleich zwischen Plan und Ist-Situation) und zudem einen zuverlässigen Blick in die nähere Zukunft zu werfen.

Übrigens: Aus den Erfahrungen von über 130 Kundenprojekten ist in den letzten Monaten das Portal Finanzplanung-Einfach entstanden.

Dort gibt es über 90 Artikel, 40 Videos und spannende Webinare.

Diese erklären Schritt für Schritt, wie eine Finanzplanung aufgebaut sein sollte und was es alles zu beachten gibt – alles kostenlos natürlich.

Auch könnt Ihr gern einige Fragen los werden und bekommt unkompliziert und kostenfrei eine Antwort.

Die Lösung?

Eine rollierende Planung! Bei dieser Variante der Planung integrierst du am Monatsanfang die Buchhaltungsdaten des Vormonats, so dass die Planung auf Basis dieser angepasst werden kann.

Der große Vorteil: die Planung spiegelt die Entwicklung der vergangenen Monate wider und aus den Daten kann zusätzlich noch eine Prognose erstellt werden. Da macht das Arbeiten gleich mehr Spaß, da der Fahrplan deines Unternehmens visualisiert dargestellt ist. Die Erstellung ist natürlich nicht trivial aber sie lohnt sich.

Fehler: Ergebnis ist nicht gleich Cashflow

Der Cashflow betrachtet den Saldo aus den Einnahmen und Ausgaben einer Periode (vereinfacht) deines Unternehmens. Es handelt sich also um die Betrachtung der tatsächlichen Bewegung der liquiden Mittel. Er spiegelt demzufolge die tatsächliche Finanzkraft deines Unternehmens wieder.

Das Ergebnis deines Unternehmens jedoch kann davon deutlich abweichen. Daher ist es beim Aufsetzen der Finanzplanung unerlässlich, sich die Unterschiede zwischen dem Betriebsergebnis und den tatsächlichen Bewegungen auf dem Bankkonto bewusst zu machen.

Es ist nur logisch, dass ein positiver Cashflow ein wichtiger Indikator für Investoren ist, um zu beurteilen wie gesund dein Unternehmen ist. Darüber hinaus wird der Cashflow auch zur Unternehmensbewertung herangezogen.

Klar, wir kratzen mit dieser Auflistung noch immer an der Oberfläche in Bezug auf vermeidbare Fehler in der Finanzplanung. Solltest du dich dem Thema Finanzplanung stärker widmen wollen, auf der Suche nach einer Schritt für Schritt Anleitung seid oder einfach gelegentliche Unterstützung sucht bei der Finanzplanung, dann schaut doch mal auf www.finanzplanung-einfach.de vorbei!

Neben einer Schritt für Schritt Video Erklärung zur Erstellung einer Finanzplanung findet ihr viele weitere informative Videos und Artikel sowie kostenfreie Webinare zum Thema.

Autorenprofil:

Monika Loschek ist seit über vier Jahren Controllerin und Prokuristin bei der Kernaussagen GmbH.

Durch Ihre tägliche Arbeit mit einer Vielzahl an Startups und KMU aus verschiedensten Branchen ist Sie Expertin für Finanzplanung, Controlling und Reportings.

Weitere Informationen zur Autorin findest Du unter: www.finanzplanung-einfach.de

1 Kommentar zu "Finanzplanung: Wie der „F*ck up“ eines Startups verhindert werden kann"

  1. Ein toller Artikel, der mir aus der Seele spricht. Es ist in der Tat so, dass Controlling bei viel zu vielen StartUPs schlicht ignoriert und damit der Steuersitz im eigenen Unternehmen „freiwillig“ verlassen wird. Das passiert auch, weil die Unternehmer fürchten für Controlling in der Startphase kein Geld oder keine Zeit zu haben. Dabei kann man ganz klar festhalten: “

    Erfolgreiche StartUPs setzen von Anfang an auf ein gutes Controlling. Gescheiterte Unternehmen hatten dafür kein Geld/keine Zeit!“

    Die von Dir beschriebenen Fehler kann ich alle so unterschreiben. Vor allem eine Planung nicht als einmalige Pflichtaufgabe zu sehen, sondern daraus eine regelmäßige wiederkehrende „Challenge“ ist ein wesentlicher Meilenstein.

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