Die Visitenkarte als Element des Corporate Design

Vistenkarte & Corporate Design

Wenn wir an Visitenkarten denken, taucht in unserem Kopf ein bestimmtes Bild auf: Ein kleines, viereckiges Stück Papier mit Kontaktdaten drauf. Wir achten auf solche Papierstücke nicht, wenn diese nicht besonders sind, wir schieben sie gleich in die Tasche und vergessen die Visitenkarte für eine Zeit.

Manchmal ist das der einzig sichtbare Unterschied im Logodesign und wenn wir eine Karte brauchen, können wir nur die Hälfte von ihnen wieder finden, weil sie so ähnlich aussehen. Nicht einmal das Corporate Design wurde mit einbezogen.

Wir ziehen dann einfach völlig wahllos eine von ihnen, denn ein unbekannter Name und standardisierte, nicht individuelle Form der Visitenkarte hilft uns bei der Wahl nicht weiter. Das Risiko scheint gleich bei allen zu liegen.

Wie oft hast Du das selbst erlebt? Und was meinst Du, wie viele von Deinen potenziellen Kunden haben ebenso eine Visitenkarte einfach weggesteckt, ohne auf sie zu achten? Kann man nichts dagegen tun? Doch! Visitenkarten brauchen nicht mehr traurige, ausdruckslose Papierstücke zu sein.

Vergesse es nicht: Manchmal gilt der Tausch von Visitenkarten als erstes Treffen mit Ihrer Firma, und den ersten Eindruck macht man eben nur ein Mal.

Welchen Eindruck soll man am besten machen und wie?

  • Transparenz – klar strukturierte Inhalte lassen den Empfänger schnell und problemlos an die nötige Informationen zu kommen. Zu viele Daten, unklare Struktur oder verschleiertes Design können den potenziellen Kunden abschrecken. Wenn jemand zu viel Zeit für die Entzifferung Ihrer Visitenkarte braucht, wird er sich höchstwahrscheinlich für eine andere entscheiden.
  • Klares Message – Ihr Empfänger soll keine Zweifel daran haben, was Sie anbieten und wem. Klare Stichwörter, die Ihre Branche oder Position beschrieben, lassen eben keine Zweifel mehr zu. Menschen, die entschlossen sind, mögen die Eigenschaft auch bei anderen, und Kunden, die entscheidungsunfähig sind, mögen es, wenn jemand für sie entscheidet.
  • Form und Inhalt im Einklang – eine Visitenkarte einer Bestattungsfirma mit einem bunten Teddybär wäre vielleicht einzigartig oder gar witzig aber auf keinen Fall adäquat. Erstens, mangelnde Übereinstimmung von Form und Inhalt kann dazu führen, dass Ihr Kunde Sie für amateurhaft halten wird. Und zweitens ist es möglich, dass jemand sich dadurch beleidigt fühlt. Witzige Einfälle lassen Sie lieber für ein persönliches Treffen (aber vielleicht auch nicht im Falle einer Bestattung).
  • Einfachheit – Manchmal entsteht das Problem der Klarheit viel früher auf der Ebene des Logo oder Corporate Designs. Wenn das der Fall ist und Sie Ihre Visitenkarten schnell benötigen, solltest Du ein einfaches typografisches Logo als vorübergehenden Ersatz verwenden und in der Zwischenzeit einen Neues entwerfen.
  • Einzigartigkeit – aber nur eine, die Deine Visitenkarte von der Konkurrenz positiv unterscheidet. Eine durchdachte und an Deine Firma und das Corporate Design angepasste Idee. Denke daran, was Du und Dein Unternehmen außerordentlich macht, und dann versuche genau das auf der Visitenkarte zu vermitteln. Oder erkläre es dem Designer, der sie für dich gestaltet.
  • Qualität der Ausführung – glaubst Du, dass dein Kunde es nicht merkt, wenn hier und da was nicht stimmt, die Druckqualität schlecht ist und das Papier leicht zerknittert wird? Da liegst Du falsch: Wenn Du etwas bemerkst, dann werden es auch die anderen tun. Und wie kann man einen ernst nehmen, wenn er nicht auf die Details achtet? Der Eindruck, den Du bei den potenziellen Kunden oder Partner vermittelst, wirkt sich auf die Erwartungen an Ihre Leistungen aus.

Wir wissen bereits, welchen Eindruck eine Visitenkarte erwecken soll. Leider ist selbst das beste Design völlig nutzlos ohne den sinnvollen Inhalt. Über unsere Firma und uns selbst würden wir am liebsten möglich viel schreiben, aber eine Visitenkarte ist kein Flyer. Zu viel Inhalt schreck ab, anstatt anzulocken.

Mehr als nur ein Logo: Was soll denn unbedingt auf einer Visitenkarte stehen?

Das obige Beispiel ist großartig im Hinblick auf das Visitenkarten-Format und (Logo-Design), wird aber wahrscheinlich bei einem Networking-Event nicht viel bringen, da grundlegende Informationen fehlen.

Was sollte also auf einer Visitenkarte zu finden sein?

  • Firmenname und -profil – klar dargestellt und leicht erkennbar auf den ersten Blick
  • Unser Name und die Funktion in der Firma – nur etwas weniger deutlich als der Firmenname
  • Basiskontaktdaten: Telefonnummer (am besten mehr als nur eine), Emailadresse und Website

Zusätzliche Inhalte, die optional zu überlegen sind:

  • Unser Firmenmotto
  • Postanschrift
  • Xing/LinkedIn-Profil (vor allem bei Freelancern und Ich-AGs)

Und Fehler, die man unbedingt meiden sollte:

  • Nicht mehr gültige Daten. hast Du neulich Deine Telefonnummer geändert? Oder den Hauptsitz Deiner Firma? Die alten Infos mit einem Stift wegzustreichen, das geht nicht. Oder die neue Daten auf der Hinterseite dazuzuschreiben.
  • Tippfehler in den Namen. Und wieder – Profis korrigieren ihre Fehler nicht mit dem Stift, sondern lassen die Karten neu drucken.
  • Dein Foto – in jedem einzelnen Fall überflüssig. Selbst wenn Du als Schauspieler, Model oder Clown arbeitest, drucke lieber die Adresse von Deinem Online-Portfolio. Denke an die Kunden, die es vielleicht unbehaglich finden könnten, Dein Gesicht neben den Familienfotos in der Brieftasche zu sehen. Anstelle eines Fotos ist es viel professioneller ein Logo einzufügen, auch wenn es einfach und typografisch ist.
  • Auflistung aller Funktionen und Fähigkeiten. Eine Visitenkarte ist kein Werbeprospekt. Wenn Du über mehrere Unternehmen verfügst oder mehrere Leistungen anbietest, solltest Du einfach entsprechende Visitenkarten für die einzelnen Projekte vorbereiten lassen.

Und wozu all der Aufwand und Minimalisieren des Inhalts? Wie immer – um neue Kunden an Land zu ziehen. Das erste Treffen mit Ihrem Geschäft – egal ob via Werbung oder Visitenkarte – gilt immer als der allererste Eindruck, der von der zukünftigen Zusammenarbeit entscheiden kann.

Deshalb solltest Du immer Wert darauf legen, Deine Stärken zu zeigen, nicht die Schwächen. Hast Du noch Zweifel? Dann versuche die Frage zu beantworten, was würde dir selbst als Kunde ansprechen? Was verschafft dir Vertrauen, was macht dich neugierig, wenn es um fremdes Angebot geht?

Lasse es nicht zu, dass Deine Visitenkarte bloß ein unnötiges, trauriges Stück Papier wird, das in der Waschmaschine landet, weil der Kunde es in seiner Hose stecken lassen hat.

Visitenkarte gestalten: welche Größe, Form und Farben?

Die Idee der Visitenkarten ist bereits vor 600 Jahren entstanden. Natürlich sahen die ersten Ausführungen für den Edel anders aus, aber Funktion hatten sie gleiche. Sechs Jahrhunderte von der technologischen Entwicklung führte zu einer Standardisierung von vielen Elementen der Visitenkarten. Und teilweise lohnt es sich, die gewöhnliche Lösungen zu wählen, weil sie praktisch sind. Beim graphischen Design aber ist es gleich lohnenswert, auf Einzigartigkeit und Kreativität zu setzen und zum Beispiel das eigene Corporate Design zu berücksichtigen.
Nehmen wir das Format: 85×55 mm gilt einfach überall als Standard. Möchtest Du diesem Standard ausweichen? Klar kannst Du das, aber vergesse dabei nicht, dass gerade das Format

  • der Größe von einer Kreditkarte entspricht, weswegen es einfach ist die beiden Kartentypen an einem Ort aufzubewahren (z.B. in der Brieftasche);
  • der Größe von den meisten Visitenkartenetui entspricht (größere Entwürfe werden da einfach nicht reinpassen);
  • eine allgemein gültige Norm ist, die für den Benutzerkomfort sorgt. Stelle dir vor, dass jemand alle Visitenkarten aus einer Branche in die Hand nimmt, um sie durchzublättern und die Wahl zu treffen. Deine ist dann aber kleiner und verschwindet unter den anderen. Was nun? Wird sie glücklicherweise ausgewählt werden? Oder umgekehrt: Sie ist zu groß und passt zu den restlichen nicht, so dass es nicht mehr bequem in der Hand liegt. Wird der Kunde dich einfach beiseite schieben, oder dich wegen der Andersartigkeit eben auswählen?

Der Entwurf einer Visitenkarte kann von der Norm in mancher Hinsicht abweichen, aber die Größe zu ändern, raten wir eher ab. Wenn Du die bisherigen Argumente nicht schlüssig genug findest, vielleicht überzeugt dann der Preis? Denn standardisierte Formate sind nämlich einfach billiger.

Gehörst Du zu den kreativen Menschen und Deine Firma ist deutlich anders als die üblichen Unternehmen in der Branche nicht nur mit einem unverwechselbaren Logo? Dann wäre es vielleicht clever, es durch die dem Charakter Ihrer Firma und dem Corporate Design entsprechenden Gestalt oder Farbe der Visitenkarte auszudrücken.

Das nötige Standardformat lässt zwar nicht zu viel Spielraum für die kreativen Aufgaben übrig, aber ein paar Details kann man schon darunter schmuggeln. Zum Beispiel:

  • Ausgeschnittene Elemente – einfaches Logo, ein Symbol, oder der Name von Ihrer Firma. Eine solche Visitenkarte kann zwar leichter zerknittert oder vernichtet werden, aber wird auf jeden Fall interessanter als die Üblichen wirken.
  • Flyerhafte Visitenkarte – eine zweiteilige, gefaltete Karte ist zugleich eine sichere und ungewöhnliche Wahl. Nicht zu extravagant für die Traditionalisten und mutig genug für die Schwärmer von modernen Designlösungen. Und mit zwei Schichten Papier schützt sie besser die Druckqualität und somit die Lesbarkeit der Daten.
  • Eine kleine Formänderung innerhalb des Standardformats – Deine Visitenkarte muss nicht unbedingt ausschließlich viereckig sein. Das Standardviereck könnte um eine wellenhafte Randlinie erweitert werden. Für eine Firma im Bereich Surfen zum Beispiel wäre es eine ganz nette Idee.

Ein Beispiel für eine geprägte Visitenkarte – eine großartige, aber kostspielige Möglichkeit, sich mithilfe von Formatierung abzuheben.

Die Farbenpalette der Visitenkarte steht dir ganz zur Verfügung, du kannst beliebig zwischen den Tönen auswählen, solange das Corporate Design und die wichtigsten Regeln beachtet werden:

  • Nehme nicht zu viel Farben – das Prinzip von „nicht mehr als drei“ funktioniert ganz gut bei jedem Entwurf. Wirklich gute regenbogenartige Ausführungen gibt es recht wenige. Es ist am besten eine Farbpalette zu verwenden, die gut zu Deinem Logo passt.
  • Stelle deine Informationen klar und deutlich dar – vielleicht Blau auf Rot (oder umgekehrt) sieht toll aus,kann für manche aber auch schwer zu entziffern sein.
  • Sei kreativ – nicht nur die Schrift oder Papier dürfen farbig sein. Was hältst du von bunten Papierrändern?

Wenn das Profil deiner Firma oder das Corporate Design, Angemessenheit verlangt und du trotzdem etwas von den sicheren Standards abweichen möchtest, denk an unterschiedliche Papierarten.

Gute Druckereien bieten nicht nur matt, halbmatt oder glänzend gestrichenes Papier an, sondern auch die seidenglänzende oder fein gestanzte. Man kann auch zwischen grober und glatter Oberfläche wählen. Manche Muster fühlt man sogar mit eigenen Fingern.

Kannst du dich noch an die Visitenkartenszene aus „American Psycho“ erinnern?

Die Situation da war natürlich absichtlich übertrieben, aber es stimmt doch, dass der Teufel im Detail steckt.

Und andersrum, wenn der Charakter deines Unternehmens und dein Corporate Design viel Kreativität zulässt, denk an einen anderen Stoff als Papier.

Vielleicht kannst du deinen Kunden mit einer Holz Visitenkarte mit eingraviertem Logo beeindrucken? Oder stellst du Plastikteile her? Dann versuche es eben mit einer dünnen Plastikplatte. Metall ist auch eine gute Wahl, die Karte darf aber nicht zu schwer sein oder zu scharf am Rand.

Allgemein gilt: Egal aus welchem Material, sollen die Visitenkarten vor allem handlich und lesbar bleiben.

Besonders originelle Entwürfe sollte man sich lieber zwei Mal überlegen. Denn sie bedeuten nicht nur doppelte Herstellungskosten, sondern auch ein bestimmtes Image deiner Firma. Und nicht jedes Startup kann von dem Ruf profitieren, seltsam oder merkwürdig zu sein.

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