So baust du ein eigenes Startup ohne Investoren auf

Startup investieren

Fachbeitrag von Carlos Link-Arad, Co-Founder der Lernplattform für Finanzen Beyond Saving.

Seit meiner Gründung im vergangenen Jahr bin ich von vielen Freunden, Bekannten, Ex-Kollegen aber auch interessierten Business Angels gefragt worden, wie es uns gelingt ein Start-up ohne externes Funding aufzubauen.

Im folgenden Beitrag werde ich dir ein paar Tipps geben, wie du dein eigenes Unternehmen aufbauen kannst, ohne dich abhängig von Investoren zu machen, die deiner Vision mehr schaden können, als du dir vorstellen kannst.

Mein Schwiegervater hat einst zu mir gesagt: „Kopf schlägt Kapital“. Dieser Satz hat mein Mindset bis heute tief geprägt. Dem deutschen Unternehmertum tut es nicht gut, wenn Menschen der Meinung sind, dass sie es alleine nicht schaffen.

Die Aussage mag auf bestimmte Geschäftsmodelle zutreffen – aber bei weitem nicht auf jedes. Lass uns mit den Gründertipps starten. 

Nutze dein aktuelles Gehalt für Mitarbeiter

Du hast ein Idee, die du unbedingt verwirklichen willst, bist aber aktuell noch angestellt – was solltest du in solch einer Situation tun? Kündigen? Entscheide nicht voreilig, sondern nimm dir Zeit, um deine Optionen zu bewerten.

Ich habe mich damals entschieden angestellt zu bleiben und nebenbei mein Geschäftsmodell an den Feierabenden und Wochenenden zu testen. Lerne dein Marktumfeld und Wettbewerber kennen.

Eventuell befindest du dich mit deinem Produkt oder Dienstleistung in einem gesättigten Markt, der keine Nische bietet. Nimm dir Zeit, um dein Produkt zu skizzieren und deine Nische zu finden.

Hast du ausreichend Zeit in die Wettbewerbsanalyse investiert und einen Business-Plan erstellt, kann die Gründung losgehen.

Auch in dieser Phase musst du noch nicht deinen Job kündigen. Schau dir vorher deine private Finanzsituation an. Hast du genug Rücklagen, um dich eine Zeit lang über Wasser zu halten?

Starte, indem du schrittweise mehr Zeit in dein eigenes Business steckst.

Das kannst du z.B. wenn du in Teilzeit gehst. Du kannst dein Gehalt zudem dafür nutzen Freelancer zu zahlen. Gerade am Anfang fallen viele Dinge an, die unterschiedliche Skills erfordern (Website, Logo, Entwickler, Texter, Designer etc.).

Zusätzlich kommen in einigen Fällen Gründungskosten auf dich zu (Notar, Steuerberater etc.), die du nicht unterschätzen solltest. Mit einem laufenden Gehalt, kannst du diese Kosten decken, ohne die Kreditlinie bei deiner Bank auszuschöpfen.

Finde passende Förder- und Finanzierungsprogramme

Was viele Gründer und auch wir zum Start nicht wussten ist, dass viele Förder- und Finanzierungsprogramm existieren. Diese stellen jungen Unternehmern günstig Kapital zur Verfügung, mit denen du Projekte finanzieren kannst ohne teure Anteile an deinem Business abzugeben.

Bei der KfW erhalten Startups z.B. den ERP-Gründerkredit. Mit einem effektivem Jahreszins von 1,21 Prozent p.a. kannst du ohne Eigenkapital deine Produktentwicklung ankurbeln.

Zusätzlich gibt es Förderprogramme (z.B. Investitionsbank des Landes Brandenburg), die Existenzgründer mit innovativen Unternehmensideen unterstützen.

Der große Vorteil an diesen Programmen ist, dass ein bestimmter Anteil an Projektkosten übernommen werden, ohne dass du sie zurückzahlen musst. Für das Antragsverfahren gibt es spezialisierte Berater, die sich zum Großteil sogar nur dann bezahlen lassen, wenn der Antrag erfolgreich war.

Halte Ausschau nach solchen Programmen, jedes Bundesland bietet zusätzlich eigene Angebote – eine Recherche kann sich in jedem Fall auszahlen.

Nimm an Startup-Wettbewerben teil oder gewinne Stipendien

Wir haben Anfang des Jahres am Businessplan-Wettbewerb in Berlin-Brandenburg teilgenommen. Wir haben die Siegerplätze zwar knapp verfehlt, aber auch hier gemerkt, wie gut die Chancen für Gründer mit einer guten Idee sind, frisches Kapital einzusammeln – ohne Gegenleistung.

Von diesen Wettbewerben gibt es in Deutschland eine ganze Menge. Eine Google-Suche kann sich hier definitiv lohnen. Solltest du keine Zeit haben einen Business-Plan zu erstellen, dann wirst du an Unis oft einen engagierten Studenten finden, der das gemeinsam mit dir zu einem günstigen Preis macht.

Zusätzlich bieten Stiftungen, Universitäten und auch Unternehmen laufend Startup Stipendien. Neben dem Kapital kannst du dir über solche Programme ein wertvolles Netzwerk aufbauen. Networking hat sich zumindest bei uns als großes Asset erwiesen.

Menschen kennen Menschen, die wiederum Menschen kennen, die dir bestimmte Türen aufmachen können.

Mitarbeiterbeteiligung statt Gehalt

Ein Startup kann man nur gründen, wenn Mitarbeiter auch bezahlt werden können?

Kann, muss aber nicht. Es gibt mehrere Optionen. Kennst du jemanden, der für dein Thema genauso brennt wie du und Skills hat, die das Unternehmen weit nach vorne bringen könnten?

Dann solltest du über eine Beteiligung nachdenken. Natürlich sollte man als Gründer niemals zu viel, zu schnell abgeben – ein wenig Kontrolle und Übersicht in der Gesellschafterstruktur tun gut. 

Dennoch ist es – aus meiner Sicht – besser, wenn dir 80 Prozent von einem profitablen, wachstumsstarken Unternehmen gehören, als 100 Prozent von einem stagnierenden Unternehmen.

Außerdem setzt du über Beteiligungen ganz andere Anreize. Wird das Unternehmen zur Erfolgsstory, dann nehmen deine Mitarbeiter und Co-Founder direkt am Erfolg teil.

Gehe mit der Beteiligung in jedem Fall bedacht um, behalte sie als Option jedoch immer im Kopf. Bei uns hat sich dieses Modell als absoluter Wachstumstreiber herausgestellt.

Biete Beratungsdienstleistungen an

Wer 15 Jahre lang vermögende Privatkunden in Finanzfragen beraten kann, muss nicht darauf warten, dass sein Geschäftsmodell über ein einzelnes Produkt monetarisiert.

Das Gleiche gilt für einen Marketing-Experten, der ein innovatives Analyseprodukt entwickelt. Diese Skills kann man z.B. im Rahmen von Coachings oder Beratungsangeboten bereits zum Start des Unternehmens vermarkten.

Mit den laufenden Umsätzen können dann Freelancer, die Produktentwicklung, das Marketing und andere laufende Kosten gedeckt werden. Zusätzlich baut man dadurch bereits frühzeitig ein breites Kundennetzwerk auf.

Flexibilität und Kreativität sind wichtig, alles lässt sich mit der richtigen Branding-Strategie vermarkten. Ein Unternehmen aufzubauen erfordert nicht, dass du dich privat hochverschuldest.

Geh den Prozess smart an und denk an die oben genannten Tipps. Sie haben uns eine Menge Freiheitsgrade realisiert, die wir dir in jeden Fall auch wünschen.

Autorenprofil:

Carlos Link-Arad ist Co-Founder von Beyond Saving und hat nach seinem Wirtschafts- und Physikstudium in verschiedenen Funktionen in der Finanz- und Fintech-Branche gearbeitet.

Weitere Informationen zum Autor findest Du unter: https://beyondsaving.de

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