Wie die Ding-Reihe unsere Arbeitswelten neu erfindet

Die Pandemie hat den Arbeitsalltag verändert. Innerhalb kürzester Zeit mussten Unternehmen auf Remote Work umstellen und das Prädikat Home Office wurde über Nacht Alltag.

Doch das Büro steht nicht erst seit Corona auf dem Prüfstand. Eine starre Trennung von Arbeits- und Lebensraum befand sich bereits in Auflösung, während die digitale Transformation ganze Branchen und Tätigkeitsfelder auf links drehte.

Doch wie sollen die Arbeitswelten von morgen aussehen?

Werden wir je in Großraumbüros zurückkehren? Behält das Eckbüro seinen Reiz als Statussymbol? Oder hat sich der Anspruch an die Wirkstätten unserer Profession unwiderruflich verschoben?

Die Macher des Cross Community Space Hamburger Ding glauben: Ja, alles bleibt anders! Das Konzept, das als „Ding-Reihe“ in ganz Deutschland ausgerollt werden soll, löst die Trennungen zwischen Arbeiten und Leben auf, ermöglicht unterschiedlichen Interessengruppen virtuell und analog zusammenzufinden und setzt auf Regionalität, Sport und digitale Exzellenz.  

Corona hat das Home Office von einem Tag auf den anderen zu Notwendigkeit und Normalität gemacht. Doch gleichzeitig verlor das Arbeiten daheim das Freiheits-Narrativ: Doppelbelastungen in der Familie, Partner oder Mitbewohner, die Platz beanspruchten, eine schlechte Infrastruktur und vieles mehr ließen die Motivation zunehmend abflauen.

Dazu schlug der geringe Bewegungsradius nicht Wenigen auf das Wohlbefinden. Monotonie und ein Gefühl der Isolation machten sich breit – und das nicht nur bei Großstädtern und Single-Haushalten mit kleiner Wohnfläche. 

Vor allem aber brachte die Home-Office-Empfehlung ans Licht, dass Mitarbeiter in den eigenen vier Wänden zwar genauso zuverlässig arbeiten, aber Individuum wie Organisation fehlt, was Projekte erst so richtig erfolgreich macht: der Teil der Teamleistung, der über die Summe der Arbeitsstunden hinausweist.

Persönlicher Austausch, diverse Perspektiven und Teamgeist entfalten ihr volles Potential erst in der zwischenmenschlichen Interaktion.

Wir sind soziale Wesen und wollen in der Gemeinschaft gestalten und wachsen. „Die Pandemie hat uns zum einen gezeigt, wie wichtig es ist, neu zu denken und die Digitalisierung voranzutreiben. Auf der anderen Seite zeigt sie, wie wertvoll das persönliche Miteinander und die passende Community sind“, sagt Tomislav Karajica, Projekt- und Immobilienentwickler, Unternehmer und Initiator der neuen Cross Community Space-Reihe. 

Das „Hamburger Ding“ am Westende der Reeperbahn auf St. Pauli machte 2019 den Start und soll nun als Ding-Reihe in ganz Deutschland ausgerollt werden.

Hier wird eine räumliche Teilung in Job, Wohnung und Freizeitbereich aufgebrochen: „Im Ding werden Arbeit, Sport, Gaming, Event, Lernen und Entertainment an einem Platz gebündelt – und zwar an einem hochmodernen und attraktiven Ort“, so Tomislav Karajica.

The new normal sei demnach keinesfalls eine Rückkehr zu alten Präsenzpflichten in neuen Schläuchen: „Es gibt mehr Gründe, ins ‚Ding‘ zu kommen, als einen schönen Konferenzraum oder schnelles Internet. Unser Ziel ist es, ein ständig wachsendes Partnernetzwerk aus lokalen und überregionalen Akteuren rund um die geteilten Interessen entstehen zu lassen und Synergien zu fördern“, sagt der Gründer und Geschäftsführer von Home United. 

Das „Kieler Ding“ soll im Frühjahr 2022 eröffnen. Auch in Osnabrück wurde bereits ein Gebäude angekauft, in Lübeck, Hannover und Bremen sowie weiteren Städten ist das Team auf der Suche nach den passenden Objekten.

Dabei schauen sie sich gezielt nach leerstehenden Kauf- und Warenhäusern um. In Kiel erwarb man eine ehemalige Anson’s-Filiale, in Osnabrück war es das frühere Galeria Kaufhof-Gebäude.

Von Pandemie-Verunsicherung keine Spur: „Unsere Event-Angebote wurden im Sommer sehr gut angenommen. Das hat uns darin bestätigt, dass wir mit unserem Konzept richtig liegen. Ich bin mir sehr sicher, dass wir daran schon bald wieder anknüpfen können.“

Auch eine Kündigungswelle blieb im „Hamburger Ding“ aus: „Unsere Arbeitsplätze sind nahezu ausgelastet, alle Stammmieter sind geblieben.“ Karajica sieht die Pandemie als einen Katalysator.

In Folge der Corona-Pandemie werden nun auch große Bürokomplexe hinterfragt. Teams wollen auch in Zukunft remote arbeiten und Rhythmen selbst bestimmen.

„Große Büros sind kein Statussymbol mehr. Gemeinschaft, ausreichend Bewegung, Tage voller Inspiration, Umgebungen, die sich an wechselnde Bedürfnisse anpassen, gesunde Ernährung – all das ist der ‚Luxus‘ von morgen“, sagt Karajica. 

Das „Hamburger Ding“ liegt am Nobistor, auf 6.500 Quadratmetern und fünf Etagen stehen Freelancern, Entrepreneuren, Startups und Unternehmen aus verschiedenen Branchen über 300 Arbeitsplätze, acht Eventflächen, mehrere Küchen, diverse Themen-Lounges sowie ein eigenes Podcaststudio zur Verfügung.

Im Fitnessbereich bieten Trainer aus dem Profisport täglich mehrere Kurse an, die kostenfrei belegt werden können, und in der WORKout-Zone ist das Arbeiten auf dem Laufband oder an Tischen mit eingebauten Spinningbikes möglich.

Das Thema Sport zieht sich auch digital als roter Faden durch die Räumlichkeiten. Im United Cyber Space, dem weltweit ersten Trainingszentrum für E-Sport, spielen Hobby-Gamer neben Profis und tragen Turniere aus.

„Unsere Homies können ihren Morgen mit einem Powerdrink an der Smoothiebar starten, ein Workout mit einem unserer Coaches absolvieren, anschließend im Massage-Sky-Seat arbeiten und abends ein Feierabendbier in der Cappellini Lounge trinken oder mit Freunden im Cyber Space eine Runde zocken – und das alles in einem Haus. Diese Mischung ist wohl einzigartig in Europa“, meint Karajica.

Der 44-jährige Seriengründer und Immobilien-Unternehmer, der unter anderem den Online-Brillenhändler Edel Optics zu einem der drei größten Player Europas aufbaute, und im Vorjahr mit OMR und der Messe Hamburg den Zuschlag für die Betreiberschaft des Fernsehturms erhielt, denkt digital und lokal.

In der Ding-Reihe verbinden sich beide Aspekte ideal. Karajica will damit auch Impulse setzen, um den Wandel der bisher Einzelhandel-lastigen Innenstädte positiv zu gestalten: „Leerstehende Kauf- und Warenhäuser können künftig zu Stätten der Begegnung und geteilter Interessen werden.“

Er glaubt daran, dass in der kommenden Dekade rund 30 Prozent der Büroflächen flexibel genutzt werden. „In unseren Cross Community Spaces muss man keinen Zehnjahresvertrag unterschreiben und auch das hochwertige Mobiliar ist bereits vorhanden. Wir haben sogar Anfragen von Firmen, die komplette Etagen oder das ganze Haus mieten wollten“, verrät Karajica. Kein Wunder also, dass die Ding-Reihe in vielen Städten auf große Zustimmung trifft.

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