Abhängigkeit 2.0 – Funktionieren Startups ohne Google & Facebook?

Mehr Sichtbarkeit ohne Facebook & Google

Beitrag von Patrick Konrad – Gründer der fabulabs GmbH, welche die Online-Quizplattform „Mein wahres Ich“ betreibt:

Die Abhängigkeit vieler Gründer von Facebook & Google

Jeder, der ein Unternehmen gründet, das vorrangig über den Online-Kanal seine Kunden akquirieren soll, wird schnell bemerken, dass es zwei große Player im Markt gibt, um die er nicht herumkommt.

Dazu zählen in Deutschland Google und Facebook.

In den letzten Jahren hab ich jedoch viele Unternehmen gesehen, die sich zu stark abhängig von einem einzelnen Player am Markt gemacht haben – einige dieser Unternehmen gibt es heute genau deshalb nicht mehr oder nicht mehr in der Form. Über das Problem und deren Lösung soll es in diesem Artikel gehen.

Die Gefahren der Abhängigkeit

Wenn ich zurückblicke, fällt mir bei eigenen Unternehmungen und auch denen einiger Bekannter auf, dass viele sich in eine sehr gefährliche Abhängigkeit von Google begeben haben.

Für viele Menschen ist Google noch immer der Einstieg ins Internet, von wo aus die Recherche losgeht. Wer bei Google nicht auf der ersten Seite zu seinem Hauptkeyword gefunden wird, den gibt es schlichtweg nicht.

Das Ganze ist natürlich sehr überspitzt, trifft das Problem aber auf den Punkt: Google ist fast für jedes Online-Unternehmen sehr wichtig und man muss „vorn mitspielen“ um verkaufen zu können.

Quick-Wins kann man über bezahlte Werbung zu relevanten Keywords (SEA) erzielen, mit einem etwas längeren Atem kann man in den organischen Suchergebnissen durch Suchmaschinenoptimierung quasi kostenlos relevanten Traffic erhalten. Zu beachten ist dabei jedoch, dass SEO sehr zeitintensiv und langfristig ist und natürlich keinesfalls kostenlos, denn ein Inhouse-SEO oder eine SEO-Agentur ist hier notwending.

Bis 2012 war es noch vergleichsweise einfach, bei Google gute Rankings zu erzielen. Das Pinguin-und Panda-Update hat dann jedoch vielen Firmen gezeigt, dass ihre Strategie falsch war und Webseiten wurden über Monate oder gar Jahre abgestraft.

Abgestraft bedeutet, sie sind bei ihren relevanten Keywords ins Nirvana verschwunden und der Traffic ist von einem Tag auf den anderen extrem eingebrochen. Es gibt Bereiche, in denen haben sich Unternehmen komplett auf SEO fokussiert – denen ist auf einem Schlag die komplette Existenz unter den Füßen weggezogen worden. Es gab viele Versuche, das Ruder noch herumzureißen, doch es endete in Massenentlassungen und Insolvenzen.

Unternehmen, die zumindest über Google Adwords einen Teil des Traffics einkauften, haben zumindest nicht ihre gesamte Grundlage verloren, sondern lediglich einen Teil des Traffics.

Heutzutage beobachte ich das gleiche Phänomen wieder – diesmal allerdings bei Facebook.

Das soziale Netzwerk kann ein enormer Trafficlieferant sein. Nicht wenige Publisher beziehen deutlich über 50% ihrer Besucher von Facebook. Hier lauern vor allem zwei Gefahren:

1) Facebook verändert den Algorithmus regelmäßig und die organische Reichweite der Beiträge sinkt.

2) Facebook sperrt Fanpages, kann Webseiten blacklisten, die dann auf Facebook nicht mehr geteilt werden können oder sperrt Apps, Werbeaccounts oder komplette Konten.

Du siehst: Bei den beiden großen Trafficlieferanten kann es zu Problemen kommen, die im Zweifel ein komplettes Unternehmen gefährden können. Um diese Probleme schon von Anfang an zu minimieren, sollte man sich fragen:

Wie kann ich meinen Traffic diversifizieren, um nicht nur von Facebook oder Google abgängig zu sein?

Es gibt ein paar spannende Alternativen, die man in jedem Fall mit nutzen sollte.

Die Alternativen zu Google und Facebook

1) Community aufbauen

Der nachhaltigste und beste Kanal ist tatsächlich die eigene Community.

Das ist natürlich nicht für jedes Produkt machbar, aber wenn ihr eine starke Fangemeinde um einer Produkt oder eure Dienstleistung herum aufbaut, kommen diese Nutzer immer wieder zu euch zurück, empfehlen es an Freunde weiter und stärken somit die Marke.

Der Aufbau der Community sollte möglichst nicht (nur) über Facebook erfolgen, da ihr euch so wieder in Abhängigkeit von einem Drittanbieter begebt. Facebook kann hier sehr hilfreich sein, sollte jedoch nicht das einzige Mittel sein.

2) Email-Marketing / Newsletter

Mit Hilfe eines eigenen Newsletters könnt ihr interessierte Nutzer stark an euch binden. Dazu gehört auch der Communitygedanke aus Punkt 1.

Vorteil: Wenn ihr gute Inhalte liefert und die Adressen sauber generiert, dann habt ihr eine hohe Zustellbarkeit, niedrige Abmeldequote und dauerhaft guten Traffic über diesen Kanal.

Ihr könnt natürlich auch Newsletter oder Standalones über fremde Email-Verteiler versenden. Dies geschieht in der Regel auf TKP-Basis (Preis pro 1.000 Empfänger) oder auf CPL/CPO-Basis. Damit erreicht ihr eine Unabhängigkeit im Werbeeinkauf von Facebook und Google.

3) Affiliate-Marketing

Beim Affiliate-Marketing lasst ihr Andere für euch werben. Publisher bewerben euer Produkt in ihrer Nutzerschaft. Ihr zahlt nur eine Provision im Falle eines Verkaufs oder einer Anmeldung.

Damit kann man einfach neue Nutzergruppen erschließen, ohne ein großes Risiko eingehen zu müssen. In Deutschland sind Zanox und Affilinet die relevanten Netzwerke, bei denen man ein Partnerprogramm einrichten kann.

4) Pay-Per-Click Ads

Über sogenannte PPC-Networks wie Ligatus, Outbrain, Taboola oder Plista könnt ihr über Bild-Text Anzeigen Traffic einkaufen. Dieser wird auf Klickbasis abgerechnet. Ihr bestimmt dabei einen maximalen Klickpreis und grenzt die Zielgruppe ein.

Man kann über diese Anbieter wirklich sehr viel Traffic erhalten, sollte jedoch die Entwicklung der einzelnen Kampagnen und Devices immer im Auge behalten.

5) Youtube

Mit einem eigenen Youtube-Kanal lassen sich sehr gut die Nutzer ansprechen, die sich genau für euer Thema interessieren. Youtube ist mittlerweile die zweitgröße Suchmaschine und hat ein enormes Traffic-Potenzial.

Sofern es für euer Unternehmen Sinn macht, solltet ihr einen eigenen Kanal erstellen und regelmäßig Videos veröffentlichen. Vergesst dabei nicht den Link zu eurer Webseite in der Videobeschreibung.

6) Influencer

Lass andere für dich werben!

Influencer sind Menschen, die in ihrer Nische den Ton angeben und durch ihr Vertrauen innerhalb ihrer Zielgruppe und Fangemeinde ein sehr hohes Ansehen haben. Man findet sie auf Youtube, Instagram, Twitter und/oder Facebook.

Handelt mit ihnen oder ihren Agenturen einen Deal aus, damit sie euer Produkt über ihre Kanäle bekannt machen. Es gibt schon viele spannende Cases die zeigen, dass sich Influencer-Marketing lohnt.

Wichtig ist jedoch: Der Influencer muss zu euch passen und authentisch bleiben.

Auf den Punkt gebracht…

Um das Ganze noch einmal auf den Punkt zu bringen: Es ist wie bei den Aktien – versuche deine Trafficquellen zu diversifizieren und du wirst unter dem Crash einer einzelnen Quelle weniger stark leiden. Wer nur auf eine Quelle setzen, agiert riskant und setzt im Zweifel die Existenz seines Unternehmens aufs Spiel.

Autorenprofil:

Patrick Konrad - Gründer der Fabulabs GmbH

Patrick Konrad ist Gründer der Online-Quizplattform „Mein wahres Ich„.

Er und sein Team erreichen regelmäßig virale Content-Hits, die auch für Brands konzeptioniert und ausgearbeitet werden.

Der größte Coup gelang ihm letztes Jahr, als er rund 90 Mio. Nutzer in nur einem Monat auf seiner Seite erreichte.

Außerdem verfasst er auf einem weiteren Projekt der Fabulabs GmbH – Startupakademie.de wertvolle Marketing Tipps und Tricks für Startups.

Weitere Informationen zum Autor findest Du unter: www.fabulabs.de

1 Kommentar zu "Abhängigkeit 2.0 – Funktionieren Startups ohne Google & Facebook?"

  1. Abhängigkeit an sich ist nie gut, aber wenn man es genau betrachtet ist man immer von irgendetwas abhängig egal auf wieviel verschiedene beine ich mich auch stelle. Ob man nun von Google, Facebook, anderen Social Media Agenturen abhängig ist, spielt eigentlich keine große Rolle. Solange man sich dessen bewusst ist und paralell, wie du auch schon beschrieben hast, verschiedene andere Wege aufbaut. Grüße David

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Abhängigkeit 2.0 – Funktionieren Startups ohne Google & Facebook?

Lesezeit: 5 min
1