Nachbarschafts-Netzwerk WirNachbarn: Mehr Zusammenhalt durch aktive Nachbarschaftsgemeinschaften

WirNachbarn

Die Haushalte in Deutschland werden seit Jahren kleiner. Einpersonenhaushalte übertreffen mittlerweile alle anderen Haushaltsgrößen. Gerade in Großstädten kennen viele Menschen kaum noch ihre direkten Nachbarn. Dieser zunehmenden Anonymisierung möchte WieNachbarn.com mit seinem lokalen Nachbarschafts-Netzwerk entgegenwirken und den Zusammenhalt unter Nachbarn wieder stärken. Wie genau, erklärt uns Philipp Götting – einer der drei Gründer im MeinStartup-Interview:

Wer genau sind WirNachbarn, was steckt hinter der Geschäftsidee?

WirNachbarn ist das soziale Netzwerk für Nachbarschaften. Hier können sich Nachbarn austauschen, kennenlernen und unterstützen.

Beim Wort unterstützen denken wir an alle möglichen alltäglichen Dinge, sei es bei der Suche nach einem zuverlässigen Schneider vor Ort oder einem guten Babysitter. Nachbarn können Dinge leihen oder verleihen wie einen Akkubohrer . Oder ein vermisstes Haustier kann über WirNachbarn wunderbar gesucht und gefunden werden.

Auch die Organisation von Straßenfesten oder Garagenflohmärkten über die Plattform sind denkbar. All dies und noch viel mehr geht nur über ein Netzwerk, dass in der Nachbarschaft verankert ist und in dem ich meine Nachbarn treffe.

Unser Ziel ist es, Nachbarschaft wieder zu revitalisieren und Nachbarn zusammen zu bringen, sodass diese eine nachbarschaftliche Gemeinschaft bilden.

Wann und wo wurde das Unternehmen gegründet und wie viel Vorlaufzeit steckt in der Plattform?

Wir, drei Gründer, haben im Juni 2014 WirNachbarn in Berlin gegründet und arbeiten seit August Vollzeit für unser Startup.

Allerdings haben wir bereits im März 2014 angefangen, die Plattform zu entwickeln. Seit Oktober sind wir jetzt Beta-Live. Das heißt, seit diesem Zeitpunkt hat jeder Internetnutzer die Möglichkeit unsere Webseite zu besuchen und zu benutzen.

Wie seid Ihr auf die Idee eines Nachbarschaftsnetzwerkes gekommen?

Es gab zwei Initialzündungen:

1) Das Buch „Bowling Alone“ von Harvard-Prof Robert Putnam, dass sehr spannend analysiert wie die Gesellschaft anonymer wird, soziale Kontakte verloren gehen und gleichzeitig erste Gedankenanstöße lieferte, wie dem Trend entgegen getreten werden kann.

2) Der Erfolg von Nextdoor.com in den USA.

Inwiefern dient Euch das amerikanische Nextdoor als Vorbild?

Wie eben schon kurz erwähnt, war der Erfolg von Nextdoor ein Treiber zur Gründung von WirNachbarn. Insgesamt gibt es ja viele unterschiedliche Nachbarschafts-Netzwerke auf der ganzen Welt, selbst in China.

Nextdoor setzt im Gegensatz zu anderen Nachbarschaftsnetzwerken auf Qualität vor Verbreitungsgeschwindigkeit.   Das heißt, es wird besonders Wert gelegt auf  eine Überprüfung der Mitglieder, klar definierte Nachbarschaften und  Kooperationen mit Stadtverwaltungen.

Diese Werte und Ziele haben wir in unser Projekt mit aufgenommen. Wir sind aber deutlich emotionaler als Nextdoor, folgen Deutschen Datenschutzgesetzen und speichern unsere Daten ausschließlich auf Deutschen Servern. Diese Datenschutzqualität ist insbesondere in Berlin ein wichtiges Argument.

Was macht WirNachbarn besonders und habt hierzulande bereits Mitbewerber?

WirNachbarn unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von anderen sozialen Netzwerken:

Nachbarschaften sind lokal begrenzt, privat und geschlossene Bereiche, das bedeutet: Inhalte sind nicht zu googlen. Wir bieten eine einmalige Qualität: nur echte Namen, echte Nachbarn. Die Authentizität eines jeden Users wird überprüft. Unser Netzwerk verbindet Menschen, die nah beieinander wohnen; ich treffe Leute, die ich vorher nicht kenne.

Die Lokalität, echte Namen und Nachbarn sowie die Verknüpfung mit Unbekannten in der Nähe ist eine einmalige Kombination: Mir kann direkt vor Ort von vertrauenswürdigen Leuten nachbarschaftlich geholfen werden. Außerdem setzen wir auf Deutschen Datenschutz und haben unsere Server in Deutschland.

In Deutschland sehen wir derzeit keine Mitbewerber. Es gab mit Wir.de oder allenachbarn.de zwar bereits Versuche in eine ähnliche Richtung, allerdings sind diese schnell wieder verschwunden.

Mit Polly & Bob kommt bald in Berlin ein weiteres aber kostenpflichtiges Angebot. Wir wollen für alle Nachbarn sein und bieten die Plattform deshalb für alle kostenlos an.

Wie viel Geld habt Ihr bis zum Start in die Hand genommen und auf welcher Entwicklungsstufe befindet Ihr Euch aktuell?

Bisher sind wir eigenfinanziert; d.h. wir drei Gründer haben Geld in einen Topf geworfen und arbeiten zur Zeit ohne festes Einkommen. Wie viel Geld für eine GmbH notwendig ist, ist ja bekannt.

Wir planen für Anfang 2015 erste Investoren an Bord zu holen. Unsere Website befindet sich noch in der Beta-Phase und wir konzentrieren uns zudem darauf die Nutzerbasis in unseren Pilotstandorten Berlin, Köln und Wermelskirchen zu stärken.

Ab Mitte 2015 wollen wir in weiteren Städten aktiv werden. Seit Kurzem ist außerdem unsere App für Android zum Download verfügbar.

Wie sieht es mit der Monetarisierung aus – gibt es schon Geldrückflüsse?

Für uns steht im Fokus, Nachbarschaften zu beleben und Nachbarn zu begeistern. Gemeinsam mit unseren Nutzern verbessern wir Schritt für Schritt unser Angebot.

Wir schätzen, dass wir frühestens in drei Jahren anfangen werden, über Werbung unser Projekt zu finanzieren.

Die Werbepotentiale eines sozialen Netzwerkes können dank der positiven Erfahrungen von anderen sozialen Netzwerken bestimmt werden.

Was wäre die Wunschschlagzeile für WirNachbarn, welche so in einem Jahr gedruckt werden sollte?

WirNachbarn bringt Nachbarn in Deutschland wieder zusammen!

Gibt es bereits wichtige Meilensteile in der noch jungen Unternehmensgeschichte und was genau ist für die kommenden Monate alles geplant?

Bedeutende Meilensteine waren mit Sicherheit die Freischaltung der Website im Oktober und die Fertigstellung der App. Aber auch die Gründung der 50. Nachbarschaft in Berlin würde ich dazu zählen.

Ab Mitte 2015 wollen wir unsere Aktivitäten auf weitere Städte ausweiten und auf uns aufmerksam machen.

Zudem ist es für uns wichtig, das Nutzungserlebnis unserer Seite deutlich zu verbessern und weitere – von unseren Nutzern gewünschte – Funktionen anzubieten.

Außerdem steht eine englische Version von WirNachbarn und die Optimierung der Website für die mobile Nutzung auf der To-Do Liste.

Welchen Rat sollten Gründer unbedingt mit auf Ihren oftmals steinigen Weg mitnehmen?

Gerade in den ersten Monaten ist die Erlebnis- und Gefühlsvolatilität sehr hoch. Zwischen Aufbruch, Frustration, Begeisterung, genervt Sein und Freude liegt manchmal weniger als ein Tag – und das alles in deutlich stärkerer Intensität als im Angestelltenalltag.

Als Gründer ist es wichtig, nicht den Überblick zu verlieren, Geduld zu haben und einen kühlen Kopf zu bewahren. Denn wir sind die letzte Instanz. Verantwortlich für alles. Es gibt keine Ausflüchte. Es ist wunderbar.

Gruender_WirNachbarn


Das WirNachbarn Gründerteam

Stellt Euch abschließend bitte ein wenig näher für unsere Leser vor?

Bevor wir uns auf das Abenteuer WirNachbarn einließen, haben wir klassische Karrieren in Großkonzernen mit verschiedenen Schwerpunkten gemacht: André (COO/CFO) in der Projektfinanzierung bei UniCredit als Associated Director, Aymon (CPO/ CTO)  in der Software Entwicklung bei Sabre und ich als Marketing Direktor bei Celesio UK.

André und ich sind für WirNachbarn nach Berlin gezogen, Aymon wohnt in Frankfurt und unterstützt uns von dort aus.

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